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Der Israelit · 1936-09-24 · Heft 39 (24.9.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 39 D Ii t ^^^*^^^?^^^^S5^^3^^55? 24. September- 1,936 Smilanslq bekennt weiter: „Nicht alle sind wir in einer religiösen Atmosphäre großgezogen worden. Aber trotzdem: Pessach, Schwuaus, Sukkaus und Sabbat gaben unserer kleinen Welt den Inhalt. Ich sehe meinen. Vater unter verschiedenen Gestalten, je nach der Jahreszeit: am Pessach als König, am Sukkaus als Baumeister. In welcher Gestalt leben wir in der Vorstellung unserer Kinder, wenn wir keinen Sabbat und kein Fest haben, wenn sie uns stets nur in den Arbeitskleidern hasten und eilen sehen? Wir haben die alte Tradition abgelegti wo sind 'die neuen Gewänder, die wir an ihrer Stelle angelegt hätten? Die Wochentägigkeit beeinflußt unser ganzes Leben und es steht zu befürchten, daß sie uns und unseren Kindern die Seele raubt. Wir haben nichts neues geschaffen, da sollten wir doch vielleicht überlegen, ob wir nicht zum Alten zurückkehren. Vielleicht geben wir doch dem Sabbat seine alte Gestalt, .mit sauberer Tischdecke, mit Sabbatlichtern -und Blumen, mit Smirothgesängen. Warum sollen wir das „Escheth Chajil"-Lied abschaffen? Sind denn etwa die Worte; D1D JIM iTB3 '"1SÖ „Aus ihrer Hände Frucht hat sie den Weinberg gepflanzt," nicht mehr aktuell für unsere Gegenwart? Es ist auch nicht einzusehen, warum das L e c h o daudi, das Lied der Sabbatbraut, unserer Erlösungssehnsucht, die wir doch hier erfüllt sehen möchten, widersprechen sollte; Warum kennen unsere Kinder all das nicht?" Und zum Schluß erzählt Smilansky ein Erlebnis mit Achad Haam: „Als der große Achad Haara einmal die Talmud t h o r a s c h u 1 e in unserer Kolonie (Rechowoth) besuchte und dann auch die moderne Schule, meinte er: „In der Schule fand ich ein tieferes Eindringen in den Text, als in der Talmudthora; was mir aber in der Schule fehlt, das ist der Nigun (Melodie), den wir in der Talmudthora hörten. Und ich fürchte stark, daß . durch die Grammatik und Forschung d e r N i g u n nicht ersetzt wir d." Ein tiefes Wort, das sich die Erzieher und Lehrer merken sollten ,; <- * Seitdem diese Erkenntnisse und Bekenntnisse ausgesprochen wurden, ist ein halbes Jahr verflossen, ein Sommer der Schrecken. Tage ballten sich zu Wochen und Wochen zu Monaten, die mit blutiger Schrift uns vor Augen führten, daß der Boden allein nicht die Religion Palästinas sein kann Und daß die Verleugnung der Väterideale ' in der Erziehung Vielen in schwerer Zeit den letzten' Trost, den Aufblick und den Aufschrei zü G'tt, genommen haben. Wir hätten keinen sehnlicheren Wunsch, als daß die Herren sich in den heiligen Tagen all die schönen Worte des Bekennens nocheinmal vor die Seele führen und sich ernstlich vornehmen, sie in Taten umzusetzen. Die Zeit ist günstig für Einkehr und Umkehr, und es ehrt mutige Männer, umzulernen und umzukehren, wenn sie erkannt haben, daß der bisher;ieingeschlägene Weg der falsche war. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Juden keine Beisitzer im Spruchausschuß des Arbeitsamtes. - Berlin, 13. Sept. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat .durch einen Erlaß das Amt des Beisitzers im Sprachausschuß eines Arbeitsamtes al& öffentliches Amt im Sinne des Reichsbürgergesetzes erklärt. Ein Jude kann daher; Die Woche. Berlin. Am 3. Oktober wird die Kleinkunstbühne des Jüdischen Kulturbundes Berlin im Schumann-Saal, Lützowstr. 76, unter der künstlerischen Leitung von Max Ehrlich wiedereröffnet. — Die erste Aus= Stellung' des Jüdischen Museums^ Berlin, Oranieribungerstr. 