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Der Israelit · 1936-09-10 · Heft 37 (10.9.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 37 (10.9.1936)
Date
1936-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. September, 1936 Oer Israelit Nr. 37 Seite 5 heren Charakterisierung dieses Tätbestandes verdient die geographische Verteilung der diesem Verband angeschlossenen Gemeinden Beachtung: Von den 68 Gemeinden liegen 51 Gemeinden in H e s .s e n - N a s s a u (die Mehrzahl hiervon im Rabb.-'Bezirk Fulda und Hanau), das sind rund 75 Proz., 10 Gemeinden im Rheinland.. 15 Proz., 4 Gemeinden in Oldenburg 6 Proz., 1 Gemeinde: Berlin, 1 Gemeinde in der Prov. (Hannover, 1 Gemeinide in der Prov. Sachsen, die drei einzelnen Gemeinden rund 4 Proz. 68 Gemeinden 100 Proz. Betrachten wir .die spezielle Lage der Gemeinden in Hessen-Nassau, so ist Fulda die einzige Gemeinde mit einer jüdischen Seelenzahl über 1000. Alle anderen Gemeinden sind kleine Landgemeinden, zum Teil Zwerggemeinden, die zumeist eine relativ geringe Schülerzahl aufweisen. Das Schulnetz des Halberstädter Verbandes weist außerhalb der Großgemeinden eine Reihe öffentlicher jüdischer Volksschulen auf, nämlich Birstein, Hersfeld, Rhina, Wüstensachsen, Fulda (sämtlich' in Hessen-Nassau) und Linnich (Rheinland). Die übrigen Orte haben entweder Religionslehrer oder ein anderer Teil dieser Gemeinden wird bezirksmäßig von „Wanderlehrern" versorgt. Eine weiter erwähnenswerte Einrichtung ist die der BezirJcslehrerstellen. Gerade in den letzten Jahren hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, solche Bezirks-Lehrerstellen zu gründen: Keine einzelne Gemeinde eines solchen „Bezirks" wäre imstande, einen Lehrer anzustellen und nur durch den Zusammenschluß mehrerer kleiner Gemeinden und durch die Unterstützung des Verlbandes wird die Beschäftigung eines Lehrers ermöglicht, Wenden wir uns nunmehr 'den Schüler - zahlen selbst zu! Folgende Gruppierung möge einmal ein anschauliches Bild über den derzeitigen Stand der Schülerzahlen innerhalb dieses Sektors der jüdischen Gemeinden Preußens vermitteln: Weniger als 10 Kinder sind in 39 Gemeinden 10—20 Kinder sind in 17 Gemeinden 20—30 Kinder sind in 6 Gemeinden 30—40 Kinder sind in 1 Gemeinde 40—50 Kinder sind in 0 Gemeinden 50—100 Kinder sind in 1 Gemeinde 100—200 Kinder sind in 2 Gemeinden höhere Schülerzahlen sind in 2 Gemeinden vorhanden. 68 Gemeinden Kleines Feuilleton. Der östliche Humor zur Welt- und jüdischen Lage. Der Jüdische Weltkongreß fand dm Gebäude des Völkerbundes und zwar, wie die Blätter berichten, im Saale mit der besten Akustik statt. Bs ist das Einzige, was der Völkerbund dem jüdischen Nationalheim zu geben hat: die gute Akustik, Schweigen ist Gold. Es ist leider das einzige Gold, das England den Juden in Palästina als Entschädigung bietet. Der abessinische Negus schrieb an das französische Kabinett, er sei für den Fall, dlaß Frankreich in die spanischen Wirren hereingezogen werden sollte, bereit, Frankreich die gleichen guten Ratschläge zu geben, wie er sie von England bekommen hat. Ein fraglicher „Klalltuer" (auf die Klallversorger von einer gewissen Sorte, ist man in der östlichen Presse nicht gut zu sprechen) sitzt in seinem Büro und glaubt, ein verdächtiges Geräusch zu hören. So beauftragt er den .Diener, nachzusehen, ob sich nicht ein Diebeingeschlichen habe. Nach einer Weile (Hierbei sei aus lokalem