Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ffSSj^Mgg»^^ B^p^j^j^® 16. September 1936 Der Israelit Nr. 38 Seite 5 s'chichllichen Sinn -der G'ttes-Erldärung an Vater Abraham „besinnen"? Wird: der allgemeine Ruf zur Wiederaufrichtung des Bandes mit G'tt und seiner TJkora die Konsequenz dieser Besinnung sein? Das allein ist die Schicksalsfrage, die der Schofarruf des Rosch-ha-sohono an den jüdischen Jischuw im heiligen Lände stellt -— / oyacn i'npa dk hvn Wochenrandschau. Die Gemeindewahlen in Polen. Die Wahlen für die jüdischen Gemeinden in Polen haben das erwartete Resultat gebracht. Die A g u d a s J i s r o e 1 hat eine Einbuße von über einem Drittel ihrer bisherigen Mandate zu verzeichnen und wird in Warschau auf die Führung, die sie bisher in der Gemeindestube hatte, verzichten müssen. Den größten Erfolg erntete der „Bund", der sich voriges Mal an den Wahlen überhaupt nicht beteiligt hat und jetzt in Warschau 14 Mandate heimgetragen hat. Aehnliche Erfolge hat er in Wilna, Lublin und Petrikan zu verzeichnen. Die zionistischen Parteien konnten mit Not ihren bisherigen Besitzstand ungefähr erhalten. Allgemeine Zionisten, Misrachi und Poale Zion haben zusammen 16 Mandate. Der eine Revisionist kann nicht zu ihnen gezählt werden, nachdem die Revisionisten in der N. Z. .0. ihre eigene Organisationen haben. Die Lehren 'dieser Wahlen weisen mehr nach Außen als nach Innen. Die Wahlen fanden zu einer Zeit schwerer Parteikämpfe in Polen statt, bei denen die judenfeindlichen Nationaldemokraten die Führung hatten. So konnten in der Gegend von Radom die Juden zur Abendstunde kaum Wahlversammlungen abhalten. Die politische Lage drückte auf die jüdischen Gemüter derart, daß beispielsweise in Warschau die Wahlfrequenz kaum 45 Proz. betrug. Daraus ergibt sich auch der Schlüssel für die Schwächung der Aguda und den Sieg des „Bund". Die Aguda, der in schweren- Janren, wie sie das jüdische Polen bisher kaum erlebt hat, die Würde und Bürde zugefallen war, an der Spitze der größten Gemeinde Europas zu stehen, war selbstverständlich niqht so gerüstet, um der politischen und wirtschaftlichen Not mit voller Kraft entgegenzusteuern. Die zionistischen Vorgänger der . agudistischen Gemeindeführer konnten es noch viel weniger. "Wenn aber die Aguda führer Delegationen der Arbeiterschaft nicht befriedigende Antwort auf ihre Klagen und Anklagen geben, auf Wünsche der Vertreter des Kleinhandels nicht eingehen, die Steuerschraube anziehen mußten, und trotzdem den Armen und Elenden in der Großgemeinde nicht entsprechend zu Hilfe kommen konnten, so war es nicht die Schuld der allgemeinen Lage, nicht die Schuld der wirtschaftlichen Krisis, sondern „die Schuld der Aguda". So posaunten es die Zionisten in allen Tonarten während der ganzen Amtsperiode Masurs und Trockenheims aus, so kündeten sie es in den Wahlversammlungen bis zum Wahltag. Wenn aber trotzdem nicht die Zionisten das Erbe der Aguda antreten konnten, sondern gar der „Bund", so beweist das wiederum, daß die Wählermassen den nationalen Versprechung an wenig Vertrauen schenken. Der „Bund", dessen Wahlsieg keineswegs gleichbedeutend mit einem Siege seiner Ideologie und seiner Politik ist, dar bislang in der schärfsten Opposition war, soll zur Arbeit gezwungen werden. Er soll, sagen sich die Massen, jetzt heran und es besser machen. Ob er den Willen und die Kraft dazu hat, ist mehr als zweifelhaft. Die Aguda ist aber mit ihren 10 oder 11 Sitzen in Gemeinschaft mit .den anderen konservativen Mittelstandsgruppen in der