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Der Israelit · 1936-09-24 · Heft 39 (24.9.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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24. September 1936 Der Israelit Nr. 39 Seite 5 jener Aktion stellte, auch heute zu den blutigen Vorgängen in Palästina eine Haltung einnimmt, die nichts weniger als gerecht und judenfreundlich angesprochen werden kann. „Man kann es dem Araber nicht verdenken," schreibt das Blatt u, a., V1daß er im Angesicht der jäh wachsenden jüdischen Einwanderung in. Furcht gerät, sein Heimatrecht zu verlieren, und sich dagegen zur Wehr setzt. Daß die sich rapid häufenden Einwanderer durch rücksichtslose Geschäftspraktiken die Verdrängung arabischen Grundbesitzes und nicht selten anmaßliches Auftreten die Araber geradezu herausgefordert haben, ist zweifellos." Die „Reichspost" behauptet, daß die Zionisten entwurzelte Existenzen, Leute, die mit ihrem religiösen Bekenntnis längst gebrochen haben, und bolschewikisch verseuchte Elemente ins Land gebracht hätten. Vielleicht sähe es die Mandatsmacht nicht ungern, meint das Blatt, daß die Araber ihr die Mühe abnehmen, die hochgespannten Forderungen der Juden etwas einzudämmen. Tatsächlich werde die jüdische Bevölkerung durch die großen Verluste an Gut und Blut eingeschüchtert und vielleicht auch nachgiebiger. Wahr an diesen Behauptungen ist nur, daß Leute, die ihr religiöses Bekenntnis über Bord geworfen haben, sich unter den Juden Palästinas befinden. Die Auseinandersetzungen mit diesen muß die „Reichspost" aber uns selber überlassen. Daß „entwurzelte Existenzen" und gar „bolschewikisch verseuchte Elemente" die Oberhand im Jischuw hätten, ist eine glatte Unwahrheit, die vielleicht auf eine falsche Information des Berichterstatters zurückzuführen ist. Es sind die brauchbarsten jüdischen Elemente, die allerdings — ohne ihr Verschulden — in Europa vielfach Schiffbruch erlitten haben, die das gewaltige Aufbauwerk in Palästina zustande gebracht haben. Und was den Bolschewismus betrifft, so ist daran zu erinnern, daß vor kurzem auf einer internationalen Arbeiterversammlung in Amerika die Vertreter Palästinas in schärfster Weise Stellung gegen das Häuflein jüdischer Kommunisten in Palästina nahmen, die es sogar fertig bringen, mit den arabischen Kommunisten gegen die Juden gemeinsame Sache zu machen. Geradezu widersinnig mutet der letzte Satz von „den Verlusten, die die Juden versöhnlicher und nachgiebiger stimmen könnten." Es ist aller Welt bekannt und von höchster Stelle in London und Jerusalem wiederholt ausgesprochen worden, welche b e w u n d e r n swerte Ruhe und Beherrschung der neren Teile Händler. Sie verkehren viel im mo» hammedanischen Viertel, wo sie Kunden haben und ihr Gewerbe ausüben. Im Ghetto begegnet man sehr vielen Gelehrten, die sich mit Bibel und Talmud, auch mit Kabbalah befassen. Sie sind sehr stolz auf die talmudischen Größen, die Marokko in den letzten Jahrhunderten hervorgebracht hat. Wenn man mit ihnen spricht, nennen sie eine ganze Reihe von großen Namen, die im Abendlande etwas weniger bekannt sind, aber im nahen Orient heute noch das geistige Leben beeinflussen. Ihre religiösen Gebräuche unterscheiden sich kaum von den anderen sephardischen Gepflogenheiten. Eigentümlich mutet die Institution der „Klageweiber" an, Sie werden bei Todesfällen gegen Entgelt bestellt, um den Toten laut zu beklagen und mit Trauer* liedern zu beweinen. Neben Tetuan gibt es noch andere kleinere jüdische Gemeinden. So leben einige hundert Juden in S c h e c h a w a n, einer Stadt, (die vom Bergesgipfel wie ein Adler auf das Mittelländische Meer herabschaut. Die politische Lage der Juden in Spanisch-Marokko war schon vor Ausbruch der Unruhen nicht