Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1936)
- Date
- 1936-09-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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KS^WiHSi '''ff^S*f^¥WP?f|w Seite 4 Nr. 37 D I r a e I i t 10. September 1936 Militärpartei, unbeschadet der Tatsache, daß sie in Spanisch-Marokko jüdische Gemeinden unter schweren Druck gesetzt hat, Namen genannt, die an der Wandlung Spaniens und der Rehabilitierung der spaniolischen Juden ebenfalls Anteil nahmen. Unsere Sympathien und Antipathien sind nicht nach den Parteien verteilt. Unsere Antipathie gilt dem Blutvergießen, dem Massenmorden; unsere Sympathie dem Friedender Weit und dem Frieden in den Ländern selbst. Nicht eine „Humanisierung des Bürgerkrieges", was ein Widerspruch in sich ist, wünschen wir, sondern eine Hiumanisierung des Friedens; auch für Spanien, das für uns ein halbes Jahrtausend glorreicher und leid voller Geschichte bedeutet. Falaschas bekennen sich zu Italien, Aus Rom wird berichtet, daß die" Falaschas um den Tanasee herum sich mit einer Erklä- . rung zu Italien bekannt hätten. So werden sie fortan den für die Bewohner der italienischen Kolonien vorgesehenen italienischen Rechtsschutz genießen. Die Mitteilung enthält eine Selbstverständlichkeit. Die Falaschas wurden vom Negus, seiner Regierung und dem Herrenvolke der Amharas niemals als Vollbürger angesehen, sondei"n als ein Fremdstamm, mit dem man unter vertraglich und traditionell fundierten Bedingungen mehr oder weniger in Frieden leben wollte. Eine lange und kampfbewegte Geschichte haben die Falaschas, die zeigt, wie oft sie sich in schweren Kämpfen gegen die Herrscher ihre primitiven Menschenrechte erringen mußten. Während viele andere Stämme, die gegenüber dem Negus nur Kriegs- und Steuerverpflichtungen hatten, schon gleich zu Beginn des Krieges sich auf die andere Seite schlugen, haben die Falaschas erst jetzt, unter der Wucht der Verhältnisse, sich mit der Wandlung der Dinge abgefunden und das erklärt, was auch ohne ihre Erklärung längst bestehende Tatsache ist, nämlich, daß sie nunmehr unter dem Regime und •Schutze Italiens stehen. Vor kurzem ist wieder in unserem Blatte die Frage der jüdischen Abstammung der Falaschas aufgeworfen worden, obwohl nach den Forschungen, die seit einem halben Jahrhundert gehen und nach den Untersuchungsresultaten Dr. F a i t- 1 o v i t c h s die Frage längst in bejahendem Sinne entschieden ist. Nach diesem offiziellen Anschluß der Falaschas an Italien erhalten die Versuche zur Rückgewinnung der Falaschas für das Volljudentum der Thora brennende Aktualität, und man darf hoffen, daß alles getan wird, um unter italienischem Schutz und mit italienischer Hilfe versprengte Teile der Diaspora zu sammeln und ferne Brüder in die Urheimat ihrer jüdischen Seele zurückzuführen. Bei der Lösung dieser Aufgabe wird den italienischen Juden die Führung zukommen, aber auch die gesamte Diaspora wird ihre Beteiligung nicht versagen dürfen. Die andere Frage, die bei der Konsolidierung der Dinge in Abessinien in den Vordergrund tritt, ist die Ansied lung europäisch ec, vorab deutscher Juden in Abessinien. Wir haben uns vor kurzem mit dieser Angelegenheit in einem größeren Artikel befaßt und die Aufmerksamkeit der großen Organisationen, .die sich mit jüdischer Emigration und Absiedlung befassen, auf sie hingelenkt. Von greifbaren Maßnahmen hat man bis jetzt nicht gehört, jetzt aber, da Abessiniens Juden in den