Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1936)
- Date
- 1936-09-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 36 Der Israelit 3. September-1^36 Ueberfallenen zu Hilfe und vertrieben die Angreifer, die bald darauf einen 16jährigen jüdischen Jungen mißhandelten. In der Sommerfrische Nisfflenezyn bei Wilna versuchten antisemitische Exzedenten, Unruhen hervorzurufen. Polizei trat ihnen entgegen und stellte die Ordnung wieder her. Der Luzker katholische Bischof Szlonzek besuchte dieser Tage das wolhynische Städtchen Klewan, wo ihm ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Auch eine Abordnung der Judenheit unter Führung des Rabbiners Rothenberg begrüßte den Bischof. Der Rabbi wünschte dem Bischof Erfolg bei seinen. Bemühungen, den breiten Volksmassen sittliches Bewußtsein einzupflanzen. Der Bischof dankte mit einer Ansprache,« in der er nach Zitierung der Bibelworce „Bereschit bara Elokim" erklärte, ein G'tt habe die Welt geschaffen, alle Menschen seien Kinder eines G'ttes. Er wünsche der jüdischen Bevölkerung, daß sie wie bisher zum Wohle Polens arbeite. \ Auf weite Kreise in Wolhynien hat es tiefen Eindrucjk gemacht, daß der Bischof in so herzlicher Weis*? seine Beziehungen zu den- Juden dokumentierte. Vor einiger..Zeit sind verschiedene Städte in Po len dazu übergegangen, die ordentlichen und außerordentlichen Märkte außerhalb'der--Stadtmauern ab zuhalten. In jüdischen kaufmännischen und Handels' kreisen haben derartige ^Verlegungen insofern Beunruhigung geschaffen,,.''als durch sie . den jüdischen Kaufleuten emj^äft'alicher Schaden zugefügt worden ist. Man i&,t<<deshalb wiederholt bei den zuständigen Stellen 'vorstellig geworden, um eine Verlegung von Märkten zu verhüten oder rückgängig zu machen. Ministerpräsident und Innenminister General Sklad^ kowski hat nunmehr auf Grund seiner Inspektionsreisen im Lande einen Erlaß an die Wojwoden und Bürgermeister herausgegeben, der die Verlegung von Märkten als dem Handel schädlich bezeichnet, weil am Zentrum der Städte die Geschäfte konzentriert seien. England. Englischer Faschist wegen aufreizender judenfeindlicher Reden zu Gefängnis verurteilt, London, 28. Aug. Zum erstenmal konnte ein Gericht 'gegen die in London-Ost überhandnehmende Judenhetze vorgehen. John P e n f o 1 d, Mitglied des britischen Faschistenbundes, wurde wegen aufreizender judenfeindlicher Reden, die er am Donnerstag vor einer Versammlung von etwa 250 Menschen unter freiem Himmel gehalten hat, von dem Polizedrächter zu 40 Shilling' Geldstrafe oder sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Außerdem sollte er einen Betrag von 50 Pfund als Sicherstellung für anständiges Betragen während der nächsten zwölf Monate erlegen oder mit weiteren zwei Monaten Gefängnis bestraft wer* den. Perfold erklärte, er ziehe die Gefängnisstrafe vor und sagte: „Die Juden haben jede Freiheit, wir aber keine." Als sich der Angeklagte gegenüber den Aussagen des Polizeibeamten, der die Ansprache mit angehört hatte, auf die Redefreiheit berief, belehrte ihn der Richter, daß Freiheit und Zügellosigkeit verschiedene 'Dinge seien. Bei seiner Verantwortung erklärte Penfold weiter, er habe aus der Presse ersehen, daß die Richter in Bezug auf Judenhetze Vorurteile hätten. Was für ein Unterschied bestehe zwischen Judenhetze und Kritik? Er halte die Juden für eine Gefahr für sein Land und seine Rasse, sei aber ein Gegner von Gewalttätigkeiten 'gegen sie. Palästina, Günstiger Jahresabschluß der Palestine Electric Corporation, Jerusalem, 31. Aug. ' Die Palestine Electric Corporation legt für die am 15. September stattfindende Generalversammlung ihren Jahresbericht und ihre Abschlußbilanz vor. Der Reingewinn der Gesellschaft beläuft sich auf 218.914 Pfund gegenüber 165.511 i. J. 1934. Es wird eine Dividende von 5 Proz. einkommensteuerfrei auf die ordentlichen Aktien und die Aktien der Serie A verteilt werden, was einer Gesamtverteiluhg von V/{ Proz. für das Jahr entspricht. 