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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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3. September 1936. Der Israelit Nr. 36 Seite 9 Schweiz. Beratungen des Aktionskomitees. Zürich, 26. Aug. Auf der Tagung des Aktions-Komitees wurde in den weiteren Sitzungen die Stellungnahme zu der Kgl, Untersuchunigskommission für Pa lästina 'besprochen. Die Mehrzahl der Redner gab der Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dieser Kommission, wenn auch unter gewissen Vorausset zünden, Ausdruck. Einige Vertreter der Allgemeinen Zionisten sind der Meinung, daß die Zusammenarbeit mit der Kommission verweigert wenden sollte, falls es zu einer Einstellung der Einwanderung komme. Nur eine kleine Minderheit lehnt jede Zusammenarbeit grundsätzlich ab. Die Exekutive der Jewish Agency hat dem Aktions-Komitee einen Bericht über die vom Jischuw getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der 'Arbeitslosigkeit vorgelegt. Die Zahl der jüdi sehen Arbeitslosen in den Städten Palästinas wird in dem Bericht auf 6000 Am Monat Februar und auf 4000 im gegenwärtigen Augenblick geschätzt. Die größte Zahl der Arbeitslosen entfällt auf Tel Awiw. An der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit haben einerseits 'die Jewish Agency, andererseits der Verband der jüdischen Arbeiterschaft „Histadruth Ha* owdim" und die Poale Mdsrachi teilgenommen. Es sind zwei Fonds geschaffen worden: der eine für die Finanzierung jüdisch-öffentlicher Arbeiten, der andere für Arbeitslosenunterstützung. Mitglieder der His-tacLnuth und des Poale Misrachi haben sich verpflichtet, den Ertrag von zwölf Arbeitstagen dem Anbeitslosenfonds bis auf weiteres zuzuführen. Die/Zeichnungen für diesen Fonds1 betragen bisher 80.000 Pfund. Davon sind 30.000 Pfund bereits bar eingezahlt worden. Es wird bemerkt, daß die Einziehung der noch ausstehenden Beträge durch die gegenwärtigen Unruhen etwas erschwert wird. Mandatskommission kritisiert auch die Finanzpolitik der Palästinaregierung, Genf, 27. Aug. In ihrem Bericht an den Völkenbiunds>rat über Palästina wünscht die Mandatskommission nicht nur — wie schon berichtet — genaue Aufklärung über die Vorgänge in Palästina, sondern unterzieht, auch den fi n a n z i e 11 e n T e i 1 des Palästinaberichtes der englischen Mandatarmacht einer gewissen Kritik, Es wird darauf hingewiesen, daß die Palästdna-Admdnds stratdon, obwohl sie Ende 1935 einen Ueberschuß. von mehr als fünf -Millionen aufgehäuft hatte, von diesem Ueberschuß lediglich 9518 Pfund in Palästina- Sicherheiten, aber 450.219 Pfund in außerpalästinensischen Sicherheiten investiert hat. .Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Palästina-Administration eine viel geringere Zinsrate aus dhren Investitionen bezieht, als sie auf die von ihr aufgenommene Anleihe zahlt, wodurch ein erheblicher Zinsverlust für das Land entsteht. iEs wird gefragt, ob nicht die Re-? gierung einige ihrer „holdings" konvertieren könne. Diese Kritik wurde insbesondere vom schweizerischen iKommissionstmitglied Rappard geübt. General* Staatsanwalt A. H, Trusted, der in iden Sitzungen! der Kommission die britisch« Mandatarmacht vertrat, gab zu, daß die Palästina-Anleihe jetzt beträchtlich über pari stehe und bei Konvertderungsoperationen eine Prämie zu zahlen sein würde. Es bestehe keine Möglichkeit, Regierungsüberschüsse in Palästina selbst zu investieren. Es sei ein Vorteil für Palästina, gewisse äußere Sicherheiten zu besitzen. Geld könne natürlich im Lande ausgegeben werden, aber wenn es investiert werden solle, ihalte die Administration es für praktischer, Sicherheiten in weitgehendstem Maße zu -erhalten. Aus dem Finanzbericht der Palästinaregierung geht hervor, daß die Ueberschüsse und Anleihefonds in British Guinea, Ceylon, Jamaica,, Kenya, Natal, Nigeria, Nord-Rhodesien, Straits