Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr, 38 Der Israelit 16.. S epjtepb er, 1936 Das Glücke jetzt in* ' der"' Höifiiatsitadt Sehr et ter zu sein, machte wenig EindHncKauf.; ,&n Schön-am ersten Tage schnüffelte er seine Unigebung nach mutin,aßlichen jA/ussichten für .die Zukunft aus. " Wie mit'-einem Brett vernagelt, brummte er der tauben Muhme ins Ohr, als er mißmutig heimkam. Er machte der guten Alten schon das Leben sauer und jagte sie herum, um wenigstens ein bißchen Herr spielen zu können, denn der karge Lohn als Schreiber langte nicht zu einer Magd. Ihn schauderte vor der Verkommenheit des väterlichen Besitzes, ihn aber. ,zuverkaufen', fiel ihm nicht ein. Notdürftig Heß eir von den letzten, nicht vergeudeten Sparpfennigen die Zimmer ein wenig in Ordnung bringen und schuf sich eine ihm genehme Behaglichkeit. Das Trei ben aus der Stadt wagte er jedoch hier nicht fortzusetzen. Die Heikenbrunrier Mädchen würden sich für diesen Zuwachs bedanken. (Fortsetzung folgt;) Und Jahre kommen und vergehen. Von Bea-Chorln. Und Jahre kommen — und vergehen Und wie ein Lied verhallen Menschenleben. Du hast genommen, was Du einst gegeben, Wie könnten wir vor Deinem Thron bestehen! Wir sind die Herde — Du bist unser Hirt,; Wir sind wie Laub dm Wind, Du aber dauerst, Wir sind gebunden in ein Taggeviert, Du aber ragst von Ewigkeit ummauert. Wie soll ich, Zeitenloser, Dich begreifen, Der mich zerbrach wie dürres Holz? Laß meine Demut wie ein Saatkorn reifen, Laß mich den Saum nur Deines Mantels streifen, Den leuchtenden, im Licht des Sonnegolds. Wir kennen nicht das Los, das uns beschlossen, Wir kennen nicht das Ziel, das Du gesetzt, Wir stehen. Zitternde, von Furcht umschlossien, . Scheu wie das Wild, das man zu Tode hetzt. Vergiß uns nicht, vergiß nicht unsrer Toten, Weis' uns den Heimweg, denn wir wurden müd: Entbiete Deinen längstverheißnen Boten, Der wie die Feuersäule vor uns zieht. (Aus dem soeben erschienenen Gedichtband;,Das Mal der Sendung" von Fritz Rosenthal (Ben=Chorinl, Verlag B. Heller, München 25, Preis Mit. 1.80.) den JTlVsn der Lesartenfehler in "onma d>ö>* Von Rabb. Dr. Merzbach in DarmStadt. Am m aiy und a*"P a"W wird nach iisvs am» eine nn'Vo gesagt, die mit bx — im Anschluß an die vorhergehende "p "|K — beginnt und mit dem Verse schließt: unwa rpipnn pp-^wp«' sb nbs Die sich findenden Uebersetzumgen: „bewahre diese, verstoße säe nicht" oder „bewahre sie, (der du sprichst:) G'tt verläßt nicht" sind unbefriedigend. Warum der üb'ergängslose Wechsel der direkten Anrede in» zur dritten Person vw i<bl Warum der auf ein Sichtbares hinweisende Ausdruck nb«?. Tatsächlich hat sich hier in unseren Ausgaben ein einfacher Punktationsfehler eingeschlichen. Der Vers a"a a~> 'ti ^>xi»p: ayb ib aom mvsb 'n b^&m »a Vinn i»w Tiara ms? 