40.000 Pfund sollen als Reserve für Steuern vorgetragen und 50.000 Pfund der allgemeinen Reserve überwiesen werden. Die Gesamtzahl der Stromabnehmer der Gesell schaft in Palästina vergrößerte sich dm Berichtsjahre von 35.397 auf 53.246, d. h. um 50,4 Proz. Die letzten Terror-Akte. Jerusalem, 1. Sept. Während die arabischen. Führer beraten und ver handeln, arbeiten die Terroristen munter weiter. Ein Autobus, der von Kirjath Anaswim. nach Jerusalem fährt, wird am Freitag aus 'dem Hinterhalt beschos sen, als hätten nie Verhandlungen und Bespreehlin gen stattgefunden. Wieder ein jüdischer Toter, ein blutjunger Mensch mit Namen Dawid N i s c h r i, der in Palästina geboren war. Seine Begleiter, Studenten der Hebräischen Universität, Jakob Janowsli und David K a r a s s o wälzen sich in ihrem Blute und werden ins Hadassahspital 'gebracht. Während am Nachmittag Araber voller Spannung den Beratungssaal des* Obersten Rates belagern ■und auf der Juden bleichen Gesichtern die stumme Frage ruht "„Wie wird heute über unser Schicksal entschieden?" steht eine schweigende Gemeinde, — man hat das Weinen schon beinahe verlernt — auf dem Oelberg am frischen Grabe des neuen Märtyrers Dawid Nischri. Verhkftet wurde inzwischen am Tatort einer der flüchtehden Araber — und der Jude) der den RevolVerhelden verfolgte. Und damit die Engländer nicht vergessen, daß es nach wie vor nicht allein^gegen 'die Juden geht, explodiert eine halbe Stunde später beim Kommando der königlichen Luftstreitkräfte unweit des Hadassähkrankenhauses, wo vorher der Mord sich abge spielt hatte;- ■ eine„„ Bft6 m b e , die weniger Schaden anrichtete. Die Truppen, insbesondere die' Luftstreitkräfte, sind gu.t''gepanzert. In der Jaffaerstraße geht zur gleichen' Zeit eine arme jüdische Frau ihres Weges, um noch das Nötigste für den Sabbat einzukaufen, und ein Schuß saust hart an ihrem Kopfe vorbei und trifft einen vorbeikommenden Araber. Juden untemehmen die Verfolgung der flüchtenden Araber, erreichen sie auch und 'geben ihnen einen Denkzettel. Unter normalen Verhältnissen hätte man dieses Eingreifen als Zuhilfekommen des Publikums bei der Arbeit der Polizei dankbar belohnt. In dem heute mehr als merkwürdigen Jerusalem aber werden diese Juden verhaftet. Ob man auch die arabischen Revolverhelden gefaßt und verhaftet hat, darüber schweigt der Bericht, Dagegen meldet am Nachmittag da® amtliche Communique, daß in der Prophetenstraße in Jerusalem eine andere jüdische Frau bei der Explosion einer Bombe leicht verwundet wurde und daß an verschiedenen Stellen der Stadt auch Araber angeschossen wurden. Auch in T i b e r i a s platzten an diesem schönen Freitag Bomben. Resultat: Vier verletzte jüdische Kinder und zwar die Brüder Abu, acht und sieben Jahre alt; der zehnjährige Raphael Gr ab Ii und seine sechsjährige Schwester leichter. Bei dem Gefängnis zu Jaffa wurde durch Bombenwurf, der wahrscheinlich die Tore sprengen sollte, ein arabischer Gefangener zu Tode gebracht. Pflanzungen wurden auf 50 Dunam beschädigt bei Beth Dago n, die Eigentum einer amerikanischen. Gesellschaft sind. Kleinere U eberfälle pflegt man nicht mehr zu verzeichnen. Die arabischen Verluste bei den Ueberfällen auf englische Truppen seit »Donnerstag nacht müssen sehr zahlreich sein, man spricht von Hunderten. Eine neu« Methode des Terror« bildet idie Versendung von Höllenmaschinen durch die Post, die auch schon zahlreiche Opfer .gekostet hat, so daß die Post zur Vorsicht beim Öeffnen der erhaltenen Pakete warnt. Auch am S onnt a g hatte man ein j.