Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1936)
- Date
- 1936-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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IHMH -HIIHIIH- —IIIHIII— —inolollollo—ollofololl- —IIIHIIH- -HIIHI Erziehung* und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands rat lfölölöT^oloIöloir Verantwortliche Schriltleitung: I__Kauimano, Sprendlingen (Kreis Offenbach) Reform des Religionsunterrichts. Von Lehrer H. Weinberg in Gemünden a. M. Große Bedeutung wird heute im Religionsunterricht auf da® jüdische Sprechen gelegt. Wie kann und wie soll man den Kindern diese Sprache am besten beibringen! Man veranstaltet einen „Jörn Iwri", in dem über Probleme des Sprachunterrichtes diskutiert wird. Daß da® sehr wichtig ist, soll nicht geleugnet werden. Wir müssen uns. jedoch über eines klar sein: Religion ist nicht Sprachunterricht und Sprachunterricht nicht Religion, Es mögen Sonderstunden eingeführt werden zur Erlernung der jüdis sehen Sprache, die paar vorgeschriebenen Religionsstunden jedoch dürfen nur zur Vermittlung jüdischen Wissens dienen. Es gibt Zehntausende von Juden, idie perfekt iwri sprechen, jedoch nicht die leiseste Ahnung haben von den Gesetzen und Vorschriften unserer Tauroh. Mancher Schabboth würde besser gehalten und manches Gesetz besser beobachtet werden, wüßte man nur einigermaßen Bescheid in unserer Religion. Und wenn wir gerade heute mehr denn je erhennen. müs-sen, wie 'gering man die jüdischen Kenntnisse der breiten Massen unseres Volkes anzuschlagen hat, so ist hier ein Vorwurf dem jüdischen Lehrer nicht zu ersparen. Es wurde viel zu wenig Wert darauf gelegt, dem Kinde positives jüdisches Wissen zu vermitteln. Man hat Chumosch, biblische Geschichte und Tfilloh aufgegeben, abgehört, kurz besprochen und damit Schluß. Es wird bestimmt mancher Kollege idem nicht zustimmen. Aber wer kann denn an der erschreckenden Unwis* senheit in jüdischen Dingen bei den vielleicht 60% der deutschen Judenheit die Hauptschuld tragen? Man möge einmal den Versuch machen und Kinder der 7. und 8, (!) KLasse fragen, wie dieser Buchstabe n heißt. Man wird über das Ergebnis staunen. Nicht wenige wenden ihn als tess oder gar als doleth bezeichnen. Es ist die® nur eine Kleinigkeit, Aber bezeichnend, wie oberflächlich und mangelhaft der Religionsunterricht oft erteilt wurde. Wir können aus dem Dargelegten schon ersehen, daß der bisher erteilte Religionsunterricht nicht mehr ausreicht, sondern daß hier eine Reform notwendig ist. Wenn die Jugend die Schule verläßt, muß sie ein gehöriges Maß von jüdischem Wissen sich angeeignet haben. Und das ist gar nicht so schwer zu erreichen, wenn wir verstehen, dn dem Kinde das Interesse au erwecken für alles, was jüdisch heißt. Wie man die scheinbar uninteressantesten Stoffe für das Kind lebendig und interessant gestalten kann, sei hier an einem Beispiel angeführt. Ein großer Teil unserer Gebete handelt von den niaalp« Das mtf? naaw epia von nar >vin pri von den trpVai usw. Es liegt auf der Hand, sich im. Unterricht etwas näher mit diesen nua-ip zu befassen. Ich habe den Versuch unternommen und die ersten Kapitel des Buches i^VI mit den Kindern durch* gearbeitet. Es ist .dies kein toter und langweiliger Stoff, wie es den Anschein hat. Versteht mandie Kinder .dafür zu interessieren, so muß man staunen über die Freude und Begeisterung, mit