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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 38 D e r i s r a tb 1 16.'September 1936 £ e r gegeben denn je zuvor. Und das Fehlen anerkannter rabbinischer Persönlichkei ten unter den Einberufern der Versammlung, so mit unter den W a h 1 m ä n n <e r n des. „Sanhe drin", ist gewiß nicht dazu angetan, die Sache allzu ernst zu nehmen. Syrien eine selbständige Republik. Die Verhandlungen zwischen.Frankreich, und den syrischen/Delegierten in. Paris sind zum Ab Schluß gekommen. Der Vertragsentwurf,, in dem Frankreich auf das ihm vom Völkerbund übertragene, ^I^anda^i verzichtet ytad,.Syrien:,& J-s4 r,«.i e R e p a b J irk .ausruft,^ist, von beiden^ Teilen unterzeichnet. Nach dem Irak wird nun in kurzem Zeitraum der zweite arabische, Staat auf eigene Füße gestellt. , . . Der Einfluß und die Rückwirkung , dieses Befreiungsaktes,, auf Palästina kann^ nicht ausbleiben. Die Syrer werden diese Selbständig-: machung als Erfolg und Krönung der , schweren Unruhen ansehen, die vor einem Jahr mit Streik und allem Zubehör das Land erschütterten. Nicht zuletzt durch diesen Antrieb und nach dem Bei spiel Syriens begann' auch die Revolte in Pa lästina, die allerdihgs^ahh eine andere 'Entwicklung nahm und den F/ührern, die die: Von, ihnen gerufenen Geister nicht mehr' bannen konnten/ bald aus der Hand gespielt wurde. Es wird , in Palästina gewiß nicht an Treibern und Hetzern fehlen, die mit dem Hinweis auf Syrien den süßen Lohn des „unentwegten Ausharrens" ihren Getreuen ausmalen werden. Daß in Palästina die Dinge ganz anders gelagert sind als in Syrien, wird dem einfachen Mann aus dem Volke in Palästina nicht ohne weiteres aufgehen, und die Führer, die es wissen, werden es . ihm füglich verschweigen. In Syrien war es eine Auflehnung gegen den französischen Herrn, und dieser, an keine Gegenverpflichtungen gebunden, konnte die Last ohne Kosten und Risiko von sich abwälzen, nach der klugen Berechnung, daß ein freundschaftliches Verhältnis mit dem Staate, dessen Schätze ihm, Frankreich, durch Monopol gesichert bleiben, billiger und vorteilhafter sei, als die Erhaltung einer großen Truppenmacht zur Bändigung unbotmäßiger Sturmgeister. In Palästina gibt es aber neben England und Arabern einen dritten Faktor, die Juden und das jüdische N a t i ö n a 1 h e i m , denen gegenüber man immerhin einige Verantwortung vorder Welt und der Geschichte übernommen hat. Als es vor wenigen Tagen so schien, als wollte man diesen Faktor ausschließen und über seinen Kopf hinweg eine Vereinbarung mit den Arabern treffen, war es gerade die angesehene englische Presse, die das britische Weltreich entschieden und eindeutig an seine vertraglichen und moralischen Verpflichtungen erinnerte. Hier kann England an eine Lösung nach syrischem Muster nicht denken. Die Assyrermetzeleien, die auf die- Selbständigmachung des Irak folgten, sind übrigens den Engländern, : dem ^Völkerbund und der Kulturwelt auch noch in recht guter Erinnerung. •■■:< Was bei der Neugestaltung die Juden in Syrien betrifft, so ist zu sagen, daß sich in den Großstädten des Landes, Damaskus; Beirut und AI eppo im Ganzen etwa 200Q0 ' jüdische Seelen befinden, die, ohne den Syrern widersprechende eigene nationale Aspiration, im Genüsse politischer Freiheit, ein leidliches Leben führen, wenn auch die, Wirts.chaftsl.age unter der jüdischen Bevölkerung Syriens als katastrophal bezeichnet wird. Ob nach dem neuen Vertrag mit Frankreich etwas wie ein M i n d e r h e i t srecht'die Juden unter seine-Fittige nehmenwird, steht noch nicht fest. Einige Maßnahmen zur Befestigung des jüdischen Rechtsschützes werden schon nötig sein, wenn man an die Rolle vieler syrischer Nationalisten bei den Uhrlfheff in Palästina