gerade glänzend. Es gab ständige Reibungen mit fanatischen Mohammedanern, aber auch die spanische Regierung hatte wenig getan, um das Leben der Bewohner, vorab der Juden,, zu erleichtern.. Auch auf Gibraltar, das in die Unruhen einbezogen ist, wohnen sephardische Juden, die von Nordafrika und anderen Gegenden schon vor über tausend Jahren dahin gekommen sind. Vier Syna* gogen erbeben sich auf dem Felsen. Die Juden genießen 'dort alle Freiheit, haben aber für ihren Handel keine großen Absatzgebiete, weil außer den engjüdische Jischuiw allen schweren Herausforderungen entgegenbrachte und bringt. Wir wollen hoffen, daß diese Ruhe und Selbstbeherrschung noch weiter anhalten, um lieblose Ausführungen, wie wir sie hier lesen, ad absurdum zu führen, Bei der Gelegenheit sei mit; Befriedigung festgestellt, daß eine Mitteilung der „Stampa" Kurz vor Ausbruch der Unruhen fand in der Siedlung Beer Tuwja eine Konferenz von kulturellen Führern und an nationalen Schulen tätigen Lehrern in Palästina statt. In den Referaten und Aussprachen hörte man u. a. folgende Klagen und Anklagen: „Unseren Kindern fehlt die Ehrfurcht vor den Aelteren." „Die Kinder empfinden Langeweile und suchen, sie im Sport oder in Fußball bis zum Aufbrauch aller Kräfte zu ertränken." „Der Sport ist unseren Kindern zum Kulte der inneren Leere geworden." „Das Kind hat kaum noch Interesse für Thora und Wissen, es mag weder lernen noch lesen, .noch sich an einem ernsten Gespräch beteiligen." In der Abkehr von der Geistigkeit und dem religiösen Leben wird die Quelle alles Uebe's erblickt. „Die Arbeit kann nicht Religion sein und die Wirtschaft kein Kult." „Unsere Kinder sind nicht schlecht, sie sind weit natürlicher und reiner als wir es in diesem Alter waren. Das Unglück liegt nur darin, daß unsere Kinder keinen Unterschied sehen zwischen Sabbat und Werktag. Abgesehen von der Sabbatruhe, die auch als solche nicht immer strikte durchgeführt wird, gibt es keine Spur von Sabbat- und Feststimmung im Hause. Wir hängen noch an alten und heiligen Erinnerungen, die im Leben des Tages irgendwie nachwirken, unsere Jugend weiß aber von all dem nichts mehr. Sie kennt einen Wochentag der Arbeit und einen Sabbat ohne Seele, ohne Heiligkeit, ohne Nahrung für die Neschomo. Von den Eltern können sie nichts lernen, da sie dem Elternhause ganz entfremdet sind- Die Kinder selbst fangen an zu empfinden, daß ihr Leben des Inhalts entbehrt. Es fehlt die Atmosphäre der Schul, des gemeinsamen Gebetes, des Lernens nach dem G'ttesdienst ..." „Das Schulprogramm muß einer gründlichen Revision unterzogen werden. Warum lehren wir in unseren Schulen nicht Tnach im Original? löschen Soldaten und Tourist««, sich dort kaum eine freie Bevölkerung bewegt. Was der Ausgang des Bürgerkrieges den Juden in Spanisch-Marokko (aus dem europäischen Spanien sind die paar tausend Juden zum größten Teile geflüchtet) bringen wird, bleibt abzuwarten. Neue Schokken-Bücher. Die Presseabteilung der Reichsvertretung teilt mit: Die Schulabteilung der Reichsvertretung gibt in diesen Tagen in Zusammenarbeit mit dem Schocken- Verlag folgende Lesehefte heraus: Heft 12, Leopold Kompert, Eine Auswahl aus seinen Schriften, herausgegeben und eingeleitet von E. Gut. Preis 25 Pfg. — Heft 13, Der Kampf um 'die Berafsumschich* tung, Ein Ausschnitt aus der Geschichte der Juden in Deutschland, von Sucher B. W*e i n r y b. Preis 40 Pfg. — Heft 14, Speeches of British Statesmen on Judaism and Zionism, edited with glothery and notes by Philipp A r o n s t e i n. Preis 33 Pfg. — Heft 15, Das gesetzestreue Judentum, von Josef Cariebac h. Preis 33 Pfg. Die neuerschienenen Hefte sollen ebenso wie die bisherigen dem großen Mangel an billigen Stoffpublikationen für den Gebrauch an Schulen, Bünden