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Der Israelit · 1936-09-03 · Heft 36 (3.9.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 36 (3.9.1936)
Date
1936-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^^^^^^^^^y^f^J^^^IT^^^^S^^v^^M^w^SS Frankfurt a. M. 3. September 1936 16. Elul 5696 Nummer 36 Zwischen Terror e in Palästina, Friedensschluß auf Kosten der Juden? Neueste Depeschen aus Jerusalem melden, daß zwischen Nuri Pascha, dem irakischen Außenminister, und dem Obersten arabischen Komitee, mit dem Großmufti an der Spitze, eine Einigung auf Grund folgender Bedingungen zustande g e k ommen ist: 1. Amnestie für die Araber; 2. Aufhebung der jüdischen Einwanderung, bis die Kgl. Kommission ihre Untersuchungen abgeschlossen hat; 3. Neuregelung der jüdischen Einwanderung; 4. Ueberwachung der Einhaltung der Vorschläge der Kgl. Kommission, falls sich die Araber damit einverstanden erklären. Das ist zwar zunächst nur eine Verständigung zwischen Arabern und Arabern. Aber man weiß, daß Nuri Pascha nicht allein als Beauftragte der drei arabischen Könige verhandelte, sondern auch im Besitze der letzt e n B edingungen der englischen Regierung war. Inzwischen hat sich die öffentliche Meinung in England entschieden und einmütig g <& g e n ein Einwanderungsverbot ausgesprochen. Die Kabinettssitzung in London dauerte am Mittwoch abend noch fort. Eine Entscheidung ist bis zur Stunde, da diese Zeilen in den Druck gehen, noch nicht gefallen. Die folgende chronologische Darstellung gibt die Stimmung der letzten Tage wieder: Die Fieberkurve steigt und fällt, und die fieberhafte Aufregung im Hangen und Bangen ist für unzählige Menschen, deren letztes Ziel Palästina ist, aber auch für jeden Juden in der Diaspora, dem das Schicksal Palästinas eigenes Schicksal ist, fast noch unerträglicher, als die bittere Gewißheit. Aus dieser Psyche heraus erklärt sich auch der bei uns bereits abgedruckte .„Offene Brief" des Bürgermeisters Dizengoff und der verzweifelte Appell: ,,Wenn schon Einwanderungsverbot, wenn schon der Frieden oder -der Waffenstillstand in* Palästina auf unsere Xosten geschlossen werden soll, dann schon lieber g 1 e i c h! " Die panische Stimmung, die sich seit Donnerstag abend aller in der Golah bemächtigte, resultierte aus. einer Mitteilung Weizmanns in der Sitzung des gerade in Zürich tagenden zionistischen A.-C., daß nach privaten Berichten die Proklamierung der Einwanderungssperre vielleicht schon, erfolgt und bestenfalls nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden sei. Eine sofortige " telegraphische Rückfrage nach London und Jerusalem ergab weder eine Bestätigung noch ein; Dementi dieser Mitteilung, aber die Tatsache,! daß auch in Jerusalem und Palästina diese Gerüchte sich hartnäckig erhalten und eine unsägliche Panikstimmung ausgelöst hätten. Am Freitag früh brachten die führenden englischen Morgenblätter Aufsätze, die mindestens dartaten, daß jene Gerüchte nicht gerade aus der Luft gegriffen seien. Ihren Hintergrund hatten sie in der Tatsache, daß Nuri Pascha, der irakische Außenminister, der einen Abstecher nach Transjordaniens Hauptstadt Amman gemacht hatte, vom Obersten arabischen Rat für Freitag telegraphisch nach Jerusalem zurückberufen wurde, um die von ihm begonnenen Vermittlungs arbeiten fortzusetzen und zi> einem Ende zu bringen. So durfte man für Freitag mittag die letzten Entscheidungen erwarten. Ob gleich mit Einwamderungsverbot, darüber gingen die Ansichten der Londoner Blätter auseinander. Während die einen wissen wollten, daß am Freitag mittag nach der Proklamierung der Streikbeendigung und Einstellung der Unruhen sich die Königliche Kommission in Bewegung setzt, was automatisch die sofortige Einstellung der Einwanderung zur Folge haben müßte, waren andere Blätter der Meinung, daß