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Der Israelit · 1936-09-10 · Heft 37 (10.9.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 37 (10.9.1936)
Date
1936-09-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 37 Der Israelit 10. September 1936 Auch die Lehrlinge und besonders die so stark in das Licht der Oeffentlichkeit gerückten An l ernwerkstätten dürften allgemeines Interesse hervorrufen, da es das erstemal ist, daß diese Einrichtung an die Oeffentlichkeit tritt. Der Eintritt ist frei; außerdem wird eine Ausstellungslotterie dazu beitragen, den Besuchern zu einem niedrigen Lospreis einen wertvollen Gewinn zu erobern. Auch Nichtmitglieder des Vereins können sich an der Ausstellung beteiligen; Anmeldung hierzu beim Vonsitzenden Dipl.slng. Joseph, Gr. Friedberger- Straße 32. As. Eine Versammlung der Revisionisten, War es beim vorjährigen Referat des Herrn Direktors Georg Kareski mehr das sagenannte „Innenpolitische", das, was Kultur, Wirtschaft und Politik des Zionismus betraf, das einer unigewöhnlich scharfen Kritik von ihm unterzogen wurde, so wandte er sich am Montag Abend im Verlaufe seiner einstündigen Darlegungen hauptsächlich gegen die heutige „Außenpolitik" des offiziellen Zionismus. Der Redner ging aus von der Situation vor etwa 40 Jahren, als der Herzl'sche Zionismus aufkam. Wie seinerzeit der Zionismus den Auftrieb erhielt durch die Not der Zeit, so erlebe er durch die heutige ausweglose Judennot seine Ausdehnung. Er erinnerte an die Leiden der Juden in den Ostländem, erwähnte die Absperrung vieler Staaten, denen an. sich der Judenhaß fernliege, und nun könne das einzige Stückchen Erde, das die nach Ruhe und friedlicher' Tätigkeit suchenden jüdischen Menschen in den letzten drei Jahren aufgenommen habe, nicht mehr diese Funktion ausüben. Aber — so sagte Kareski — es hätte nicht so sein müssen, — wenn das jüdische Volk nicht die Lehren von, Theodor Herzl vergessen hätte. Die offizielle Presse rufe: „Verständigung mit den Arabern!" Auch die Revisionisten, die auf' sich bei den letzten Kongreßwahlen 730 000 Stimmen vereinigen konnten, während 'die gesamten andern Zionisten*Fraktionen nur insgesamt 630 000 Menschen aufzubringen vermochten, —. sie wüßten, daß eine Zusammenarbeit mit den Arabern nicht zu umgehen wäre. Wo aber sei das Echo aus dem arabischen Lager? Noch sei die Zeit zur Verständigung nicht reif. Erst wenn der jüdische Sektor so stark sein wird, daß ein Ansturm gegen ihn erfolglos erscheint, werde die arabische Welt die Notwendigkeit dazu anerkennen. Spräche man heute Menschen, die aus Erez Jisrael kämen, dann gewänne man die Ueberzeugung, daß sie alle mit der heutigen Führung, deren Politik zusammengebrochen sei (Weizmanu sei nicht mehr der Mann wie vor 20 Jahren, er habe sich wie ein Prokurist Englands benommen), unzufrieden seien und nach einer kraftvollen Politik verlangen unter dem Druck der Jüdemnot auf der ganzen Welt. — Hätte man der staatszionistischen Parole gemäß, beim Ausbruch der Unruhen, am ersten Tage, anders reagiert auf den Terror, die Üeberfälle und die Vernichtung jüdischen Gutes, :— -es wäre nicht zu dem gekommen, was wir bis heut© hätten ©rieben müssen, nach. 24 Stunden wäre alles beigelegt gewesen. Der Referent forderte