'n v\v ab 'a findet schon im p»nö und später bei den Q'Bnao verschiedenartige Deutungen des Wortes ^'sin» das als „begonnen", „eingewilligt" oder „zugeschworen" erklärt wird. K")p '"t im ni^-m nisnpn schließt sich letzterer Erklärung an, die das Wort von riVx Eid ableitet, und fügt als Bekräftigung an: mw> Kb nbK ttop t5"sn no1 pi So ergibt 'sich, daß die nrrVo einfach zu verstehen ist (selbst wenn man dasi n nicht an n umwandelt): VW> &b nbx mV hüte, bewahre den Schwur ".vw halte, was du geschworen, b^rw"1 nicht zu verlassen. Und auch der Schluß des Satzes fügt sich sinnvoll an, unter Zugrundelegung des top -viaya i»y m 'ri\viü' vb ^nan um Seines Namens willen, um ihn zur Größe zu bringen, so schwur G'tt, wird er bx.~\w> nicht verstoßen; halte den Eid und laß' deinen Namen, der mit uns verbunden ist, groß werden. Auf einen anderen Punktationsfehler sei bei dieser Gelegenheit aufmerksam gemacht/-Vitro» TonS In der-rnnia? des .a~v fmdet-^si^h-^der Satz-ywi; ~pyv bin atni n3wi.,„Er eilte, \d^dß^oXt».iJ^is^b&-x^ilsprengte vom Blut des Böcke«". Vpriera^npchm^H^e, eigehtliijh nötige vierte Äufzalilüiig Hain n'ri pi zu vermeiden — in der ■ miay, i. die> mit; mria nnsbeginnt, ist sie tatsächlich vorhanden — . ist hier kürz' mit jwi die Wiederholung: der bekannten Handlung^, an gezeigt. Es ist klair; daß es, wie' auch in vielen n'iiTn» zu finden ist, nw'i gelesen" werden ihüß'/-'<um „wieder holte" zu bedeuten; ähnlich wie t'naixi paw i\t..: in i*n rrs naio mvn und vielen anderen Stellen. Die . in vielen — auch, an guten.—: Camino - ©ich findende Lesart r-i|Bfi in der H»s?'ö=Form ist durchaus falsch, da sie bedeuten würde „und er änderte" wie jn^asa biv in pip» inrx oder "armvn'sbv in 'n 'K Kni*'; jede«Veränderung macht ja gerade die r-niay gänzlich .^wb, und es sollten daher die ^oin~r-tf>Bri~'>!?3n' die im Sinne des mt\bv ans nnbvn den ^in ]na am a*T. vertreten, darauf achten, richtig 2U lesen. Brief aus der Sommerfrische Gailingen* Um in einer absterbenden Kehilloth nicht ganz zu verschmachten, entschließt man sich wieder, einige Wochen in Erholung zu gehen. Ein Blick in die Liste des Vereins ■ ritueller Speisehäuser erinnert mich-\ an einen Artikel dn einer jüdischen Wochenschrift, wo nach an der badisch-schweizerischen Grenze; ^eihe Gemeinde besteht, i wo noch echt jüdisches Leben sprudelt. Also hiniein in den Zug der bayerischen Kleinbahn, dem Ziele entgegen. In der :württember'- gischen Landeshauptstadt wird zum ersten Male getankt, indem man dort nach dem Schacharis- und zwischen Minchoh- und .Maariw=Gebete durch aktives Lernen Gelegenheit hat, dem jüdischen Gemüte neuen Triebstoff zuzuführen, der ausreicht, bis* uns der D=Zug an den „Mekor Chajim" bringt. Beim Aussteigen aus dem Postauto wurden wir von einem Kreise alter und neuer Bekannter empfangen. Schon beim Abendg'ttesdienste in der über hundert Jahre alten Dorfsynagoge wurden wir vom Raw zu einem Imbiß eingeladen. Der Speisezettel ist an der Kosel Maarowi (dem schwarzen Brett an der; Westseite der Synagoge) angeschlagen: Es wird verabreicht; Gemoro mit Raschi, Misohno Beruro und an den Frühg'ttesdienst angeschlossen, eine weitere Auswahl dieser Art. Als leibliche Kost gibt es Kaffee und Kuchen usw. Unsere Oberin, die sich durch ihre gewissenhafte