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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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16.,' September;1936 D %Jr" i s r a e T'i 't Nr, 38 rSeite 7 den Schläuchen stillen wollten, " war es mir schlechte verdorbene Luft, Und ihrer Viele verdursteten, gingen elendiglich, zü Grunde-. Darum Jesaja:s Worte: ■ ■ <\\■ v ' Hin larrta o'ö i?n^ kos' nsipV t „Den Durstigen, brachten -sie angeblich Wassert mit ihrem.; Brote , kamen sie den Wanderern entr gegen/' Und dieser Iieblosigkeit Brüdern gegenüber gelten die.weiteren harten Worte des PrqT pheten. . .; : . ■■ .m ■ f.K. . iT Ein - Qegensjück zu, diesem;- von den Weisen in Jesajas . hi^,e^j|em^en./Bil4erdr|m^t. .sich, «uns auf, wenn wir die Entwicklung 'der l^teii Jahrzehnte, ins Auge fassen. Wasser m'd^Brpt/hab^nl die., JudenJsmael^Sö^ ig^br^pht; Wasserleitung und Elektrizitätswerk, Handel, Arbeit, Brot und ^Wohlstand. Sümpjb wurden ausgetrocknet ..und. in, Paradiesboden., yerwan; delt. Mit vollen Schläu.chen kamen Israels Söhne ins Land, un.d der Segen kam in gleichem Maße Ismael wieylsrael zugute. ans?3'Kty»» -dröhnt des Propheten warnende Stimme angesichts^des Dam kes, den/die. Spender erhielten. Bomben für Brot, ■, Verwüstung . von Feld und Flur für das- Wasser., das jüdische iHand auch^für die arabif sehen Felder und Weinberge ans; dem Boden gezaubert bat. Dunkel, das Dunkel ältester Zeiten jenseits aller Zivilisation, für das helle elektrische Licht," das die Juden ins . Land gebracht haben, Verwüstung, und Vernichtung für das Brot und Leben schaffende große Räderwerk, das in den Betrieben von ijüdischer Kraft und Energie in Bewegung gehalten wird. , Soll darum das Räderwerk zum Stillstand gebracht werden? /Werden sich . die Menschen, die sich m fünfzig Jahren gegen alle Widerstände des Bodens mit der letzten Kraft behaupteten, jetzt versagen, wenn d-en Kampf gegen'das wuchernde Unkraut im Herzen entmenschter Menschen sich richten muß? Oder werden die frommen Männer, die die letzten Mauern und Ruinen seit Geherationen treulich für uns hüten und haltenj erlähmen, weil mordende und sengende Hand auch die' heiligen Stätten nicht verschont?1 Nein! Wir haben bei allem' den Mut, am heiligen' Tage, von Freude!für G'ttes Land zu 'sprechen. Entladungen geben1 dem Felde, — nicht nur dem, auf dem der Weizen blüht, der1 Wein und die Orange reift, — neue1 Kraft und neues Wachstum". Mit den Widerständen wächst die Energie. Oben am blauen Horizonte, von wo G'ttes Auge: auf uhs schaut „vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende" hat sich. nichts geändert. Die jüdische Hand wird nicht erschlaffen, das jüdische Herz nicht verzagen-/ Wo die jüdischen Menschenaiif -'heiligein Boden sind, werden sie w e i t er s e'in; wo die jüdische Arbeit auf G'ttes Erde "blüht, w i r d s i -e' w e i t er blühen u n d ge d Vi b e-n. Weinen wir mit Mut-. ter und Kind im Ismael-Kapitel, so wissen wir; zugleich, daß G'tt uns nahesteht• Vo W ir auch sind: titf Kin -wxn- ' Sind' auch alle Tore verschlossen, so bleibt die P f ort e d e r' Tr ä n ,e n offen. ' Nie kehrt eine Ttäh!e;ungesehen und'üngehört von G'tt zurück. . :Hagärs: Tränen "bewirkten" es, daß Abra-r hams Söhne in Gallith Ismael kamen, Esaus Tränen führten' später Jakobs Söhne; ins 'Gjaluth j Edcm." - '•, V' "' Wir wollen dieses tiefe und 'nachdenkliche Midraschwort nicht als Anklage, sondern im. Sinne einer Verheißung auffassen. Was bedeuten , die paar Tränen, die Esau in seiner Enttäuschung vergossen hat gegen das . Meer von jüdischem Leid und judischen Trähen,: das vom Altertum1 ins Mittelalter und vom Mittelalter in ' die ''Ge-' genwart/fast ohne'Ebbe'rund' Insel flutet? Was sind s<ihon'die paar Trähen Hagars um ihr Kind Regen die Tränen' 'der'itausend jüdischen Mütter aller Zeiten, gegen die Tränen