Interesse festgestellt, daß das Sohulwerk der Israelitischen Religionsgesellschaft heute rund 1030 Schüler aufweist, die sich wie folgt verteilen: Samson Raphael Hirsch-Schule: rund 380 Schüler und Schülerinnen, Volksschule: rund 650 Schüler und .Schülerinnen "Tölv wobei zu berücksichtigen ist, daß es sich bei diesen 1030 Schülern und Schülerinnen nicht nur um Kinder solcher Eltern handelt, die der Israelitischen Religionsgesellschaft angehören, sondern auch Kinder von Eitern, die der Israelitischen Gemeinde angehören, das Schulwerk besuchen. Hinzu kommen dann noch Schüler, die aus umliegenden Landgemeinden nach hier verzogen sind.) Gerade die Statistik dieser sogenannten jüdischen Zwerggemeinden wirft blitzartig ein Licht auf die sehr schwierigen Verhältnisse des jüdischen Schulwesens auf dem Lande. Von den 39 gezählten Gemeinden, die nur bis zu 10 Schülern aufweisen, befinden sich 22 Gemeinden mit einer Schülerzahl von 1—5 Kindern,. 17 Gemeinden mit einer Schülerzahl von 6—10 Kindern und unter diesen 22 Gemeinden mit einer solch geringen Schülerzahl sind 6 Gemeinden, in denen nur ein einziges schulpflichtiges Kind vorhanden ist. Die organisatorischen und auch pädagogischen Schwierigkeiten sind in solchen Fällen besonders groß. Werfen wir noch zum Schluß einen Blick auf das Verhältnis zwischen der jüdischen Seelenzahl und 'der vorhandenen Kinderzahl! Unter den 68 dem Halberstädter Verband Ein Wort an unsere Von einem Jugendlichen« Es ist nicht zu leugnen, daß wir Jugend des orthodoxen Lagers uns bemüht haben, aus den außerordentlich bedeutungsvollen Geschehnissen der Gegenwart die waltende Hand des sie leitenden Schöpfers herauszuerkennen. Wir haben uns bemüht und — ohne uns einer selbsttäuschenden Ueberhebung preiszugeben — dürfen wir behaupten: wir haben Belehrung bereitwillig entgegengenommen. Vom Schlafe aufgerüttelt Und für Selbstbesinnung begeistert überprüften wir unseren bisherigen Weg, — wir rangen wie alle anderen um etwas Neues. Wir haben uns kommt der Diener und meldet: „Ich habe außer Ihnen keinen Dieb im Hause entdeckt . . ." In Erez Israel ist beständig schönes Wetter. „Ja, wovon sprechen denn 'die Menschen," fragt einer, „wenn sie -sich auf der Straße begegnen?" Auf der Allenby-Straße in Tel Awiw hat ein deutscher Einwanderer am letzten Pessachfeste einen kleinen Mlilchladen aufgemacht und er teilte auf dem Ladenschilde mit, daß hier Koschermilch zu Pessach zu haben sei, allerdings in folgender Orthographie: nneb aV> Er brauchte sich nicht zu wundern, daß keiner seinen Laden betrat, denn wer wollte mit einem an der Türe festgebundenen Hund etwas zu tun haben? Erlebnis auf dem Broadway in New York, Tausende von Lichtern flammen auf, tausende von Lichtern schreien ihre Reklame über Broadway hinweg. Menschen wühlen, stoßen und drängen aneinander vorüber. Theater, Kino, Musik und Cafe* terias locken alle, die tagsüber ihren „business" nachgejagt sind, auf die Straße. Ecke Broadway 94. Street bietet sich 'ein nicht alltägliches Bild. Viele Menschen stehen halbkreisförmig um ein Podium, auf dem ein Jüngling, mit Samtkäppchen bedeckt, mit großem Pathos spricht. Alles hört schweigend angeschlossenen Gemeinden sind rund 41 Gemeinden, deren Kinderzahl über 10 Proz. der jüdischen Seelenzahl und 27 Gemeinden, deren Kinderzahl unter 10 Proz. der jüdischen Seelenzahl liegt. Das heißt mit andern Worten: Rund 60 Proz. aller Gemeinden haben eine