einzigartige Umsicht, unermüdliche Schaffenskraft und wohltuendes stets freundliches Wesen auszeichnet, hat-das Hauptverdienst, daß wir — Kurgäste und Patienten — im Israelitischen Krankenhaus e uns . wie eine große Familie fühlen. Der Senior unseres" Hauses, Herr Jakob Einstein, weiht unsere Sabbatmahlzeiten mit einem erhebenden Kiddusch, wozu er als „Kauss" den ihm von seiner dankbaren Gemeinde in Württemberg für seine langjährigen Vorbeterdienste verehrten silbernen Becher verwendet. Der G'ttesdienst ist sowohl an den Werktagen wie auch an den Schabbossaus durch den tiefempfundenen, nach echt süddeutschen Chasonus geführten Vortrag desi Lehrers und Chason verschönt. An Schabbos wird Barmizwo gefeiert, und am gleichen Schabbos findet im Israelitischen Krankenhause B r i s s bei einem Chaluzimpaare mit anschließender Seudo statt. Besonders hervorgehoben seien dabei die tiefdurchdachten Thoraworte des Herrn Rabbiners. So scheiden wir nach einigen Wochen, seelisch gehoben und körperlich gekräftigt, von dieser südlichsten Ecke Deutschlands mit dem Gefühle großer Dankbarkeit. Die in der Synagoge gehörten Klänge, die durch den schönen Männerchor besondere Wethe erhielten, waren uns ein reichlicher Ersatz für das an verschiedenen Kurplätzen tagtäglich stattfindende Kurkonzert. Möge es dieser Kehillo, die noch ein weiteres ständiges Minjan in dem so segensreich wirkenden F r i e d r i c h s h e i m besitzt, gemäß ihrer ruhmreichen Tradition ' vergönnt sein, noch laiige, lange Zeit jüdisches Leben und jüdischen Geist zu verbreiten. Briefkasten. X. Y. Wollen^Sie uns bitte Ihre genaue Adresse1 angeben, damit wir Ihnen in der Sache K. schreiben können. ~ A. in F. Mit solchen- Hausdichtiungen kommen wir dem Uebel nicht bei. Besten Dank. Dr. H. M. in H. Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach kann Ihnen die! < nötige Aufklärung geben; Familien-Nachrichten* "! Geburten: Ein Sohn, Josef Wolf und Fraü'; Fanny geb. Hamburg, Tel Awiw, 19. Elul 5696. , straße 3, nsa dt nac« — Manfred, Sohn des. Herrn ■ Israel Tannenwald und;Frau Klara;<geb: Kahn., Ber- .lin N. 54, Gdpsstr; --II,\mao lyin.f i>innap* Synagoge Ar» tilleriestr. 31. . . .; <f; \% \ , V er mahlte: Josef Goldschmidt und Elisabeth ^Wechsler, London. - - r Kinderecke. über die Heiligung des Namens. Aus dem Hebräischen übersetzt von Moritz'Spitzer. "(Aus dem Ahnanach des. Schocken-Veflagsi auf das; . , -. Jahr 5697.) Dem ganzen Haus Israel ist die Heiligung Seines großen Namens geboten, wie gesagt ist (3. Mos. 22, 32): „Geheiligt v^ill - ich werden inmitten'der , Söhne Jißraels", und es ist verwarnt, ihn nicht preiszüge» ben> wie gesagt ist (ebd.'] : „Preisgebet. nicht den ..Na? men meiner Heiligung". Wie ist das zu verstehen? Steht ein Götzendiener auf und nötigt einen aus Israel, daß er eines von all den in der Weisung ausgesprochenen Geboten übertrete, so aber nicht, werde er ihn töten, dann übertrete er und: erleide nimmer den Tod. Denn so ist von den Geboten gesagt (3. Mos. 18, 5):.