Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1936)
- Date
- 1936-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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t;27. August 1936 Der Israelit Nr. 35 Seite 7 hin, die;deiner allgemein befriedigenden Lösung des Sonntagsruheproblems entgegenstehen, erklärte jedoch, . daß er im Hinblick auf die auch von ihm gewürdigten religiösen Gesichtspunkte versuchen wolle, die gegensätzlichen Interessen tunlichst zu überbrücken, um die Wünsche der orthodoxen Judenheit erfüllen zu können. ' RumänieD. Cuzisten-Exzesse auf der Eisenbahn. Cernauti, 21. August. Das „Czerno witzer Morgenblatt" berichtet: „Am 9. d. M. wurden auf der Strecke Carapciu- Adancata mehrere jüdische Reisende von Anhängern der Cuza-Goga=Partei überfallen und schwer mißhandelt. So wurde in der Station Carapciu der Kaufmann Mendel Katz aus Cuciurul Mare mit einem Knüppel am Kopf derart verletzt, daß er mehrere Tage im Bett bleiben mußte. Am Bahnhof Adancata wurde der Kaufmann Niederhoffer aus. demselben Ort von Exzedenten derart mißhandelt, daß er zwischen zwei Waggons zu Boden fiel. Er hat es bloß dem Zufall zu verdanken?: daß er am Leben blieb. Ferner wurde der Beamte;, der Adancataer Spiritusfabrik Lechner am Geleise zu Boden geworfen. Das gleiche Los ereilte eine Reihe anderer Personen; die nicht in der Lage waren^ nachzuweisen, daß sie. keine Juden sind. Schauerlich und herzergreifend war das Angstgeschrei der Frauen und Kinder, die, vom Zug, der aus Cernauti kam, in jenen der nach Berhometh ging, umzusteigen versuchten. Auch sie wurden von den Exzedenten überfallen und mißhandelt. So geschehen am 9. August 1936 zwischen den Stationen Carapciu und Adancata." Polen. Zertifikate iür Studenten aus Polen. W arschau, 18, August, Das Warschauer Palästina-Amt hat 55.0 Zertifikate erhalten, 'die an Personen ausgegeben werden können, die an der Hebräischen Universität in Jerusalem oder an dem Technikum in Haifa studieren oder eine Jeachiwa in Erez Israel besuchen wollen. Das Palästina-Amt trifft alle Vorbereitungen, damit die Studenten und Jeschiwabesucher, die die Zertifikate zugeteilt erhalten haben, bereits im Laufe der nächsten Wochen, bis zum 15. September,. nach Palästina abfahren. ,;L Unerfreuliches aus Polen. 3 p' W a r«s ch au, 23. Aif£ui&t. Die Reihe von Ermordungen ganzer jüdischer Familien, die isoliert in ostgalizischen Dörfern leben, ist um einen neuen Fall erweitert worden. In dem Dorf R a c z i n c e , Kreis Zalesczyki, drangen Banditen nachts in das Haus des jüdischen Krämers Leib K am i 1 ein und töteten ihn, seine^ Frau und seine beiden Kinder auf bestialische Weise. In der Nacht vom Freitag zum Samstag ist auf das jüdische Städtchen Wiszonki-Wipichy bei Ciechonowice ein planmäßiger U e b e r f a 11 durch eine militärisch organisierte nationaldemokratische Bande nach der Art des vor einiger Zeit von dem Krakauer nationaldemokrätischen Führer Doboszynski auf da6 Städtchen Myszlenice unternommenen Angriff» verübt worden. Etwa 150 nationaldemokratische Bauern nahmen unter der Führung eines Gutsbesitzers, an dieser „Aktion" teil. Auf Befehl ihres Kommandanten nahm die in Abteilungen von 10 bis 15 Mann gegliederte Truppe mitten in der Nacht eine systematische Vernichtung des gesamten Eigentums der jüdischen Einwohner vor. Die 36 jüdischen Familien des Städtchens erhielten den Befehl, ihre Häuser sofort zu räumen. Die Juden brachten Frauen und Kinder in den benachbarten Städtchen B r o ns>k und'C i e c h änowice unter. \ 'Inzwischen' * 'wurden die' Fensterscheiben1 aller jüdischen Häuser zertrümmert; die'Em'«' richtungen der Wohnungen und Läden in Stücke geschlagen, die Fußböden wurden aufgerissen, hie und' da sogar die Dächer durchlöchert. Erst am folgenden Morgen traf Polizei ein und nahm die Unter-; suchung auf. Vorläufig ,! sind keinerlei Verhaftungen' vorgenommen worden. Die Woche- Berlin. Berta Pappenheim, der Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, ist eine Doppelnummer der Blätter des Jüdischen Frauenbundes gewidmet. Berta Papp-enheim hat dem Archiv der Gesellschaft für jüdische Familien* forschung, Berlin W. 35, Lützowstr. 