Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1936)
- Date
- 1936-08-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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27, August 1936 Der Israelit Nr. 35 Seite 13 Agudas Jisroel-Bewegung. „Eine KeneSsio der Vorbereitung". Man schreibt uns: Der eigenartige Name, unter dem die erweiterte Zentralratstagung der Agudas Jisroel in Marienbad stattfand, besagt gewiß in-erster Linie, daß die Hac h o n o', die Vorbereitung für die Kenessio (G-edaulo mit edn wesieaitliicheir Programmp'unkt war, Es hat sich aber ganz von selbst im Laufe der Tagung herausgestellt, daß darüber .hinaus für alle Gebiete der Agudatätigkeit und ganz speziell ihrer Erez Jisroel- Arbeit das talmuldische Wort über Vorbereitung 8>n Kirta ruan sich bewahrheitete. >, V o r b e r ei t un g." schuf die Konferenz für .die zukünftige Leitung der Aguda durch den W e 11 - r a b b i n i s c h e n Rat, dessen Neukonstituierung resp. Ergänzung zum Schlüsse der Tagung mitgeteilt wurde. „Vorbereitung" war die Kenessio für eine Reihe bedeutsamer organisatorischer Be schlüS'S.e, die noch im Verfolge der Zentralratssitzung für die E r e z Jisroel- A r b e i t von Seiten des Waad Hapoel gefaßt wurden, und die zu Beginn des Jahres 5697 in Kraft treten werden. „Vorbereitung" für die zukünftige Erweiterung der Agudaddee lag in der bedeutsamen Tatsache, daß zum ersten Male durch die Herren Leopold v. Freudiger, Dr. Deutsch und Meyer Klein-Budapest, die eigens zur Kenessio nach Manienbad gekommen waren, die u n gar is che Jjschuwkommis sio-n für Erez Jisroel ihre Verbundenheit mit dein Keren Hajischuw zum Aulsdruck brachte und durch tatsächlich© Leistungen bekräftigte, Es ist dies um so höher zu bewerten, als das Beispiel Ungarns auch für die orthodoxe Judenheit des gesamten Donaubeckens sicherlich richtunggebend sein wird. „Vorbereitung " war aber auch die Kenessio dafür — wenigstens in ihrem für die Oeffentlichkeit bestimmten Teile — den G e dan k e n k r e dsi d e r A g u d a in jene Massen hineinzutragen, die ihr bisher noch ganz ferne standein. Hunderte von Zuhörern füllten den schönen Kunsaal in Karlsbad, als am Sonntag nach Abschluß der Kenessio im benachbarten Karlsbad Dr. B r e u e r und Dr. E h r - mann über die Lage in Paläs t ina referierten. Der erste Redner vom palästinensischen Standpunkte aus, und der zweite, gesehen von den Rückwirkungen auf die Gola. Aber nicht nur diese. Versammlung selbst, sondern die sich daran anschließenden, Besprechungen von Interessenten aus Tschechoslovakei, Litauen, Lettland, England und-Ungarn und das dabei bekundete Interesse. für den Keren Hajischuw bewiesen das starke Echo, welches die Kenessio .mechino gefunden hat. <■ „ V o r b e r e i t u n g " war die Kenessio mechino auch für die soeben begonnene! Periode des W a h 1 - k a mp'fes in den jüdischen Gemeinden. Polens, wo es gilt, den Besitzstand der Aguda zu wahren. ' Es wird jetzt. an den Agudisten aller Länder liegen, die von der Kenessio ausgegangenen Impulse in die Tat umzusetzen* und so durch Leistungen die Kenessio Gedaulo vorzubereiten. Die Sekunden'Aktion der P. C. der Agudas Jisroel. Herr Rabbiner Dr. Ansbach er, Wiesbaden, schreibt uns: . Schweres ist über Erez Jisroel hereingebrochen. Das n^Ä-Woft "m inwp -pn „G'tt hat seinen Bogen gespannt und uns zur Zielscheibe für die Pfeile gemacht" ist buchstäblich wieder *ry"\ zur Wirklichkeit geworden. Dürfte eine jüdische Seele hier abseits stehen? Unerschütterlich