und Institutionen der Erwachsenenbildung abhelfen. Durch Vereinbarungen ist es ' gelungen, den Preis dieser Hefte entscheidend herabzusetzen, so daß sie jetzt statt 40 Pfg. 25 Pfg. bezw. statt 50 Pfg. 33 Pfg. kosten. Diese Preisermäßigung gilt auch für die bereits früher erschienenen Hefte. Durch diese Verbilligung werden sicher diese Lesehefte in, wesentlich vergrößertem Umfange Verwendung finden können und hierdurch günstige Vorbedingungen für die Durchdringung des Unterrichts in Rom, wonach der Vatikan an die englische Regierung mit der Bitte herangetreten sei, den arabischen Forderungen nachzugeben und die jüdische Einwanderung einzustellen, nach einer Bekanntmachung von offizieller römischer Stelle, vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Wenn die talmudische Agada erzählt, daß nach der ersten Uebersetzung der Bibel ins Griechische eine dreitägige Finsternis über die Welt kam, so ist festzustellen, daß nach Ausschaltung der Thora zu Gunsten einer biblischen Geschichte wohl keine Finsternis über die Welt kam, aber eine schwere Finsternis in unsere und unserer Kinder Herzen einzog, vielleicht, was G'tt verhüten mag, auch für spätere Generationen. Es ist nicht zu glauben, daß unsere Kinder ihre Seele für das Lesebuch einmal so hergeben könnten, wie unsere Väter ihr lieben für das alte Chumisch hergaben." Diese Bekenntnisse von Führern und Erziehern des neuen Jischuw greift der bekannte Bauernführer und Schriftsteller Mosche Smilanski auf, um sie zur Unterlage seines eigenen im „Hahed" und in anderen E. J.-Blättern abgedruckten „Widui" zu machen. „Selten noch/' so schreibt Smilanski, „haben Worte einer Konferenz so gewaltigen Eindruck auf mich gemacht, wie diese über die Mißerfolge der jüdischen Erziehung. Sie trafen in eine blutende Wunde. Ich kam in jungen Jahren ins Land als ein Freigeist und hielt es für nötig, auch den Chinuch auf den areligiösen Nationalismus zu stellen. Ich zog diese Konsequenzen für meine eigenen Kinder, als ich mir ein Haus errichtete, und lange Jahre glaubte ich, es sei dies die richtige Methode und ich unterstützte sie in öffentlichen Aemtern nach Kräften. Und nun kam die große Wandlung in mir. Ich will nicht genau erzählen, wie dies kam, es würde zu weit führen, aber ich sah die junge Generation und erschrak. Das Alte in mir war gestürzt und etwas Neues entstand nicht. So zog ich mich von allen öffentlichen Erziehungsangelegenheiten zurück. Nun aber kam die Konferenz in Beer Tuwja und das Entsetzen jener Menschen, die nach Hoffnungen und Enttäuschungen sich ehrlich die Wahrheit eingestehen, riß auch in mir wieder die alte Wunde auf." va.it jüdischem Stoff schaffen helfen. Das von E. Gut zusammengestellte Heft über Kompert, das eine Auswahl aus dessen Schriften bringt, wird im wesentlichen wohl im Deutschunterricht an Schulen als Ergänzung des Lektürestoffes Verwendung finden. Die Zusammenstellung der Reden englischer Staatsmänner über jüdische Fragen von Philipp Aronstein bringt geeignete Stoffe für den englischen Unterricht an Schulen und auch an den Sprachkursen anderer jüdischer Institutionen. Durch das Heft von Oberraibbiner Carlebach wird die Reihe der Darstellungen jüdischer Richtungen fortgesetzt. In dem Heft von Sucher B. Wemryb werden die jetzt so aktuellen Fragen der Beruf&umschichtxmg?m historischen Zusammenhang erörtert. Wochenkalender. Vom 26. September bis 3. Oktober 1936 / Vom 10. — 17. Tischri 5697 nsv Jp 26 wnn Samstag 10 n TIM DT Sonntag 27 11 l Montag Sept. 28 12 T Dienstag 29 13 n Mittwoch 30 14 t> 'b'wan a-w mao a*w Donnerstag Okt. 1 15 » matn 'k Freitag 2 16 K> nwon 'a Samstag 3 17 a» nyinn natf I Erkenntnisse und Bekenntnisse im neuen Jischuw.

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