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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 36 Empfang der Aguda-Delegation beim High Commissioner.. Jerusalem, 1. Sept. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat eine Delegation der A g u d a mit Oberrabbiner Rabbi Duscihinsky an der Spitze empfangen. . Die ITA. erfährt hierzu, daß der High Commissioner die Abordnung in freundschaftlicher Weise aufgenommen und ihr versichert habe, daß die Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina nicht verkürzt werden. In dieser Hinsicht befände er sich in Uebereinstimmung mit dem Kolonienminister Ormsby-Gore. Die Regierung werde auch nicht gegenüber dem Terror zurückweichen. Die zivile Regierung sei stark genug, um das Land zu befrieden. In Bezug auf die Frage der Einwanderung sei er nicht" in der Lage irgendetwas den vorausgegangenen Erklärungen hinzuzufügen. Zur gleichen Zeit machte der High Commissioner gewisse Anspielungen über eine Unkenntnis im Hinblick auf die Behauptungen über Verhandlungen mit den Arabern. Niemand bedaure mehr als er selbst die plötzliche Un rühe, die über das Land gekommen sei. Er sei jedoch nicht in der Lage, den Gewalttaten voll kommen Einhalt zu tun, weil sie den Charakter eines Guerillakrieges tragen. Die Agudas Jisroel wird ihre Belange vor der Prüfungskommission vertreten. Der Council der englischen. Agudas Jisroel tagte in London unter dem Vorsitz des politischen Sekretärs der Weltorganisation Agudas Jisroel, H. A. Goodman. Goodman erklärte, daß die gegenwärtige Läge in Palästina und die Gefahr einer Einwanderungssperre auf der vor kurzem stattgefundenen Tagung der Kenessio Mechino .in Marienbad eingehend erörtert worden sei. Man sei zu dem Schluß gekommen, daß die Agudas Jisroel im Prinzip bereit sei, mit der Kgl. Kommission für Palästina zusammenzuarbeiten. Zu diesem Zwecke sei Dr. Isaac Breuer beauftragt worden, diie Belange der Agudas Jisroel in Gemeinschaft mit der Agudas Jisroel in Jerusalem vor der Kgl. Kommission zu vertreten. Goodman brachte weiter zum Ausdruck, daß es wesentlich sei, einen modus vivendi zwischen Juden und Arabern zu finden. In Anbetracht der Schwierigkeiten, die sowohl zionistische als auch arabische Führer mit ihren radikalen Flügem haben, seien die Vorschläge von Israel S i e f f über eine direkte Verständigung zwischen Juden und Arabern zu begrüßen und einer ernsten Betrachtung wert. Die Agudas Jisroel habe wiederholt den gleichen Standpunkt eingenommen. Die Schlußsitzung des zionistischen Aktions - Komitees. Zürich, 1. Sept. Die Tagung des zionistischen A.-C. ging am Montag, den 31. August, nachmittag mit einer Schlußansprache; von Ussischkin zu Ende. Weizmann und Ben Gurion waren schon am Freitag nach London abgereist, wo die Beratungen am Mittwoch in kleinerem Rahmen fortgesetzt werden sollen. Es wurde die Proklamierung eines Außerordentlichen Fonds zur Sicherung und Festigung des P a - lästimaaufbaus beschlossen, zu welchem Zweck „ein Manifest an das jüdische Volk" erlassen werden soll. Die Sammlungen für den außerordentlichen Aufbaufond sollen Anfang September beginnen, zwei Monate dauern und einen Mindestbetrag von 500.000 Pfund aufbringen. (Ueber den Verbleib der Sammelgelder von 1929 und 1930 erfuhr man leider nichts.) Die Einkünfte des „Keren Hajessod" für das kommende Jahr werden mit etwa 300.000 Pfund veranschlagt, von welcher Summe der allergrößte Teil dem allgemeinen Budget der Exekutive abgeführt wird. Von den 327.000 Pfund im Ausgabenetat der Exekutive sind 30.000 Pfund für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland vorgesehen. Es soll fortan ein „Kleines Aktions-Komitee" als ständige politische Vertretung in Palästina zur Unterstützung der politischen Arbeit der Exekutive bestehen, dem 19 Mitglieder aus allen Fraktionen im A.-C. angehören werden. Außerdem wurde ein Wirtschaftsrat in Palästina mit den Zweigstellen in Jerusalem, Tel Awiw und Haifa geschaffen, dessen Tätigkeit sich auf alle die palästin ensische Judenheit betreffenden Wirtschaftsfragen erstreckt. Die Rechtsverhältnisse jüdischer Ehen. Nachprüfung der Grenztrauungen soll erfolgen. Berlin, 30. Aug. Der Referent im Reichs justizministerium, Amtsgerichtsrat Maßfeller, führt in der „Juristischen Wochenschrift" aus, daß die große Zahl galizischer Juden, die nach dem Weltkriege in Deutschland einwanderte, vielfach ohne Ausweispapiere angekommen sei. Ihrer Eheschließung in Deutschland hätten sich häufig Schwierigkeiten, entgegengestellt, weil sie die zur Heirat notwendigen Urkunden nicht beibringen konnten. Seit 1920 habe man, wie Amtsgerichtsrat Maßfeller ausführt, in steigendem Maße eine Umgehung dieser Schwierigkeiten dadurch beobachtet, daß ausländische Juden mit ihrer