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Der Israelit · 1936-09-10 · Heft 37 (10.9.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 37 (10.9.1936)
Date
1936-09-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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?;C'^S;S^t?*,i^^^'^?S5^v Seite 12 Nr. 37 D 1 s t a e hi »t 10;1 September. 1936; Jüdische Gaststätten in unserer Zeit. Von J. L. Wie häufig mußten wir alle schon Klagen über Mängel und Fehler jüdischer Gaststätten vernehmen und wahrnehmen, daß viele Glaubensgenossen glaub ten, ihren Nichtbesuch dieser Häuser damit entschuldigen zu können, daß sie dort angeblich nicht jene Ordnung, Pflege und Bequemlichkeit fänden, die sie in andere Hotels zieht,? Ob und inwieweit im Einzelfall Beanstandungen berechtigt waren und ob daraus diese weitgehenden Folgerungen gezogen werden durften, soll int der folgenden kurzen Betrachtung nicht nachgeprüft wer den. Es sei vielmehr dem Schreiber dieser Zeilen — der eben aus einem längeren Erholungsaufenthalt in einem bayerischen Kurort zurückkehrt — nur er laubt, auch einige lichtvollere Eindrücke Wiederau geben, .die zu erfahren die jüdische Oeffentlichkeit wohl berechtigt erscheint. Um dem Verdacht, für einen bestimmten Ort oder ein spezielles Haus Rek lame machen zu wollen, zu entgehen, sei hier kein Name genannt, so gern man auch der Verlockung erliegen möchte, die liebliche Gegend, mit . ihren machtvollen Waldungen, ihren heilkräftigen. Bädern und Wassern zu rühmen: — es sei um der geböte* nen Objektivität willen, unbedingt unterlassen. Allein von den jüdischen Hotels und ihrem spezifisch-jüdischem Leben', kurz der jüdischen Gesamt atmosphäre des Hauses? sei die Rede. ' Wer, wie der Verafsser, fast sein ganzes Leben beruflich auf Reisen war, kennt natürlich das Leben in Hotels; er weiß, wo man „gut aufgehoben" ist, und welche Ansprüche man stellen darf. Aufgrund dieser wohlerworbenen Sachkunde vermag guten Gewissens und ohne Einschränkung festgestellt werden, daß es jüdische Häuser in reicher Zahl gibt, die allen Anforderungen eines neuzeitlichen, gut geführten Hotels entsprechen und deswegen für keinen Glaubensgenossen irgendwelche Gründe vorliegen, diese Gaststätten zu meiden. Schon äußerlich kein Unterschied oder Mangel: am Bahnhof erwarten di^h die Hausdiener, deren Dienstmützen der Name des Hauses ziert. Bauten und Gärten stets geschmackvoll gepflegt, die Wege geebnet, die Bäume sachkundig behandelt — alles Kleinigkeiten, die schon beim Betreten des Ortes einen berechtigten guten Eindruck hinterlassen. Empfangsraum, — Briefabgabe zweckmäßig und elegant — Zimmer stilvoll möbliert, überall fließendes kaltes und warmes Wasser, in verschwenderischer Fülle Hand-, Bade= und Frottiertücher — mit einem Wort: alles, wie wir es in Häusern ersten Ranges zu finden gewohnt sind. Daß im Schreib- und Lese-Zimmer neben verschiedenen allgemeinen Tageszeitungen und -Zeitschriften eine reiche Auswahl jüdischer'Blätter vorliegt, wird jeder warm begrüßen, der auch in der Urlaubszeit nicht den engen Konnex mit dem jüdischen Leben des Tages missen möchte. Inzwischen haben wir auch den Hotelbesitzer und die Damen des Hauses kennen gelernt und bald werden wir, nicht zuletzt die letzterwähnte, Bekanntschaft auch zu schätzen lernen. Denn als wir, -ärfrischt, gestärkt, aber auch mit reichem Appetit versehen, mittags uns im freundlichen Speisesaal einfinden und anfangen, die Speisekarte zu studieren, was müssen wir zu unserm — freudigen — Erstaunen vernehmen? Frau K., die Besitzerin des Hauses, erfuhr, daß wir einmal etwas Diät einzuhaken gehalten waren Und die soll nun, ohne