Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16* September 1-936 Der I s ni e 1 it Nr. 38 Seite 3 V H t ti **> Politische Rosch-ha-schono-Reflexionen. Von Jacob Rosenheim in London. , . I. '' ' '; ■ Der König, \ Der jüdische. Zeitungsleser mag im, stillen denken, er halbe eigentlich während des .ganzen Jahres genug an „politischem. Stoff" zu konsumieren — während der ernsten Weihestunden des Jaum hasiköraun solle man ihn doch einmal ganz dem Blick ins eigene Innere, und dem Aufblick zum Unendlichen überlassen, fern von. dem Getümmelder kriegerischen Mächte, die das öffentliche Leben beherrschen und -— es so ungemütlich machen. Aber siehe da — der Jude braucht nur sein 'Rosch4ia-schono-Mächsor zu öffnen, und er sieht sich schön wieder mitten in das Sorgen und Kümmern um die große, ja die größte Politik, die W e 11 p ö 1 i t'i k und ihre letzten Ziele ver^ strickt: 1 •pfrya *?y ^u'^k tt *nns |n pai und groß und glänzend leuchten ihm > die vier Buchstaben entgegen, die geradezu den Inbegriff seiner Rosch-ha-schono-Liturgie bilden, und die ihm — ob er will oder nicht — seinen g'ttlicheri Vater, nach dem sein' Herz doch sehnsuchtsvoll verlangt, gleich wieder als die höchste politische Instanz des Weltalls vor Augen stellen: -i^Varj- -Man mag das Ding drehen und wenden, wie man will, man kommt nicht über die merkwürdige Tatsache hinweg, daß eben diese Vorstellung von G'tt,;dem Schöpfer des Himmels und der Erde, von dem jeder einzelnen Menschenseele unendlich nahen Vater und, richtenden Fürsorger, als pol i t Ts c h e r Größe, als König, nicht nur ein Requisit der feierlichen Rosch-ha-schono- Liturgie ist, etwa weil &m Rosch-ha-schono diö Genien aller Nationen vor- G'ttes Richterthron stehen — sondern daß diese K ö ni g s botsohaft ihren! Eingang auch an das jüdische Alltagsbewüßtse'in gefunden nät, daß sie in jedem Segens- . Spruch, lebt, de^fwir über ein Glas Wasser oder ein Sjtück Brot,1 üb er Blitz hjmd Donner, Licht und .Finsternis, über Pflichttat und Erlebnis sprechen! V-iii : v " : ••■ " jj.Immer wieder ruft uns — der König! «So verfolgt -uns di« leidige „Politik" auf Schritt und.: Tritt und will uns nicht;loslasseri. Es muß'-aisövdoch etwas daran sein an deragludistiscnen, van allen\ Neüträlitätsfreunden und „^äddikim ^im 'Pölz'':- eifrigst bestrittenen. Behaupjb£ng,j \ daß ) •üjd i s -C h e Politik, Th'o r a -Politik das:[heiligst' Anliegen jüdischer 'Pflichteriulkinig, die gedarikliche.' Klärung der j Ü >d i s c hp;q 1?i t i s; c h e1 n l ]P r o b 1: e. n} ,a ti ki, das- höchste Ziel Q'tt; zugewandter Thor af or schung* sei, denn nrh'g e.:S c ih i ehelich e r , also p o I i ti-s eher Ziele. willienhat Q't\ )die$e$ gaxae Spiel der Er-;ische«jjUftgen] in£\ :Dä£ein; gerufen, das 'm;an Welt- : prbzeß;jnßiinf,: ünd,■.dem; er als König rn»3 inb^O '-gebietet, j \, ";. ■'■>■ ■■ ': ''-^'vr!-T JIL>v';- t - \w : 1 » :'!: /;!'.'."bie; Ankläger. ' . , : : ■ ■/ ' 'S , Wenn Tin der Morge^idämmerung des . Rosch,- ha-schono die m! ,,'Agujdas Isroel'; geeinte GeH meinschart der G'ttes Königsherrschaft mit aller Glut der S.eeJte E r s e tun, e n.d e s .Ragheasohajt a%$Ugen^^ ienherrschers für ihr Wollen und Vollbringen,; wjgpn; M (Jaiin, uhte^, der., _ ,'ftjijcht]baren Diskrepanz zw^'s^liennldeali ur^d Wirkiicj^keit t'^s ^ö,rt de? Reclitf erjtigung, (erstirbti:;das;! die eigene \ Leistung in^dle \^4^scljkl^^ zu Wjerfen 'yer^ /mochte,] nlm jS^ra^ß^!;t(ndi i^er^^'qkxuigv'^Üj;p^üfcnefi dann^;jwird. (1 der ^arideren, Seite;, 'gewiß ■V* ^.i^^l:^:1^:-- ' - w^^-^-ll um( so .weni|; hö'atibp».' an Anklägerij. jfehlen, di'jjj-jim [ßfbh,$$ '^^yi^^i^i ^igener.