pener' Mutter in! Safed, dieV.vöih 'Wälinsihn' gejagt, in den . Stra- Ben der alten 'S.tadt immer "noch ihre 'drei1' Kihder \such't? : ■-Was^ ^^grlt ''Selon'••'/'d^s Banken Mütter rlag'afs, die ihr Kifua in ^ttes Hä'xrd' weiß,'" gegen das Bähgetf [ def ungezählten jädIrschen" 'Mutier Tn der Gbiah;sdi'e ihre1 Kinder'Im l Lande ihrer Sehnsucht1 Tag für Tag einer el n' tritt ß-tfis c h t e! in R-o 11 e ausgesetzt wissen?' Was zählen die paar! historischen Tranen'im Vergleich; zu den Tränen, die wir von Pessäch bis Rasch Haschäna heue*in -tJ einer ahnältehderi SefiraH in D'inia ti'»a,''^jfufehtbärerf ^ä^ett'^ die sich i auf^bald sechs^Mönate erstrecken; •üm iunser'.Erez Jisroel vergießen?1 Will d»a 4i 5das Weiöenwört andeuten, dann -darf man hoffen, daß der Grtt,; der jenes Weinen einer Mutter gehört hat, auch Israels Tränen in seinen „Kelch unter dem { Ehrenthrone" aufnimmt, der, nach, alter LJe^ber- . " lieferung, bis an 'den rtatid ^g^füllt^s^'mübV'bö-' yor die Erlösung kommt» ■ •->- ri Achten wir nicht gering jene naive Abweisung in der alten Mächsoraüsgabe:,' „Man' "weine; jnsbesondere, wenn " es gilt, penesuiig für einen' K r a n k e n zü erflehen.'' rKrank"' ist die 'Welt, krank die Mensc|iheit1,^ und wejnn der Organis- . ihus kränkt, so sagt Rabbi Saügöri im Küsari, I v,*3- ■ . ,-i - * | i t-f dann ist es 'unter allen Orgaii'eX rd ä s H e r z i. das ' unter den •' ^änk^itsersckeintEp^en: am iheisten leidet. uby$*?W b^JB\*i bedenken wir äm heiligen Tage' des Kränken, des im Wüs'tenfieber schmachtenden, und rasenden Ismael.; In den . Tagen, da unser Gebet dem Au f,- h ö r e n d e r B o s h e i t und nicht der Vernichtung ihrer 'Träger gilt nten riwp n^b nsribnn ^dv Rissen wir uns frei von Haß und Rächegefühl gegen die Irregeleiteten, die nur totes Instrument in der Hand der großen Effendis und Muftis iür ihre .pplitischen Zwecke sind. Wir s'irid das Volk der" niilSSt und haben im guten Gedächtnis die Zeit, da im maurischen Kastilien Juden und ' Araber ein Streben zur Mehrung von Wissen' 'ühd Weisheit uind aller Freiheitsgüter der Menschheit einte. Mitleid haben wir mit den armen''Menschen, die,--sdb er''durch die Gewält -der: Führer1 um Arbeit;11 Bf'Öt -ufadJDäch gebracht, nun von denselben Führern, wie die Schakale von Simson, mit der Brandfackel über Judäas Felder gehetzt werden. s Nicht Flüch'und Verwünschung drängen sich in den heiligen' Tagen auf unsere Lippen, vielmehr-1 der" heiße1 'Wunsch, daß* ein Engel vom Himmel kömme, um ihnen in dieser Wüstenverirrürig 'die 'Aüg'en zu öffnen für den Quell, aus' dein sie Einsicht und Erkenntnis schöpfen. Wir weinen um Ismael! . .' . Einführung in die jüdische Von Dr. Ph. Biberfeld; Das Interesse für die jüdische■>. Geschichte, isteigert sich in allen Kreisen in dem Mäße, wie''die Zeit uns die ' Pflicht auferlegt, aus ider Geschichte für den Tag zu lernen, Wir haben einen auf ': diesem' Gebiete Kundigen, Herrn' "Dr. Ph. Biberfeld, Frankfurt a. > M., ^gewonnen, daß er uns-; seine.in der. Thoralehranstalt Jeschijv'ä gehaltenen Vorlesungen zur Einführung in die jüdische Geschichte zur Verfügung stellte. Wir werden sie hier laufend auf einer der jüdischen Geschichte gewidmeten, Seite unseres Blattes zur Veröffentlichung bringen. I. Grundfragen. In den letzten Jahren hat .eine Neuorientierung gegenüber jüdischen Werten eingesetzt. Insbesondere ist auch das Interesse für. die jüdische Geschichte gewachsen'. Vermittelt diese doch erst das Verständnis für den Aufbau und die inneren Zusammenhänge der jüdischen Kultur. Dieses Ringen um die Erlangung eines wahren Bildes von'der jüdischen Geschichte muß in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Es gilt, die Fehler zu vermeiden,- welche die hinter uns liegende- Zeit begangen hat, damit nicht Anschauungen und Vorstellungen übernommen werden, die an jene Zeit gebunden