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Der Israelit · 1936-09-16 · Heft 38 (16.9.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 38 (16.9.1936)
Date
1936-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 1 TEER 19*36 ^^^^^^^^f^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ ^fsi? * Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 16. September 1936 29. Elul 5696 fiimmer 38 •Wenn Gedenk e n. nichts, anderes bedeutet als ein Fes t h a 11 e naller Geschehnisse und Ereignisse von 'historischer Bedeutung, so tritt unter den verschiedenen Namen unseres Rosch- Haschanah diesmal der ]V13TiT0Y'' seine Bedeutung als Tag d e s G e d e n k e n s , in den Vordergrund. Wir haben viel zu denken und zu g e d e n k e n zu Beginn des Jahres 5697. " % Ein Jahr hat sich gerundet, seitdem [ * Deutsehlands Juden nach'hundertjährig gern Assimilatiorisprözeß im eigenen jüdisahen Räume sich zu bewähren hatten. Sie haben 'die erste Probe bestanden. Ein großes Hilfswerk setzte ein.'Ungeheuer, waren die Opfer, die die Gemeinden zur Erhaltung ihres Gemeinwesens . und ihrer Institutionen aufzubringen hatten, was nicht verhindern ^konnte, daß viele kleinere Landgemeinden in diesem- Jahre untergingen. Neben einer grandiosen eigenen W i n t e rh i 1 f e blühten auch andere Wohlfahrtsinstitutionen, und der Apparat der großen und kleinen Organisationen blieb .in steter Bewegung. Das Judentum Deutschlands wird sich in dieser Beziehung am . Tage der Einkehr keine wesentlichen Versäumnisse vorzuwerfen .'haben. .' " Im thoratreuen jüdischen .K r e i s e ist ein Jahr des frisch pulsierenden Lebens| zu verzeichnen. Unsere Thoralehranstalten blühen wie selten je. Unsere Jugend strebt zur Hachschara, nicht, allein mit Hammer, Hobel und ■ -:■'■■( •'■ ' I - ' Spaten, sondern auch mit dem Buche d ©rieh r e, zu einer H a c h s chara -des Geistes'. ' Die W e 11 o r g ani -.;s a tion der G es e t z e s t r e u e n konnte noch vor Jahresfrist irrr Marieitf- -bad ihre innere Kraft erproben und zukunftsreiche Entschlüsse fassen. Es sind dies wertvolle Aktiva in. unserem (geistigen .und.religiösen; Leben, wiewohl die groß e religiöse B e w e.g u n g , die alle, au c h d i e Ab s e i t sstehend,en, erfassen sollte, und der heute mehr denn je in den letzten Geschichtsperioden sich aller Herzen erschließen/noch nicht in dem .'Maße eingesetzt hat, wie wir es wünschen möchten. "*) " ~ ■ '• ■'-:.'Vr ' '•' " Ein W an d e r ja-Jh/r geht für das -jüdische Volk, auch in Deutschland, zu Ende. Tausende, die voriges Jahr noch mit uns hier im Gebete vereinigt waren, beten dieses Jahr in fernen Ländern mit uns und für uns. Große Wahderscharen 'haben gerade, zu den 'heiligen Tagen das Land ihrer Sehnsucht betreten und viele andere werden den Schofarruf über Meere hin-' aussenden, denn Land ihrer. Hoffnung, entgegen. Elul-h.o rn.^Aus einem älteren Kalender) Und nicht gering ist die Zahl: derer, denen die heiligen Gebete dieses Jahr A b s c h i e d bedeuten, Abschied von der Gemeinde, Abschied von der altvertraüten und durch Kind'heitserinnerungen doppelt gew£iHten: heimatlichen Gebetsstätte. Für sie* alle istider. Tag ein Tag d e s^ G e d e nk e ri s. in erst prV -Reihe. . . " * ' Streift unser Blick über die Ostgrenze, so stimmt uns das* Gedenken nicht weniger.• ernst. In Polen hatdä^ ••abgelaufene Jahr unseren Brüdern ein S c h ä cht v e rbot gebracht und ein „Przytyk", das das blutige Wort für das schwerste jüdische Erlebnis dort geworden ist. In Rumänien stehen unsere Brüder, als Zielscheibe politischer und nationaler Leidenschaften, vor einem neuen. Regierungsprogramm, von dem sie nicht wissen, was es ihnen in ihrer schon , olmehin schwierigen politischenLage bringen wird. In Italien entscheidet sich das . Schicksal unserer hunderttausend in diesem Jahre freigewordenen Brüder oder Halbbrüder in Abcs sini en, Auch sonst zeigt uns die . Lage allüberall das Fest als D^>tt? nifl DT, als Weltenwende, deren Ausgang Israel, nach langer Erfaihrung, mit bangem Herzen entgegensieht. Aber alle Fragen und Sorgen werden in den Schatten gestellt durch die Ereignisse im heiligen Lande. Ein Halbjahr des anhaltenden Zitterns um die heilige Erde, die uns in dieser Zeit über achtzig Märtyrer von neuem so lieb und heilig gemacht haben, rundet sich am Rosch Haschana. E r e z Israel ist der entsetzlichste Posten in unserer Jahresbilanz beim Wechsel der Zeiten. Und dennoch auch unser wertvollstes Aktivum, um das all unsere Hoffnungen kreisen. Mit Bangen und Hoffen treten wir das neue Jahr an, jedes neue Jahr, seitdem wir die Feste in der Gola feiern. Alles Bangen des vorigen Rosch Haschanah wurde in diesem Jahre noch weit übertroffen. Möge unser Hoffen im kommenden Jahre seine Erfüllung finden. Aus großer Vergangenheit in die weite Zukunft weist Israels Welthoffnung, die mit den Visionen der Propheten begann und mit unseren Hochgedanken an den heiligen Tagen ihren Abschluß noch nicht gefunden hat. Durch der Zeiten Stürme, der Menschheit Leiden ohne Zahl und ohne Ende7 vom grauen Altertum bis in. die Neuzeit hallt -Israels Gebet aus seinen Synagogen, daß sich die Menschen in der Anerkennung und Huldigung G'ttes einen, daß aus dem G'tterkerinen sich der große Strom der Liebe ergieße über alle Werke der Erde. Und so hoffen und beten wir auch dieses Jahr unerschüttert weiter um * .„ E h r e. für Sein Volk, F. reu de 'für Sein Land m&~Wonne für Seine Stadt!" -

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