dann, auf Grund seines Parteipro* gramms, die Wehrhaftmachung des jüdischen Volkes; das ein Anrecht habe, sich selbst zu verteidigen in seinem ihm nach g'ttlieh-thistorisohem Recht gehörenden Lande. Wie eine Politik aufhören müsse, die die ehrlichen, judenfreundlichen Anstrengungen des englischen Abgeordneten Wedgewood; durch die Jewish Agency inhibiere, so müsse Schluß gemacht werden mit einem Pazifismus um jeden Preis, Umkehr auf der ganzen Linie sei notwendig. Der Vorsitzende der Frankfurter Gruppe, Herr Rotholz, las eine Resolution vor, die an die englische Regierung wedtergeleiitet werden soll, in der Glückwunsch- Inserate für 7]W7\ tPXI in drei Größen zum Sondertarif ' Allen lb. Verwandten u. Freunden herzl, ■ :~» n31B na»nm tjvra Max Wolf, Dresden, Leipzigerstraue 59 - 10 mm 2sp. 3.20 I Unserer werten Kundschaft wünscht | | ü'" nrmm naw riö wn m»m 1 15 mra 2 5p, ♦ Bäckerei Heinemann Wwe. f * on X Halberstadt, Bahnhofstraße 122 | ° Allen Verwandten, Freunden und Be-1 kannten nur auf diesem Wege die herzl. t nnaun nmü na'nni mTO! 20 mm 2 sp Familie Abraham Seligmann Jerusalem 6.40 Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr, 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden., Texte, die bis zum 14. September in unserem Besitz sind, werden in der Rausch-ha-schono-Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Frankfurt a. M., Elul 5696. Die Anzeigen-Verwaltung des Israelit Sammelinserat Ablösung für Erez Jisroel. Wer sein« Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 1.50 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sams melinserat beifügen. gegen die beabsichtigte Sperre Palästinas- Einspruch erhoben wind. Eine Anzahl Versamndungsteilnehmer, da© sich offensichtlich nicht zu den Ausführungen des Redners und dem Inhalt der Entschließung bekannte, verließ den Saal, bevor der Vorsitzende zu Ende gesprochen hatte. Ha. Verein Wohltätigkeit. Der Verein „Wohltätigkeit" hält seine G'ttesdienste an den Hohen Feiertagen' in der Turnhalle der Samson Raphael Hi>rsch=Schule Am Tiergarten 8 ab» Die Geb eifcsz eitern, sind wie folgt: Vorabend Rosch Haschonoih 6.15 Uhr; 1, Tag-Rosch Hasohönoh morgs. 7 Uhr; 1. Tag Rosch Baschonöh abds. 7.20 JUhr; 2. Tag Rosich Haschonoh moirgs. 7 Uhr; Vorabend Schabbos Schuwoh 6 Uhr; morgens Schabbos Schuwoh 8 Uhr; Vorabend Jaum Kippur 5.55 Uhr; morgens Jaum Kippur 7 Uhr. Briefkasten. K. L. und Andere. Vom Rabbinate der Frankfurter I. R. G. wird uns mitgeteilt, daß Frauen, die infolge häuslicher Abhaltungen dem G'ttesdienste in der Synagoge am Rosch-Haschanah nicht beiwohnen können, mit den niypiv die nach Schluß des G'ttesdienste» geblasen werden, - auch wsv sind, wenn sie die Absicht bekundien, damit ihrer Pflicht zu genügen und für sich die vorgeschriebenen nisia sagen. L. M, in B. Rabbi Akiba Eger starb am 13. Tiischri rrxpn (1837), somit ist der hundertjährige Todestag erst nächstes Jahr. Die Geschichtsbücher, die als Todesjahr 1838 angegeben, dachten nicht daran, daß man im Tischri 5598 noch 1837 zählte. X. Y. Wir 'haben Ihre längere Zuschrift dem Autor der Not&z zugestellt, damit er dazu Stellung nimmt. Gruß. B, P. 100. Nein; auch 'die von Ihnen genannte Brochoh wird bei dieser Gelegenheit nicht gesagt. S. Sußmann, Budapest. Wir nehmen und geben zur Kenntnis', daß die Redewendung sich an d«a Satz Echa 1, 30 yn naw!?3 ds^k k^> anlehnt, wonach Ihrer Ansicht nach aa^x die richtige Schreibart sei. Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Max Wedtz und Frau Gustl, geb. Grebenau, Tel Awiw, Adolf Gremier 16. — Ein Sohn, Lehrer Maufred Levisohn und Frau Recha geb. Wolf, Schenklengsfeld. Verlobte: Hilde Kohn, Nürnberg mit Miklos Stern, Tekovske-Sarltihy. 8 6. Geburtstag: Frl. Friederike Altmai er, Flörsheim a. M., 11. 9. 1936. Gestorben: Frau Regina Weißberg geb. Gewürz, Köln, Heumarkt 33, 4, 9. 1936___Frau Jeanette Harburger, Gailingen, 88 Jahne. Jubiläum einer Gebetu. Heilstätte« Wer einmal am Freitag vor Sabbatanbruch von der Danzigerstraße her durch das große breite Tor die Treppen zwischen Blumenbeeten hinaufstieg zu den Räumein des Gumpertz'schen Siechenhauses, erlebte es zutiefst und ■zuinnerst, wie sich ein Haus für den Sabbat schmückt, wie die Sabbatseele in eine Stätte, in der die Woche über viel Leid und Schmerz brüten, einzieht; mit ihrem sanften Flügelschlag durch die blitzblanken Korridore rauscht, um Sonne in sieche Herzen zu leiten und fließendes1 Gold über Menschenleid zu gießen von Abend bis Abend. Wer das einmal an leinem Sommer- oder Winterfreitagabend nicht erlebt hat, der hat die heilende Kraft des Sabbats in Wahrheit nicht erlebt. Im kleinen schmucken Raum, der .für die Syna* goge bestimmt ist, brennen alle Birnen, die die Marmortafeln mit der goldenen Inschrift an den Wänden in weißes Licht hüllen. Eine kleine Gemeinde äst versammelt. Die /^Baalebattdm", die zum Hause gehören, für die dieser Raum errichtet ist, kommen zum Teil auf Rollstühlen angefahren, zum Teile von Schwestern geleitet. Es sind welch© dabei, die schon seit Jahren ihre Glieder nicht mehr bewegen können, neunzigjährige Greise und auch „ewige Kinder1'. Im Nebenraume, der zum G'tteshause weitgeöffnet ist, die Frauen. Gäste und1 Freunde des Hauses finden sich ein, um mit den Kranken im Gebete vereinigt zu sein. Hier lernt man G'tt danken für des Lebens kostbarsten Schatz, die Gesundheit, hier im Kreise derer, die hilflos mit zitternder Seele sich zu G'tt emporrichten, geht einem der Sinn auf für das Gebet: „Verwirf uns nicht zur Zeit dies Alters, wenn es mit unserer Kraft zu Ende geht, verlaß uns nicht!" Auf erhöhtem Ehrenplatz der Rabbi der Anstalt und neben ihm noch ein Rabbi, zu denen die Gemeinde der Kranken in Ehrfurcht hinaufschaut. Am Pult der Vorbeter trällert die Strophen des herr* liehen Liedes der „Sabbatbraut, der der Bräutigam entgegenzieht," und 'eine Gemeinde fällt jubilierend ein, als hätte 'es niemals Leid und Sorge und Tränen und Kummer in diesem Hause gegeben. Freunde sind hier stets willkommen, und der beste und liebste Freund ist eingezogen — der Sabbat. Die Sabbatgebete sind verklungen. Ein Zeichen des Verwalters, der seit über dreißig Jahren die ganze Liebe «eine« Herzens in dieses Haus investiert hat, und der „Sabbatgruß für die Engel" klingt aus einigen Dutzend Kehlen. „Friede mit Euch Ihr Engel des Dienst es; kommet in Frieden; segnet uns mit Frieden und ziehet wieder in Frieden, Ihr Engel des Frieden®!" Hell klingen die Stimmen und man sieht die guten Geister, wie sie, in