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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 36 Der I s r a e Ii t 3. September 1936 könnten die verschiedenen Ausbildungsstätten nach einzelnen Berufen auf verschiedene Je schiwaus verteilt werden. Um dem Einwand zu begegnen, -daß durch diese praktische Arbeit das intensive „Lernen* beeinträchtigt werden könnte, müßte man eine Altersgrenze zum Eintritt in die Berufs schule festsetzen und außerdem ein großes Quantum an mir) -Wissen fordern, von dem sich die Leitung durch Prüfung überzeugt In dieser Weise würde man die Jugend in der Hand behalten und wäre in der Lage, ihr im reiferen Alter den hohen Wert einer vom Thora zentrum aus geleiteten Erziehung nachhaltig zum Bewußtsein zu bringen. Die Jugend selbst reicht uns die Hand hin Sie wartet und erwartet, daß eine geistige Führung ihr den Weg zur „Totalität des Juden" zeige. Sie sehnt sich danach, daß ihr Geist, a n yan und o"tP gereift, es lerne, nur von diesem Blickpunkt aus alle Prob lerne des Lebens zu betrachten und zu meistern. Durch eine solche begeisterte Jugend würde das Erziehungsziel der sichergestellt, die Verbundenheit mit der na,F'' eine dauernde werden. Darüber hinaus würde auch die Jugend der Häuser, die der n3*W» ferner stehen, angezogen und mitgerissen werden, die Hallen des Lehrhauses aufzusuchen. Das Streben unserer Zeit ist für die allgemeine jüdische Jugend: von der Peripherie zum Zentrum,- Nachbemerkung des Verfassers: Diese Vor schlage sind mir keineswegs aus bloßer Lust am Kritisieren, auch nicht aus revolutionärem Geist diktiert worden, sondern einzig und allein aus reiner „Liebe zum Lernen" und aus der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß die nn'W mit ihrer historisch gegebenen Lehrweise die einzig mögliche Erziehungsstätte der Jugend war, ist und bleiben wird. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die P. C der Agudas Jisroel zum neuen Jahre. Frankfurt a. M„ 28. Aug. Vom Büro der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel wird uns geschrieben: Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel verkauft auch in diesem Jahre wieder zum Preise von RM. 1.— den .geschmackvollen reichhaltigen Kalender, im Leinen gebunden. Der Kalender ist direkt im Büro Schwanenstraße 12 zu beziehen. Gleichzeitig weisen wir auch •darauf hin, daß Ablösungen von Wünschen zu Rausch-Hasühono zum Preise von RM. 1.—, wie in jedem Jahre, durch die Palästina-Zentrale vorgenommen werden. Die Veröffentlichung erfolgt in der Rausch=Hascihono-Nummer des „Israelit". Wir bitten, die Ablösung bis zum 13. September der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M., Schwanenstraße 12 mitzuteilen. Auch in diesem Jahre haben wir dafür Sorge getragen, in Jerusalem für all 'diejenigen eine Tefillo sagen zu las««», welche uns bis zum 20. September für den Keren Hajischuw den Mindestbetrag von RM. 2.— überweisen und gleichzeitig den eigenen hebräischen Namen und denjenigen der Mutter uns mitteilen. Wir bemerken freilich dazu, daß es frag* lieh ist, ob die Tefillo in 'diesem Jahre an der Köthel Maarowi gesagt werden kann. Im Falle dies nicht möglich ist, wird sie in der Synagoge am Deutschen Platz, deren Fenster zur Köthel Maarowi schaut, gesprochen werden. Wir haben den vokaltsierten Text für den Elternsegen mit Uebersetzung in geschmackvoller Ausführung zum Abdruck gebracht. Die Karten sind für 25 Pfg. bei uns zu beziehen. Bei Bezug von mindestens 10 Karten portofrei. Es empfiehlt sich, durch Anschlag an den Synagogen Kenntnis davon zu geben und die. lokale Adresse des Vertrauensmannes anzugeben, bei welchem Karten zu beziehen sind so daß dann eine Sammelbestellung an uns