denkt. In Syrien selbst hat, wie gerade dieser Tage gemeldet wird, der Nationale Club in Horns für die arabischen; Kaüfleute und Kleinhändler eine Art Boykott äller jüdischen, G esc h a f t e proklamiert. Dieser Vorgang zeigt, daß eine , j^denf Endliche Strömung in, Syrien,sich nicht a^lein^ afif ^die Bruderhilfe, für Palästina besphränjkt, sondern auch im Lande selbst emsig arbeitet. M^n ^arf hoffen, daß die, französische Regierung,t^bejl den Verhandlungen . mit Syrien, an., all,-^ese? Dinge gedacht hat, auch wenn ein [pffizieJJessM i n d e r - h e i t s r.e. c h t. nichtzus|anHejgekanimen sein Soll... , . , .1 ,-,;:..:.•• - r- . An Bord der ,;Adria" ,»! Wir lesen im „Kol Israel" vom .17. Elul folgenden Brief: ,..- „Wir Palästinenser, die wir uns auf dem Dampfer „Adriä" befinden, spreche^.hiermit un-. ser Erstaunen, zugleich aber auch unsere flammende Entrüstung aus über die" Tatsache, daß Männer feuref Stellung in der jüdischen Gesamtheit, die in Angelegenheiten und auf K o s t e n des j ü d i s c h e ri V o 1 k e.-s reisen, am Trefa- Tisch des Schiffes die 'Mahlzeiten . einnehmen, obwohl sich auf dem gleichen Schiff eine gUitgeleitete Ko.scher-K üc,h e befind q t. Wir sehen darin eine tiefe Beleidigung unserer und des V'ölkeg' lieiligsten' Gefühle*' denn von jeher war das Kaschruth ein Grundpfeiler itnseies Volkslebens. Wir erlebten es1 auch in üh-' serer Zeit, als die Schächtfrage in;| Polen auftauchte, wie das ganze jüdische Volk von Pol zu; Pol von dieser Gefahr erschüttert war. Wie können sich danach,; Männer, die s.ich als die Fahnenträger der jüdischen Nation fühlen, erlauben, so mit Füßen ' ""di?"* Heiligfftpier ■"•ihres Volkes zu treten. ' 'Wir verlangen von Euch kategorisch/! daß Ihr uns nicht so herausfordert, unsere Gefühle nicht mehr 'in;der. Weise-'verletzt; daß Ihr Euch fernerhin nicht absondert von der jüdischen Gemeinschaft lind zum' Köschertische^ körnnit.-^ "{Bedenket döehr die schwere Stünde für unser Volk allenthalben und insbesondere: im1' heiMgen; Lande, die eine Einheit und Einigung des ganzen' Volkes erheischt, und versucht ■ nicht durch; EuVe Taten ehre Spaltung der Herfen' undeine Teilung unter'den Brücferh herbeizulü'hren. '~ »Wir' hoffen, daß Ihr von nun ab es wieder anders und besser mac'hir 'damit11 'Frieden^ 'über'1' rsräel komme. '•"> '•'•:■'- ' r3. Elül 5696 ah Bord^des ivÄdria".' ' Die Adressaten dieses Briefes heißen:-Dr. Abraham K a t z e h eTsf'-'ö ri . ^'Mitglied der Leitung des Waad 5Leümi;'" Kürt B l'uih e n f e ld , Vorsitzender des A 'kiC;;"; Groß m a h f Vizepräsident des \A/<£V P, B e r Ü^ie i h Mitglfed;' des A.C; B a d e r , vertretendes Mitglied5 des A. C; Unterzeichnet ist der Brief von 40' Närhehi' Die bekanntesten unter ihnen sind die von Räbbi Meir Berlin, Dr. Ay j; Levi, R.-A. Sami' Gfonem ahn, DrV Jakob L ü3s t i g u. v. a/ <, i ' ' ,; . Einen Kornmehtar zu diesem Brief an .Menschen, die die große Posaune, welche iri den „furchtbaren Tagen" von Tessacn' bis.Rosch-: Haschonoh in Erez Israel ruft und mahnt, immernoch nicht verstanden haben, halten wir für vollkommen überflüssig. - ' - Wir weinen um Ismctel In alten Festgebetbüchern kann man in einer Bemerkung zum '. Thöraabschnitt am ersten Roschhaschanatage die Worte , lesen: „Es empfiehlt .sich, beim Verlesen der Leiden Ismaels in der Wüste Tränen zu ver gießen, was insbesondere geschehen soll, wenn man einen Kranken in der Familie weiß, um dessen Genesung man in den heiligen Tagen G'tt anfleht . . ." Kluge Leute haben oft über , die „Tränen" gelacht, die für gewisse Stunden und gewisse Gebete v o r g e sehr i e b e n sind, die gewissermaßen auf Kommando aus den Augen fließen sollen. So oberflächlich waren aber die Alten nicht, daß sie mit Tränen, kostbaren Perlen unseves