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Der Israelit · 1936-08-27 · Heft 35 (27.8.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 35 (27.8.1936)
Date
1936-08-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 35 Der Israelit 27. August 1936 gen zu erwecken, die sich nicht verwirklichen lassen. Für die nächste Zukunft müsse sich die Arbeit ■darauf beschränken, drei= bis viertausend Juden in Biro-Bidschan anzusiedeln. Leon Blum über die Vorgänge in Palästina, Paris, 20. August. Der bekannte Schriftsteller und Herausgeber des New Yorker „Forward", Ab. C a h a n, wunde von dem französischen Ministerpräsidenten Leon Blum empfangen. In einem Bericht über diese Zusammenkunft schreibt Cahan: „Zum Schluß kam dasi Gespräch auf Palästina. Ministerpräsident Leon Blum erklärte, er verfolge mit großer Aufmerksamkeit und tiefstem Interesse die dortigen Vorgänge; jeder fortgeschrittene Franzose sympathisiere mit den Juden in Palästina, die zu friedlicher Arbeit ins Land gekommen sind. Die schrecklichen Mordtaten und die gesamte jetzige Lage dort weisen auf Symptome hin, die in das Gebiet der internationalen Diplomatie gehören." Cypern Numerus clausus für Aerzte in Cypern. Jerusalem, 19. August. Die Regierung in Cypern hat ein Gesetz über die Zulassung von Aerzten erlassen, das einen Numerus clausus in der Weise vorsieht, daß der Gouverneur jeweils am Ende eines Jahre® die Zahl der in den einzelnen Vierteljahren des folgenden Jahres zuzulassendn Kandidaten festsetzt; wenn die Zulassungsgesuche diese Höchstziffer übersteigen, kann der Medical Council die Kandidaten einer Prüfung unterziehen und unter ihnen eine Auslese treffen. Damit ist die Regelung der Zulassung von Aerzten in Cypern analog der in Palästina erfolgt. Auch in Cypern soll der Zustrom ausländischer Aerzte eingedämmt werden. Das neue Aerztegesetz hat die gleiche Tendenz wie das kürzlich in Kraft getretene Ein* Wanderungsgesetz, durch das nur in beschränktem Umfange eine Einwanderung nach Cypern erfolgen kann. Palästina. »Die Regierung hat das Land demoralisiert". Ein Offener Brief des Bürgermeisters von Tel Awiw, Meier Dizengoff, an die Palästinaregierung. Tel Awiw, 20. August. Die hebräischen Zeitungen veröffentlichen einen Offenen Brief des Tel Awiwer Bürgermeisters an die Palästinaregierung, in dem der Regierung ein großes Maß von Schuld an den Zuständen und Unruhen zugesprochen wird. Der Hafen in Jaffa und die Eisenbahnen seien eine Festung für Terroristen geworden, von denen aus säe die jüdischen Felder in Brand stecken. Nicht der High Commissioner, sondern das Oberste arabische Komitee herrsche im Lande. Verhängte Kollektivstrafen werden wieder aufgehoben und damit die Banden zu neuen Mordtaten und Sachvernichtungen ermutigt. Durch Ur. .Tätigkeit der Behörden sei es den Arabern gelungen, ein friedliches und aufstrebendes Land in eine Hölle zu verwandeln. Dizengoff fragt, warum man, wenn man nicht die Kraft besitzt, da« jüdische Leben und die jüdischen Felder zu schützen, nicht den Mut habe, die jüdische Einwanderung ganz einzustellen. Es wäre schon aufrichtiger, das historische Verbrechen zu begehen und die Einwanderung ganz zu sperren, statt die Menschen im Vertraeun auf Englands Schutz ins Land kommen zu lassen und sie dann den Plünderern preiszugeben. Die Durchführung des Mandates, für das sich Lloyd George und Lord Balfour verbürgt haben, sei Kolonialbeamten überlassen, die Gegner der Mandatsverpflichtung sind und mit den Juden umgehen, wie mit „wilden Eingeborenen". Könne man das Nationalheim nicht schützen, so gebe man es lieber offen und ehrlich zu. Entschließe man ©ich schon überhaupt, solche Gesetze wie Einwa»derungsverbot, die gegen Geist und Wortalut des Mandats verstoßen, in Betracht zu ziehen, sie vorbereite und nur noch mit der Veröffentlichung warte, so könnte man sie eben so gut jetzt schon in Kraft