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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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16. September 1936 D? e r I s r a e 1 i t Nr. 38 Seite 9 vielen Kopfwunden blutend bewußtlos in® Kranken- ( haus gebrächt. Schwere Verletzungen erlitten David I Wassermihz, Jakob Medinger, Abraham Friedmann, Mendel Meir Weißenbaum, Benzion Marmelstadt, der 61jährige Leiser Silberstein u. v. a. . •, La Lodz wurde während einer gleichen Mani-, festation der Jude Jakob Glycenstein 'durch Messer» stiche getötet. Der Jude Samuel Goldhorn wurde lebensgefährlich verletzt. Viele andere jüdische Passanten erhielten mehr oder weniger schwere Verletzungen. An zahlreichen jüdischen Geschälten wurden die Auslageferister zertrümmert und Wären unbrauchbar gemacht. Der Beginn de® neuen Schuljahres in Warschau, war dadurch gekennzeichnet, daß Gruppen halb* wüchsiger Schüler an jüdischen Buchhandlungen die Auslagenfenster einschlugen und Boykottzettel verteilten. Hat Ministerpräsident Blum mit General Ridz- Smigly über die Judenfrage in Polen gesprochen? Warschau, 11. Sept. .Die Tageszeitung „Moment" veröffentlicht einen Bericht aus London, demzufolge anläßlich des Besuches des polnischen Generalissimus R i d z - S m i g 1 y in Frankreich bei einer Unterredung des Generals mit dem französischen Ministerpräsidenten Leon Blum die fast täglich in Polen sich ereignenden Judenexzesse zur Sprache gebracht habe, worauf General Ridz-Smigly versichert habe, die polnische Regierung verfolge keine judenfeindliche Tendenz. Sie werde eine Erklärung veröffentlichen, in der sie gegen unterschiedliche Behandlung von Juden auftreten werde. Eine Bestätigung dieser Meldung ist von amtlicher Seite nicht erfolgt. Weitere Ergebnisse der jüdischen Gemeindewahlen in Polen. Warschau, 10. Sept. Ueber den Ausgang der am 6. September in Polen durchgeführten jüdischen Gemeindewahlen liegen folgende weitere Meldungen vor: In Sosnowice erhielt der orthodoxe Block 7 Mandate, in Kalicz erhielten die Aguda 6, der zionistische Block und die Chassidim je 3, 'die Poale Zion 2 und der Bund 1 Mandat. In Tarnow entfielen auf den zionisti6ch»misrachistischen Block 8 Mandate, auf den Bund und die Aguda je 4, auf die Handwerker 2 und auf den Unabhängigen religiösen Block 1 Mandat. In Lomza erhielt die Aguda 6 Mandate, der Bund 4, die Ziönisten und die Poale Zion je eines. In Grodno wurden dem Bund 6, den Poale Zion und der Aguda je 2 Mandate und den Ziönisten 1 Mandat zugesprochen. In Suwalki haben die Zionismen 5, die Misrachisten 2, die Handwerker und der Bund ebenfalls je 2, die Unabhängigen, die Revisionisten und die Parteilosen' je 1 Mandat errungen. In Siedlice - sind auf die Aguda 4, auf den Bund und die Ziönisten je 3, auf die Linksparteien 2 Mandate und auf den Misirachi ein Mandat entfallen. Rumänien. Auf dem Wege zu einem judenfeindlichen Regime in Rumänien? ' Bukarest, 10. Sept. Die unter der Führung Prof. Alexander C. Cuzas und des früheren Innenministers Octavian Goga stehemde Christlich-Nationale Partei hat für .die bevorstehenden Kreiswahlen ein Wahlabkommen mit der von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Alexander Vaida=Voevod geführten „Rumänischen Front" getroffen. Die rechtsstehende Presse deutet dieses Abkommen als 'einen .entscheidenden Schritt auf dem Wege' zur Bildung einer .Recht®kqalitiön - mit juidenfeindlichem Programm, die5 in naher' Zukunft die gegenwärtige Taratescu=Regieiiung ablösen werde. (ITA.) ~ ' '"' '•' ''^mmm^mmm \.] ' y :' . t England« . Eine außerordentliche Tagung der englischen . -fit-:..-. Judenheit.