• ^iehlbiar-; ■k'ert j^e,: $char| jcjjjjj; 10$ >ß^töynifci px® j ejiini klares: politisches j,' Pro^ar^inm1 ■ geinten-;: Verkü^derj Ifj^ejr Trjpc^Söj^ ^m^rgetiiäus- ,[ ..... gelöscht sehen möchten aus dem Buche des politischen Lebens. - — ' Von r e q hts und 1 i-n k s finden sie sich zusammen. ^ÜS rMünkacz trägt man ihühsam gesammelte, unter mancherlei Druck und aus schmerzlichem Mißverstehen .geborene, zum Teil Jahrzehnte alte Briefe einzelner raibbinischer Größen ersten,,'zweiten uiid dritten Ranges zusammen, um den heroischen Versuch gerade der Schaffung eines organisierten TJhorawillenfr zur R e t t u n g d e r J u g en d und zur Rettung E r e z I s roels aus nationalistischer Assimilation selber als Assimilation an das zionistische Ideal zu verdächtigen und zu verurteilen., Man will lieber ruhig oder /unter wirkungslosen Protesten mit zusehen, wie die Jugend in den; ostslovakischen öder Ungarischen Gemeinden von Munkacz bis Sopron die Reihen der Thoratreuen verläßt, in hebräischen Gymnasien zum vollendeten Abfall von G'tt und seinem Gesetze erzögen wird, indes sich die Gemeinden selber im fruchtlosen Kampf der Parteien verzehren und 'den Chillul naschem verewigen. Nur keine Organisation! Diesen D'ÄIOpJO von rechts führen wir — wie derfeinst unsre Väter am Sinai die "j^ *>t5.1üKT VxiW1'— zuerst einmal unsre agudistische J u - g e n d entgegen, jene Jugend, die, in den Jeschiwos und in iihsren Gruppen zum echten Thoraverständhis erzogen, mit unbeugsamer Entschiedenheit der zionistischen Lüge und dem misrachistischen Irrtum ihr trotziges „Nein" entgegenruft, und die unsre Hoffnung für die Zukunft bildet. Wollen sich die D^'lDj?» nicht einmal in einer stillen Stunde fragen, warum es all ihren mehr oder minder heftigen Protesten nicht gelingt, ihre eigene Jugend vor der Infektion durch das nationalistische, Glit zu schützen und ihre Gemeinden vor unaufhaltsamer Zersetzung? Und wenn dieses Argument aus dem blühenden oder welkenden' Leben nicht genügt, dann dürfen wir immerhin auf die stolze Reihe von nicht weniger ais tausend '^nai "»lUtt' Vmw ''221'] yiS' von nicht weniger als tausend, r a b b in i sehen Persönlichkeiten hinweisen, die sich mit ihrer Unterschrift hinter das a g u d i s t i sehe Aufbauwerk in Erez Isroel gestellt und, geführt von dem '•jnjp '7i 'i?o:vTTKU iny Q"n iann una nnn bm> nvbv nsiöi, *iV n^?^^ warn . das „Wirken des Keren hajischuw als eine der höchsten nV^O fllJJö in unsrer Zeit proklamiert haben! Mit Recht hat in der Marienbader Versammlung ein ehrwürdiges Mitglied des nnnn 'ö^ri flXSttö einem führenden Agudisten selber, der an der angeblich allzu.; zentralen Stellung der Jischuw- Erez-Isroel-Arl^feit im Ges-amtkomplex agudistischfen Wirken;s scharfe 3Kr;itik \ibte,; die: Tatsache eht^egengehaften, daß für' uns; die ^ir yns ruclihaltlos der Autorität ü ii s r e r irabbihischen Führer unterstellen, -diese Erez Isroel-Arbeit als . . ■ .a i.. •. | V. -..... i )ll?tOQnD^n anzusehen sei. ,: h :; i.;: . , Sollte sie es nichti!-1—:W,e^in der "p*! von ft|)Onb 0,ai 'in« seine; Kräf|iiiuid Güjtigkejjt,;^|cht, yejrjlpren hat •— fur; die;G-e-s am t-h eiitii der;: Tl IST D'Tin sein? Oder wo sind denn die 1001 ^izra iWl*nn 'llOi - die als Anklage^ der agudi&tisßhcn: Erer Isröel-Arbeitdas-. Billigende, segnende Votum der Tausend, aus der.,,Welt ^u schaffen vermöchten? -— —].'— ' ';!'