einer trüben, kalten Welt heimatlos herumsohwiirrend, hier hinter Sabbatlichtern und An sabbatlich gesrtimmten Herzen Schutz und Obdach suchen . . . Dann spricht — in WAnterfreitaJgabenden — der Hausrabbi an die Gemeinde, oder es ist 'ein Gast* redner da, der alle Register der Seele aufzieht, um aus verschütteten Tiefen in der Menschern Herzen alles herauszuholen, was da noch lebt und leuchtet. An solchen Freitagabenden feiert diaS' Hau» ein Fest, wie es noch kein Palast im grellen Lichte der großen Kandelaber erlebt hat ... So geht es schon seit 25 Jahren, Säbbat für Sabbat. Eigentlich Tag für Tag, denn der tägliche G'ttesdienst gehört zu der Therapie des Hauses. Aber der Sabbat, der Freitagabend, gelegentliche Veranstaltungen, sind die Höhensonne, mit deren Strahlen hier Krankheitsherde ausgetrocknet werden. An diesem Sabbat rundet sich das Vierteljahrhundert der Weihe. 25 Jahre sind in dem Raum Woche für Woche die Sabbatüchter erstrahlt, die SabbatÜeder .erklungen. Menschen kamen und gingen, manche Kehle, die einmal laut mitsang, ist v.er* stummt. Andere Zeiten, andere Vögel und die gleichen Lieder. Das Haus wird an diesem Jubiläumssabbat ein Fest der Feste feiern. Aus dem Kreise der Insassen des Gumpertz'schen Siechenhauses geht uns noch folgende Zuschrift zu: Genau 25 Jahre werden es jetzt, am 25. Elul, daß man zum ersten Male 'Minjan machte in der g'ttgeweihten Stätte des Gumpertz'schen Siechenhauses. Der Verwalter der Anstalt, Herr Hermann Seckbach, empfand es als .Erster, daß in einer Krankenanstalt nicht nur für das körperliche Befinden, sondern auch für die seelische Erfrischung der Kran» ken gesorgt werden muß. Jeder Arzt kann das ja bestätigen, daß die Milderung von Schmerzen und Leiden viel von dem seelischen Befinden abhängt. Also fand unser Herr Seckbach gleich Freunde und Gönner, so die Herren Rabb. S. Wolpert, R. Golde und Jul. OppenheHmer, die ihm behilflich waren und beistanden in dem g'ttgefälligien Werk, das heute der Glanz und Stolz des Heimes ist. Herr Seckbach als Präses der Kehilloh versieht ehrenamtlich mit seiner so schönen klangvollen Stimme den Posten des Vorbeters. Täglich, sowie an Sabbat und Feiertagen werden G'ttesdienste abgehalten, wozu Freunde des Hauses aus der Nachbarschaft und auch von fern erscheinen und so gemeinschaftlich im höchster Harmonie mit den Patienten G'tt loben und grüßen. Auch Schiiurdim und' Vorträge wenden gehalten, wobei jeder Teilnehmer enorm viel lernen bann umid stets von Neuem Mut und Kraft findet fürs Leben, was ge* wiß 'bei der schweren Zeit nicht zu unterschätzen ist. Zu den Dozenten zählen wir neben unserem Rabbi J. Wolpert Herrn Schachnowitz, sowie die Herren Studiehrat J. Kaufmann, Rabh. Korn und Herrn Dr. J. Saffra. Heilige Funktionen für gemachte Jahrzeitsstiftungeni werden aufs Pünktlichste lind Andächtigste ausgeführt. Wir danken heute allen, die sich um die geheiligte Stätte verdient machen und verdient gemacht haben, von ganzem Herzen. Mancher ist nicht mehr zur Stelle und wejäl't infolge Auswanderung in der Ferne. Hoffen wir, daß G'ttes Segen weiter ruhe in der kleinen Synagoge im Siechenhaus, die wohl klein an Raum, aber für uns groß von Bedeutung ist. K.

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