Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1936)
- Date
- 1936-09-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3: Septemb er;1936 Der Israelit Nr. 36 Seite 7 DJe.1 Pacht wird auf Grund einer, 4prozentigen Verzinsung des für Grund und Boden und Gebäude verauslagten Kapitals berechnet. . - In Ausnahmefällen wind vom Ansiedler im ersten Jahre kein Pachtbetrag erhoben,, der Pachtbetrag in den späteren Jahren stellt sich alsdann wie folgt: Im zweiten Jahre 50 Pesos jährlich, im. dritten Jahre 75 Pesos jährlich, im vierten Jahre 100 Pesos jährlich, im fünften Jahre 150 Pesos jährlich und vom sechsten Jahre an der normale Pachtzins, der für 50 Hektar ungefähr 320sResos und für 75 Hektar ungefähr 420-Pesos jährlich beträgt. " ■ . - Reisekosten: Die Reisekosten hat der Siedler selbst zu tragen. Falls er nicht über die ganze Summe verfügt, wird ihm für den Rest ein Vorschuß bewilligt, rückzahlbar ohne Zinsen im Laufe der ersten acht Jahre seiner Pachtzeit Abzahlung der Schulden für Inventarisierung: Der zum Ankauf des Inventars — Vieh, Maschinen, Saat usw. —; vorgestreckte Betrag beläuft sich auf etwa 3600 Pesos. Dieser Betrag wird zu 5 Proz. verzinst, jedoch wird der Zins erst vom sechsten Jahre der Ansiedlung ab berechnet. Der Siedler muß diese Schuld im Laufe der ersten acht Jahre seiner Pachtzeit abzahlen. Soziale Einrichtungen: In der Ansiedlung sind als soziale Einrichtungen vorgesehen: Schule, Tempel, Genossenschaft, Krankenkasse, Versammlungsraum usw. Der Sabbat im Gebete. Das überall mit großer Sjparimmg erwartete Werk „Welt der Ge- ' b e t eBand II, vdn Rabb. Dr. Eide;!Munk, Ansbach,. ist im Hermon-Verlag, Frankfurt a. M., jetzt erschienen und ' wird entsprechend der Erwartung mit Jubel begrüßt. Wer den ersten Band gelesen, oder richtiger, gelernt' hat, kennt Wessen und Art dieses;-Werkes, das uns, in sedner Gliederung, >,an,i den Hirsch'schen Choreb erinnernd, so tief in die Welt der Gebete einführt, daß wir nicht nur Wortlaut und Form des Gebetes kennen lernen, sondern jedem Gebete bis auf die letzte Quelle nachspüren können und' alle Schwingungen in der Seele des Gebetdichters-, -nachempfinden. Dieser zweite Band, 357 Seiten stark, umfaßt den Sabbat, vom Vorabend bis zu seinem Ausgange, unter Berücksichtigung der „vier großen jSabbate". , Ueber den . iN e u m o"n d t a g führt er uns zu den drei Wal 1 £ ä h r t sf e s t e n hinüber und zjeigt uns in ihrer besonderen Tiefe und Schönheit die. Gebete des N euj ah r s ^est.es und; des V e r s ö h n un g s t a g es. Ch,anu k a h, Purim und die Fasttage schließen sich an. Es sei hier die Abhandlung .über dasi Morgen gehet für Sabbat ---wiedergegeben» .s> : r (Das Buch ist zu . beziehen im Hermon-Verlag,. Frankfurt a. M.,, .Schützenstraße 12, zum Preise von Mk.. 5.;— in gediegenem Leinwandbänd.) ' " •■ „Der Tag des Sabbat strahlt Jubelaus ins Weltall! Die Oberen' Und die Unteren empfangen gleichsam eine Kröne und selbst der niederste Punkt verlangt zur Höhe, zum Strahlenglahz der Krone, der von der Herrlichkeit des- Schopf ers ausgeht. Und wenn das heilige Volk - in der Frühe ins G'tteshaus geht, festlich gekleidet und freudigen Herzens, da wird es mit der heiligen Himmelskrone geschmückt, während es '-in der Hingebung seiner Seele Lobgesänge und Hüldigungslieder anstimmt und sie zum Himmel emporsendet. Die Oberen aber, die gleich den Unteren jubeln und sich1' schmücken, lassen '-ihre Stimme vernehmen und'sprechen: Heil euch!'Ihr heiliges Volk auf Erden, daß ihr die G'tteskrone euch zu erwerben wißt und däß'um euretwillen alle heiligen' Heerscharen'1 mit ' der Krone geschmückt werden!" :: r : 'i , ..Mit diesen" Worten schildert der ' Sbhär ('S btlp^i) den