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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 38 Oer Israelit * 16. September 1936 Generalleutnant Dill in Palästina. Jerusalem, 13. September. Generalleutnant John Greer Dill, der neue Oberkommandant der englischen Streitkräfte in Palästina, ist am Sonntag Nachmittag an Bord des Zerstörers „Douglas" eingetroffen. Von Haifa hat sich Generalleutnant Dill im Flugzeug nach Jerusalem begeben, wo er im Regierungshaus edne längere Aussprache mit High Commdssioner Sir Arthur Wauchope hatte. Zugleich ist das erste Kontingent der für Palästina bestimmten Truppendivision in Palästina eingetroffen. Der Transport zahlt 1700 Mann. Das frühere Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Oberstleutnant F. H. K i s c h ist zum Verbindungsoffizier zwischen dem Militärkommando in Palästina und der Jewish Agency ernannt worden. Bürgermeister Meir Dizengoff hat anläßlich des Eintreffens Generalleutnant Dills einen Offenen Brief veröffentlicht, in dem er den Kommandeur im eigenen Namen und im Namen der Stadt Tel Awiw als einen „zweiten Allenby" begrüßt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es ihm bald gelingen möge, den Frieden herzustellen. Inzwischen hat auch das Oberste Arabische Komitee eine Erklärung veröffentlicht, in der behauptet wird, die Unruhen hätten nicht, wie der frühere Kolonienminister Thomas erklärt habe, in Jaffa, sondern in Tel Awiw begonnen. Es wird ferner in Abrede gestellt, daß die arabischen Forderungen mit dem Mandat unvereinbar seien und behauptet, nicht die Araber, sondern die Juden: und die Regierung seien an den Unruhen schuld. Die. Entsendung einer Kgl. Kommission sei keine genügende Maßnahme < um die Araber zu beruhigen. Schließlich wird erklärt, die Araber Palästinas hätten durch die Aufrechterhaltung des Streiks keineswegs Feindseligkeit gegenüber den Vermittlungsbemühungen der arabischen Herrscher gezeigt. Man ist jetzt der Ansicht, daß General Dilti nachdem er Besprechungen mit den Zivil- und Militärbehörden Palästinas abgehalten hat, nicht erst a<uf eine Friedensgeste der arabischen Führer warten, sondern den Belagerungszustand über einzelne Landesteile oder das ganze Land verhängen wird. Letzter Schlichtungsversuch in Jerusalem. Jerusalem, 13. September. Am Sonnabend, den 12. September, hat der High Commissioner das ganze, aus zehn Personen bestehende Oberste Arabische Komitee, mit dem Mufti von Jerusalem an der Spitze, in längerer Audienz empfangen, um vor der Ankunft des neuen Oberkommandierenden Generalleutnant Dill einen letzten Versuch zu unternehmen, den Konflikt in Palästina in friedlicher Weise zu schlichten. Die Unterredung dauerte etwa V/2 Stunden. Nach der Audienz trat das Oberste Arabische Komitee zu einer Sitzung zusammen. Die Beratungen; die sehr stürmisch verlaufen sein sollen, wurden während des ganzen Sonntags fortgesetzt. Ein Beschluß, den Streik abzubrechen, wurde nicht gefaßt, vielmehr wurde eine Konferenz der lokalen Streikkomitees für Donnerstag einberufen. Diese Konfereenz soll die letzte Entscheidung über Fortdauer oder Abbruch des Streiks treffen. Neue Vorschläge. London, 9. September. „Manchester Guardian" veröffentlicht eine Zuschrift des Unterhausmitglieds Sir Stafford Cripps, in dem die Errichtung eines autonomen Juden- und eines Araberstaates in Palästina unter einer gemeinsamen Bundesregierung sowie folgendes „Kompromiß" als Diskussionsbasis für die jüdischen und arabischen Führer vorgeschlagen wird: 1. Zeitweilige Einschränkung der Einwanderung von Juden und Arabern nach Palästina auf das Jahresmittel der Jahre 1925 bis einschließlich 1929. 2. Vorübergehendes Aufhören des Bodenkaufs durch Juden. Ueber diese beiden Punkte soll Einvernehmen erzielt werden, bevor Besprechungen über die endgültige Lösung beginnen. Beide Vereinbarungen sollen außer Kraft treten, wenn die folgenden Verhandlungen scheitern. 3. Palästina soll in zwei unabhängige autonome Staaten, einen arabischen und einen jüdischen, geteilt werden, die unter einer palästinensischen 'Bundesregierung zusammengeschlossen werden sollen. 4. Bodenkauf und Einwanderung in beiden Staaten soll von dem betreffenden Staat selbst und nicht von der Bundesregierung kontrolliert werden. 5. Handels- und Verkehrsfreiheit zwischen den beiden Staaten ist zu gewährleisten. 