„als welche der Mensch tut und lebt durch sie" — und lebt durch sie ist gesagt, nicht, daß er durch sie sterbe. Stirbt aber einer-und hat nicht übertreten, dann verschuldigt ein solcher sich um seine Seele. Wovon ist das j^sa^t? Von allen übrigen Geboten, außer von Götzendienst, Entblößung der Scham und Blutvergießen. Von diesen drei Ueb'ertretungen aber gilt: Spricht er zu ihm: Uebertritt eins von ihnen oder du wirst getötet, danni erleide er den Tod und übertrete nicht. Wovon ist das gesagt? Wenn der Götzendiener auf seine eigne Befriedigung ausigeht, etwa wenn er ihn nötigen will, ihm am Sabbat sein Haus zu bauen oder sein Gericht zu kochen, oder dergleichen mehr. Geht er aber nur darauf aus, ihn ein Gebot übertreten zu lassen, dann gilt: Ist er mit ihm allein, und es sind nicht Zehn aus Israel zugegen, dann übertrete er und erleide nimmer den Tod. Nötigt er ihn aber vor Zehn aus Israel zu übertreten, dann erleide er den Tod und übertrete nimmer, ünet wäre jener auch nur darauf aus, ihn bloß ein Gebot von den übrigen Geboten übertreten zu lassen. All dies gilt außerhalb der Stunde eines Verhängnisses. In der Stunde des Verhängnisses, aber, das ' heißt, wenn ein böswilliger König wie Nebukadnezar und seine Genossen aufsteht, und er verhängt über Israel ein Verhängnis, um ihre Glaubenssatzung oder ein Gebot von den Geboten zunichte zu machen, dann erleide er den Tod und übertrete nimmer, und wäre es auch nur eins von den übrigen Geboten, gleichviel ob er vor Zehn genötigt wird wird oder während er mit dem Götzendiener allein ist; . Jedermann, von dem gesagt ist: er übertrete und erleide nimmer den Tod, er aber hat den Tod erlitten und nicht übertreten, der verschuldigt sich um seine Seele. Jedermann, von dem gesagt ist: eir erleide den Tod und übertrete nimmer, und er hat den Tod erlitten und nicht übertreten, der hat den Namen geheiligt, und wenn es vor Zehn aus Israel war, den Namen vor Vielen geheiligt, gleich Daniel, Chänanja, Mis'chael und Asarja, und gleich R. Äkiwa mit seinen Genossen, und das sind die von der Herrschaft Getöteten, über deren Grad es keinen Grad gibt. Sie sind es, von denen gesagt ist (Ps. 44, 23): „Ja, um dich werden' all 'den Tag wir gewürgt, wie Schafe für die SchTachtbahk geachtet;" Sie sind es,' von denen gesagt ist (Ps, 50/' 5); „Ladet mir meine* Holden, die überm Schlachtmahl schlössen meinen Bund!" Jedermann' aber, von dem gesagt ist: er erleide den Tod und .übertrete nimmer, er aber hat übertreten und den Tod nicht erlitten, der hat den Namen preisgegeben, und wenn es vor Zehn aus IsraeJ war, den' Ifemeh vor Vielen' preisgegeben, und da* mit ein' Tätgebot-verletzt, als welches 'die' Heiligühig des Namens ist; und ein Tatverböt 'übertreten, als welches die Preisgabe des Namens ist. Gleichwohl wird er, Weil' er genötigt übertreten hat, vom'Ge^ lichtshof nicht zur Gedßelsträfe, &€schw<eigei «denn zur Tötuifig verurteilt/ und hätte er selbst genötigt getötet. Dehn man/verurteilt zur Geißelstrafe und zur Tötung.' 'niemanden,; er habe "denn mit Willfeh,'' vor