aber ist der Mut unserer Chaluzim und Poalim. Wenn 'die Kämpfer in vorderster Reihe mit doppeltem Messirusi nefesch sich einsetzen, dürften 'die „in der Etappe" die Arbeit Fördemden nachlassen? Vielleicht sind die Vbrgänge ein Fingerzeig der gütlichen Vorsehung, daß von. den Meisten die Alijah nur von praktischen, materiellen Gesichtspunkten aus aufgefaßt wurde, nicht als eine Besiedlung eines Bnpri p« im Gebete ,d e r T a ü roh und Tradition. ' Di est es g r o ß« Z i e 1 hat■ sich ,'vori je die Palästina-Zentrale der' Agudas Jisroel gesetzt. Dring ende r als je ruft diese Zeit daher die P o a l e und Chaluze Agudas Jisroel auf ihren Posten. '•' ■ , Ihnen, Boden zu erwerben, 'die durch die Unruhen verursachten Schäden wieder gutzumachen, bedarf es neuer Mittel, und jeder, der aus Palästina ein h e;i - 1 ig es Land zu machen mithelfen will — und wer dürfte dies verneinen —, soll und muß sein Scherf* lein beitragen. Diesem Zweck dient auch die S e k u n d e n =A k - tion. Jeder beteilige sich! Vielleicht gilt auch .hier der Satz nnx nye?a icfriy rmj? w» „Mancher erwirbt sich eine Welt in einem kurzen Moment". Sekundenscheine sind zu haben bei: Palästina- Zentrale der Aguda® Jisroel, Frankfurt a. M., Schwanenstraße 12. Berichterstattung über die Kenessio Mechino in Frankfurt a. M. Einen schönen Widerhall fanden die Marienbader Tage in der Frankfurter Agudaversammlung am Sonntag abend. Zu bedauern war an diesem Abend nur, daß nicht für einen größeren Saal gesorgt wurde. Damit haben die Einberufer das Interesse der Frankfurter für die Aguda und ihre in Marienbad zur Verhandlung gekommenen Fragen doch gar zu sehr xmterschätzt. Schon lange vor Beginn war der Hörsaal Friedberger Anlage so voll bis auf die letzte Ecke besetzt, daß die Nachdrängenden umkehren;:mußten. Entsprechend der großen Beteiligung war auch das Interesse des Auditoriums, das die 'drei Reden des Abends mit größter, fast andachtsvoller Aufmerksamkeit anhörte. Unser Gemeinderabbiner, Herr Jos. Hojro witz , eröffnete den Abend mit einer Ansprache an die Versammelten, in die Reihen der Aguda zur Arbeit für die Thora zu treten. „Kenessio Mechinp" erinnere an 'die Forderung der Thora; wa*' iv& rw warn Mari bereite am sechsten Tage vor, was man in den Sabbat mit hinein zu nehmen gedenke. . Im sechsten der Monate, im Ellul, bereite man ebenfalls vor, halte man Abrechnung mit sich, und rüste sich. Der Herr Rabbiner sprach in ergreifenden Worten von den Opfern in Palästina und rief zur Arbeit auf für Israel und Erez Isroel im Rahmen der Agudas Jisroel. Nach diesem warmen und eindrucksvollen Appell erstattete Herr .Redakteur Schachnowitz einen zusammenfassenden Bericht über die Verhandlungen der Kenessio, von der Eröffnung bis zum Schluß, und er wußte mittels trefflicher Zeichnungen von einzelnen Gestalten und Episoden der Verhandlungen ein so anschauliches und lebendiges Bild von der Tagung zu entwerfen, daß man sie in einzelnen Teilen im Geiste fast miterlebte. Herr Dozent Ehr en treu, der Führer der deutschen Delegation auf der Kenessio, griff in der Hauptsache einen Punkt aus der Arbeit und der Generaldebatte heraus, nämlich das von Herrn Dr. Isaac Breuer geplante Abkommen zur Bildung des „Poel Hacharedi", behandelte ihn aber so umfassend, daß dabei die ganze Art, das Wesen, der Charakter und nicht zuletzt die Not des agudistischen Arbeiters in Palästina, insbesondere des ni3' des alleinstehenden außerhalb des >Kibbuz, 'ganz plastisch hervortrat. Er schilderte