ü dis c h es T o d e s o p f e r zu. beklagen. Auf dein Wege von Tel Awiw nach Petach Tikwah in der Nähe der deutschen Kolonie Sarona wurde der 32jähri'ge Taxichauf feur Josef. Awner von arabischen Terroristen aus dem Hinterhalt erschossen. Die Mörder .hatten Dum-Dum-Geschosse .verwendet. Bei dein Ueberfali wurden auch die. drei jüdischen Insassen des.;Krafts wagens leicht verwundet. Eine . Patrouille jüdischer junger .Leute, die^'zum Schutz, jüdischer Mädchen in der landwirtschaftlichen ' ■ Sy .... .. r \...v M-j^' ' ' .Schule bei Ness Ziona ausgezogen war, wurde auf dem Wege dahin aus dem Hinterhalt beschosiS'en, Der 23jährige Mos che Schächter wurde schwer, der 29jährige Mordechai Taktal und der 17jährige Mosche M ak ai t an leicht verwundet. Sie wurden in das Hadassahkrankenhaus nach Tel Awiw ge-: bracht, In den. 300 Dunam großen Pflanzungen, die von der Gesellschaft J a c h i n bei Hulda bearbeitet wer-, den, wurden 12,000 Orangenbäume am Sonnabend'; vernichtet. Im Küstengebiet sind am Sonntag wieder 5000 Orangenbäume ausgerissen worden. Zum erstenmal wurde ein Proizeß ige.gen zwei Araber durchgeführt, 'die an einem Gefecht gegen englisches Militär bei Nablus teilgenommen hatten. Zur allgemeinen Ueberraschung wurden die Angeklagten nur zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt,- obwohl in den während der Unruhen erlassenen Notverordnungen für bewaffnete Angriffe auf Truppen die Todesstrafe - vorgesehen' ist. Wir wünschen keine Todesurteile, aber ein© Gefängnis-? strafe mit Aussicht auf baldige Amnestierung wird kaum abschreckend wirken. Das revisionistische Wochenblatt „Hajarden" ist für einen Monat verboten worden. Der jüdische Siedler Bernhard Kl ein wurde in der Nähe von Petach Tikwah schwer verwundet, als er auf Wache ziehen wollte. Er wurde in das Hadassahkrankenhaiis .in TellAWiw ■«angeliefert;. Zentralisierung des thoratreuen Chimich in Palästina* Jerusalem, 25. August. Seit Tagen prangt an den Litfassäulen ein riesiges Plakat, das den gesamten Jischuw zur Hilfe für das gesetzestreue Erziehungswerk in Palästina aufruft. Es wird einganigs mit lapidaren Worten darauf hingewiesen, wie die Freude am Aufbau des Jischuw durch die. Verletzung des Gesetzes,1 die Entweihung des Sabbat, die Außerachtlassung der Spedse= und Reinheitsvorschriften, insbesondere aber durch eine unjüdische Erziehung der Kinder 'getrübt wird. Man lerne in vielen Schulen 'die heilige Thöra wie jeden anderen profanen Gegenstand im Sinne der bibelkritischen Textfälscher und treibe die jungen Seelen in die Arme des Abfalls. Die mündliche Lehre werde überhaupt, nicht gepflegt. Die Zukunft des Judentums in Erez Israel sei gefährdet, wenn es nicht gelingen sollte,,.J$chulen zu gründen, 'die im Sinne des alten Gesetzes, der G'ttesfurcht und 'de® Thorawissens unsere Söhne und Töchter uns erhalten. „Alle müssen mithelfen., .Es geht um uns, um unsere Kinder, um unsere iZukunft!" Eine Zentrale für die Thora er Ziehung in Erez Jisrael hat sich aus dieser Not -and Sorge heraus unter dem Namen nnnrr yivn ibia gebildet, mit dem Zwecke, in allem Städten und Kolonien Talmud Thora-Schulen zu errichten, in denen die Kinder eine entsprechende Ausbildung in der schriftlichen und mündlichen Lehre erhalten. Zu den Aufgaben der Zentrale gehört es auch, idie bereits bestehenden, im jüdischen Geeste geführten Schulen, die heute' schwere Not leiden, izu erhalten und: aus» zubauen.;,. . Der ' Aufruf trägt an. erster Steile die Namen des , Oberrabbiners , von Petach Tikwah, Rabbi Reuben;< K a t z (Präsident der Zentrale); I. S. M eizer, Lei- : ter der :Jeschiwa Ez Chajim; Zwi Pessach Frank,; Rabbiner -und Vorsitzender des Bes Din in Jerusalem; Rabbi A mi el und Rabbi Usiel, Öberrabbi* ner VOn Tel Awiw; Rabbiner Marcus in Haifa and J. Z. Haie vi, Rabbiner in Jaffa—Tel Awiw. Außerdem haben 140 Rabbiner und Jeschiwaleiter aus allen Teilen des heiligen Landes den, Aufruf unterzeichnet.1; Zum Schlüsse empfehlen noch der Ger er R e b b e und Oberrabbiner D u s c h i n s k i das Er- , ziehungswerkaus vollem Herzen. Die Kanzlei der ■ Zentrale befindet sich in Tel Awiw; Herzlstraße 1.2, Zimmer 3i Geldsendungen für Merkas G-hinuch H a! t h o r a nimmt u. a, auch die Aeh r;a i B ajn k i entgegen. - , . (Weitere Korrespondenzen siehe Seite 13..