Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1936)
- Date
- 1936-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450944--82373-2540324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 36 Israelit ~i t?/?^? v ptf*>f}w$}fc.<v>3h; svr. 3. September 193fr englischen Kabinetts einberufen worden ist, in der die Palästinairage erörtert werden soll. In dieser Sitzung, schreibt der Korrespondent des „Evening Standard", werden Beschlüsse über die Maßnahmen gefaßt werden, die im Hinblick darauf, daß die Situation zu einem toten Punkt geführt zu haben scheine, erforderlich sind. Wochenrundschau* Neue Golusländer. Eine sehr aufschlußreiche Schrift von Dr. Michael Traub, betitelt: „Die jüdische Auswanderung aus Deutschland" schließt nach klarer Darstellung der jüdischen Wanderungen vor und nach dem Kriege und Besprechung aller außerpalästinensischen Siedlungsversuche mit folgenden Worten: „Wir verkennen nicht die Motive der Schöpfer dieser Kolonisationspläne, ihre Absicht — angesichts der relativ geringen Aufnahmefähigkeit Palästinas — jüdische Siedlungszentren in anderen Ländern zu schaffen,. durch Rückkehr zur Landwirtschaft jüdisches Leben zu normalisieren und gesünder zu gestalten. All diese Versuche scheiterten aber nicht nur an äußeren politischen Schwierigkeiten, sondern auch an der mangelnden Bereitwilligkeit jüdischer Auswanderer, außerpalästinensische „Territorien" landwirtschaftlich zu besiedeln, letzten Endes an der Unmöglichkeit, Länder „ohne Verbindung mit einem Ideal, ohne eine höhere Weihe" kolonisatorisch zu erschließen. Das Mißlingen landwirtschaftlicher Siedlungsprojekte enthebt uns aber nicht der Sorge um die weitere Regulierung der jüdischen Wanderbewegung. Selbst bei voller Ausnutzung der gegenwärtigen Fassungskraft ist die Zahl der Einwandererkandidaten für Palästina in verschiedensten Ländern der Erde unvergleichlich größer als die Zahl der Menschen, die Palästina in absehbarer Zeit beherbergen kann. Aufgabe jüdischer Wanderungspolitik muß es daher sein, nach sorgfältiger Prüfung der Immigrations- und Niederlassungsbedingungen einen Teil des jüdischen Wanderstroms auch nach außerpalästinensischen Ländern zu lenken. Bei dieser notwendigen Suche nach neuem Lebensraum darf aber der Schwerpunkt konstruktiver jüdischer Aufbaupolitik nicht aus Palästina nach anderen Immigrationsgebieten verlegt, der fundamentale Unterschied zwischen der Auswanderung nach Palästina und der nach anderen Ländern nicht unterschätzt werden." Dazu sei bemerkt, daß es vornehme Aufgabe der Agudas Jisroel ist, —• sie hat ihren Ausdruck auch in einer Resolution auf der Mariembader Tagung gefunden — dahin zu wirken, daß durch Bildung von kleinen jüdischen Zentren und Schaffung ritueller Einrichtungen in den neuen überseeischen jüdischen Siedlungen „d i e Verbindung mit dem Ideal und die höhere Weihe" gesichert sind, wie sie Herr Dr. Traub — vielleicht in anderem Sinne — hier wünscht. Man diskutiert in Amerika über die jüdische Nächstenliebe. Der durch seine Rundfunkreden bekannte Priester Peter Charles E. C o u g h 1 i n führte auf einer Tagung der Vereinigung für soziale Gerechtigkeit (Union for Social Justice) in Cleveland u. a. aus: „Wir sind eine christliche Organisation, weil wir an den Grundsatz „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" glauben. Gestützt auf diesen Grundsatz richte ich an jeden Juden in diesem Lande die Aufforderung, mir zu sagen, ob er an diesen Grundsatz glaubt oder nicht. Ich verlange von den Juden der Vereinigten Staaten nicht, daß sie das Christentum und alle seine Glaubenssätze annehmen, wohl aber, daß sie sich den christlichen Grundsatz der Brüderlichkeit zu eigen machen, nachdem ihr System des „Zahn um Zahn und Aug um