Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1936)
- Date
- 1936-09-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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30.;September 1936 Der Israelit Nr. 37 Seite 3 - ••: ■ i*it ji» ■ Agudas Jisroel und Erez Jisroel. (Fortsetzung von Seite. 1.) * wurde in der Wüste gegründet. Vom Sinai herab würde uns verkündet: „Ich nehme Buch mir zum Volke." In der Wüste wurde uns das Geschenk der Thora gegeben, um, nach Erklärung der Weisen, damit zu bekunden daß sie unabhängig von dem jüdischen Boden gehalten und geheiligt werden muß. Agudas Jisroel sieht in ,,Jischuw Erez Jisroel" eine Rüstung für die 'Geulah, einen Weg für die Erleichterung des Volksbestandes, eine Basis für die Erfüllung der Thorapflichten, aber nie letztes Ziel für sich, nie die einzige und letzte Bedingung für den Bestand des jüdischen Volkes. E. J. und die Golah sind für uns zwei Dinge, die eng aneinander gebunden sind,und sich einander ergänzen. Die Jüdischnationalen können sich nicht genug tun in der Verneinung des Galuth und in der übertriebenen Bejahung von Erez Israel. Die Assimilanten dagegen verneinen in gleichem Maße Erez Israel und hängen in übertriebener Weise am Galuth. Agudas Jisroel sagt nicht, das Eine oder das Andere, sondern das Eine und das Andere. Sie erkennt das 'Bestehende und das Bindende im Galuth wie in Erez Israel, ohne in der »inen wie in der anderen Beziehung zu übertreiben, Sie drängt nicht ans Endziel im Eiltempo der Nationalen, verliert aber auch dieses Endziel nicht aus dem Auge, wie es die Assimilanten tun. ( Auf diesen Fundamenten baut sich die Palästinapolitik der Agudas Jisroel' auf. Die Tatsache, daß sie das Endziel nicht aus dem Auge läßt, veranlaßte sie, sich in deri! Aufbauprozeß einzuschalten und die Golah für die Arbeit in Erez Israel einzuspannen, Jischuwpunkte im Lande zu gründen und die Erez Israel-Arbeit in, den Mittelpunkt ihres Programmes zu stellen. Die Erkenntnis aber, daß das Endziel nicht jherbeizuzwingen ist, veranlaßt sie, nicht in Erez Israel unser Alles und Letztes zu sehen und vor deny Aufgaben des Gallith nicht'die Augen zu .schiließen. Aus diesen Erwägungen hält sich die Aigudas Jisroel fern von übertriebenen Aspirationen, wenn es scheinbar bergauf geht, ist aber auch geschützt vor Verzagung, Erlahmung und Verzweiflung, wenn es vorübergehend b%x g a b führt. ' irDie Jahre der großen Prosperität und des rapiden Aufbaus konnten die Aguda nicht iii eine Begeisterung treiben, die sie aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. Darum können, > uns " die Enttäuschungen der Jetztzeit nicht aus dem Gleichgewicht bringen und in Verwirrung treiben, Daraus ergibt sich auch da!s Verhalten der Agudas " Jisroel zu der Frage „Festhalten oder Verzichten?" Unser zähes Festhalten an unseren natürlichen Rechten ist einzig mit dem A n - s p r U;Cih: d> e r T; b; o. r a begr ünde'J* wö rwir^ ab er v e r z< £ c h t e;n;. geschieht dieser j Verzicht'ebenr; :falls1 im; Sinne der-jThor ai; Daher kpmnit; esi .denn, daß in; vielen Fällen das politischer Viörjha^ten; der; Agudas;j j«|isroel n^eht Häind iniiHa&dijder;;-P;pi; li^iiänaerer Krieise gehenlikai^'J.f'ijl;-^;;;,;. '^SsjjiKärje wphj.jdenkibar, d^]si^;:A^däs:;Jis- roel <auf;gewisse11!Forder.ungeii 'nbqhj \jz.ähet. {ver--ri .steift als die Nationalen. Es kann., nicht anders sein~ Verlangen und Verzicht der Anderen komnte#-aiis eigenem aus--men^ Er-, .mjE«sen-,i,das hie .und da, ein Nachgeben, diktiert. ■:W$'Mi\t fest 'Uüd »unentwegt'l^leib^eü,' -efs::<Mcjh.:i aber um! eine Förderung ,der; Thora,. die keine. Vermittlung, kein, Kompromißi kiennti; Wir;zieherii;unsere Thora zu Rate;! iihd sie ist es, 4*e 'fördert .und auf ihrer Forder^ngl be^teht..