-. I ■ ■ ' -Lo'nd^oii; lOj-Sejpt.l Auf der außeröttdantliohetf :lDelegäert^ englischen rJudenheit', die-auf AMe^ß^ i^ bnikivlien I Die Woche. Berlin. Die Jüdische Gemeinde, zu Berlur gründet mit Beginn des Winterhalbjahres im Anschluß an ihre Handelsschule eine S p r a c h e n si c h u l e. Diese soll eine Bildungsstätte für solche junge Menschen werden, die in einem einjährigen Kursus eine gründliche Beherrschung des Englischen und des Spanischen erwerben wollen, um so im Auslande leichter eine Existenz zu finden. Der Reichst und Preußische Landwirtschaftsminister hat angeordnet, daß als Buchmacher und Buchmachergeh i 1 f e n auf den Rennbahnen nur Personen deutschen oder arbverwandten Blutes zugelassen werden dürfen. Breslau. Die Gemeindevertretung der Synagogengemeinde Breslau lehnte einen Antrag des Gemeindevorstandes ab, 1000 Reichsmark als Beihilfe für das von dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde geplante Reiseorchester mit dem Sitz in Frankfurt a. M. zur Verfügung zu stellen, weil für die Leitung dieses Reiseorchesters der frühere Breslauer Operndirektor Prof. Prüwer in Aussicht genommen wurde, der dem Judentum nicht mehr angehört. Warschau. Am letzten Montag, ist von Warschau ein Transport von 800 Palästinaauswanderern abgegangen. Am kommenden Montag reisen weitere 150, am Dienstag, den 22. September, 600 Auswanderer aus Warschau nach Palästina aus. Die Gesamtzahl der nach Palästina im September aus Polen abgehenden jüdischen Auswanderer beträgt 1550. — Das Gericht in Wlodzimierzec hat vierzehn jüdische Einwohner freigesprochen, die wegen Teilnahme aii dem am 30. Juni abgehaltenen jüdischen Proteststreik gegen das vom Radomer Kreisgericht in dem Prozeß wegen des Pogroms in Przytyk angeklagt worden waren. Durch das Urteil wurde 'im Gegensatz zur Anklagebehauptung festgestellt, daß die Proklamierung und Durchführung des Streik* keine gesetzwidrige Handlung war. London. Königin Ma r y von England hat Sir Philip Sassoon auf seinem Landgut bei Folkestone einen Besuch abgestattet. — K ö n i ig Eduard VIII. konsultierte bei seinem Wiener Aufenthalt den weltberühmten jüdischen Spezialisten für Nasen und Ohren, Prof.. Hch. Neumann. Prof. Neumann gehört dem Komitee für religiösen Aufbau in Palästina in Wien an. Er steht auch der Agudas Jisr"oeI sehr sympathisch gegenüber. Paris. Im Alter von 76 Jahren verstarb in Paris der berühmte symbolistische Dichter und Schriftsteller, Gustav K a h n. Eine Ausstellung seiner Werke findet gerade jetzt in der Pariser Nätionalbibliothek statt und erfreut sich größten Interesses. — Der bekannte russisch=jüdische Bankier Abraham Dobry, durch dessen Vermittlung der ukrainischdeutsche Wirtschaftsvertrag von 1918 zustandekam, ist in Paris im Alter von- 68 Jahren gestorben. Riga, Der bekannte jüdische Musiker und Komponist Julius Steinmann ist für diese Saison als erster Dirigent an die Rigaer Lettische Staatsoper verpflichtet worden. Bis- . her war. Steinmann Dirigent an der Oper in Monte Carlo. Barcelona. Die aus dem frühen Mittelalter stammende, vor einigen Jahren ausgegrabene historische Synagoge in Co r d o b a , die anläßlich der vorjährigen Maimonides=Feiern von der Regierung der Jüdischen Gemeinde übergeben wurde, ist jetzt in ein L a.z a r e 11 umgewandelt worden. Saloniki. Die griechische . Regierung , hat sich aus wirtschaftlichen, Gründen veranlaßt gesehen, den Verkauf von Fleisch an zwei Tagen in der Woche, am Dienstag und Freitag, zu verbieten. Auf eine jüdische Intervention hat die Regierung nunmehr angeordnet, daß der Verkauf von koscherem Fleisch am Freitag Jeder Woche erlaubt ist. Jerusalem. Unter dem Namen „Orientküstenlinie" wurde in Tel Awiw eine neue S chiffahrtsg'esells-chaft gegründet; Die Eigentümer. der neuen Linie haben zwei Fracht* .': dampfer angekauft, die die .jüdische Flagge; führen und ausschließlich. mit Juden bemannt sein werden. •— Die Leiterin der Jugendalija und der jüdischen Sozialfürsorge in Palästina; Miß. Henrietta S z o 1 d , ist in .;. - Anerkennung ihrer Verdienste um .die . Qr- .. .;ganisierung des Krankenfürsorgewesens. zur' j .,Hada'ssä-Schwester honoris causa" ernannt :' worden; :;' ••";' - Abteilung der Jewish Agency am 7. d». in London stattfand, sprachen Prof. Brodetz ky und Neville L a s k i über den Schutz der jüdischen Rechte in Palästina. Beide betonten, daß der arabische Terror nicht gegen die Juden, sondern in noch höherem Maße gegen England gerichtet sei. Die drei Grundlagen des jüdischen Nationalismus seien: Ein= Wanderung, Ansiedlung auf dem Lande, Verfassung. Die Mandatspolitik habe uns Erez Israel zugesichert, und so .müsise das jüdische Volk eine freie ungehinderte Entfaltung des Nationalheims fordern. Neville L a s k i sagte u. a., die erfolgreiche Verwirklichung der Balfour-Deklaration sei ein hervorragender Beitrag zum Fortschritt der Zivilisation schlechthin. Das jüdische Volk glaube nach wie vor an Englands Tradition. Eine Einstellung der Einwanderung hätte aber dieses Vertrauen zu England erschüttert. Der Präsident der J. C. A., Sir Osmont d* Avigdor Goldsmith, nahm in einer schriftlichen Erklärung zu den auf der Tagesordnung &tehendem Balästinafragen Stellung. Auch er protestiert mit aller Schärfe gegen eine 'eventuelle zeitweilige Einstellung der Einwanderung. Besuch von Oberrabbiner Amiel bei Jacob Rosenheim. L o n d an , 14. Sept. Aus Anlaß seines Londoner Aufenthaltes besuchte diese Woche 0 b e r r a b b i n e r Amiel aus Tel Awiw den Präsidenten der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Herrn Jacob Rosenheim. In der Aus= Sprache, an der noch andere in London wohnende Agudaführer teilnahmen, wurden die wichtigsten Fragen des Judentum® und der Aguda berührt, insbesondere die Belange Erez Israels und die Mittel zur Stärkung des religiösen Lebens im Lande. Rabbi Amiel brachte seinen heißen Wunsch zum Ausdruck, eine religiöse Einheitsfront in Erez Israel zu schaffen, um mit gemeinsamen Kräften in Erez Israel zu arbeiten. In Ausführung des Marienbader Beschlusses über die soziale Arbeit der Aguda, besuchte der politische Sekretär der Agudas Jisroel, Herr Harry Goodman, den High Commissioner für Auswanderung, Sir Malcolm. Bei dieser Unterredung kamen alle Fragen der jüdischen Auswanderung zur Sprache und auch einige Vorschläge der Agudas Jisroel in Bezug auf die Regelung der Emigration. Der High Comissioner erklärte, daß ihm die Tätigkeit der Agudas Jisroel auf diesem Gebiete bekannt sei und sie sehr zu schätzen wisse. Er wolle sich auch von Zeit zu Zeit mit den Vertretern der Aguda beraten. (JPB.) Polen und die jüdische Einwanderung nach Palästina. — Ein polnischer Schritt in London. London, 11. Sept. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" weiß zu berichten, daß der polnische Botschafter Graf Raczynski im Foreign Office vorgesprochen habe, um die Besorgnisse Polens angesichts der Möglichkeit einer Einstellung der jüdischen Ein* Wanderung nach Palästina zum Ausdruck zu bringen. Kundgebung des Abwehrkomitees des Board of Deputies. London, 11. Sept. Das Coordination Defense Committee veranstaltete am 10. September in der Shoreditch Town Hall eine Kundgebung unter dem Vorsitz des Präsidenten des Board of Deputies, ,Neville Laski. In der Eröffnungsansprache betonte Laski, daß die Juden als englische Bürger jeder politischen Partei angehören können. Antisemitismus aber habe mit Parteiwesen nichts zu tun. Hier handele >es sich um einen Angriff gegen die Juden als solche. Er sei bereit, die Herausforderung anzunehmen. Der Redner ermahnte die Zuhörer, gegenüber judenfeindlichen Provokationen Zurückhaltung zü bewahren und sich das Beispiel ihrer Brüder und Schwestern in Palästina vör Augen zu halten, deren Selbstbeherrschung in einer unvergleichlich schwierigeren Lage der ganzen' Welt Bewunderung abgenötigt habe. Das Koordinationskomi- .tee umfasse' alle' Gruppen des Board bf Deputies, die in Achtung vor der Ansicht des anderen zusammengeschlossen seien* Seine Aufgabe sei es, die

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