das Prestige Englands es gebiete, den Anschein zu vermeiden, als sei ihm das Einwanderungsverbot durch die arabischen Gewalttaten abgetrotzt, darum sei die Sperre erst acht oder vierzehn Tage nach Streikbeendigung zu erwarten. Andere wiederum wußten mit Entschiedenheit zu berichten, daß die Verkündung des Einwanderungsverbotes für Mittwoch, den 2. September, vorgesehen sei. Inzwischen hatte sich am Freitag, wohl überraschend für alle Teile, das Bild vollkommen verschoben. Es zeigte sich, daß die entscheidenden Faktoren nicht mit, sondern gegeneinander spielen... Erstens: Nuri Paschas Vorschläge genügen dem Mufti, dem Obersten arabischen Rate und erstrecht der nationalen Jugend nicht, sind aber auf der anderen Seite mit ihrer ultimativen Forderung einer bedingungslosen Kapitulation Englands in Sachen der Einwanderung auch für London nicht akzeptabel. Zweitens: Das Oberste arabische Komitee ist in sich gespalten und kennt noch nicht recht den Weg aus der Sackgasse. (Die Einigung wurde inzwischen erzielt.) Drittens*. Das Bedenklichste an der ganzen Angelegenheit ist aber, daß nicht die Führer, sondern die wilden arabischen Mas-; sen die Gasse beherrschen, die den zwar ' nicht proklamierten, aber doch deutlich gewünschten Waffenstillstand noch während der Verhandlungen des Rates mit Nuri Pascha ' und j England am Freitag und Samstag wiederum durch schwere Terrorakte sabotiert haben. 'Es zeigte sich) wie wenig die arabischen Banden noch von den Parolen der Führer sich in ihren!. Operationen beeinflussen lassen. Mögen die' Alten reden, schreiben und verhandeln, so viel*! Aus dem Inhalt: Empfang einer Agudadelegation beim High Commissioner .....Seite 2 Kabiiaettswechsel in Rumänien und die Juden Seite 2 Ist Ecuador ein Siedlungsland? . . . Seite 2 Diskussion über die jüdische Nächstenliebe ' " Seite 4 Vom Wesen des jüdischen Nationalismus.. Von Said Maus.........Seite 5 Die Bedingungen der J. C. A.-KoloniSation in Argentinien .........Seite 6 Der Sabbat im Gebete.......Seite 7 Von der JeSchiwa-Pädagogik .... Seite 7 Die Liquidation jüdischer Vermögen in Deutschland .......Seite 8 Die Mandatskommission kritisiert die Palästinaregierung .......Seite 9 Briefe aus Polen ..........Seite 9 Die letzten Terrorakte in Palästina . Seite 10 sie wollen, sie kennen nur eine Verhandlungssprache: die Bombe und die Brandfackel. Trotzdem bleibt die Gefahr der Einwanderungssperre nach wie vor bestehen, sie kann, so unglaublich das klingt, auch unter der Höllenmusik der Bomben und Flinten verhängt werden, und darum ist, wenn auch die akute Gefahr etwas gemildert scheint, die Panikstimmung nicht gewichen. Das zionistische A.-C, das am Sonntag in Zürich zu Ende gegangen ist, setzt am Mittwoch seine Beratungen in London, fort, da man einen dauernden persönlichen Kontakt mit den maßgebenden Regierungsstellen lin London erhalten möchte. Die Frage, über die auch die Mitglieder der Exekutive keine Antwort geben können, ist, wer entscheidet eigentlich über die E in Wanderung s frage; Jerusalem oder London, der High Commissioner oder der Kolonienminister, der Außenminister oder das Gesamtkabinett? In Jerusalem gilt als ausgemacht, daß der High Commissioner ermächtigt sei, im Zuge der Verhandlungen mit den Arabern aus eigener Machtbefugnis die Einwanderungssperre zu verhängen. In London aber hatte man bis dahin immer geglaubt, daß diese schwerwiegende Entscheidung eine Sache der Regierung sei. (Auch diese Frage scheint inzwischen zugunsten des High Commissioner gelöst.) Daß in dieser verworrenen Situation ein Einsender von Namen in der „Times" den Vorschlag macht, eine d i - r e k t e Verständigung zwischen Juden und Arabern über Trennendes und Verbinden- (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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