Gemeindevertretung noch stark genug, um die jüdischen Belange, nicht allein die religiösen, zu wahren und nach wie vor mit aller Kraft für die Besserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Massen einzutreten, Und es wird sich bald zeigen, daß was gut und produktiv im neuen Regime ist, seine Wurzel in der früheren agudistischen Verwaltung hat. Und wiederum das Sanhedrin! . . . Unter den vielen Kundgebungen' und Bekanntmachungen, die in letzterer Zeit aus Jerusalem den Weg in die Welt nahmen, kommt uns ein Dokument in die Hand, das nahezu grotesk anmutet. Es ist eine „Einladung an die Rabbinen, Jeschiwaleiter, Gelehrten, Aschkenasim, Sephardim, Jemeniten usw. in Jerusalem", sich am 9. Elul abends in einem Räume von Mea Schearim zu versammeln, um ein „Sanhedrin" zu gründen, das aus 71 Mitgliedern bestehen soll, die im Besitze der „Smicha" nach Maimonides sind. Die Einladung wird von Sätzen begleitet, in denen gesagt ist, daß die kritische Lage der Zeit einen Aufschub dieser Gründung nicht mehr dulde, und daß nur auf dem Wege der zu gründenden großen religiösen Oberbehörde die ersehnte Erlösung kommen könne. Das vertrauensvolle Harren auf menschliche Macht, auf England oder die Regierung, wurde enttäuscht, nun, meinen die Einiberufer, müßten die letzten Widerstände gegen die Gründung des Sanhedrin gebrochen und alle Hindernisse aus dem Wege zu diesem Ziele weggeräumt sein. Das große Besdin, heißt es darin weiter, wird von denen, die sich an der Versammlung beteiligen, ohne Aufschub gewählt werden, womit „das Königtum G'ttes im Lande Israels und im Judentum der Welt aufgerichtet wird." Es folgen siebzehn Unterschriften von Männern, unter denen kein einziger bis jetzt in der Oeffentlichkeit hervorgetreten ist. Siebzehn Namen, deren Träger vielleicht zum Teile Verdienste aufzuweisen haberj, die aber der jüdischen Oeffentlichkeit außerhalb Jerusalems und des heiligen Landes völlig unbekannt sind. Als Tagesordnung wird genannt; 1. Eröffnung der Versammlung mit einem Gebete. 2. Vornahme der Wahl der 71 Sanhedrinmitglieder durch Akklamation oder Lose „nach dem Muster von unserem Lehrer Mosche". 3. Allgemeines Gebet für das Weilen der Schechina unter den Gewählten. 4. Zusammenkunft der Gewählten zur Festlegung ihrer Arbeit. Der Aufruf schließt mit einschlägigen Sätzen aus Thora, Talmud und Dezisoren. Ueber den Verlauf der Versammlung hat man, obwohl seitdem schon ein paar Wochen verflossen sind, nichts .gehört. Es sei aber gesagt, daß dieser Plan zur Schaffung einer religiösen Oberbehörde in Jerusalem unter dem pompösen Titel „Großes Sanhedrin" schon in früheren Jahren aufgetaucht ist. Was wir damals zu diesem Thema gesagt haben, gilt heute, in schwerer Zsit, doppelt. Ueber die Bildung eines Sanhedrin in der Galuthzeit gibt es in der alten rabbinischen Literatur eine ausgedehnte Diskussion, deren Träger keine Geringeren sind als Rabbenu Mosche ben Maimon und Rabbi Le vi ben Chaw i w. Die dringende Notwendigkeit einer z e ntralenreligiösenFührungfür das zeitgenössische Judentum wird keiner (bezweifeln, aber die Bedingungen jener Meister für solch weitgehenden Schritt sind leider heute wenischaffen, und nur insoweit hat unser Leben eine Aufgabe und damit eine sinnvolle Bedeutung. 