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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 36 D er Israelit 3. S.epfem)^rm36^. Untergang und Gnade. Vom jenseitigen Leben erfüllt, befruchtet es die Völker und bewirkt ihre Entwicklung. So ist es begreiflich, warum das jüdische Volk keinen weltlichen Staat hat und haben kann, warum sein einstiges Reich nur zur Hälfte weltlicher Staat sein konnte und gleichzeitig Reich G'ttes sein mußte, warum seine Herrscher bis zum Zerfall des Reiches Propheten-Könige waren und nach dem. Zerfall ständiger Kampf zwischen den Königen und den Propheten herrschte. Dem Ursprung und Charakter des jüdischen Volkes muß sein Reich entsprechen. Das Volk kann, nachdem es seine national-biologische und staatspolitische Entwicklung endgültig abgeschlossen hat, nur noch "als' geistige Gemeinschaft erstehen, sein Reich kann hur ein Reich G'ttes sein und kein Nationalismus1, nur in einer geistigen Bewegung zum Ausdruck kommen. Der jüdische Nationalismus kann nach außen hin kein anderes Bestreben haben, als die Voraussetzungen zu schaffen für die Errichtung der äußeren Form der jüdischen Gemeinschaft. Wie sehr die .Erfüllung dieser ' seiner äußeren Aufgabe von den politischen Verhältnissen auch abhängen ma'g, sein Wesen läßt sieh durch diese Verhältnisse' nicht erklären und ist einzig im geistigen Ursprung des Volkes begründet und nur aus""ihm zu verstehen. * Da die Bestimmung des jüdischen Volkes über die des Staates hinausgeht, mußte sein Staat untergehen. Das Volk aber blieb weiter bestehen, um durch eine noch höhere Gemeinschaftsordnung zu gehen. Was mit seinem Staat zu Ende ging, war seine abgeschlossene jüdische Kultur, aus der sich das Volk als von einer Uebergangsform befreite. Der Untergang des jüdischen Staates war sowohl vor seiner Begrün dung als während der ganzen Zeit seines Be Stehens vorausgesagt. Das Exil wird daher vom jüdischen Volke nicht als Zufall betrachtet, sondern erscheint ihm als ein notwendiges Geschehen, das mit seiner Erlösung enden wird. Dann wird es im Reiche G'ttes, das in seiner reinen Form erstehen wird, als G'ttes Volk leben. Der Messiasglaube ist der innerste Kern des jüdischen Nationalismus. Er ist ihm Norm unc Richtschnur. Jeder Jude und das ganze Volk ist von diesem Glauben bewußt oder unbewußt bestimmt. Die Idee des jüdischen Nationalismus ist so ein inneres Licht, das im Messias seine äußere Erscheinung haben wird. Die jüdische Gemeinschaft ist eine geistige Gemeinschaft und besteht auf dem Gesetze G't tes. Es widerspricht deip.. Wesen des jüdischen Volkes, sich eine weltliche Ordnung zu ..geben. Diese findet es außerhalb der eigenen Gemein schaft vor und hat in eine solche Beziehung zu ihr zu kommen, daß sie die Errichtung seiner ^geistigen Gemeinschaft nicht hindert, sondern fördert. Das Verhältnis zwischen den beiden jüdischen Reichen, dem gesetzestreuen Juda und den* weltlichen Israel, die sich einst, räumlich gegenüberstanden, muß im Sinne einer gegenseitigen Ergänzung von geistiger und weltlicher Gemeinschaftsordnung wiederhergestellt werden. Aus» diesem Verhältnis entsteht die totale Gemeinschaft, in der der Geist G'ttes in der Welt gegenwärtig und wirklich wird. Die Abhängigkeit des jüdischen Volkes von der'Umwelt hört auf, Golus zu sein, sondern besteht nur noch als seine -Berufung Reiter. Und das ist die Verwirklichung des "jüdischen Nationalismus. Die Erlösung des jüdischen Volkes fällt mit der Ver-. geistigung der Welt zusammen. Die Bedingungen der ICA-Kolonisation in Argentinien Das Siedlungsbereioh der Jewish Golonization Association (ICA) in Argentinien umfaßt ein Areal von über 600000 