das ehrliche Ringen um die Abkommens5 frage auf beiden Seiten, und man hörte nicht ohne Ergriffenheit, daß unsere Poalim selbst in Palästina, denen man mit dem Abkommen zu Hilfe kommen will, die Verbindung nicht mit Jubel aufnahmen und ihrer viele bei der Abstimmung die Sorge um das Schick? sal der Agudas Jisroel über die Sorge um die eigene Existenz stellten. Redner berührt auch die Religiöse Bewegung', die Breuer angesichts der seelischen und geistigen Not des frommen jüdischen Arbeiters in Palästina entfachen möchte. Die Achtung vor der Agudas Jisroel sei heute überall vorhanden, und so klingt der Vortrag und der Abend in einen Ruf zur Arbeit aus. Die neuen Auftriebe, die die Marienbader Tagung der Agudaarbeit gegeben hat, konnte man an diesem Abend sehr deutlich-beobachten, und man darf hoffen, daß sie sich noch weiter, auch in bisher agudafremden Kreisen in diesem Maße auswirken. Agudagruppen in Fischach. Nachdem' seit langem schon von Seiten der Schulleitung der Wunsch bestand, das agudistische Leben in Fischach neu zu intensivieren, wurde nach gründlicher Vorbereitung am vergangenen Schabbosi die Gründung 'einer Jugendgruppe der Esra Pirch e A. J. vorgenommen. Die Gruppe untersteht der Leitung des Herrn Lehrer Goldschmidt und umfaßt vorläufig 12 Jugendliche im Alter von 7—13 Jahren. Die Gemeindeverwaltung' hat in sehr vorbildlicher Weise im Gemeinidehaus zwei freundliche Räume zur. Verfügung gestellt, die durch die eifrige Mitarbeit sämtlicher Esraer unter Leitung von Chawer Moses Stiel aus München in eindrucksvoller Weise ausgestattet worden sind/ Die «rforcterlicheh Möbel sind von den venehrlichen Gemeindemitgliedern gerne zur Verfügung gestellt worden. Als daraufhin seitens der .Gemeindemitglieder der Wunsch geäußert wurde, ,die seit Jahren bestehende Aguda-Ortsgruppe neu. zu belejbein, wurde am Sonntag in Anwesenheit des Herrn Rabb. Dr. Ehrent r e u , München, ein gut gelungener Vortragsabend veranstaltet. Die Jugend, begrüßte^ die zahlreich er* schienenen, GemeinidemitgHede^ und Kurgäste, sowie die Hachscharisten des Hechaluz mit einem fröhlichen Lied. Darauf referierte Ghawer Dr. Roth von der B. L. des Noar Agudati über das Thema „Der Noar Agudati — ein Erziehungsweg für die religiöse Jugend unserer Tage". In dem ideologischen Teile zeichnete er in markanten Worten das Zukunftsbild von Erez Jisrael, das aufgebaut ist auf der Einheit von Volk, Thora und Land. Als Ideal stellte er den auf eigener Scholle arbeitenden Kleinbauern dar, der auf dem historischen Boden von Erez Jisrael in wahrer Volksgemeinschaft mit seinen thoratreuen Brüdern die beste Möglichkeit zur Erfüllung des g'ttlichen Gesetzes findet. Im Laufe der Diskussion hatte die Versammlung Gelegenheit, die Ideen und Ziele der Agudas Jisroel kennen zu lernen. Die autoritativen Ausführungen und das Schlußwort des Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu trugen zur Klärung vieler Einzelfragen und zu einer gerechten Beurteilung von Agudas Jisrael, ihrer Leistungen und Institutionen bei. Als von einer Seite die Befürchtung geäußert wurde, daß durch 'die Neubelebung der seit Jahren bestehenden Ortsgruppe der Agudas Jisrael der Frieden des Gemeindelebensi gestört würde, führte Herr Rabb. Dr. Ehrentreu in tiefgründiger Weise aus, daß Agudas Jisrael die Organisation sei, deren gedeihliche Erziehungsarbeit nur in friedlicher Zusammenarbeit möglich s«i. Eine der wesentlichsten Aufgaben von Agudas Jisrael ist die Verbreitung von Thorawissen