Settlements, Trinidad, Uganda, Australien, Canada, Indien, Neusüdwales, Neuseeland, Queensland, Südaustralien, Ulster,. Victoria, Westaustralien, sowie britischen Munizipalitäten und in Ausgaben der Federated Malay States investiert wurden. Die meisten dieser Investierungen bringen von 2% Proz. bis 4 Proz., einige sogar Proz. ein. Auf die Palästina-Anleihe werden 5 Proz, .gezahlt. Polen. Polnischer Pogromheld verurteilt. Warschau, 28. Aug. Das Kreisgericht in Czenstochau hat den bekann ten nationaldemokratischen Agitator Valentin Mli niarezik, der im Januar zu den judenfeindlichen Aus* Qchreituiiigen in Troiskolas aufgehetzt hatte, zu drei ßig Monaten Gefängnis verurteilt. Mliniarczik und andere Agitatoren hatten böswillig das falsche Ge rücht verbreitet, "die Juden hätten heilige Geräte aus der Kirche geraubt. Die aufgehetzten Bauern zerstörten daraufhin die Marktstände der jüdischen Händler, mißhandelten diese, plünderten die Waren Vorräte und schlugen dn den jüdischen Häusern die Fenster ein. Christliche'Bewegung in Polen gegen den Antisemitismus. Warschau, 26. Aug. In Lodz, einem der Hauptzentren des Judenhasses in Polen, ist nach dem Muster der Harrand-Be wegung'in Oesterreich eine christliche Bewegung gegen den Judenhaß entstanden, die von Studenten, Arbeitern und Geistlichen getragen wird. Es wurde eine christliche Vereinigung zur Bekämpfung des Antisemitismus mit der Begründung ins Leben gerufen, daß der polnische Judenhaß den Grundsätzen der christlichen Religion widerspreche, Aufgabe des wah* ren Christentums sei es, gegen jeden häßlichen Menschenhaß zu kämpfen. Die Vereinigung gibt ein Wochenblatt heraus, das den Titel „Der freie Mensch" führt. In der ersten Nummer veröffentlicht u. a. der bekannte Lemberger Gelehrte Prof. Zaderecki, der ein Werk über den Talmud geschrieben und die Unwissenheit judenfeindlicher Talmudautoritäten vom Schlage eines Pater Trzeciak öffentlich gebrandmarkt hat, einen Aufsatz, in dem er die Absichten der polnischen Judenfeinde enthüllt. Ungeachtet heftigster Gegenpropaganda der nätionaldemokratischen Kreise, die die Führer der neuen Bewegung und die Herausgeber des Wochenblattes mit Drohbriefen überschütten, gelingt es dem neuen Gedanken, in weiteren Schichten und vielen anderen Städten und Ortschaften Fuß zu fassen. Die Neuregelung der Tierschlachtung in Polen und das Schächtverbot. Warschau, 27. Aug. Obwohl das neue polnische Tiers&hlacthtungsges'etz, das eine Kontingentierung rituell geschlachteter Tiere vorsieht, erst am 1. Januar 1937 in Kraft tritt, sind die Durchführungsverordnungen zu diesem Gesetz von den zuständigen Ministerien erlassen und unterzeichnet worden. Dies wird damit begründet, daß Anfang September in den meisten jüdischen Gemeinden Polens Neuwahlen stattfinden und das Kultusministerium deshalb den Wunsch geäußert habe, daß die Gemeindevertretungen möglichst bald das auf ihre Gemeinden entfallende Kontingent erfahren und so 'die au® der Schärchtabgabe zu erwartenden Einnahmen in den Etat einstellen können. Landwirtschaftsminister Poniatowski hat zwei Durchführungsverordnungen erlassen, eine mit den technischen Fragen sich befassende Verordnung über die „mechanische Schlachtung" und eine die Kontingentierung für die einzelnen Gemeinden und ähnliche Fragen behandelnde „Verordnung über die rituelle Schlachtung". Die Höhe des Kontingents soll für das Gebiet jeder Wojwodschaft von dem Wojwoden im Einvernehmen mit dien städtischen Gewerb eämtern festgesetzt werden. Der Minister für Handel und Industrie Roman hat eine „Verordnung über die Normierung des Umsatzes im Fleischhandel" erlassen, in der die wirtschafte liehen Fragen, die mit der Einführung des Schlachtungsgesetzes entstehen, geregelt werden. Durch diese Verordnung wird die Zahl der jüdischen Fleischläden usw. festgesetzt. Auch das Problem des für den Export bestimmten