daß wir auch nur andeutungsweise darum gebeten haben, weiter durch* geführt werden. „Aber", so fügt sie tröstend lächelnd hinzu, „S i e sollen etwas noch viel besseres zu speisen bekommen!" Und so geschah es> . . , Mit einfühlendem Verständnis erhältst Du von der Wirtin, die ein besonderes Empfinden dafür hat, wo Du hinpaßt und in wessen Gesellschaft Du Dich am ehesten heimisch fühlst, Deinen Platz am geschmackvoll gedeckten Tisch des Hauses angewiesen. Häufig trifft man Bekannte, aber auch dann, wo dies nicht der Fall ist, hat man schnell Anschluß gefunden, so daß Eigenbrödlerei ausgeschlossen ist; nirgends sieht man Einen oder Eine, die einsam ist. Daß beim Hauptthema von Badegesprächen: dem Essen, völlige Uebereinstimmung herrscht und nur Lob, Bewunderung, Dank und Anerkennung zu vernehmen Ist, — das entschädigt wohl die Leitung des Hauses am besten für all die ungeahnte Mühe, die ihr die Schar von Gästen Tag für Tag, Woche für Woche bereitet. Tischgenossen, die vordem noch nie ein jüdisches Hotel aufgesucht hatten, versichern, daß sie nie geahnt haben, welch hervorragende Gaststätten es im jüdischen Besitz gibt, sie kommen aus der Verwunderung darüber nicht heraus, weil ihnen bislang — unverantwortlicherweise — nur unbestimmte, aber geringschätzige Urteile über jüdische Hotels zugetragen worden waren. „Wenn wir gewußt hätten, daß so etwas besteht, dann wären wir.na* türlich auch all die Jahre vorher schon nur hierher zur Erholung gekommen.'" — das ist ein Urteil, das man dutzeridmal während der Kur vernimmt. Aber der Mensch-lebt nicht vom Brot allein . . . Zum schönsten, erhebendsten und unvergeßlichen einer solchen Urlaubsreise .gehört Jder 'Freitag-Abend im jüdischen Hotel, mit der festlichen TafeL'. im Glanz von Kerzen und frischen;$Jlüteni. erstrahlend mit den altvertrauten schönen Weisen wind; dein/: ge meinsam gesprochenen ^Tischgebet.,.(. Ein gewaltiges und bleibendes Erlebnis auch für, den, c^em diese Art der Sabbat weihe nimmer vertrau^ war und in 'd"™ dann oft s-cnone^und ruhrende Erinnerungen an' i vergessene Weihestunden im Elteirnhaus^Hvieder wach wenden. Uns war bei unserer Kur; die besondere Freude beschieden, in unserer Mitte einen der verehrungswürdigsten Rabbiner de® , Reiches zu wissen Nur derjenige; der es miterlebt hat, wird voll be greifen, wenn ich bekenne, daß .von dieser Gestalt auf das ganze, Haus eine schwerj.schil^erbare,,. aber jedem spürbare Würde und Weihe ausst-r-ahlte. Zum wirklichen Fest- und Ruhetag, zu einem Haltepunkt der Beschaulichkeit, der ■Vergnügung" und' auch Sammlung, wird so der Sabbat in diesem gro ßen jüdischen Haus. Und mancher, der glaubte, in des Tages Getümmel nimmer Zeit zuiii Besuch -des G'ttesJiauses zu .finden, — sucht hier 'den würdigen G'ttesdienst gern und dankbar auf; (ist ihm doch der Weg dorthin so leicht gemacht); freudig nimmt er daran teil, ist stolz, „aufgerufen" zu werden und die „Brocho" nicht verlernt zu haben. Daß der tiefe Sinn und die Innigkeit der alt* überlieferten Bräuche auch auf 'diejenigen GkWbens 'b rüder noch wirkt, die sie lange iscfaori' nimmerüben daswurde mit frappanter Deutlichkeit? klär, als im Haus eine „Holekrasch" gefeiert, wurde, anläßlich der vor kurzer Zeit erfolgten Geburt einer Tochter eines Freundes des Hotels. Es war ein richtiges Fest" fast ein Familienfest, des ganzen Hauses und Ortes! Die Kinder der Kehilla und aus der -Umgebung ka men angerückt und sie empfanden mit den Gästen des Hotels freudig bewegt die Weibe dieser alten froh=frommen Feier, von denen nicht wenige viel leicht gar nichts mehr gewußt haben mögen! So darf, ohne jede Uebertreibung gesagt werden In unserer Zeit vermittelt dasi gute jüdische Hotel Eindrücke, die einfach anderswo ausgeschlossen sind und dies allein rechtfertigt schon einen eindring liehen Hinweis auf diese Häuser. Ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit erwächst, ein feistes, aber nie drückendes, oder hemmend«», Band umschließt jeden, der sich der Gemeinschaft zugehörig weiß Daß dazu noch die besonders vornehme und ordentliche Führung des Gesamtbetriebes, die hervorra: gende Obsorge für Körper, Geist und Wohlbefinden kommt, wurde eingangs schon hervorgehoben. Solche Hotels, von Juden für Juden glänzend und umsichtig geleitet, wie an unserm — hier absichtlich , nicht namentlich aufgeführten — Ort, sind ein Segen für jeden von uns, der einmal richtig ausspannen und neue Kräfte für den Tageskampf gewinnen will.- Ihr Geist verbürgt, daß wahre Erholung geboten wird Diese — oft schwer ringenden — trefflichen Hotels mit zu unterstützen, ist für jeden deutschen Juden heute selbstverständliche Ehrenpflicht! SprechsaaL Hamburg, 8. Sept. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es ist zwar immer bedenklich, dem Kritiker in den Arm zu fallen, die Freiheit und Unabhängigkeit der Meinungsäußerung über Wert und Unwert literarischer Leistungen zu beschränken. Und .dennoch ist au oh diese Freiheit keine unbegrenzte; sie macht die geistige Arbeit unsrer Lehrer und Gelehrten nicht vogelfrei. Diesen Eindruck aber gewannen wir Hamburger aus der letzten Nummer des „Israelit", die eine Bcsprechung des Buches. Jomim Nauroi'm von B. S , J acobson brachte. ^Wegen zweier wichtiger oder unwichtiger Ausstellungen kommt der Kritiker zu dem vernichtenden Verdikt, daß um der Fehler willen-das Werk „für u n s r e Jugend" nicht brauchbar sei. Der gestrenge Herr Rezensent kann zwar selbst nicht behaupten, daß die beanstandeten Partien aus Mangel an Emuna, an innerer Überzeugung von der Wahrheit und Erhabenheit unsres Judentums geflos* sen sind. Sie klingen ihm nur an die Art und die Gedankenweise derer an, die: mit scheinbarer Wissenschaftlichkeit das Heilige zerstören. Dann aber isit sein Verdikt in solcher Allgemeinheit gewiß bereits eine große Ungerechtigkeit. Es ist aber grundsätzlich zu sagen, daß die Hinweise;auf „wissenschaftliche" Resultate oder Parallelen ' in anderen Bräuchen „Geschmackssache" sind, dem einen mißfallen," für seine religiösen Gefühle störend wirken, dem arideren gerade die Kraft des Glaubens stärken, seine Freude und Verehrung für das Jüdische mehren.' Seit den Tagen de® Rarabam ist der Streit über die Motive der Gesetze nicht zur Ruhe gekommen, hat den einen" das verletzt „•und beleidigt, was dem anderen, .ebenso thoratreuen, ^begeistert und erfüllt hat. /- J . ' Mir/ mag ein, Vergleich Ta&eihlich. mit deut» jschenv Volksbrauch alter- Zeiten". .zuwider seiioy ■ dfe .Einzigartigkeit jüdischen^;Miffi keine 'Parallele Zulassen; während em änd^ gewahrt, wie unser Brauch aus allm£n®ch^ entquillt. " '. * f , t; Es kommt keinem*; Kritiker, zü; s" e i$n; Fühlen so sehr als';das allein richtigerninzusteUen,- daß "er einem Buche: . Wert absprechen dürfte^ wenn .neben allen ' PpßMm ••und jüdischen :?Erklär.erii Väucfr ^eiri : Deüitungsversuch solcher rtatforfälisten-gegebe^ j Herr; B. S. J a c'o b s o"n> -gehörte-zu.vden.. fromme ®ten Ujnd besten in. unsrer jüngeren .Gel«lirfcengeneration, der hunderte dem überBefertein Judentum, ^zurückgewonnen hat, der an der altberühmten Talmud Tnora-Realschul'e zui HänirJürg als Meister der jüdischen Lehre gilt. Auch literarisch ifraben wir ihm manche schöne Gabe zu dianken. Sein Büch, ein© „Stoffsammlung", soll möglichst alles