■ ■. [' Ergibt es sio;h: aber, daß Agudas,;. Jisrp,el -scheinbar; gar zu Ischneil auf Redh^i yerzj^teti diW^die Anderen;mit letzter K^ft:iyerteij|i'genV so^: habein wir dafür die gleiche. Erklärung? Agudas: Jisroel hat die Thora um Rat gefragt, und -sie;,hat ein Nachgeben erlaubt,, ja geboten.. Es ist nicht die Zeit, auf Einzelheiten der eigengearteten Politik der Agudas Jisroel in Erez Israel in der letzten Aufbauperiode einzugehen. Wer aber einmal die (hier-genannten Elemente der Agudaspolitik erkannt hat, wird viele Handlungen und Unternehmungen der Aguda in Erez Israel als natürliche Folge jener Grundanschauung werten und begreifen müssen. . Man wird dann verstehen, warum die, Agudas Jisroel beispielsweise das Programm der Revisionisten nicht anerkennen, auf der anderen Seite aber auch nicht Hand in Hand mit ^extremen Gruppen von Thoratreuen rechts der, Äguda gehen kann. Man wird begreifen, warum Agüdas Jisro-äl, als sie zu einem Proteststreik im Jahre 1931 eingeladen wurde, als erste Bedingung für den Anschluß die Sicherung des Sabbats gestellt hat. Und man wird auch die (Haltung der Agudas Jisroel in der Frage der Heiligenstätten in Erez Israel begreifen. Man wird genau verstehen, warum die Aguda in der einen Frage mit den Nationalen gehen, in anderen Fragen aber in scharfer Oppositionsstellung gegen sie verharren muß. Wochenrundschau/ Sind direkte Verhandlungen zwischen Juden und Arabern möglich? Die „Times" sagt zu obiger Frage j a. Nicht die „Times" von sich aus, aber prominente Männer der englischen Politik, die für ihre Ansichten im großen Weltblatte, dem wir in letzterer Zeit einiges zu verdanken haben, einen Dolmetsch gefunden haben. Erst war es Israel M. S i e f f, der in einem Artikel in der „Times" vom 28. August den Vorschlag machte, eine jüdisch-ara-bisc'he Studiengruppe zu bilden, die, ohne eine amtliche Stellung zu bekleiden, durch die Wahl ihrer Mitglieder sich genügend Einfluß bei den streitenden Parteien erwerben könne. Als Führer schlägt er Flinders P e t r i vor, einen Mann, der den vorderen Orient aus vierzigjähriger praktischer Erfahrung kennt. In dem Artikel heißt es u. a.: „Nur von solchen Männern könnten die beiden Hauptprobleme studiert werden, nämlich erstens: die tieferen Gründe für die psychologischen Reibungen und Feindseligkeiten, die an dem periodischen Ausbruch von Unruhen in Palästina schuld sind; und zweitens: die Berührungspunkte, an denen Juden und Araber jetzt harmonisch zusammenarbeiten, können. Nur die volle Erkenntnis, daß das künftige Wohlergehen des Landes und seiner Kinder in ihren Händen liegt, kann aus Juden und Arabern in. Palästina eine festgefügte Nation bilden, so wie dies bei Engländern; und Franzosen in Kanada der Fall war und 'gegenwärtig in Südafrika zwischen Engländern und Holländern sich vollzieht." i ' V Nunmehr greift auch Lord L u g a r d s diesen Plan auf. In der „Times" vom 2. September veröffentlicht er eine Zuschrift, in der er die; Regierung auffordert, bekanntzugeben, daß sie drastischere . Maßnahmen., etwa die Verkündung',; des Standrechtes, treffen, .werde, falls die Führer beifier , Parteien in . Palästina nicht bereit sein sollten, / zu d i r e kjt e n Besprechungen zusammenzukommen. ,; S.ollte.n dagegen die ' Führer hierzubereit sein, .so solle die\''Rieg.i(eruii^;\für diese , ar a b i s c'h - jjud i-s c h e K on f e r n z einen J,u,np,a,r t e i i ^c h e n Vorsitzenden ernennen, der die Aufgabe hätte', harmonische ^Beziehungen zwischen den Vertretern der beiden Volksteile aufrecht zu. erhalten-und. es zu ermöglichen, daß während der Untersuchung der Kgl. Kommission von, den.J;ü di s e hen; und den r a b i s c h en :Fu$n;jern gemeinsam/Vorschläge über einenmodus, i;yiyenäi geprüft werden. | "■.