innigen, weihevollen und erhebenden Stimmungsgehalt des Morgengebetes am Sabbat. In der Stunde, da der Sabbat beginnt, soll dieses Gebet die Aufgäbe vollbringen, in uns die rechte Einstellung zu erzeugen, die jeder Sabbat von uns erwartet. Das ist die Erhebung d^r! Seele aus den Niederungen des, irdischen Lebens mit all. seiner! Leiden und1 Sorgen und ' ihre Weihe!11 für alles Heilige und G'ttliche. In diesem hei-; ligen Aufschwung soll die Seele zur lummlisch-' verklärten' Reinheit sidht! zurückfinden,' aus der sie [her vor gegarigen, und wenn ihr diese Erhebung' nach vollzogener Losreißüng aus irdischer' Enge' gelungen ist, dann empfängt sie gleichkam' die Siegeskrone... aus der. Hand ihres Schöpf örs. Die „obere Welt" aber, aus der die Seßle gekommen und zu der sie nun zurückgefunden^ hat,! jubelt dem heiligen Volk entgegen und beglückwünscht die Seele ob ihrer durch ihre Emporschwingung erworbenen ig'ttlichen Siegeskrone, und' sie feiert den Sabbat in jubelndem Zusammenklang mit dem heiligen Volk. Und in dieser Vereinigung der ,,Oberen und der Unteren", erlebt der Sabbat seine eigene Krönung! _' Allein zu den Mitteln, durch die die. Seele! . -1 von ihrer irdischen Gebundenheit befreit und zu den himmlischen Regionen emporgetragen wird, gehört in sehr wesentlichem Maße eben das Morgengebet, das den Sabbat ,einleitet. Da fühlt sich der in seiner Religion -wurzelnde Jude wie durch eine höhere Kraft gehoben, unsichtbar und doch unentrinnbar, und wenn er die für Sabbat bestimmten Lobpreisungen singt, da.fühlt er, wie ihn die m'n9 flatt?3 die besondere Seele umfängt, die ihn von der Last des Daseins^ wohltuend befreit und ihn zugleich adelt, ihm gleichsam eine „g'ttliche Krone" aufsetzt, indem sie ihn innerlich besser und reiner macht. So geschieht es denn mit Hinblick auf diese seelische Erhebung, daß gerade der zweite Teil des Morgengebetes, der die man 'plÖS umfaßt und dessen Bestimmung im Gefühls aufs chwung zu G'tt liegt, in der Schilderung und Vertiefung des Sabbatgedankens durch Psalmen und Lobgesänge länger verweilt,, bis er in dem begeisterten Ruf an die „Seele alles Lebenden, TT^O flattW seinen Gipfel erreicht. Doch auch den anderen Gebetteilen prägt der Sabbat seinen Stempel auf. Im ersten Teil bis lasiP "|Vn wird unmittelbar nach dem Opferabschnitt, Tann 'S' der Abschnitt nnwn D'PIV Num. 28, 9—10, eingefügt. Er enthält die Vorschrift über die zusätzlichen Opfer des Sabbat, deren Erwähnung. hier im Anschluß an die ständigen Tamidopfer erfolgt. An den Feiertagen werden die zusätzlichen Opfer des! Tages nicht erwähnt, weil sie späterhin in der Thoravorlesung zu öffentlicher Verkün^ dung gelangen, was jedoch für die Opfer des Sabbat nicht möglich ist, weil deren Abschnitt die für eine Thoravorlesung erforderliche Mindestzahl von drei Schriftversen nicht umfaßt. An den Neumondstagen hingegen wird der Opferäbschnitt DD'W'Tn 'tPNlm an dieser Stelle wohl gesprochen, obgleich er auch aus der Thora vorgelesen wird, da an den Neumonden,'die häufig auf Werktage fällen, Viele die Thoravorlesung lücht hören. Im nächstfolgenden Teil der man "»plOÖ werden die erwähnten Huldigungslieder unmittelbar nach dem als Einleitung dienenden Abschnitt laws iinp 'r\b vnn eingefügt (maia rninV unterbleibt am Sabbat, aus den im Kommentar zum Werktagsgebet das. erörterten Gründen). Die Auswahl der aus den Psalmen entnommenen Löbgesänge ist durch die drei Grundgedanken bestimmt, die der Sabbat verkörpert, ' als '• Denkmal' der Weltschöpfung, rw$Kh IDT D^KÜ als Denkmal des Auszuges aus Aegypten, D'ISa DITX^ ^DT und als Vorbote des kommenden Weltsäbbat, Xnn äVl» p»iB» Dem' Gedächtnis an die; Schöpfung sind die ersten Psalmlieder