Aug" Schiffbruch erlitten hat." Gegen Coughlin wenden sich nun führende Geistliche aller Konfessionen in Amerika und suchen ihn, je nach Richtung und Temperament mit mehr oder weniger Schärfe, zu schlagen. Wir meinen, die Herren hätten sich ihre Aufgabe etwas leichter machen können, wenn sie kurz auf Leviticus 19, V. 18 hingewiesen hätten, wo für alle Welt und alle Zeiten gültig geschrieben steht: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ich bin G't t." Hier ist die Quelle, der alle positiven Religionen ihre Lehre der Nächstenliebe verdanken. Und daß das Volk der Bibel diesen Grundsatz nicht nur lehrt, sondern an ihn auch glaubt, beweist schon die Tatsache, daß der Lehrsatz mit ">2fr 'Tlschließt, also in dem G'ttesg lau - be n verankert wird. In einer Zeit, da die jüdische Bibel in thunf derttausend Sprachen und Idiome (zuletzt äucli in Zigeunerisch) übersetzt ist, sollte man das Prioritätsrecht der Juden auf das■. Postulat der Menschenliebe nicht erst wissenschaftlich begründen und anmelden müssen. Und was die „Zahn um Zahn'-Lehre betrifft? Kenner des Talmuds, der erst dem Texte der Thora den richtigen Sinn gibt, wissen, wie dort diese Lehre verstanden wird, nämlich im Sinne eines Schadenersatzes durch Geldzahlung („Baba kama"). Kenner der Geschichte wissen, daß die „Zahn um Zahn'-Lehre die Gerichtsbarkeit der S a d d u z ä e r beherrschte, die gegen das Judentum der Ueb erliefe r u n g den grimmigsten Kampf führten. Kenner der von aller Bibelkritik Losgelösten Exegese wissen schließlich, daß der Talmud bei dieser Interpretation nicht aufs Reformieren oder Humanisieren ausging, sondern lediglich den Text richtig las und verstand, indem er das nachfolgende rhy TWV* *1SD DS' also die Anwendung des Lösegeldes anstelle der erstgenannten Todesstrafe (M. II Kap. 21, V. 24^-30) auf den ganzen Komplex der Sätze bezieht, also auch auf die erstgeforderte aequivalente Strafe bei Körperverletzung und Verstümmelung von Gliedmaßen des Nächsten. (Siehe R. Izchok Haie vi, Doroth Harischonim). So stimmen wir Mgr. Ryan voll und ganz bei, wenn -er in der Polemik gegen Coughlins kurz schreibt: „Pater Coughlins Hinweis auf „Aug um Aug und Zahn um Zahn" ist schlechte Exegese, schlechte Geschichte und ein schlechtes Argument. Er ist eine Ungerechtigkeit gegenüber den Juden und ein unglückliches Argument im politischen Kampf." Eine dringende Frage, die aber kein Drängen zuläßt/ Die Hörerschaft am Jüdischen theologischen Seminar in Breslau sendet uns ein Memorandum zur Sc.hechitaf rage, in dem es u. a. heißt: „Als ein wesentliches Merkmal jüdischer Verbundenheit sehen wir das Ritualgesetz an, innerhalb dessen die Schechita von tragender Bedeutung ist. Es ist uns selbstverständlich bekannt, daß weite Kreise sich um eine Lösung der Scheohitafrage bemüht haben. Wir sind aber bis jetzt noch nicht vor eindeutige Ergebnisse gestellt worden. Inzwischen vergrößert Elulbetrachtung. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Ernst und eindringlich sind Mosches Abschiedsworte, geboren aus der Liebe zu seinem Volke, die ihn erfüllt wieder aus der großen Verantwortung, die er fühlt und niemals mehr denn jetzt, wo seine Lebenssonne im Verglühen ist. Als oib noch einmal die ganze Lichtfülle seine® Wesens und die wundersame Kraft seiner Persönlichkeit zur Entfaltung kommen soll, ehe er, der g'ttbegnadete Führer und Lehrer Israels, sein Erdenwallen beschließt, hoben sich die Schwingen seines Geistes bis zur völligen Erdenferne, und vor seinem Volke entrollt sich das Bild seiner Zukunft, des Geschehens und Werdens in den kommenden Zeiten und Geschlechtern, so klar und deutlich, daß es sich tief einprägen muß den Herzen und Seelen aller, die Mosche um sich geschart, um ihnen schließlich