Fleisches, das bekanntlich nach ritueller Art geschlachtet ist, wird in dieser Verordnung erörtert. Das Kontingent des Exportfleisches wird vom Handelsministerium und nicht vom Land* wirtschaftsministerium festgesetzt. Für den Export bestimmtes Koscherfleisch wird gestempelt. Seine Verwendung im Inland ist unter Androhung schwerer Strafen verlboten. Eindrucksvolle Kundgebung der polnischen Judenheit gegen Araberterror und angedrohte Einwanderungssperre. Warschau, 27. Aug. In hunderten Massenversammlungen, 'die am 27. August überall in Polen stattfanden, hat die polnische Judenheit eindrucksvoll gegen den Araber* terror und die angedrohte Einstellung der jüdischen Einwanderung protestiert. Die Warschauer Protestversammlung fand auf dem Großen Hof des Gebäudes der Warschauer Jüdischen Gemeinde statt, Füh5 rer der zionistischen Bewegung in Polen hielten Ansprachen, in denen sie die Gefahr des Augenblicks kennzeichneten und zu entschlossener Verteidigung der jüdischen Rechte aufforderten. Gleichzeitig hielt die Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde eine Protestsitzung ab, in der Vertreter aller jüdischen Parteien und Richtungen in der Gemeinde Ansprachen hielten. Der Rat der Jüdischen Gemeinde faßte eine Resolution, in der feierlich Einspruch .gegen Maßnahmen erhoben wird, die die Entwicklung der Jüdischen Heimstätte in Palästina hemmen. Diese Resolution wurde dem ^englischen Botschafter in Warschau ZU* gesandt. Eine ausführliche Denkschrift wird dem Botschafter durch eine aus Vertretern aller Gruppen bestehende Abordnung überreicht werden. Außerdem wurde in einem Telegramm an Kolonienminister Ormsby-Gore gegen die Zustände in Palästina und die Gefährdung des jüdischen Aufbauwerkes protestiert. Auch in der Provinz fanden Protestversammlungen der jüdischen Gemeindevertretungen statt, in denen auf Grund telegraphischer Aufforderung durch die Warschauer Gemeinde ähnlich lautende Entschließungen zur Weiterleitung an den englischen Botschafter in Warschau und an das Kolonienministerium in London gefaßt wurden. In den Volksversammlungen, die überall im Lande stattfanden, wurde eine Resolution gefaßt, in der eine Liquidierung der Unruhen in Palästina auf Kosten der Juden aufs schärfste verurteilt und erklärt wird, daß eine Einstellung der Einwanderung als Belohnung von Gewalttat das Palästinamandat unterhöhlen müsse. Dem Jischuw wird für seine heldenhafte Haltung und Selbstbeherrschung Anerkennung aus^ gesprochen, der Exekutive der Jewish Agency volle Unterstützung in ihrem Kampf um die Wahrung der jüdischen Rechte in Palästina zugesichert. Auch diese Resolutionen wurden dem englischen Botschafter zugeleitet. In den Synagogen wurden eigene Bittgebete im Hinblick auf die Lage in Palästdna gesprochen. Brief aus Polen. Ausschreitungen. — Ausspruch eines Bischofs. — Keine Verlegung der Märkte. Warschau, 25. Aug. Wie die Warschauer jüdischen Zeitungen mitteilen; ist es an dem letzten Markttag in der Ortschaft P u 11 u s k, Kreis Warschau, zu Judenfeind-, liehen Ausschreitungen gekommen. Die Nationaldemokraten stellten vor den jüdischen Marktständen Posten auf, um christliche Käufer fernzuhalten. Jüdische Passanten wurden mißhandelt. In einem jüdischen Geschäft und einem jüdischen Wohnhaus wurden die Fensterscheiben zertrümmert. Verhaftet wurde niemand. Zwei Tage später kam es neuerlich zu Ausschreitungen, bei denen 15 Personen, einige von ihnen schwer, verletzt wurden. Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung -wandte sich an den Kreishauptmann, der eine größere Polizeiabteilung in die Ortschaft entsandte. Auch in Warschau ist eine jü« dische Abordnung au® Pultusk eingetroffen. Der Wiinaer Agiuda-Führer Szub ist von einer Bande Rowdies überfallen worden, die versuchten, .ihm den Bart abzueahneiden. Passanten kamen dem

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