60, eine Sammlung von Bildern, Briefen und Auf= Zeichnungen vermacht. — In der Aufführung der „Goldenen Kette" von Perez im Berliner Kulturbund führt, wie der Jüdische Kulturbund Berlin mitteilt, Dr. Lutz W e 11m a n n die Regie. Dr. Weltmann war als Dramaturg und Spielleiter in Berlin -an den Barnowsky-Bühnen sowie am Deutschen Volkstheater in Wien tätig. Augsbürg. Die Israelifische Kultusgemeinde Augsburg, die im Jahr« 1925 noch 1203, 1933 noch 1030 Seelen umfaßte, hat sich jetzt auf ca. 800 Personen vermindert. Im ersten Halbjahr 1936 sind keine Geburten erfolgt. Es gab zwei Eheschließungen und fünf Todesfälle sowie einen Austritt aus der Gemeiinde, Kassel. Wie die „Kurhessische Landeszeitung" berichtet, befindet sich gegenwärtig in Kassel die Wanderschau „Volk und Rasse", die von der Kreisleitung Kassel der NSDAP., der Stadtverwaltung und dem Deutschen Hygienemuseum in Dresden gezeigt wird. Im Rahmen der Schau sind Abbildungen und statistische Tabellen der Judenfrage gewidmet. Königsberg. Am 4. September wird der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Königsberg, Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Hugo Falkenheim, 80 Jahre alt. Prof. Falkenheim ist seit vielen Jahren Mitglied des Vorstandes der Königsberger Gemeinde und seit mehreren Jahren ihr Vorsitzender. Wien. Auf dem Währinger, jüdischen . Friedhof im XVIII. Wiener Gemeindebezirk sind in der letzten Zeit wiederholt Grabsteine umgeworfen und beschädigt worden, u. a. solche, die schon 200 Jahre alt sind. Der Friedhofsverwalter wurde mit Steinwürfen empfangen. Jetzt ist es der Polizei gelungen, fünf der Täter festzunehmen und dem Jugendgericht einzuliefern. Genf. In Anwesenheit von 50 Delegierten wurde in Genf am 18. August eine „Weltkonierenz der vereinigten zionistischen Arbeiterparteien Poale Zion-Hitachdut" mit einer Ansprache von Berl Lecker eröffnet- Warschau. Das Warschauer Rabbinat hat an die pohlische Judenheit die Aufforderung gerichtet, in sämtliehen Synagogen Bittgebete für die palästinensische Judenheit zu sprechen und Psalmen zu rezitieren. — Der Stadtrat von Rowno hat beschlossen, eine Straße nach dem berüchtigten ukrainischen Hetman P e 11 j u r a zu benennen. Petljura war bekanntlich der Hauptschuldige an den blutigen ukrainischen Massenpogromen am Schluß des Weltkrieges, bei denen über 31.000 Juden getötet wurden, 17.000 allein durch die Petljura-Armee. Wilina. Das Gericht in Baranowici verurteilte 20 jüdische Bürger, darunter 17 Mitglieder des Hachschara=Kibbuz „Schachria", wegen Niederlegung der Arbeit am Tage des Protestes gegen die Pogrome in Przytik zu längeren Gefängnisstrafen, Einer erhielt 1 Jahr, einer 8 Monate, einer 6 Monate, sechs erhielten je vier Monate und elf je drei Monate Gefängnis. Lemberg. Im Dorfe T u 1 s k , Ostgalizien, wurde das jüdische Ehepaar Jona und Channa Diamänd von Huligans getötet und dann, mit Petroleum Übergossen und verbrannt. Man vermutet, daß antisemitische ukrainische Terroristen die Täter waren. In Bialobre-eg haben Huligans in Dutzenden jüdischer Wohnungen die Fenster eingeschlagen und Passanten mißhandelt. Paris. Die royalistische Zeitung „Action Francaise" ist für Französisch-Marokko verboten worden, weil befürchtet wurde; daß die' Verbreitung des; aggressiv judenfeindlichen Blattes im Hinblick auf die Spannungen zu .