31, ist dem Andenken an , den vor zehn Jahren verstorbenen Berliner Maler Max Fabian gewidmet, Sie beginnt am Sonntag, den 20. September, 10 Uhr und ist täglich außer Sonnabend 10 bis 14 Uhr zu besichtigen. — Im Klubheim des Jüdisehen Frauenbundes-, Marburgerstraße 5, eröffnet das Sekretariat für Bildende Kunst im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde am Sonntag, den 4. Oktober, eine neue Ausstellung mit dem Titel „Kunst vom Sommer 1936". München, Nach einer Bekanntmachung des Venbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden ist die Kultusgemeinde Ulistadt als aufgelöst erklärt worden. Wien. In einem Artikel über die Juden im Kriege 1868 in„der „Jüdischen Front" wird darauf hingewiesen, daß zehn jüdische Aerzte in der österreichischen Flotte bei der siegreichen Seeschlacht gegen die Italiener bei Lissa gedient haben. —r Wie das österreichische Exportförderungsinstitut mitteilt, ist die Zahl un gsmoral in Palästina trotz der schwierigen Verhältnisse weiter erstklassig. Es treten für österreichische Firmen, die Schulden im Lande haben, keinerlei Verzögerungen ein. Wilna. Am 16, September, Erew Rosch Haschana, feierte der sephardische Oberrabbiner in London, Dr. Moses Gast er, seinen 8 0. Geburtstag. In Würdigung der Ver- - dienste des Jubilars um die Förderung der jiddischen Sprache und Literatur und seiner Arbeiten auf dem Gebiet des Altjüdisc'hen — Dr, Gaster hat das klassische „Maasse=Buch" ins Englische übertragen und in zwei Bänden bei der Jewish Publication Society of America in Philadelphia herausgegeben — veranstaltet das Jiddische Wissenschaftliche Institut in Wilna eine feierliche wissenschaftliche Sitzung unter Beteiligung von Vertretern aller dem Institut angeschlossenen Gesellschaften. Bukarest. Der jüdische Boxer Motie Spakov, der vor kurzem zrum elften Male den Am'ateurmeistertitel Rumäniens im Schwergegewicht errang, hat mit Rücksicht auf antisemitische Kundgebungen von unglaublicher Roheit, die sich während des letzten Meisterschaftskampfes ereigneten, auf den Meistertitel verzichtet und sich vom Boxsport zurückgezogen. Gleichzeitig teilte Motie Spakov mit, daß er den in seinem Besitz befindlichen silbernen Preispokal dem Verband zur Verfügung stelle. Paris. Das Zentralkonsistorium der französischen Juden bat ein Büro zum Studium und zur Bekämpfung der anwachsenden antisemitischen Bewegung in Frankreich gegründet; Gleichzeitig hat das Konsistorium an die jüdische Bevölkerung den Appell gerichtet, sich unverantwortlicher individueller Kundgebungen zu enthalten. London. Der 36jährige Alexan* der Raven Thomson, einer der faschistischen Unterführer aus der nächsten Um-. gebung Oswald MosleyS', wurde von.... dem Polizeigericht der Old , Street wegen Beschimpfung* der Juden und aufreizenden Verhaltens verwarnt und zur Hinterlegung einer Kaution von zehn Pfund verurteilt. Madrid, Die Polizei hat im Hause des , Vorsitzenden der Madrider J.ü - . _ d i s c h e n Gemeinde, der einige Mo5 nate im Ausland geweilt hatte, eine Häu'ss u c hun g' durchgeführt. Athen. Während seines Urlaubsaufenthaltes auf Korfu hat König Georg II. von Griechenland eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung unter Führung des Rabbiners von Korfu, Jacob' N e h a m a , empfangen. Der König erkundigte sich . nach der Lage in Palästina, sprach sein Bedauern über' die Unruhen und die Leiden <ler jüdischen Bevölkerung aus und brächte die Hoffnung zum Ausdruck, daß das jüdische Aufbauwerk schließlich erfolgreich rsein werde. Chicago., Präi sident R o.q,s e v e 11. hat an den Mityorsttzenden der Patriotic Foundation Barnet Hodes ein Schrieiberi gerichtet, in dem'er den Plan, dein tun den Sieg der amerika? nischen Ünabhängigkeitsbewegunjg, verdienten, jüdischen Bankier. Chaim S a 1 o m q h ein D e n k m a V