3: „Mit seiner Seele gewinnt er sein Brot." Mit seiner Seele überwindet der Mensch das lechem, das Erdhafte in sich, den bösen Trieb. Rabbi Nachman sagt: „Man kann G'tt mit dem bösen Triebe, dienen, wenn man sein Entbrennen und seine begebrende Glut zu G'tt lenkt. Und ohne bösen Trieb ist kein vollkommener Dienst." Wie nur der Zweifelnde zur Wahrheit vordringen kann, so vermag auch der reuige Sünder die volle Bedeutung der t'schuwah zu erfassen. Rabbi Mendel, befragt, was seinem Lehrer das Wichtigste war, antwortete: „Das,' womit er sich gerade abgab." Darauf kommt es tatsächlich an, die geringfügigste Frage mit Ernst zu behandeln und die kleinste Angelegenheit mit vollem Herzen zu erfassen. Dann wird die Seele des Menschen so stark, daß sie das lechem, das Triebhafte, überwindet. Nur wer da® Gewöhnlichste im Leben über das Gewöhnliche heraushebt, wer den Alltag verg'ttlicht, Wer stein Bestes einsetzt für die winzigste Sache, ■nur der wird mit seiner Seele den bösen Trieb zum Guten umgestalten. Der moderne Mensch meint, auf den Glauiben an G'tt verzichten zu können, da er sich unabhängig und frei von . allen g'ttlioheni Einflüssen dünkt. Er sieht aber nicht die Götzen, die er sich.errichtet hat, und die er ' anbetet mit aller Inbrunst seines, Herzens. 3. „Mit seiner Seele igewimit er seht Brot/' In seinem Innersten räumt er der Materie einen Pla;tz ein;' den' nur G'tt verdient. . Das Strebennach. Geld, das Ringen1; um Geltung ■ und das Kämpfen um Macht beherrschen ahn völlig/ und .er steht im Banne dieser Götzen, die mehr" Macht über ihn nahen, und •denen er mehr verfallen ist, als sich mit seiner Würde verträgt. Kein Opfer ist ihm für diese „Gottheiten" zu schwer, er bringt ihnen alles dar, was er besitzt: Seine Seele, Gesundheit, Ehre und Glück gelten ihm nur wenig, wenn es um Geld, Geltung oder Macht geht. Darum flieht auch sein Leben dahin „wie ein Traum". Im Talmud heißt es einmal: „Wer sich dem Joche der Religion unterwirft, ist wahrhaft frei; wer dieses Joch von sich abschüttelt, wird ein Sklave der Gesellschaft und der Großen." Dieses Wort kennzeichnet treffend die Situation der Gegenwart. Das Geheimnis von Tod und Geburt, das uns aus dem un'ßaneh tokef=Gebete entgegenströmt, ergreift uns im Innersten, aber die Ungewißheit des Menschenlebens wäre untragbar für den. Juden, hätte er nicht das Gefühl der Geborgenheit ..in G'tt, der alles lenkt und zum Guten leidet. Das will auch der Satz: 5. „Aber Du, o Herr, bist' ein lebendiger und ewig dauernder G'tt," ausdrucken, der der Schilderung von der Eitelkeit des menschlichen Strebens folgt. Ueber allem. menschlichen Leide steht ein „ewiger G'tt", dessen Willen das All gehorcht und in dessen Güte wir allein den Frieden der Seele finden können. Kleines Feuilleton, Vom Dttckan des R. Jose. In Nr. 37 des ».Israelit" bietet Dr. Dünner, Köln, eine dankenswerte .Ergänzung meiner Notiz über den „Duchan des R. Jose", indem er eine Stelle aus Tauro temimo zitiert, wonach sich die Korrektur des Wortes ]na Sabbat 118b auf ein Werk des Rabbenu Jerocham stützt. Hierzu .möchte ich nun folgendes bemerken: Von dem Werk des Rabbenu Jerocham berichtet kein Geringerer als Asulai in seinem Schern hagedolim Nr. 382, daß es von Abschreib fehlem wimmele. Er sagt: „Ich war entsetzt (vinttintwi). als ich sali, wie viel Fehler und Lücken -sich in dem gedruckten Werk finden." So weit Asulai. Ob also Rabbenu Jerocham an unserer Talmudstelle die zitierte Lesart hatte, erscheint bei dieser Sachlage durchaus fraglich. Rabbiner Dr. Kaatz, Hindenburg (O.-S.) Wochenkalender. Vom 19. - 26. September 1936 / Vom 3. — lO.Tischri 5697 »nn» *p T'S ay Samstag 19 3 naitf unttn Sonntag 20 4 w n^ia ms Montag Dienstag Sept. 21 ZZ ■»*mmi 5 6 w n™ Mittwoch 23 7 a Donnerstag ' 24 8 a Freitag 25 9 i 1103 ov a*iy Samstag . 26 10 n •Visa or