! / :: .Wenn man aber von 1 i.nk s immer, wieder:; den Vorwurf erhebet, daß die Orthodoxie , zu '1''* i; ■ '' ' . lange in VAin^l^biger Skepsis'' gegenüber '■ der.; An^irkeniiung.; deS' modernen. Erez Isroel-Aufbaus; yerhärrt, :sich! [allzulange, bis es zU| spät gewesen seij. von dern,; Eintritt in , die Arena ,,des großen pälästinensisplien Kiijltürkampfes zurückgehalten üiitl jschließMcih nur.jmit h a.l b.e r Kraft und un^- teulanglic^em : .Einsatz;. ma'tpriisller - Mittel; (, das Wtei^ges.chkchtliche Ringen um den Heiligkeitscharakter des G'tteslandes begonnen habe — so wagen wir zu« glauben, daß auch diese Argumentationen der D^IBpü von links vor dem die nS' W'N '^ya erschauenden Blicke des riins^in am piriDT' nicht schwer wiegen können. Wie kam es denn? Mit dem Mute und der rücksichtslosen Energie' der Verzweiflung haben sich vor 50 Jahren die jungen Pioniere des Palästina-Aufbaus in das Werk dieses Aufbaus hineingestürzt — und aus der V e r z w e i f- -l ung am Golus ist im Gründe der höchste Elan des jüdischen Nationalismus,und sein materieller Erfolg »hervorgewachsen. An die S t e 11 e des zusammengebrochenen oder, schal gewordenen religiösen Ideals, des einzigen, das über die Enttäuschungen und Prüfungen eines unsäglich harten tausendjährigen Golus-Martyriums hatte ..hinwegretten können, hat die Geschichte als Surrogat das nationalistische gesetzt — und die Eroberung eines Landes, auf dem und an dem dieses Ideal* sich realisieren könne, ward nun ein dämonisches Muß von stärkster, alle Widerstände brechender Triebkraft für die ihres religiösen Haltes verlustig gegangene russisch-jüdische Jugend und ihre Mitläufer. ■ Was Wunder, daß — von allen hier oft schon besprochenen religiös-rationalen Bedenken der r ab b inis:chea Führ er der vorigen Generation gegen den Zionismus abgesehen — die Orthodoxie unmöglich dem gleichen Dämon einer nationalistischen Ersatz-Religion anheimfallen und daher auch unmöglich der dadurch herbeigeführten unleugbaren Konzentration aller Kräfte auf einen Punkt teilhaft werden konnte? Es ist nicht nur ein „gutes Wörtchen", sondern das Symbol einer tiefen psychologischen Wahrheit von weittragendster Bedeutung, wenn man gesagt hat, der Zionist habe nur eine Mizwö zu erfüllen, der thoratreue Jude aber 248, kein Wunder, daß iener s e i n e „Mizwa",, seine einzige, mit vervielfältiigter Energie vollziehen könne! f Das jüdische Volk hat .gewiß gelernt alles auf eine Karte zu setzen! und nicht etwa aul allen Hochzeiten der Weltgeschichte zu tanzen,. um Nummer Sicher zu .gehn — aber d i e s e . eine K arte heißt nun einmal für den wahrhaft gläubigen Juden nicht Erez Isroeldas ,uns; gegeben und genommen wurde und dereinst wie;. der gegeben werden . wird, . sondern sie heißt „G'tt und s e i h e1 Th o r. ä " , ohne die wir nicht leben können auch, nur einen einzigen Atemzug lang.; . Und die Begeisterung für die Größe und die Schönheit und das Glück des Lernens und der Mizwa-Erfüilung.mag diese Mizwa »mW IttPIp 'flltt oder JWR 3W» JV15£» heißen, -.— sie. ist nun einr mal .die Zauberkraft; die dien-Seele . des. echten Jüden i über allen GesGhiekes%:ech|se.l, und über alles Goiuseiend hinaus erfüllt; und beherrscht, und die, wenn s i e echt.istikeine an-, ' 4 1 j deren a 11 e i n h e r r sehend e n G e f ü h 1 er, neben sich duldet. :;>,jfjie,r liegt —.jenseits aller ratio — der Schlüs-. . i&el dafür, daß die Einen misrachistischer Geistest richtung anheimfallen, sobald, ihnen selber unbewußte in ihrer Seele die AJ L e i n h e r r s c h af t dies Thora- und Mizwa-Glückes üfier alles Fühlen nachläßt, und das nationale Bewußtsein in der. Skala der; Qefühle steigenden Herrschaftsrafng ■. erlangt, die Anderen dagegen1—: des Thoraglückes übervoll —;,(das Bewußtsein! verlieren ypn dem Mizwarang! und der weltänsdhiaulichen Bedeutung des ewig keüigen G'ttesböd'ens innerhalb des Systems der Thoraweisheit und so — ein unvollziehbarer Gedanke —n> zu .;v,Gegne¥h."!'; yön VS'^i'ipIK m^niSö' überhaupt oder,;1 min-;; destens der Er0,z . Isroel- A f bei t :werden^ weil diese als Parteimarke mißbraucht worden ist.