der sie sich an die Arbeit machen. Es würde zu weit gehen, "wollte ich den ganzen Untexrichtsgang anführen. Am Ende de® VII. Kapitels waren die Kinder so weit, daß sie über die rrnaip genauestens Bescheid wußten. Sie kannten den Unterschied von o?snp »bhp und D'^p D'Bnp die Darbringungsarten der einzelnen miaip die sechs Handlungen bei den Opfern (nana) 1. ronao, 2. .r-Jö'mP' 3. nVap/ 4. naVin, 5. np^ir und 6. i-ntsptv Sie kannten die verschiedenen Bereitungsarten des nnaa, wußten, .was eine ns'öp ist, verstanden den Unterschied von *n*t3 und nana usw. Parallel zum »nw habe ich Jölpö w?»s durchgenommen, bis '^x «^8 Va«a irk- Diese gar nicht so leichte rusra wurde spielend gelernt und .glänzend verstanden. Ein Anschauungsmittel war allerdings notwendig. "Wir mußten uns einen nara anfertigen, einen Opfer- und einen rläucheraltar. Die Maße stehen in 3>npn. / BfST x .*i i :.,?_>r iXJ LJ i^^^^^i"''^^^'"''"— ^* " '>•'*/''■■"*'■■" V iJW-* "k "H Auf dem Bilde kann man je zwei solcher Altäre sehen. Man erkennt deutlich die ninp ferner die njno unterhalb des n mit den Die Streifen an der unteren Hälfte des nSnjrn nata sollen das "iaaa darstellen. Selbstverständlich wurde alles mit gold-, bezw. kupferfarbenem Papier oder Stoff überzogen. Nun erst kann man den Kindern auch die dritte nac?.i von p'pa int's anschaulich erklären. Im Unterricht habe ich die Bauart der mnara ffenau besprochen, angefertigt wurden sie zuhause. So wurde das Interesse dafür auch im Eltemhause wach und manche Frage mußte ich in Bezug auf die Opfer einem oder anderen Privatmann beantworten. Es wurden jedoch nicht nur die mnaifc gebaut. Die Kinder wollten noch mehr herstellen und so entstanden noch der Iii« und der jnbtv (Siehe Abbildungen.) Am liebsten' hätten sie das ganze pPa aufgerichtet. Mit welcher Freude die Kinder, die übrigens 10 bis 11 Jahre alt waren, die ganzen Vorschriften der nua^ gelernt und wie gut sie dieselben verstanden haben, geht aus Folgendem hervor: Bei einer Schul5 prüfung durch den Rabbiner bekam ein Mädchen es frei gestellt, irgend einen Abschnitt aus der n^sn zu übersetzen. Obwohl das H'bn-Gebet und noch andere Gebete durchgenommen worden waren, wählte es, zum Erstaunen aller — pipa int'R, das doch, schwerer ist als die anderen Gebetsstücke, jedoch durch die anschauliche Erklärungsweise für die Kinder alle Schwierigkeit verloren hat. Sind die rniaip gut durchgearbeitet, so werden alle Gebete, die irgendwie damit zusammenhängen, gut verstanden. Was das bedeutet, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Die Anforderungen können nach diesem Unterrichtsverfahren gehörig gesteigert werden. Man kann nun ruhig mit na&B beginnen. Es wurde gute Vorarbeit geleistet, ^aip» intm ist ja das Stück einer solchen. So begann ich, mit der nasr nawn Ich habe dieselbe erst ohne, dann mit miiBia durchgearbeitet. Auf diese Weise halben sich die Kinder viel leichter getan. Auch im Religionsunterricht gilt' der Grundsatz: Vom leichten zum schweren. Eine Menge unentbehrlicher Begriffe lernen die Kinder bei diesem Studium und man muß sich wundem, daß dieses Fach bis heute noch nicht im Lehrplan der jüdischen Schule eingeführt wurde. Wie kann man etwa da? Verbot des Tragens am r~av richtig verstehen, wenn man die Begriffe T'mn und CD'ann 'i nicht kennt! Wenn man-nicht weiß, was. TTVW und tnxün ist! So gibt äs noch viele, viele