Kinderzahl, die über 10 Proz. der jüdischen Seelenzahl der betreffenden Gemeinde liegt. Wie wird das 'Bild innerhalb ganz kurzer Frist schon aussehen? Läßt sich über die Entwicklung des jüdischen Schulwesens auf dem Lande etwas aussagen? Es ist sehr schwer, Prognosen zn stellen. Die palästinensische und überseeische. Auswanderung einerseits, die Tendenz zur Abwanderung aus den Kleingemeinden in die jüdischen Großgemeinden andererseits werden das aufgezeigte Mosaik verschieben und umgruppieren. Trotzdem ist es ein Gebot der Stunde, dem jüdischen Schulwesen auf dem Lande und wenn es noch so stark zusammenschmilzt, . die Pflege und Förderung angedeihen zu lassen, die nur irgendwie möglich ist. Die Frage der Errichtung jüdischer Bezirks Volksschulen auf dem Lande, die bereits seit längerer Zeit angekündigt ist, wird hier Zusammenfassungen und Neugruppierungen schaffen. Aber so lange dies noch nicht durchgeführt ist und auch für solche Fälle, in denen eine Unterbringung einzelner jüdischer Kinder aus technischen Schwierigkeiten heraus nicht gut möglich werden sollte, gilt die Forderung: Auch das letzte und, wenn es so ist, einzige Kind einer jüdischen Kleingemeinde, hat das Recht auf religiöse Unterweisung und 'die jüdischen Zentralinstanzen haben die religiöse und moralische Pflicht, diese jüdische Substanz, so lange sie noch auf dem Lande vorhanden ist, zu erhalten, zu vertiefen und liebevoll zu pflegen. thoratreue Jugend. „neu" orientiert, indem wir begonnen haben, mehr als bisher uns in die Quellen unserer alten Thora zu vertiefen, mehr als bisher vor allem altes Thora-L eben kennenzulernen, zu leben. In einem Wort: Wir sind auf unserem jüdischen Lebenswege eine Stufe höher gestiegen, wenn auch gedrängt durch die warnende Rute der Zeit. Und nun! Was nun? Genügsamkeit bedeutet Stillstand, und dieser wieder Rückschritt! Genügt es — so möchte ich an uns die Frage richten — genügt es uns nun, wenn wir mit unserem weiteren Aufstieg uns gedulden, bis wiezu. Nur das Autohupen und das Wogen der Menge ist hörbar. Ergriffen von den zündenden Worten und der tiefwurzelnden Ueberzeugungskraft vernimmt man den Mahnruf, daß nur das mangelnde G'ttvertrauen schuld daran sei, daß die J ü - dischkeit ständig abnehme. Die Jagd nach dem Gelde, die Sucht nach Ausbreitung sind Ursache des Abfalls Israels von G'tt und Seiner geheiligten Lehre. Erst im Angesicht des Todes erkennen viele Verirrte, daß ihr Lehen ein falsches gewesen sei, gewinnen zu spät die Erkenntnis, daß sie ihr Judentum und Judeseln dem Mammon geopfert hätten. „Wir wollen keine Juden, die erst im Tod zu uns kommen, wir brauchen Juden im Leben.'" „Das Ideal des Juden ist nicht Geld raffen, um Güter des Lebens zu genießen, er will seine Kinder zu echten Jehudim erziehen, die, jüdisch gesinnt, auch ihre Pflichten gegen ihr Land und ihre Mitbürger erfüllen. Nur Rückkehr zum Judentum, strengstes Einhalten des S a b b a 11 a g e s kann das Judentum retten!" Und mit durchdringenden Worten ruft dieser Jüngling in die ergriffene Menge: „Siehe, es schlummert und schläft nicht der Hüter Israels!" Der junge Redner steigt von seinem Podium herab und verteilt sodann ein von Rabbiner Dr. Leo Jung verfaßtes Werk, worin zu lesen ist, was das Judentum verlange. Allwöchentlich wiederholt sich diese eindruckst volle Szene an einer anderen Ecke des New Yorker Broadway. H.

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