sind und zu einer Verfälschung des Bildes der jüdischen Geschichte geführt haben. . Vor der Beschäftigung mit Einzelproblemen der jüdischen Geschichte ist daher die Besinnung a$f die dabei einzuschlagende j «Methodik gebor tern. Die Bedeutung dieser. , M^thpdenfrage ist wesentlich größer als.,im Allgemeinen. Es handelt , sich ja nicht allein um die rein wissenschaftliche Methodenfrage,, d. h., darum, in welcher Weise der Geschichtsforscher jüdische, Geschjchtsprobleme zu behandeln hat, (sondern darüber;hinaus um die Frage, welche Methode, jejder. Einzelne :ahr ztlwenden hat, wenn er sich an Hand irgendwelcher Werke mit der jüdischen Geschichte vertraut machen will. Er muß wissen, welchen Weg er solchen Werken gegenüber einzuschlagen hat, die ein absolut falsches Bild der. jüdischen Geschichte vermitteln. : Ueber den Sinn und das Ziel jüdischer Ge-' schichtsforschung sagt uns die Thora (5. B. M, 32, 7): „Gedenket der Tage der Vorzeit, Begreifet die Jahre der Geschlechter'. Es genügt also nicht, die Ereignisse der Vergangenheit in ifcrer Ruhelage zu erfassen. Wesentlicbist vielmehr das Eindringen Ün die -'Dynamik der Geschehniss'e, wodurch ''erst das Verständnis und die Einsicht in die' tieferen Zusammenhänge ihres Ablaufs erschlössen wird. Das alles aber in der Absicht, daraus Lehren für die eigene Lebensführung und das eigene Lebensziel zu gewinnen. Dieser Pragmatismus durchzieht ja in der Tat die gesamten geschichtlichen Bücher des Tnach, wo uns ständig vor Augen geführt wird, wie sehr der Ablauf der geschichtlichen Ereignisse, dävort' beeinflußt1 wird, ob Jisroel seiner menschengeschichtlicheh- Sendung die Treue bewahrt oder nicht. Die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte unterliegt daher genau denselben Prinzipien wie die .Beschäftigung mit der Tauroh überhaupt. Genau so wie diese uns nicht sein kanü eine Wissenschaft, der wir nur mit wissenschaftlichem, archäologischem Interesse gegenüberstehen, wir sie vielmehr für das Leben?.u erlernen haben, genau so liegt es bei der jüdischen Geschichte. Auch sie ist für das Leben zu erfassen derart, daß wir aus ihr Lehren für die eigene Lebensführung ziehen können und auch in der Lage sind, den Erscheinungen unserer Zeit mit einem durch Geschichtserkenntnis kritisch, geschulten Blick zu begegnen und sie richtig zu verstehen und einzuordnen. Doppelt bedeutsam ist,,'daher die Frage nach der richtigen Methodik.. Die moderne Wissenschaft tritt mit der Behauptung an uns heran, ein objektiveres. Bild der jüdischen Geschichte geben zu können, als wir es besitzen, weil sie „voraussetzungslos", an die Dinge herantrete. Sie betrachtet die Quellen unserer Geschichte, losgelöst von dem vorerwähnten Pragmatismus, der. alles geschichtliche Ge- .schehan einordnet in die. Beziehung, von Jisroel zu G'tt; und losgelöst i.auch von den religiösen Vorstellüngen, die hierbei vorausgesetzt werden.. Auf diese Weise glaubt sie, der Wahrheit näher zu kommen, als wir dieses vermögen..; Das .Schlagwort „voraussetzungslos" bedarf daher einer näheren, Untersuchung. Hierbei wird sich ergeben, daß diese sogenannte „voraussetzungslcse" Wissenschaft von einer Reihe derart grundlegender und schwerwiegender Voraussetzungen ausgeht, daß durch diese allein das Bild der gesamten jüdischen Geschichte eindeutig bestimmt und festgelegt wird. Die erste dieser Voraussetzungen ist der bewußt oder unbewußt fast allen einschlägigen sogen, wissenschaftlichen Werken zu Grunde liegende Satz, daß. nur diejenigen Erscheinungen als richtig anerkannt werden können, welche unserer Erfahrung entsprechen. Die jüdische Geschichte, -beruht nun aber in ihrem ganze.n; .Verlauf auf solchen Erscheinungen, die wie Offenbarung, Wunder .und Prophetie sich unserer Erfahrung zu entziehen, scheinen. Daher .,werden

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