Komplex der italienischen Kolonialpolitik gerückt sind, muß die Angelegenheit einen , neuen Auftrieb bekommen. Ueber Ecuador hört man die widersprechendsten Berichte, andere ferne Länder als neue Wanderziele haben ebenfalls enttäuscht. Warum sollte man sich .also dem Lande vor den Toren Palästinas, das zur Hebmig seiner natürlichen Schätze der Menschen bedarf, nicht zuwenden? Es sollte ernstlich geprüft werden, ob nicht dort unter der milden italienischen Sonne auch für uns manches gedeihen könnte. Gesetzestreue Schulen in Preußen. Von Dr. Hermann Weil in Frankfurt a. M. In Fortsetzung meiner statistischen Untersuchungen über den Stand und die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Deutschlandi) soll sich dieser Aufsatz mit den gesetzestreuen jüdischen Schulen befassen, soweit sie~ in den Gemeinden bestehen, die dem Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Halberstädter Verband) angehören. Im speziellen soll diese kurze statistische Untersuchung entsprechend meinen Darlegungen über die dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin angeschlossenen Gemeinden bezw. von ihm betreuten Schulen („Israelit" Nr. 34 v. 20. Aug. 1936), vor allem dem jüdischen Schulwesen auf dem Lande gewidmet sein. Mein Material stützt sich auf die mir seitens des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer 'Synagogengemeinden Halberstadt freundlicherweise gegebene Auskunft, die ihrerseits auf Grund einer im Sommerhalbjahr 1936 erfolgten Umfrage an die Gemeinden des Verbandes zusammengestellt worden ist. Wie bei dem jüdischen Schulwesen in Deutschland ganz allgemein, so ist auch dieses Material nur kurzfristig zur statistischen Auswertung verwendbar. Auswanderung und Binnenwanderung unserer Glaubensgenossen, Auflösung und Zusammenbruch kleiner und kleinster Landgc- *) „Der Israelit" Nr. 34 vom 20. Aug. 36 „Jüdisches Schulwesen auf dem Lande". — rrDeT Israelit" Nr. S vom 20. Febr. 36 „Juden in Volks- und Mittelschulen". — „Der Israelit" Nr. 3 vom 16. Jan. 36 „Ausscheidende jüdische Lehrkräfte". meinden verschieben diese Tabellen tagtäglich. Daher kann ein abschließendes Urteil für das Schulwesen, vor allem für die Verhältnisse auf dem Lande, soweit es die gesetzestreuen Gemeinden betrifft, nicht gegeben werden, die Tabellen haben nur summarische Bewertung und es bedarf nach kurzer Frist einer neuen Fundierung und Sichtung des Materials. Von den 68 dem Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden angeschlossenen Gemeinden 'haben vier Gemeinden neben ihrem meist voll ausgebauten Volksschulwesen auch höhere jüdische Seh u I e n. Es sind dies: 1. Berlin: Schulwerk der ,,Adaß Jisroel" Realgymnasium und Lyzeum. (Berechtigte private Höhere Lehranstalt). 2. Frankfurt a. M,: Schulwerk der Israelitischen Religionsgesellschaft.' Samson Raphael Hirsch-Schule, Realschule und Lyzeum (öffentliche höhere Lehranstalt). 3. >K ö 1 n : Schulwerk der Adaß Jeschurun. Jawne, Realgymnasium und Lyzeum (berechtigte, private höhere Lehranstalt). 