-antijüdischen und antifran* sösischen Ausschreitungen führen könnte. Jerusalem. Der erste palästinensische hebräische Tonfilm „Giberej Hagalim" (Helden der Wogen) äst soeben von der M. M,=Filmigesellschait fertiggestellt worden. Der Film,( wird demnächst in den Lichtspieltheatern Palästinas vorgeführt. Auch Bestellungen aus dem Ausland liegen bereits vor. In Lemberg wurden nach einer polizeilichen 'Haussuchung in der Kanzlei der Jüdischen Gemeinde die Bücher beschlagnahmt, Dokumente und Wahlakte versiegelt. Am folgenden Morgen wurde auf behördliche Anordnung die Amtstätigkeit der Gemeinderepräsentanz suspendiert. Es wurde eine neungliedrige Interimskommission, bestehend aus Angehörigen der assimilatorischen Richtung mit der Führung der Gemeindegeschäfte betraut. An der Spitze der Kommission stehen Richter Weichert und der Vertreter des Frontkämpferbundes Dr. Zirle r. Protestaktion des polnischen Judentums. Warschau, 19. August. Das zionistische Kooridinierungskomitee, in dem alle zionistischen Gruppen und Institutionen Polens vertreten sind, hat beschlossen, eine großzügige Kampagne von Protestkundgebungen gegen den Terror in Palästina und die Haltung der Regierung angesichts der Ereignisse zu eröffnen. Eine Abordnung aller jüdischen Parteien, gesellschaftlichen Organisationen, der Warschauer Jüdischen Gemeinde und des Rabbinats wird sich zum englischen Botschafter begeben, um die Besorgnisse der Judenheit Polens" über die Vorfälle und Entwicklung in Palästina zum" Äusdruck zu bringen. In Warschau wird ein Massenprotestzug veranstaltet, in dem Transparente mit Aufschriften gegen den Terror in Palästina und die Bedrohung der jüdischen Einwanderung mitgeführt werden sollen. Ferner wurde beschlossen, eine Sammlung für die Opfer der Unruhen einzuleiten. Die Revisionistische Organisation und die ihr angeschlossenen Körperschaften veranstalten eigene Kundgebungen. Die Kundgebung wurde für den 27. August festgesetzt und wird unter der Losung „Gegen den Araberterror in Palästina, gegen die Einstellung der Einwanderung" durchgeführt werden. Alle jüdischen Gemeinden werden an der gleichzeitig in allen Teilen Polens durchzuführenden Protestkundgebung teilnehmen. Polnische Palästinaeinwanderer werden zur Eile gemahnt. Warschau, 23. August. Das Zentrale Palästinaamt in Polen ermahnt alle diejenigen, die im Besitze von Palästina=Zertifikaten sind oder sonst Möglichkeiten zur Einwanderung nach Palästina haben, ihre Reise zu beschleunigen und möglichst mit dem am 7. September Warschau verlassenden Transport mitzugehen, allenfalls nicht später als am 23. September die Reise anzutreten, da laut den vom Palästinaamt erhaltenen Nachrichten die Gefahr besteht, daß nach diesem Termin eine Einwanderung nicht mehr möglich sein wird. Es bes stehe, heißt es weiter, nicht einmal die Sicherheit, daß diese Personen später überhaupt noch werden einwandern können, da man nicht voraussehen könne, ob nicht Aenderungen in der Praxis der Einwanderung eintreten werden. ——— . j Frankreich. Warnung vor Biro-Bidschan. Paris, 20. August. Die Zentralverwaltung der Gesellschaft ORT zur Verbreitung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden veranstaltete zu Ehren des Leitungsmitglieds der New Yorker Almagamated Bank Adolf Held, der soeben von einer Studienreise durch Biro-Bidschan und die jüdischen Kolonien in Südrußland zurückgekehrt ,ist, einen Empfang. Adolf Held sprach über seine Beobachtungen und stellte fest, daß an die Stelle der früheren etwas künstlichen Kolonisationsarbeit für Biro=Bidschan, in das damals deklassierte und schiffbrüchige Elemente eingewandert seien, nunmehr ein gesunder Zuzug von Siedlern aus den Kleinstädten im europäischen Rußland getreten sei. Die Regierung mache ernste Anstrengungen, die fernöstlichen Gebiete durch Erhöhung der Zahl der jüdischen Siedler und Hebung des Lebensstandards in Biro-Bidschan zu bevölkern. Wenn das' Aufbauwerk in Biro-Bidschan auch Förderung verdiene, so sei es doch wesentlich, keine Hoffmra*