gerichtet werden kann. Schließlich weisen wir noch darauf hin, daß S e kundenscheine noch zu haben sind. Die Ver teälung der Reisen findet am 28. Elul statt. Kommentare judischer Autoren in den Entscheidungen des Reichsfinanzhofs. Berlin, 28. Aug. In der Zeitschrift der Fachschaft Reiohssteuerver waltung im Reicihsbund der deutschen Beamten, der „Steuer-Warte", ist ein Aufsatz von Assessor Dr. Backhaus ^»thalien, der jsich mit der Zitierung von Kommentaren jüdischer Autoren in den Entscheidiun gen des Reicbsfinanzhofs befaßt. Es wird eine Fülle von Entscheidungen aus den letzten Jahren aufgeführt, in denen Kommentarstellen jüdischer Juristen zur Beweisführung herangezogen werden. Dies© Stel* lungnahme des Reicihsfinanzhofs wird als unverein bar mit den §§ 1 und 2 des Steueranpassungsgesetzes bezeichnet, wonach die Steuergesetze nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen und Fragen der Billigkeit und Zweckmäßigkeit nach nationalsozialistischer Weltanschauung zu beurteilen sind. Dr. Backhaus wendet sich dagegen, daß neuere Auflagen einzelner Kommentare nicht mehr von Juden herausgegeben werden. Auch die Neuherausgabe eines jüdischen Kommentars werde notwendig immer ein typisch jüdisches^ Intellekterzeugni® bleiben, genau so, wie es zweifellos x. B. die Modernisierung der Lehren Spinozas oder des Alten Testament© Keine Kauileute nach Südafrika! — Eine Mitteilung des Hilfsvereins. Berlin, 28. Aug. Der Hilfß'verein der Juden in Deutschland gibt bekannt, daß ihm aus Südafrika wiederholt von maßgebender Seite ernste Warnungen vor der Einwanderung ungeeigneter Elemente zugegangen sind. Als ungeeignet sind in Südafrika sowohl Angehörige der meisten akademischen Berufe, wie vor allem auch kaufmännische Angestellte und unbemittelte Unternehmer zu betrachten, besonders wenn diese auch nicht einmal des Englischen kundig sind. Die Beherrschung der englischen Sprache in Wort und Schrift ist das mindeste, was von einem Kaufmann in Südafrika verlangt werden muß; in vielen Gegenden, vor allem auf dem Lande, wo noch am ehesten Existenzmögiichkeiten für Kaufleute vorhanden sein dürften, ist auch die Kenntnis der Burensprache „Afrikans" notwendig. Im ganzen muß mit Nachdruck betont werden, daß der Handel in Südafrika bereits stark übersetzt ist, daß vor allem in Kapstadt und Johannesburg unter den eingewanderten Kaufleuten erhebliche Arbeitslosigkeit herrscht, und hur ganz ungewöhnlich qualifizierte Kräfte überhaupt noch Aussicht haben, in der Wirtschaft unterzukommen. Ungleich besser sind die Aussichten für Handwerker, soweit sie eine wirklich gründliche reguläre Ausbildung genossen haben; für kurz ausgebildete „Umschichtler" mit un-* genügenden Fachkenntnissen ist in Südafrika — wo das Arbeitstempo und die Ansprüche an die Qualitat der Leistung ungleich höher sind als etwa in Südamerika — kein Platz. Die Liquidation jüdischer Vermögen in Deutschland, Berlin, 26. Aug. Von der Geschäftsführung der F. W. I. wurde einem Vertreter der ITA. über .die gegenwärtige Ausdehnung des Geschäftsbereiches der Gesellschaft Aufklärung gegeben. Die F. W. I. („Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden . b. H.") arbeitet seit 1934 auf privatwirtschaftlicher Grundlage, dient aber gemeinnützigen Zwecken und untersteht der Kontrolle der zentralen jüdischen Organisationen. Mit ihrer Gründung ist eine Stelle geschaffen worden, bei der alle bei der Liquidation jüdischer Vermögen in Betracht kommenden Fragen bearbeitet und Erfahrungen auf diesem Gebiete ge» sammelt und fortlaufend nutzbar gemacht werden können. Im Verlaufe ihres Bestehens hat sich so die F. W. I. insbesondere bei der Verwertung von Geschäften und Grundstücken einschalten, jüdischen