treten lassen, damit wir wissen, was war noch von England zu hoffen haben; damit wir wissen, daß den Juden selbst der Aufbau ihres Nationalheimes überlassen sei, und es werde dann von ihnen aufgebaut werden. Dizengoff bemerkt zum Schluß, daß er diesen Appell im eigenen Namen veröffentlicht, zu dem er sich nach 20 Jahren selbstlosen Dienstes am Nationalheim in Palästina berechtigt fühle. Die letzten Vorgänge in Palästina, Ermordung eines Dozenten an der Hebräischen Universität. — Entlassung von arabischen Fuhrern aus dem Konzentrationslager. — Der Terror geht weiter. — Ultimatum der Gemeinde Safed. — Ein vierfacher Mord bei Kfar Saba. — Amtliche Statistiken, die nicht stimmen, — Kollektivstrafe für jüdische Siedlung. Jerusalem, 25. August. Das furchtbare Ereignis des Tages ist die Ermordung des Dozenten der Hebräischen Universität, Levy B i 11 i>g. Billig, der an der Universität Orientalistik lehrte, wurde, als er in seiner Wohnung am Schreibtisch arbeitete, durch einen Schuß durch das Fenster getötet. B., der in London geboren war und dort studiert hatte, war 39 Jahre alt. Er arbeitete im Augenblick seiner Ermordung gerade an dem arabischen Werke „Haschia", mit dessen Studium er sich schon seit Jahren befaßte. Bei der Bestattung hielten der Präsident der Universität, Dr. M a g n e s , und der Dozent für Islamkunde, Dr. Fritz G o i t e i n , ergreifende Trauerreden, Wie ein Hohn wirkte die Nachricht, die einen Tag nach diesem Morde bekannt wurde, 'daß auf Anordnung des High Commii&sioners 25 Führer der arabischen S t r e> i k fe e w e *g tu n g , aus dem Konzentrationslager in Sarafeld entlassen wurden. Weitere 25 Streikführer, unter ihnen der bekannte Abdul Hadi und Hassa Bei Dajani, sehen ihrer Haftentlassung entgegen. Der zur Zeit in Jerusalem als Gast des High Commissioners weilende Außenminister aus dem Irak hat, wi» verlautet, ihre Befreiung bewirkt. Auch arabische Vertreter ans Transjordanien hatten sich für ihre Brüder mit Erfolg eingesetzt. Gegen diese Einmischung ausländischer Araber in die palästinensischen Vorgänge legte die Jewish Agency scharfen Protest ein. Es ist überhaupt eine fieberhafte Tätigkeit in den arabischen Kreisen in Erwartung der Königl. Untersuchungskommission zu merken. Berichte und Statistiken werden vorbereitet. Die inoffizielle arabische Delegation, die in London weilte, soll sich nach Rom begeben haben. Inzwischen geht der Terror weiter und fordert immer neue Opfer, Am Freitag nachmittag fielen bei einem F'euerangriff auf ein Auto in der Nähe von Kfar Saba zwei jüdische Arbeiter mit Namen Meier Beikind und Baruch Gurewitz auf der Stelle. Von den vier weiteren verwundeten Arbeitern starben am Samstag und Sonntag im Hadassahkrankenhaus in Tel Awiw auch der 23jährige Rüben Strauß und die 17jährige Schoschanah Glasnatzky. Der Zustand der zwei Verwundeten, Mordechai F r ö h ling und Menachem'P eink o 1 ist sehr ernst. Somit hat der Ueberfall am Freitag nachmittag bis jetzt vier blühende jüdische Menschenleben gekostet. Zu Zusammenstößen zwischen Arabern und Militär kam es wieder bei K e r k u r, nach amtlicher Angabe haben hierbei 32 Araber den Tod erlitten. Bei „Bajith Wegan" wurde bei einem solchen Zusammenstoß auch ein Jude schwer verletzt. Einen erbitterten Angriff hatte wiederum Safed zu bestehen. Militär mußte zu Hilfe kommen. In R e c h o * w o t h versuchten Araber das Haus Weizmanns in Brand zu stecken. In Tiberias räumen die Ju* den die Altstadt, wo ein© große Zahl von Bombenanschlägen verübt wurde. Viele von ihnen begaben sich nach Haifa. Zum ersten Male wurden Juden, und zwar angesehene Bewohner ans Tiberias, verhaftet und ins Konzentrationslager geschafft. Ihre .Namen sind Mordechai Goldsweig, ein Mann von großem Ansehen, ferner Josef Nachmani von der „Pica", der bekannte Hotelleiter Gub ermann und der Kaufmann Josef A b u 1 a f j a. Nachträglich wird "berichtet, daß die vier Verhafteten nur mit einer Woche Zwangsaufenthalt in Nazaret davonkommen. Ein Beduinenangriff bei. Petach Tikwah wurde abgewiesen. Bei R anrieh wurde der 23jährige Chauffeur Hans Grünwald, der aus Hamburg stammte, wo seine Eltern noch leben, erschossen. Sein führerloser Wagen stieß dann mit einem, anderen Kraftwa* gen zusammen, wobei wiederum drei jüdische Insas* sen, von denen einer, mit Namen Schatz ewsky, sehr schwer, verwundet wurden. — Im Hadassahkrankenhaus zu Jerusalem verstarb Gerschon M o - scliiow, der am 18. August bei Kirjath Anawiin schwer verwundet .wurde. Kleinere Ueberfälle, Schießereien und leichtere Verletzungen werden aus allen Teilen des Landes gemeldet. — In Jaffa wurde, — mit Ausnahme der jüdischen Viertel Florentin und Schapiro, — der Ausnahmezustand aufgehoben, dagegen über Tulkeirem neu verhängt. Kollektivstrafen werden verhängt und wie* der aufgehoben. Es hört sich fast wie ein schlechter Witz an, daß das Oberste arabische Komitee eine Kollektivstrafe für Tel Awiw fordert, weil von dort angeblich am Montag ein durchfahrender Zug be= Schossen worden sei. Der Verband jüdischer Frauen Palästinas benachrichtigte telegraphisch die Organisation des „Roten Kreuzes" in London, Genf, New York und Konstantinopel von der Ermordung d«r jüdischen Krankenpflegerinnen in Jaffa. Auch der arabische Bürgermeister in Jaffa verurteilt in einer öffentlichen Erklärung in der Presse den scheußlichen Meuchelmord an Frauen, die im Dienste der Krankenpflege standen. In einer amtlichen Statistik wird die Zahl der unmittelbar durch arabische Attentate getöteten Juden mit 68 angegeben. Die«1© Statistik ist leiAer schon überholt und mindestens um ein Dutzend! erhöht. Von Mohammedanern sollen 130 gefallen sein, dazu sechs Christen, Die Verwundeten machen bei den Juden allein über 200 aus. Neue jüdische Hilfspolizisten wurden für Tel Awiw, ebenso für das Samariagebiet und in Galiläa eingestellt. In Safed hat ein Ultimatum der jüdischen «Gemeinde bewirkt, daß der jüdische Distriktsbeamte Jakob Bergmann, der nach Haifa versetzt worden war, auf seinen Posten in Safed zurückberufen wurde. Die Jüdische Gemeinde hatte beschlossen, für den Fall, daß ihr Wunsch auf Wiedereinsetzung des jüs dis'chen Beamten nicht erfüllt werde, in corpore die Stadt zu verlassen. Die Gemeinde schiebt nämlich dem arabischen Nachfolger Bergmanns die Schuld für die Ermordung der vierköpfigen Familie Ung;r zu, da er gerade um diese Zeit 'die Wache vom jüdischen Viertel zurückgezogen hatte. Eine Abordnung der Assefath Haniwcharim begab sich zum High Commissioner, um ihm die 14 Punkte umfassend© Resolution der Nationalversammlung, in der die Enttäuschung des Jischuw über die Haltung der Regierung zum Ausdruck kommt, zu überreichen. Auch die Flüchtlingsifragein Tel Awiw wird immer brennender. Eine Anzahl von Flüchtlingen soll in Petach Tikwah angesiedelt werden. Ihre Zahl in Tel Awiw wird mit 4740 angegeben, von denen sich 2000 teilweise selbst erhalten können. Aus dem Libanon wird berichtet, daß die Touristen'Saison im Vergleiche zum Vorjahre ©ehr zu* rückgegangen ist, da die Fremden aus Palästina und Aegypten fast vollkommen ausgeblieben seien. In Jerusalem haben die Araber eine eigene Handelskammer gegründet, neben der aber die gemischte arabisch -jüdische Handelskammer vorerst noch bestehen bleibt. Zum erstenmal wurde eine jüdische Siedlung mit einer Kollektivstrafe belegt. Der zum Gebiet von Haifa gehörenden jüdischen Niederlassung Ächusat Herbert Samuel ist eine Kollektivstrafe von 250 Pfund auferlegt worden. In der Siedlung wurde vor kurzem eine Araberin erschossen aufg«funden> Die Ta( «oll von Arabern begangen worden sein, weil die Ermordete Milch an Juden verkauft hatte. Der Rat der Siedlung hat Protest eingelegt nnd verweigert die Zahlung.

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