Braut sich für einige Tage an einen Grenzort in der Tschechoslovakei (seltener .kl Oesterreich) begeben hätten, und dann als getraute Eheleute nach Deutschland zurückgekommen seien. Dr. Hübschmann habe in der „Zeitschrift für das Standesamtswesen" vor Jahren ausführlich dargelegt, daß damals eine Reihe von Matrikelführern, insbesondere aus Orten in der Nähe der Grenze, bei den Interessenten bekannt wurden, die, ohne die tschechoslovakischen Gesetze zu beachten, teils diesseits, teils jenseits der Pfähle, teils sogar auf der Grenze, (nämlich der Rabbiner auf tschechischem, die Brautleute und Zeugen auf deutschem Boden), in Hotels und auf freiem Ackerland Trauungen vorgenommen hätten. Eine Zeitlang habe das Geschäft so geblüht, daß manche dieser Geistlichen wöchentlich mit 5 bis 6 Paaren Zeit und Ort der Handlung vereinbart hätten. Ein Rabbiner sei sogar in bekannten Berliner Wohnungsvierteln von Haus zu Haus gegangen und habe briefliche Trauungen angeboten. Allein in Berlin gehe die Zahl dieser „Ehen" in die Tausende. Amtsgerichtsrat Maßfeller betont, daß heute eine erhebliches praktisches Interesse an einer Klarstellung der Rechtsverhältnisse solcher Ehe-, tratiungen bestehe. Wenn sie für absolut nichtig erkannt würden, dann sei der eheliche Verkehr der „Ehegatten" nach dem Blutschutzgesetz strafbar. Auch die rassische Einordnung der Kinder sei eine offene Frage. Ob im Einzelfalle die Ehenichtigkeitsklage durchzuführen sei, liege im pflichtgemäßen Ermessen der Staatsanwaltschaft. In den Fällen, in denen kein öffentliches Interesse an der 'Nichtigkeitsklage bestehe, werde daraufhinzuwirken sein, di£ßi die Eheschließung in ordentlicher Form/in Deutsch- ■ land wieder holt wird. Die Regierungsumbildung in Rumänien und die Juden. Bukarest, 30. Aug. Trotz der Erklärung des Ministerpräsidenten Tatarescu, daß einer der Hauptgründe für die Umbildung des rumänischen Kabinettsder Wunsch gewesen sei, dem Terror der rechten und linken Gruppen ein Ende zu setzen, wird die neue Regierung in politischen und diplomatischen Kreisen als Vorstufe zu einem Regime beurteilt, das sich auf die ' Stellung der Juden in Rumänien ungünstig auswirken würde. Zwar "hat Ministerpräsident Tatarescu erklärt, daß die innere Politik des neuen Kabinetts darauf gerichtet sein wird, „die Terrorwelle, die Rumänien in letzter Zeit überflutete, zu überwinden und gegen Unruhen mit strengen Strafen vorzugehen," in erster Linie die von den Rechts¬ und Linksparteien, gegründeten Sturmbataillone aufzulösen, doch glaubt man, daß diese Maßnahmen einseitig gegen die zum Schutz vor dem Terror der Eisengardisten und Cuzisten gegründeten Bauern wehren, nicht aber gegen die starken Formationen der antisemitischen Gruppen werden angewandt werden. Daß Außenminister Titulescu aus dem Kabinett ausschied, während der bisherige Innenminister Ion Inculetz zum Vizepremier ernannt wurde, wird als symptomatisch für die Lage angesehen. (ITA.) Ist Ecuador ein Siedlungsland für Juden? London, 31. Aug. Vor einigen Monaten haben sich, wie seinerzeit berichtet, C. .Henri ques, Mitglied des Board of Deputies of British Jews» viele Jahre im Dienste der englischen Regierung in Britischindien und Mesopotamien als Kolonisationsingenieur tätig, und A. Golodetz, ein Nationalökonom, nachEcuador begeben, um gewisse Möglichkeiten für jüdische Einwanderer zu studieren. . Die Herren Henriques und Golodetz sind jetzt von ihrer Reise zurückgekehrt und haben einen Bericht erstattet, in dem sie zum Ausdruck bringen, daß sie die Reise auf eigene Initiative, ohne ein offizielles Mandat von irgendeiner Körperschaft, unternommen haben. Sie sind neun Wochen in Ecuador gewesen und haben fünf Reisen von der Landeshauptstadt Quito aus in das Land gemacht. Sie berichten über die verschiedenen klimatischen Zonen des Landes und über die Bodenverhältnisse. Es gebe viele hunderttausende Hektar guten Bodens. Weiterhin spricht sich der Bericht über die Naturschätze des Landes und über die politischen Verhält' nisse aus. Der H i 1 f s v e r e i n der Juden in Deutschland teilt zu dem Bericht der Herren Henriques und Golodetz mit, daß seine ablehnende Stellungnahme gegen jedes Projekt, einer jüdischen Massensiedlung in Ecuador sich durch die Reise der Herren Henriques und Golodetz in keiner Weise geändert hat und daß vor allem die klimatischen Bedenken gegen eine Ansiedlung in großer Höhe unverändert fortbestehen. Auch aus verkehrspolitischen Gründen ist größte Skepsis gegen alle derartigen Projektegeboten, Die Stellung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland deckt sich in dieser Hinsicht vollkommen mit der Ansicht der großen internationalen jüdischen Auswandererorgamsation HICEM.

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