GrundD^griffe, di© ein jüdisches Kind beherrschen sollte, wenn eis die Schule verläßt. Wurden einige mit Pifvoiwa durchgenommen, so bedeutet es für die Kinder keine weitere Anstrengung, vam mit "—vi au lernen. Die Hauptschwierigkeit ldagt im Lesen deT Schrift und diese beherrschen die Kinder jetzt einigermaßen. Den geeignetsten Stoff liefert das erste Buch rpfftna. Man wird daraus wiederum den interessantesten Stoff heraussuchen und mit Feuereifer werden sich die Kinder darüb ermachen. Es ist für den Lehrer keine leichte Aufgabe, die Kinder soweit zu bringen, daJ3 sie nawa und »ain mit ''8n lernen können, doch die Freude über den Er« folg ist dann um so größer. Geschichtsunterricht an jüdischen Schulen. Von Studiendirektor Dr. Elias in Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) Von dem Unterrichtsziel und Unterrichtsstoff, von dessen Gliederung und Verteilung auf die einzelnen Klassen und dessen Darbietung haben wir das Wichtigste gesagt. Die Hauptsache fehlt dem Lehrer aber noch, wenn - er ich nicht klar ist über die Arbeitsmittel, die ihm zur Verfügung stehen. Die lebendige freie Erzählung des Lehrers ist auf keiner Stufe zu entbehren. Am Beginn aller geschichtlichen Ueberlieferung steht bei allen Völkern der idealste Geschichtetmterricht: das Geschiehten? erzählen. Der idealste Lehrer der Geschichte auf der Unterstufe wäre der, der so in der Geschichte lebt, daß in seinen Geschichten Menschen und Schicksale, ja das Weltbild, das Denken und Erleben der einzelnen Jahrhunderte plastisch vor die Seele rückt. Von den Geschichten finden die Kinder den Weg zurück zu den Menschen vergangener Zeiten, von den Menschen, die einst gelebt, den Weg vorwärts zu sich selbst und über sich hinaus zur Zukunft. So viel in der Geschichte lebende Phantasie und dichterische Begabung werden freilich nicht allzuviel Lehrer besitzen. Aber es gibt heute schon eine Reihe geschichtlicher Erzählungen und Romane, die der Lehrer ganz oder teilweiseerzählend oder vorlesend oder zur Lektüre und zum Nacherzählen heranziehen kann. Lehmanns Erzählungen, Sippurim, S. Kohns Geschichten liefern wertvolles Material; Kompert, Franzos und Zangwill, Stern, Zweig, Brod, Sinzhenmer haben, wenn auch nicht in allen Teilen verwende bar, und wenn auch Haltung und Tendenz, besonders bei Kompert, Franzos und Zangwill zur Vorsicht gemahnen, aus der lebendigen Wirklichkeit Bilder geformt, die tiefe und nachhaltige Eindrücke in der Seele der Jugend hinterlassen. Hirsch' Sammlung: „Aus Tagen A&r Not" könnte um ein vielfaches bereichert erscheinen, aber auch aus Tagen der Freude und des Sieges, der Arbeit und der Erlösung ergäbe sich eine fortlaufende Reihe von Szenen, die zur Grundlage modernen jüdischen., Geschichtsunterrichts dienen könnten. Nicht nur um die Vermittlung geschichtlichen Verständnisses und materialen Wissens geht es da, sondern vielmehr um das Nacherleben geschichtlichen Seins, um die Ergriffenheit der Seele von den Spuren der gelebten Vergangenheit, Auf der Unterstufe empfiehlt es sich, die Lust zu basteln, zu formen, zu zeichnen und zum Schauspielern in den Dienst des Geschichtsunterrichts zu stellen, indem die Kinder zur Anfertigung von Häusern (Ghettostraßen und Altstadthäuser), zum Malen von Bildern, zur Veranstaltung von Dialogen und Spielen, deren Motive aus dem Nacherleben geschichtlicher Momente herauswachsen, angeregt wer*