Interessenten Käufer ihrer Unternehmungen zuführen und ihnen bei der Liquidation beratend zur Seite stehien können. Dieser Arbeitszweig der F.W.I. wird nicht zuletzt durch die allgemeinen Bedingung gen des Griundstücksmarktes und .des Marktes, der Unternehmungen gekennzeichnet. Bei der Anlage der Erlöse von Gesohäftsverkäufen und der Auffindung etwaiger Beteiligungsmöglichkeiten steht die F. W. I. jüdischen Geschäftsleuten zur Verfügung. In .diesen Fällen, wie in ihrer Tätigkeit überhaupt, konnte die F. W. I. Fehlleitungen von Kapital und ungünstige Anlagen vorhandener Gelder durch eotsprechende Beratung verhindern und jüdische Wirtschaftspersonen vor Verlusten bewahren. " Als ein besonderer Zweig der Liquidationstätigkeit der F. W. I. hat sich die Vermittlung beim Tausch von Betrieben und Grundstücken entwickelt. Die Erweiterung der Tätigkeit der F. W. I. auf diesen Geschäftszweig ist durch die beschränkten Trans* fennöglichkeiten einerseits, andererseits aber durch den anhaltenden Auswanderungsdrang notwendig geworden. Die F. W. I. hat in zahlreichen Ländern Vertreter und Korrespondenten, die geeignete Tausohmöglichkeiten nachweisen und alle Unterlagen zur Klanstelking der angebotenen Unternehmungen beschaffen können. Neuerding® ist die F. W. I, dazu übergegangen, alle diese ihr bekannt gewordenen Kauf- und Tauschmöglichkeiten im Ausland in fortlaufend herausgegebenen Berichten zusammeuzufasisen. Die F. W. I. übernimmt darüber hinaus die Vorprüfung der Angebote und die Einholung von Auskünften über ausländische Objekte. Die Devisenbewirtschaftung in den meisten europäischen Ländern und die Währungs= und Wirtschaftsverhältnisse in aller Welt machen die Durchführung eine« Tausches von Unternehmungen außerordentlich schwierig und erfordern eine große Erfahrung ih diesen Dingen.. Aus diesen Gründen wurde auch von den führenden jüdischen Körperschaften und im Einverständnis mit dem Hilfsverein der Juden in Deutschland die Bearbeitung der vom Ausland 'her angebotenen Objekte bei der F. W. I. zentralisiert. Auf diese Weise soll eine sachgemäße Behandking durch Zusammenfassung, Prüfung und Anbietung bei einer einzigen Organisation erreicht werden, die in der Lage ist, alle maß* gebenden Gesichtspunkte zu beurteilen und die jüdischen Auswanderer zweckmäßig zu beraten. Für bereits Ausgewanderte übernimmt die F.W.I. die Verwaltung von Vermögen und .insbesondere von Grundstücken. Im Jahre 1935 hat die F. W. I. in über 40 Fällen eine ausgedehnte Spargutachtertätigkeit und organisatorische Beratung für jüdische Gemeinden und Verwaltungen ausgeübt. Zu diesem Zwecke hat sie eine besondere Abteilung, eingerichtet. Eine weitere Sonderabteilung dient der Betreu* ung der Einzelhandelsbetriebe. Unter Leitung und Mitarbeit besonders ausgewählter Fachleute der betreffenden Branche werden 'jüdische Geschäftsleute bei der Vorbereitung einer Liquidation oder bei sonstigen innerbetrieblichen Veränderungen beraten. Oesterreich. Verständigung zwischen Wiener Kultusgemeinde und selbständiger Orthodoxie? Wien, 28. August. Die ITA. berichtet: In letzter Zeit haben Verhandlungen zwischen führenden Persönlichkeiten de® Vorstandes Aer Wiener Kultusgemeinde und der die Selbständigkeit an5 strebenden Adaß Jdsroel-Gememide (selbständige Orthodoxie) stattgefunden. Gegenstand der Besprechungen waren die seit längerer Zeit bestehenden Gegensätzlichkeiten zwischen der Gemeinde und der. Orthodoxie. Es wurde eine Verständigung über die künftige friedliche Zusammenarbeit .zwischen Kultusgemeinde und Adaß Jisroel-Gemeinde erzielt, i Einen eigenen Bericht über diese Verhandlungen behalten wir uns vor. Red.).

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