•Inzwischen scheint! auch die zionistiseiie Exekutive ,den j^an. djer ..direkten Verhahdlunjgen" in&; Äuge gefaßt zu 'haben. In einer Züscnfi'ft an" die „Times" . erklär,!. £)r., Chaim Weizmanü; er habe, am 1 Sept^ber , ^ein Kplonienministef Oi-msby-Cypre mitgeteilt, die jüdischen' F;ührer seien jederzeit bereii, sien in einer ünter. der Leitung, der englischen, Regierung stehenden Konferenz mit den arabischen Führern über die bestehenden Differenzen auszusprechen. Die gegenwärtige Situation rechtfertigt leider keine Illusionen in dieser Beziehung. Daß gerade für die Agudas Jisroel die direkte Aussprache und Verständigung zwischen Juden und. Arabern ein erstrebenswertes Ziel ist, kam sowohl beim Empfang der Aguda deleg a t i o n durch den High Commissioner, wie auch in der Sitzung des Council der englischen Agudas Jisroel in London, wie in jüngster Nummer mitgeteilt, deutlich zum Ausdruck. Wieder Scheiterhaufen in Spanien. Wir sind ein viel zu altes Volk, um nicht an den großen Geschehnissen der Welt, wo nicht ein unmittelbares, so doch mindestens ein historisches Interesse au haben. Es ist nicht gerechtfertigt, im Zusammenhang mit den Vorgängen im fast judenreinen Spanien von Juden zu sprechen. Aber es steigen Namen aus den blutigen Wirren in Spanien auf, die für uns Juden schon etwas bedeuten: Toledo, die Heimat von J e h u d a H a 1 e v i und A b r a;h a m i b n Esra, später von unser e m Rabbi Ascher Ben Jec h i e 1 („Rosch"). In der Nähe des jetzt heiß umstrittenen Alkazar stehen jene Kirchen (ob sie noch stehen?) die El Transito und Santa Maria la Bianca genannt werden und früher Synagogen, wahrscheinlich sogar die Gebetstätten der genannten Großen, waren; Cord o v a, die Geburtsstadt des M a i m o n i d e s f wo aber früher schon C h a s d a i d hn S c h a - pruth den Kreis der jüdischen Gelehrten an sich izog und damit die jüdische Wissenschaft in Castilien erst richtig.begründete;..B arcelona, die geistige Residenz und Wirkungsstätte von Salomo b e n A d e r e t h , genannt R a s c hb o, wo aber früher schon Nachmanides seine großen öffentlichen Disputationen mit den verschiedenen geistlichen. Orden geführt hat. Abgesehen von diesen historischen Erinnerungen, die nicht ausgelöscht werden können, gibt es kein blühendes jüdisches Leben in den Städten und Gemeinden Spaniens, um die wir bangen müßten. Jüdische Geschichtsdenkmäler, erforschte und unerforschte, werden bei1 diesem wütenden Brüderkämpfe der Verhi6htung (anheimfallen. Aber '■ nicht' dieser Verlust ist esV der uns mit Trauer erfüllt; sondern viel mehr der Verlust an Menschein' und lebenden'' Werten in einem Lande, das scheinbar im Aufstreben war, in einem Lande, äks\ bevor sich' lintksradikale Elemente des Steuers ' bemächtigten, gerade daran war, die Sündenlast der vergangenen Jahrhunderte .'abzuwerfen und1sich .zu-einem freien Menschentum zu bekennen, dessen Früchte allen zugute kommen sollten; eine Wandlung, die auch darin ihren Ausdruck fand, daß man; erst kurz vor Ausbruch der Unruhen viele Sephardim im Orient, Nachkommen, der Austreibüngs- und Inquisition« öpf er von damals, als spanische B ü r g e r erklärt11 hat. Wir Juden haben gewiß keinen Anlaß, für die eine öder andere Seite Partei zu nehmen. Im Regierungsläger gibt es sicherlich auch destruktive Elemente, die uns wenig Vertrauen einflößen und auf der anderen Seite werden aus der