bringen, was der Jugend zum Chisuk Emuna helfen kann. . Schon die verehrte Person dies Verfassers hatte dem Kritiker eine gewisse Mäßigung auferlegen müssen. Wenn der Schreiber dieser Zeilen; auch die ßes anstandungen mitempfindet, so bLeibt das Buch von Jacobson doch ein außerordentlich we>rtvolles>t::aus dem unsere Jugend viel, viel Frömmigkeit' und Wis- : sen schöpfen kann. '■ Oberrabb. Dr, Carlebach. Ein ernstes Wort in ernster Zeit. Um es vorwegzunehmen, — es> handelt , sich um die Aufrechte rhaitung der Ruhe und Ordnung in unseren G ' 11 e s h ä u & er n. Es muß offen ausgesprochen werden, daß auch in Synagogen, die von den Orthodoxen besucht werden, die Ordnung, besonders die Ruhe und somit die Andacht, die an einer solchen Stätte zu herrschen hätte, durch das Schwätzen und Herumlaufen Einzelner beträchtlich gestört wird. Manche Liberale, denen der G'ttesdienst in ihren Synagogen nicht gefällt, werden nach Möglichkeit in orthodoxe Schulen gehen, um ein positiveres, reli* giöses Erleben zu finden, aber durch .diese Uebelstände davon zurückgehalten werden. Gelinde gesagt, entsteht dadurch mindesten» ein 'n Hn^n- Aber es ist doch auch vom i'T aus ein schwerer mex, das Gebet durch Schwätzen, zu unterbrechen. Diese Unterhaltung ist bestimmt eine Sache, die man bei gutem Willen und etwas Selbstbeherrschung leicht abschaffen kann. Jeder Einzelne von uns sollte dies beachten und wenn mögUeh, durch gelindes Zurechtweiisen zur Abstellung des Uebels beitragen. Ebenso isoIlten sich dies verschiedene Damen vornehmen. Es ist heute besonders in kleineren Gemeinden der Besuch de® G'tteshauses, das „einzige gesellschaftliche Ereignis", bei dem die neuen Toiletten usw, zur Schau gestellt werden können. Das* geht natürlich nicht ohne Zwiegespräche ab. Wir leben im Monat Elul und es ist dies' die Zeit, in der man „seine Taten untersuchen" soll,-und es wäre auch angebracht, daß unsere Führer von Kanzel und Katheder auf diesen Uebelstand hinweisen und ihn erfolgreich bekämpfen — zum Segen für uns alle. Leihrer E. Tachauer, Cham. . Zum gleichen Thema erhalten wir ein anonymes Schreiben von einem Frankfurter Leser, der bemerkt, daß er der deutschen Sprache nicht mächtig ©ei. Obwohl anonyme Zuschriften grundsätzlich seitens der Schriftleitung keine Beachtung finden können, sei hier eine Ausnahme gemacht. Der Brief rügt Mißstätide beim G'ttesdienste. Wir geben ihn im Originale wieder, in der Annahme, daß er auch in dieser Form seihe Wirkung nicht" verfehlen wird für 'diejenigen, die es angeht. Das. Schreiben lautet: nvnb ViHE» bo -p-ix nxa na 'Vyan onnu dwü; d-K3 nan" "idi D3i5 8*?3 n^sri vii'fiBtp D'*i9 nö^twi inVöria pit Leider ist. nebbich in.nQ33rt n'3. ort wrrnn n'3..wird vergessen wo man ist, mn ,D3*7i33 jirnan ppoM "3 aipnri siia na daß Ihr sollt Vma s«in und einrüeleen in Israelit die Bedeutung von 'die r-nVsiv daß man sich nicht unterhalten darf, •n-nfin mnc> nyvz Bisa inn f'vnv w»3 In die alte Schuhl Schützenstraße jeden r-)3ir> .ging der ctsp Seligmann r~ry herum von einer Bank zu der andern und an Vlpa gesagt „Hier ist kein Kaffe". Ich will vn nicht <~i"b reden und mich'*- in.lrrnVtt bringen rn. Nur. hbsn rwrnb- Nur. weil ich niebt die .: deutsche Sprache mächtig bin, 'i3i omn ns nsTttn- —; on-p ->b-&' Seid Vma. — "njn -iss1» aien 'fi 'xrtus osi— —! Für Fiele ■— —11 Soweit das Schreiben.; Mögen in diesen Tagen ernster Einkehr'die jüs dischen Brüder . und . Schwestern , die " gutgemeinten jüdischen Worte aus jüdischem Herzen beachten. und befolgen. Und nicht nur;für die Zeit der nswn-T^ge! tii»ii^uiiuMru«i!au^iifcMmwMB

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