ha. Davon waren (nach dem Bericht der ICA von 1935) 225 000 ha freies Eigentum von 1538 Kolonisten, 159 000 ha waren bei 1569 Kolonisten in Pacht mit einem Kauf recht. Ende 1934 betrug die Zahl der Kolonistenfamilien 3106 (gegen 3563 im Jahre 1927, 3382 im Jahr 1913 und rund 500 im Beginn der Siedlung 1892) in den Provinzen Entre Rios (1633), Santa Fe (641), Buenos Aires und Governacion Las Pampas (810), Santiago del Estero (22). Die Seelenzahl der Kolonisten-Familien betrug 17 742. Hinzu kommen 1435 jüdische Familien mit 8054 Seelen, die nicht von der Landwirtschaft leben, und in den Städtchen dieses Gebiets noch ungefähr weitere 80Ö0 Juden, etwa die Hälfte der dort lebenden Gesamtbevölkerung. Im Gebiet der ICA-Kolonisation leben also insgesamt etwa 33 000 Juden, von denen über die Hälfte Kolonisten sind bezw. Kolonisten-Familien angehören. Die ICA hat jetzt begonnen, auch jüdische Familien aus Deutschland in ihren argentinischen Kolonien anzusiedeln. Im Januar 1936 hat die ICA eine erste Gruppe von 19. jüdischen Familien aus Deutschland in ihrer Kolonie Avigdor (Entre Rios) in Argentinien angesiedelt. Eine Erweiterung dieser Ansiedlung ist auf Grund einer sorgfältigen Auswahl der Bewerber vorgesehen. Es handelt sich dabei um Familien, die für landwirtschaftliche Siedlungsarbeit geeignet sind, mit mindestens drei erwachsenen männlichen Mitgliedern und mindestens einer erwachsenen weiblichen Arbeitskraft, gegebenenfalls ergänzt durch Verheiratung von Söhnen oder Töchtern bezw. durch nahe Verwandte (Neffen oder Nichten). Die Familien werden auf ihre Eignung für die Siedlungsarbeit von einem Beauftragten der ICA persönlich ausgewählt. Von *) Aus einem Sonderdruck aus „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" Berlin, April 1936. Jahrgang 6, Neue Folge, Heft 1. :' den ausgewählten Familien muß ein junges männliches Familienmitglied nach einer vierwöchentlichen landwirtschaftlichen Vorschulung . im Landwerk Neuendorf der Familie vorausfahren, um sich während eines Jahres in den ICA-Siedlungen in Argentinien als Landarbeiter zu betätigen. Nach dieser Bewährungszeit erfolgt eine Anforderung der gesamten Familie und deren Ansiedlung auf einer einzelnen Familiensiedlung. Ueber die Bedingungen dieser Ansiedlung unterrichtet die nachstehende Zusammenstellung aus einem Expose der ICA. Zur Ansiedlung jüdischer Auswanderer aus Deutschland ist folgender Plan entworfen: Lage der Siedlung,; Die^ Familien, die die ICA zur Ansiedlung in ihren Kolonien annimmt, werden in der Kolonie Avigdor (Provinz Entre Rios) gruppenweise angesiedelt. Diese Kolonie ist im 32. Grad südlicher Breite gelegen, ihr Klima ist gesund und für Europäer gut erträglich. Die Gegend wird von Eisenbahnlinien durch-, zogen, die den Abtransport der landwirtschaftlichen Produkte ermöglichen. Avigdor ist 21 km von der Eisenbahnstation Bovril entfernt, 50 km von der Stadt La Paz, 160 km von der Provinz- Hauptstadt Parana und 700 km von der Landeshauptstadt Buenos Aires. Größe und Inventar detr Siedlungen: Jede Familie erhält 50, evtl, bis zu 75 Hektar Land. . Jede Siedlung ist umzäunt und besitzt folgende Anlagen: 1 Haus, bestehend aus zwei Zimmern und Küche, mit notwendigster Einrichtung (1 Tisch, 4 Stühle, 4 Betten, 1 Schrank, 1 Herd, und etwas Küchengeschirr), eine offene Scheune, einen Hühnerstall, ein Klosett und eine Duschvorrichtung. Ein Brunnen wird immer; gemeinsam ..für 2 oder 4 Siedlungen angelegt, ., , An lebendem Inventar wird jeder Siedlungsfamilie übergeben; Kühe, Pferde, Hühner. E^ne Zuchtstation ist für die Verbesserung des ViehbeifändeV'vorgesehen! Das Vieh wird; dem' Siedler entsprechend der Entwicklung seiner Siedlung zugeteilt. ,; An Maschinen und Geräten erhält jede Siedlungsfamilie: T Wagen, 1 Pflug, 1 Egge, Milcheimer, Schaufeln, Hacke usw.. Außerdem sind zur gemeinsamen und abwechselnden Benutzung folgende Maschinen vorgesehen: Sämaschinef Stachelwalze, Dreschmaschine, Ernteinaschineix U, S. W. '"'" ' ■.'