zuzurufen: ]W9n isnt ^a iiK iV'aswi jyab am ori'ipyi n«in nnan ">-ai m oninwi „Hütet die Worte dieses Bundes und erfüllet sie, damit ihr zum Ziele kommt in allem, was ihr tut." Diese Mahnung klingt fort undbleibt die ewig» Weisung für unser Volk. Unsere Vergangenheit bezeugt die Wahrheit und Echtheit jenes Bildes, dessen Inschrift unverwischbar ist und bleibt: „Hütet und übet!" Das ist der Weg, den Israel zu gehen hat, will es sein Ziel alicht verfehlen. Da nützt kein Deuteln und kein Feilschen. Kompromisse mögen in Dingen des Alltags dann und wann notwendig sein und. Erfolg verheißen, in den Ewigkeitsfragen aber, die unsere, jüdische Aufgabe und Bestimmung berühren, führen sie vom rechten Wege ab und rücken das Ziel in immer weitere Ferne, wawi l^pa dx oi'n „Noch heute — (schafft ihre), wenn ihr auf seine Stimme hört!" Wann mehr als in unseren Tagen sollten wir diese Mahnung uns ins Herz schreiben, wo doch allen, die sehen und hören wollen, greifbar die Zeichen, 'die wir allenthalben so furchtbar ernst wahr* nehmen, die Worte Mosche® wMerklingen lassen: ntn nvn tv ynvb d»3tki mtrb bwi n*T> 2b q& "i im sin- „Und nicht hat euch G'tt gegeben den Sinn zu erkennen, Augen zu «eJien und; Ohren zu hören bis zu diesem Tage!" Jetzt sollte uns doch der Sinn auf« gehen und das Verständnis für da®, was unsere jüdische Pflicht uns zur Richtschnur,macht, jetzt sollten wir doch endlich sehen, wie wir nicht Vorsehung spielen dürfen, 'daß wir glauben, wir haben unsern Rettungsanker, wenn wir nationale Ziele allein verfolgen und Volkstumsideale hmeinpflanzen in die Herzen und Seelen der Jugend, jetzt müßten wir doch nun endlich G'ttes Stimme hören aus den Erlebnissen gerade auf heiligem Boden, daß sie uns' wie Schofar aufrütteln und uns den heiligen Klängen, die wir nun im Elul hören, mit unserm jüdischen Herzen lauschen lassen . . ., daß wir durch Selbstbesinnung, durch Heimkehr dn die heiligen Gefilde unseres Judentums uns würdig erweisen des uns von G'tt aur Verwirklichung seines in Thora und. Tradition niedergelegten Willens gegebenen Lande®. Wir brauchten trotz, allem nicht den Mut zu verlieren und nicht über Fehlschlagen unserer Erez Jisroel-Hoffniungen zu bangen. Was G'tt verheißt, das erfüllt er, — nur müssen wir wirklich als G'ttes Volk unsern Weg ge* hen. In einem sinnigen Gleichnis sagen unsere Alten zu unserm Sidrohwort: "Di -jaa. ■'im -stpiön Tina »i»»»o ua "\mv bisbi'tmb Ein Königssoihn bittet seinen Vater: Gib deinem Lande durch ein besonderes Zeichen kund, daß dein Sohn ich bin. Da entgegnete der Vater: . Lege den Schmuck an, den ich dir verliehen, — so werden es alle wissen, wer du bist. niwa ipos? >aa amv jwioa vnnsr am a">vpM Vk-i«^ rrapn mx "ja ■»ja onsp o»«n Vam rnsaai „So spricht auch G'tt zu Israel: Ihr wollt inmitten der Menschheit als 'das Volk meiner Wahl gelten . . . Ihr habt die Zeichen eurer Würde. Beschäftigt euch mit der Lehre und der Erfüllung der Gebote. Damit bezeugt ihr eure Erwählung!" Dieses Weisheits-wort verweist uns auf unsern wahren Schutz, auf düe Quelle unserer Kraft und Weihe. Was wir sind, sollen wir ganz sein, volle Juden, aufrechte Juden, 'die sich als Träger dter Lehre fühlen und sich als solche bewähren, die immer Wieder dem Rufe des Propheten folgen:,, »*vik ">nip Auf und leuchte — "irnr msb era^m yivxb tana la^ni dann werden Völker zu deinem Lichte gehen und Könige dem Strahl deines Glanzes sich zuwenden." Die Kunst, richtig }ftK zu sagen. (T»5p '"»o ma) Von R.-A. Dr. M. Schlesinger im Frankfurt a. M. j Es ist bekannt, welche Bedeutung unsre Weisen der Pflicht des ]»8-Sagens beimessen. Heiß|. es doch im Talmud, daß dein, der sorgfältig die mxa des W*- Sagens hütet, sich alle Tore des \~y p öffnen, ja, daß ~*z^*>^i&m-&z^ämmfäm2