und Studium, die die wesentlichsten Grundlagen einer im Frieden lebenden Volksgemeinschaft sind. Streben nach Frieden bedeutet jedoch keinesfalls völlige Toleranz von Gottlosigkeit und Geset* zesleugnung, sondern kann nur in ganz klarer Abgrenzung des eigenen thoratreuen Standpunktes gegen Neologie und Zionismus erreicht werden. Am späten Abend trennten sich die Teilnehmer nach einem temperamentvollen Schlußliede der Jugend, in der Ueberzeugung, wertvolle Anregung zur Weiterarbeit empfangen zu haben. Inzwischen haben etwa 20 Gemeindemitglieder ihren Beitritt zur Ortsgruppe der Agudas Jisroel erklärt, die unter dem Vorsitze des Herrn Gerstle neu reorganisiert wird. Die Führung der Ortsgruppe liegt in den Händen des Herrn Lehrer Golischmidt. Zeiire Agudas JisroeL New York. Zu Beginn der Sommerzeit soll in den agudistisehen Blättern auch über unsere Arbeit berichtet werden. Wir haben den Bestand unserer im Downtown bestehenden Abteilungen (10 Pirchim= und drei Bnos-Gruppen mit insgesamt ca. 300 Mitgliedern) nicht vergrößern, erfreulicher Weise jedoch erhalten können. Erfreulicher Weise! Berücksichtigt man, daß uns kaum Mittel für Propaganda, Organisation usw. zur Verfügung stehen, daß wir leider sehr ungenügend von der Weltzentrale mit Nachrichten und Material versorgt werden, daß wir keinerlei Verbindung mit den Baalebatim, die zu einer Landesorganisation nicht zusammengeschlossen sind, haben, daß alle agudistischen Schriften und Veröffentlichungen in einer Sprache erscheinen, 'die die wenigsten von uns verstehen, daß wir also im Gegensatz zu den euro* päischen Gruppen ganz allein auf uns angewiesen sind, berücksichtigt man das alles, so dürfen wir mit Stolz auf unsere Arbeit zurückblicken. In der Berichtsperiode ist es uns gelungen, im Herzen der City ein Office zu eröffnen, das von unserem Ghawer Anschel Fink als Sekretär geleitet -wird. Ghawer Fink ist gleichzeitig Redakteur einer von uns vor einigen Wochen neu gegründeten agudistischen Zeitschrift, die in englischer und jiddischer Sprache erscheint. Durch die unermüdliche aufopferungsvolle Arbeit des Präsidenten unserer Organisation, Rechtsanwalt Isaak Strahl, haben wir Einfluß auf die Arbeit anderer Organisationen, die sich mit Kaschruth, JMikwoaus usw. beschäftigen, genommen. Auch in diesem Jahre fand unser traditionelles Jahresbankett statt, das einmal im Jahre alle Mitglieder vereint. Sonst müssen, durch die Entfernungen bedingt, die verschiedenen Abteilungen die G'ttesdienste, Schiurim, Ausflüge usw. getrennt abhalten. Hauptaugenmerk haben wir auch in diesem Jahre auf das systematische Lernen gelegt. Allen besonders von Uptown, kommenden Bestrebungen zur Zusammenarbeit mit anderen orthodoxen Organisa3 tionen, insbesondere mit Teilen des Misrachi, stehen wir ablehnend gegenüber. Es gibt genügend Organi* sationen in New York; Agudas Jisroel hat dort nur eine Berechtigung, wenn sie den Totalitätsanspruch der Tauroh, selbst unter der. Gefahr, eine kleine Organisation zu bleiben, vertritt Und, in diesem Punkte kein Kompromiß kennt, Einen großen Aufschwung hat die Keren Hajischuw-Arbeit unter Leitung von Chawer Tress gehabt. Nicht nur materiell, sondern auch ideologisch ist es uns gelungen, in fernerstehenden Kreisen Fuß zu fassen. Der orthodoxe Rabbinerverband hat eine Sympathieerklärung abgegeben. Tausende Büchsen sind verteilt worden. Ein vom Staate New York genehmigter öffentlicher Blumentag hat uns größere Mittel gebracht. Leider steht uns bis heute die große