Innenlebens, dem „Schweiß der arbeitenden Seele," gar leichtfertig umgegangen wären, Sie haben mit solchen kurzen Anweisungen,, einen tiefen Sinn verbunden, den wir vielleicht heute besser denn je verstehen. dp Kirr *itfK3 *\vir\ bipnK "t sra^'i „Und G'tt hörte auf die Stimme des Knaben, da, wo er sich befan d." Dieser letzte Zusatz veranlaßt die weisen Agadalehrer zu der Bemerkung: „Als G'tt den Engel ausschickte, der Hagar, der verzweifelten Mutter, den Quell der Errettung, erschließen sollte, erhoben die Himmlischen Protest: „Ismaels Söhne werden später deine Kinder, die Söhne von Abraham, Isaak und Jakob'] :ni der Wüste und EngeS des Lebens verdürsten und verkommen lassen, und e r soll jetzt den Labetrank :'äüs deiner Hand bekommen?" „Schweiget," rief der Herr der Welt der Schar der Ankläger zu. ,.Lasset uns jetzt nicht in die Zukunft, sondern nur das schmachtende Kind sehen!" Und es erhörte G'tt die Stimme des Knaben, Dty w0 ^nd wie er jetzt im Augenblicke der Not war. Wenn wir heute am heiligen Tage bei der Hagar- und -Ismael-Xragödie .^.njit „ Mutter , und Kind heiße Tränen weinen, so werden diese gewiß nicht durch jene Anweisung, in „den. vergilbten Machsörblättefri Ausgelöst sein.'Es wird damit ein tiefer Gedanke, verbunden sein: Wirkennen; keine Ver^eltun^ und' kerne •;R^ehepoli>xf tik. Wo der .Mensch leidet,, -haben wir.in ihm nur'- den M e n s c h e n zu, sehen, ,w;o ,. ein . Kind „ schmachtet, ist es eben ein Kind nur, dem unser Mfitühlen, unser Mithelfen gehört.: rWas Ismaels- Söhne heute in unserem eigenen Lande-uns auch antun, wir werden und dürfen es den Unschuldigen, nur weil sie zum. Stamm - jener Mordbrenner .gehören, nicht ^entgelten lassen. Eine Ge7i genwehr, wo der Schutz von außen ausbleibt, ist menschlich und natürlich, und wird von jedem begriffen werden.: Freude an dem Gegenschlag wird der Jude so - wenig empfinden wie Vater Jakob auf dem unsicheren Wege seir nem Bruder Esau entgegen, dem die heüige; Urkunde bezeugt *i:2Pl daß bei ihm clie Angst, in Notwehr s chlagen zu m ü s s e n ,, nicht: minder groß war, als die Furcht, geschlagen, zu werden...... ■ ,■ ,. ■ -: ■ — , DTZ? Xin HT2;X3' auf den von den Umständen bezeich<- neten engsten Raum wird sich die (Gegenwehr beschranken, und wo die helfende .'und trettende jüdische Hand angesucht wird,- . wjrd sie gereicht werden ebenfalls ptyXin*i^X3' wie es die Situation des Augenblickes erfordert, jenseits aller politischen Rück- oder Vorschau. Darum werden unsere jüdischen Krankenschwestern in Palästina nicht -minder Israels- <u ri d Ismaels Söhnen Hilfe bringen, wenn auch ihrer zjwei \auf dem Wege zur Liebesarbeit von Arabern niedergestreckt wurden, und1 die jüdis,che.n Spitäler iri Palästina werden n^ch ^wie vor , in .jedem eingelieferten Opfer nur den Menschen sehen, der Hilfe und Heilung sucht. ,; Eine Ar aber f r e hat es scheinbar schon zur Zeit des Propheten Jesajas. gegeben. So lesen wir in Jesaja, Kap, 21-, Vers .13; wo, Dazu wissen' die weisen Lehrer zu erzählen: Auf dem Wege ins erste Exil bäten die Vertriebenen die babylonischen ^Zwingherren,, mit ihnen | den N^eg über Arabien , zu nehmep. Dort wohnen unsere Vettern, dachten und . .sag-' ten .sie, sie werden, uns mit^; Speis, und Tränk enitgegenkommen. Die . Babylpnier ^.erfüllten' ihnen den Wunsch, und ■•Ismaels Söhne in Ärab brächten den müden Wanderernt rwie erwartet,. . : - ■. - - . - .'. „ ■" ' 1 . ' 1 ' . ■' ■ 1 » / .,' ) ] . * \.t - . Speisen und; volle Schläuche ^entgegen.."Die Spei-- sen= .waren. .aber ... -stark, ^salzhaltig .uä<i /..die Schläucheleer, nur,;<miii - ■ Luft;. gejfüllt., .Mit,. Heißhunger.; stürzten 'sich d^eVerkiebeneriüber; die Speisen', als sie al^.er .darauf ihren 'Düfstaus

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