zu errichten, aufs wärmste begrüßt, '" nicht Beisitzer im Spruchausschuß sein. Der Nachweis der deutschblütigen Abstammung eines Beisit- : zers ist nach den Vorschriften für die Spruchbehör- ' den der Reichsversicherung zu erbringen. Jüdische Medizinalpraktikanten nur noch in jüdischen Krankenhäusern. B e r 1 i n , 15. Sept. In einem amtlichen Verzeichnis der Krankenhäuser und Institute, die zur Annahme von Medizinalpraktikanten bis auf weiteres .durch iden Reichsinnenminister ermächtigt worden sind, sind auch diejeni« gen Anstalten aufgeführt, die im Eigentum oder unter ärztlicher Leitung von Juden stehen und die künftig nur noch zur Ai^ahme, von, jüdischen., Medi-'. zinalpraktikanten ermächtigt sind, ,„ Ä!. der Neue Ausweiskarten des Reichs Verbandes jüdischen Kulturbünde, , Berlin, -20.!. Sept. i Der Reichsverband der Jüdischen ..Kulturbünde iix Deutschland teilt mit: ' Die .(blauen) Reichsverbandsau&weiskarten sind am 30. September 1936 abgelaufen. Es gelangen nunmehr neue , (grüne) R.-Karten für die Zeit vom 1. Oktober 1936 bis 30. September 1937 zum Preise von RM. 1.— zur Ausgabe. Es wird nochmals' darauf hins : gewiesen, daß alle künstlerischen Veranstaltungen im; jüdischen Bezirk, nur :mit . diesen Ausweisen oder •Kulturbund-Karten besucht werden können, Die Ausgabe erfolgt gegen Vorlegung einer behördlichen Legitimation bei den bekannten Zahlstellen des Kulturbundes. Paßbild oder alte Karte mit Bild ist mitzubringen. Die Geltungsdauer für die (roten) Mitgliedskarten für aktive Mitglieder (Künstler) wird bis zum 31. Dezember 1936 verlängert. Die ärztliche Behandlung von jüdischen Kassenpatienten. Berlin, 20, Sept. Gemäß einem Bescheid des Reichs- und Preußischen Arbeitsministers vom 24. Juli 1936 steht die Kassenärztliche Vereinigung- Deutschland® nach wie vor auf dem Standpunkt, daß jeder Kassenarzt verpflichtet ist, Kranke, die sich durch einen Kassen* schein als zur Sozialversicherung gehörig ausweisen, in ärztliche Behandlung zu nehmen, gleichviel welcher Rasse und Religion der Kranke angehört. Kein „Halleluja" im deutsch-christlichen G'ttesdienst. Berlin, 20. Sept. In einem Bericht der „Tilsiter "Zeitung" über eine Bezirkstagung der Reichsbewegung „Deutsche Christen" wird mitgeteilt, daß der Gauobmann, Superintendent Friczewski=Königsber.g, auf die neuerliche- Weglassung des „Halleluja" (weil hebräisch und fremd) bei den G'ttesdiensten hinwies und erklärte, daß noch vieles andere als fremde Form weggelassen werden müsse. Gefallenen-Gedenktag in Berlin. , ' ' Berlin, 20. Sept. Wie alljährlich an dem Sohntag zwischen Rpsch- Haschana und Jörn Kippür fand auch in diesem Jahre in der Neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße eine Gedenkfeier für die im Weltkriege gefallenen: Juden des deutschen. Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen statt. Die Feier wurde vom Landesverband Berlin und Mark fm Reichsbund jüdischer Frontsoldaten durchgeführt. Nachdem der feierliche Einmarsch der Fahnen erfolgt war, hielt der ehemalige Feldrabbiner Dr, S a - l:o m o n s k i die Gedenkprediigt mit anschließendem Gebet, Das E' mole rachamim sowie Chorgesärig umrahmten die eindrucksvolle Feierstunde. ' Anschließend begab sich der Reichsbund nach dem Friedhof in Weeßensee, wo ein Lorbeerschild an dein Gefallenendenkmal in dem '.Ehrenhäin des Friedhofes niedergelegt wurde. Fast tausend jüdische ehemalige Frontsoldaten waren zu dieser..Feier ' angetreten. ' Die Gedenkrede hielt hier.". der ehemalige tfeldrabbiner Alex a nder. ' Die Feier. schloß Mit eäner Deklamation eines 'Geidichtes, das 'rfen gefallenen Kameraden gewidmet ist, '"-if-t "riMi irr^n'V1 i '~~\ iii'"1

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