gewidmet. ''" ': ' '! Von der Jeschiwah Pädagogik. Von Rabb. M. Jakobovits in Straßburg. Jedes Zeitalter hat seine aus wirtschaftlicher und geistiger Struktur des Landes entstehenden Erziehungsprobleme. Jüdische Erziehungsaufgabe gestaltet sich um vieles komplizierter. Die Sicherheit des Zieles: die Jugend zu Thorawissen und Thoratreue zu erziehen, ist durch die andersartige Umwelt, in die der Bochur nach der Studienzeit hineintreten muß, stark gefährdet. Dazu kommen die größeren Anforderungen an materielle und persönliche Opferwilligkeit des Einzelnen. Die grundlegenden Erziehungsstätten der Juden sind von jeher die J e s c h i w a u s. Mit dem Wandel der Zeitprobleme müßte auch die erzieherische Seite der Jeschiwoh eine Umstellung erfahren, um ihr kostbares Erziehungsziel auch über die „Lernzeijt" hinaus in dem Lernenden zu sichern. Nicht gering ist die Zahl derer, die auf den m3'»ttn zu außergewöjinlichsten' Hoffnungen[ berechtigten,, im Leben nicht die religiöse Festigkeit besaßen, dem Ansturm des Zweifels zu trotzen und dem thoratreuen Judentum verloren gingen. Die weitaus größte Zahl der Bachurim ist dem Erziehungsziel der fi^W* treu geblieben, sie fordern auch für die neue Generation „Erziehung durch Jeschiwaus", aber nicht durch die Stätten ihres Heimatlandes.' Sie lehnen es ab, diese materiell oder ideell zu unterstützen, denn sie stehen in keinem inneren •Verhältnis zu ihnen. Sie bewerten von vorneherein den aus fremder ■tiy,W stammenden n"n höher als den Heimatgenossen, ohne in Betracht zu ziehen, daß das frühere Ungarn nahezu der ganzen westlichen Welt die bewährtesten geistigen Führer gegeben hat. Dagegen verstehen es in anderen Ländern die ma'tp' meisterhaft, für Generationen hindurch ihren Schülern ein Gefühl innigster Verbundenheit mit der Lehranstalt und ihren Hörern einzupflanzen. In welchen Ursachen mag es begründe^ sein, daß den erstgenannten Gefühl und Wertschätzung für ihre mn'B?'» die ihnen geistige Heimat bleiben sollten, verloren gingen? In erster Linie haben die rttl'W es versäumt, ihren Hörern eigene Wertschätzung und die Wertschätzung ihrer ma/W und deren Lehrmethode fest einzuprägen. Der Grund dieses Versäumnisses lag darin, daß man den Wandel der Zeit nicht genügend beobachtete. Im Eifer, nur navP^> min zu lehren, hat man der Wirkung auf den Schüler zu wenig Beachtung geschenkt, während gegenwärtig jede Sicherstellung eines Erfolges von der vorher berechneten Wirkung abhängig ist. Der Bochur jedoch, dem der Wert der ni^tt^-Erziehung nicht intensiv genug zum Bewußtsein gebracht wurde, führt alle Mißerfolge im Leben und ialle Unbill des Lebens auf diese 7\2W -Erziehung zurück. — Die Freude am Lernen müßte die seelische Grundhaltung des Bochurs sein. Aus dieser Freude erwächst der Stolz auf das Wissen; das Glück; einem solchen Ziel zuzustreben, einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten und Gleichstrebenden anzugehören, verscheucht jeden Minderwertigkeitskomplex. Gegenseitige Hochschätzung adelt das Zusammenleben, von jüdischem Geist beseelte Geselligkeit schließt das Band fester untereinander. Hilfsbereitschaft und gegenseitiges Einstehen füreinander läutern den Charakter. Um ein dauerndes treues Freundschaf tsverhältriis zu erzielen, muß die Jeschiwah sich auch das materielle Wohl des Jugendlichen angelegen sein lassen; nicht nur während der Studienzeit durch Internat und Mensa, sondern auch in der Berufsfrage muß die ny>v beratend und betreuend dem Bochur zur Seite stehen, z. B. durch Angliederung von Gewerbe- und Handwerkerschulen. Die Vereinigung 'p'tna nWE^n könnte in Verbindung mit dem Keren Hatorah die Aufbringung der Kosten übernehmen. Um die Ausgaben zu vereinfachen,