6. Der arabische Staat soll von der englischen Regierung eine Anleihe erhalten, um das Niveau seiner Erziehung und seiner Landwirtschaft zu derselben Höhe zu bringen, die das von privater Seite für den Judenstaat zur Verfügung gestellte Kapital ermöglicht hat. 7. Die Bundesregierung soll sich hauptsächlich mit den Beziehungen nach außen, mit Post-, Telegraph- und Verkehrswesen und ähnlichen öffentlichen Diensten befassen, vorausgesetzt, daß andere Gegenstände ihr durch Vereinbarung der beiden Staaten übertragen werden. n Intervention der arabischen Könige kommt in Palästina nicht mehr in Frage. Erklärung des High Commissioner. Jerusalem, 14. September. Ueber den Verlauf der Unterredung, die High Commissioner Sir Arthur Wauchope am Sonnabend mit dem Obersten Arabischen Komitee abgehalten hat, wird aus Kreisen der Zionistischen Exekutive noch mitgeteilt, daß der High Commissioner auf die Frage nach der Möglichkeit einer Vermittlung zwischen Regierung und palästinensischen Arabern durch die Herrscher der arabischen Nachbarländer erklärt habe, eine solche Vemittlung komme überhaupt nicht in Betracht. Als der Mufti sodann' die Frage einer Vermittlung des irakischen Außenministers Nuri Pascha berührte, erklärte der High Commissioner, diese Vermittlungsaktion sei bereits endgültig gescheitert. In den sonntägigen Beratungen des Obersten Arabischen Komitees stießen die Anschauungen der gemäßigten und der radikalen Mitglieder des Komitees hart aufeinander. Nach der schließlich erlassenen Proklamation zu urteilen, haben die radikalen Elemente die Oberhand behalten: 'H$B§!8&'. Antrag für den nächsten Arbeiterschedule wird vorbereitet. Jerusalem, 10. September. Wie die ITA. erfährt, bereitet die Exekutive der Jewish Agency die Anträge für den Arbeitereittwanderungsschedule des Halbjahres Oktober 1936 bis April 1937 vor. Die Rechtslage ~ aus Deutschland Ausgewanderter. Prag, 13. September. Das tschechoslovakische Nationalkomitee, die Spitzenorganisation aller in der Tschechslovakei arbeitenden Stellen für Auswandererfürsorge, hat ein Memorandum ausgearbeitet, das der Septembertagung des . Völkerbundes vorgelegt werden soll. In dem Memorandum wird insbesondere die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der privaten Fürsorge mit den amtlichen Stellen hervorgehoben. Unter Hinweis auf die Nürnberger Gesetze wird die Gleichstellung der Auswanderer aus Deutschland mit den Staatenlosen verlangt. Den in den Asylländerh Neugeborenen soll das ius soli (Erwerb der Staatsangehörigkeit des Geburtslandes) eingeräumt werden. Unter den sozialen Forderungen steht die nach arbeits- und sozialrechtlicher Gleichstellung des Auswanderers mit den Bürgern des Gastlandes an der Spitze. Als Sofortmaßnahme wird die Notwendigkeit staatlicher Subventionierung der Fürsorge betont. Die vorzugsweise Erteilung von Arbeitserlaubnissen an Jugendliche wird als besonders dringlich bezeichnet. Das Memorandum wird sämtlichen Delegationen des Völkerbundes übergeben werden. Polens Interesse an der jüdischen Auswanderung nach Palästina. Warschau, 13, September. Sklädkowski hat am Freitag, den 11. September, den Präsidenten der Neuen Zionistischen Organisation, Wladimir Jabofinsky, in längerer Audienz empfangen. Ueber den von dem polnischen Botschafter Graf Raczynski in London zugunsten der Auirechterhaltung der jüdischen Einwanderung; nach Palästina unternommenen Schritt wird noch mitgeteilt: Der polnische Botschafter in London, Graf Raczynski, der dieser Tage in Warschau weiltef hatte nach seiner Rückkehr in die englische Hauptstadt mit dem Ständigen Sekretär des Foreign Office, Sir Robert Vansittart, eine Unterredung, in der er der englischen Regierung volle Anerkennung für ihre entschlossene Haltung in Palästina aussprach. Der pohlische Botschafter gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Ansiedlungsrecht der Juden in Palästina keine Einschränkung erfahren wird und betonte, daß", die polnische Regierung der ijüdischen Auswanderung dorthin die größte Bedeutung beimesse. Aus dem Inhalt: Leitartikel: Politische RoSch-ha-Schotno- Reflexionen. Von Jacob Rosenheim Seite 3 General Dill in Palästina ..... Seite 2 Letzte ■ Vermittlungsversuche in Palästina Seit© 2 Keine Intervention der arabischen Könige Seite 2 Die Gemeindewahlen in Polen .... Seite 5 Syrien eine selbständige Republik . . Seite' 6 An Bord der „Adria" . . . ... . •. Seite 6 Wir weinen um Ismael . . Seite 6 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld . . . . . . Seite 7 Die antisemitischen Unruhen in Polen Seite 8 und 9 Berichte aus England . . Seite 9 Pälästinaberichte .......... . Seite 10 Beilage; Literarische Warte

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