•",'.' '■' '.'•:'... ' . Im ersten Jahre wird dem Siedler 'Saatgut übergeben, und zwar: Mais, Weizen, Hafer und Leinsaat. Außerdem erhält er noch Mais zur Verpflegung seiner Hühner bis zur ersten Ernte» Einführung in die Landwirtschaft: Während des ersten Jahres werden die Siedler durch,.,».eigene ländwirtsch^ Lehrer, die sich in der Kolonie aufhalten, angeleitet und unterrichtet. " [!'': Ertr ä grii s s e d e r S i e diu n g;ea,:'? Iii der ersten landwirtschaftlichen Jahresperiode wird der Siedler nur mit Erträghissen aüs Malch- ■ i * ■ i, 1 Wirtschaft und Geflügelzucht zu rechnen haben. Die Pferde werden hauptsächlich für, die Feldarbeit verwendet. Das finanzielle Ergebnis des ersten Jahres kann wie! folgt veranschlagt werden: Verkauf der Milch: 30 Pesos durchschnittlich im Monat; - Verkauf der Eier: 12% Pesos durchschnittlich im Monat; Zusammen: 42% Pesos im Monat das heißt im ersten Jahre durchschnittlich 500 Pesos, Diese Preise sind auf Grund der augenblicklichen, Verhältnisse "und Preise in der ICA- Kolonie in Argentinien errechnet. Falls das Erträgnis des ersten Jahres aus irgendeinem Grunde nicht genügen sollte, um den Lebensunterhalt der ' Siedlerfamilie zu sichern,, können ihr auf Wunsch Arbeiten übertragen werden, durch deren Bezahlung sie ihre Einnahmen erhöhen kann. "'■'"'". In der zweiten landwirtschaftlichen Jahresperiode hat der Siedler schon Erträge aus der Feldwirtschaft, die ihm somit ein normales Auskommen sichert. Aber auch im zweiten Jahre werden dem Siedler im Bedarfsfalle noch Aushilfsarbeiten, gegen Entgelt übertragen. In diesem zweiten Jahre wird das Ergebnis aus Milchwirtschaft und Geflügelzucht mit 800 Pesos im Jahr veranschlagt. Die, Weizenernte ist auf. 180 Pesos jährlich zu veranschlagen^ und deckt den eigenen Mehlbedarf des Kolonisten. Die anderen Erträgnisse der Feldwirtschaft werden nicht weiter in Betracht gezogen, um evtl. besonderen weiterge^ hehden, , Wünschen der Siedler Rechnung zu tragend : Die dritte landwirtschaftliche Jahresperiode-. muß, nprmalerweise, nicht nur den Unterhalt des Siedlers hinreichend decken, sondern auch noch, genügend i Ertrag abwerfen, um einen Teil seiner Schulden abzuzahlen, die er infolge , seiner Ansiedlung aufgenommen hat;;; P a c h,t.-. und Ver k a u f?s y e r t r a g : Die Ansiedlung ,wird nach folgendem, System durchgeführt: Jeder Siedler er-hält für, die ersten acht Jahre einen Pachtvertrag, und eine, schriftlic|ie Verkaufszusage.. (Option). Entsprechend dieser Verkaufszusage wird der Siedler nach Ablauf von acht Jahren Eigentümer der Siedlung, wenn er bis dahin die für die später spezifizierte Inventarisierung seiner Siedlung vorgestreckte^ Summe voll zurückgezahlt, und wenn er weiterden Bedingungen des Pachtvertrages entsprechend 50. Proz. des Verkaufspreises des Grundes und Bodens und der Gebäude bezahlt hat.. Für den Rest, seiner Schuld wird eine Hypothek auf das Grundstück des Siedlers eingetragen./ ,P a cK.t - ..und Grunds t u c k s. pfr .ei;s s Der Preis, des Bodens istr mit, 100 Pesos, pi}o' Hektar. f es,tges etzt, das heißt für ein Gründstück von 5Q Hektar mit 5000 Pesos, bezw. .für ein¬ Grundstück von 75 Hektar mit 7500 Pesos.; B.&r.^.eTt der Gebäude- und deren Einrichtung jibetragt . ungefähr 3000 Pesos. . *',

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