4. Halb erst.a dt: Höhere Schule: Hascharath Z'wi. Alle übrigen dem Halberstädter Verband angeschlossenen Gemeinden besitzen entweder öffentliche Volksschulen oder Religionsschulen. Bei geringer Kinderzahl kommt 'dann nur Religionsunterricht in Betracht, der in. der betreffenden Gemeinde oder in Zusammenfassung der Kinder verschiedener Gemeinden erteilt wird. Zur nä- *lttf57ft- Aphorismen. Maasser, das Zehntel von deinem Verdienst, sollst du absondern nach jüdischem Brauch. Zedokoh aber gib mit ganzem Herzen nach deinem Vermögen. Maasser spendet man immer nach demselben Verhältnis (ein Zehntel}, nur die über ihre Verhältnisse leben, finden es unzeitgemäß. Wer Maasser nicht gibt, behält am Ende nur ein Zehntel (seines Vermögens) übrig. Ezaus (Ratschläge) erteilt man mit dem Verstände, Lechem (Brot) bricht man mit den Händen, aber Maasser soll man mit dem Herzen geben. Selbst der Aermste hat die Pflicht, Maasser zu geben, es wollen auch noch Aermere leben. Maasser ist die älteste Versicherung; ihre Zinsen genießen wir heute noch. Hätten alle Eltern und Großeltern ihr Zehntel gegeben, brauchten Kinder und Enkel kein Maasser zu nehmen. Maasser auf Abzahlung — ein Garten mit Unkraut. „Erst zahl' ich die Steuern und dann gebe ich Maasser", wer so spricht, zahlt seine Steuern in Raten, sein Maasser überhaupt nicht. Frieden erhält dein Haus, Maasser dein Vermögen. Durch Maasser-nehmen ist noch keiner reich geworden, aber schon mancher arm, der sein Zehntel verweigert hat. Maasser mit „wenn und aber" ist wie Gold im Meeresgrund; es hilft keinem. Gabst du dein Zehntel und leidest doch Not, Zahlt G'tt dir die Zinsen erst nach deinem Tod. Denk' an die Spende deines Zehntel bei Leb= Zeiten; deine Erben denken vielleicht noch weniger daran. Viele, die kein Maasser geben, leben auch; aber die es geben, leben dennoch. Spesen, Steuern und Maasser — was noch? Parnoso, Gesundheit und Kinder — was willst du noch mehr? Ungesehen, wie die Saat in der Erde, keimt der Segen des Maasser. Maasser-geben macht reich, man sieht's nur nicht gleich. Maasser und Zedokoh, wie Lulaw und Esrog — ein Feststrauß dem Ewigen. „Ein Zehntel ist mir zu viel, ich will ein Zwanzigstel spenden," sprach der Geizige — und gab nichts. „Warum ein Zehntel? ein Fünftel genügt auch," sprach der Gerechte — und gab das Doppelte. Max Löwenthal, Berlin. Zum Duchan des R. Jose. Zu dem Aufsatz des Herrn Saul Kaatz über den „Duchan des R. Jose" auf Seite 12 der Nr. 36 Ihres gesch. Blattes gestatte ich mir zu bemerken, daß die dort kurz angeführte Erklärung des R. Boruch Epstein aus seinem Werke Mekor Boruch in dessen na'nn nnn^Kommentar zu IV, 6, 25 in extenso vorkommt und folgendermaßen lautet: „In der Einleitung seines großen Werkes bringt Rabbenu Jeruohom diesen Ausspruch des R, Jose, wobei er jedoch statt die Lesart ''RH hat, so daß dieser Satz in folgender Weise zu erklären ist: Ich habe mich niemals den Worten meiner Genossen entzogen, und obwohl ich weiß, daß ich nicht würdig bin, so erfüllte ich doch ihre Bitte, wenn sie zu mir sagten: Gehe hinauf zum Duchan. Hier ist aber nicht der Duchan gemeint, auf dem die Kohanim den Priestersegen sprechen, sondern hier handelt es sich um den Katheder, auf dem die Gelehrten. ihre Vorträge hielten, der auch Duchan genannt wird, wie aus der Talmuds'tell© -Baba Batra 21a «isiT ^»sai» u. a. hervorgeht, so daß dieser Ausspruch des R. Jose gar nichts mit dem Priestersegen zu tun hat." Hiermit ist die Schwierigkeit, die Herrn Kaatz in jener unvollständigen Erklärung nicht befriedigte, behoben. Dr. Dünner, Köln. Wochenkalender. Vom 12. _ 19. September 1936 / Vom 25. Elul bis 3. Tisch« 5697 '!3V SJT T"5 10 Samstag 12 25 Sonntag 13 26 TD Montag Dienstag Sept. 14 15 W« 27 28 no UD Mittwoch 16 29 y Donnerstag 17 'IM 1 *9 Freitag 18 2 29 Samstag 19 3 Vf. lb^a->xti jihi'^bV iwzvn »""7ss jmw» mffn »in aur mwn »»"vi.'» mvn »R*n 'a nmtf naff U'tKir Mi