Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1936)
- Date
- 1936-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 35 De r Israelit 27. ÄugHjst 1936 bensbewährtmg hineingestellt ist, so erstrebt er jüdische Stellungnahme: Diese Stellungnahme erfolgt unter allen Umständen. Und es ist eine harte Erfahrung; daß der zu fundierter Stellung Unfähige, nicht etwa schweigt, sondern oberflächlich Stellung nimmt. Er ist auch insofern dazu gezwungen, als seine Situation ihn zur Entscheidung zwingt. Schweigen kann er nicht. Den für die Erziehung Verantwortlichen obliegt es nun, die Gemeinschaftseinstellung jüdisch zu formen,, und ebenso die Halachaauffassung. Für die Gemeinschaftsgestaltung vom Jüdischen her kann sich nun der Begriff des JiMiM]")?!' der bewußt über die Pflicht hinaus gesteigerten jüdischen Lebensführung*), als sehr fruchtbar erweisen. Es kommt alles darauf an, daß wir nicht eine Gemeinschaft wie die andern sind, nur eben thoratreu. Sondern Inhalt und Farbe, Zusammenspiel und Lebensart der Gemeinschaft selber müssen einen spezifisch jüdischen Charakter tragen. Man möchte fast das Wort ,,Gemeinschaft" vermeiden, weil es heute bereits mit seiner hebräischen Uebersetzung, Chewrah, das3'Schicksal teilt, weltanschaulich nicht mehr ganz neutral zu sein. Wo das Wort ausgesprochen wird, ist schon, in der Regel eine grenzenlos hohe Bewertung beabsichtigt. Von der Eignung für die Chewrali hängt in der Psyche des sich engen Auffassung der Lebensbegriff auf die großen praktischen Fragen, die neu auftauchen, beschränkt. Hier ist es Aufgabe der Erziehung, zu zeigen, daß die Thora „länger als die Erde und weiter als das Wasser" ist. Unser Gesichtskreis darf sich nicht gar zu sehr auf die Nöte der Gegenwart verengen. Wenn auch das Volk auf Mauscheh nicht hörte, weil der Geist zu eng und die Arbeit zu schwer war, so sprach er dennoch von den höchsten Gütern des jüdischen Volkes: ,,Ich werde euch Mir zum Volke nehmen und euch zum G'tte sein." Korrespondenzen. In der gleichen Ausgabe wird dagegen .Stellung genommen, daß auf dem Viehmarkt in V ad h i n g eji immer noch jüdische Händler tätig sind. ..„Angesichts der Vorgänge in Spanien, deren geistige Urheber Rassegenossen der Händler sind, von denen deutsche Bauern immer noch Vieh kaufen, ist es nötig, den Bauern wieder einmal auf seine Pflicht gegenüber dem Staat hinzuweisen, der ihm sichere Lehensmöglichkeit gewährleistet hat." (ITA.) Oesterreich. Die Bevölkerungsbewegung unter den Wiener Juden. Wien, 18. August. Die Israelitische Kultusgemeinde in' Wien gibt Ziffern über die Bevölkerungsbewegung in der Gemeinde bekannt, die die charakteristischen Merkmale der mitteleuropäischen Judenheit zeigen: Die Zahl der Geburten sinkt beständig, idie Todesfälle steigen. So betrugen die Geburten im Jahre'1925 noch 2191, im Jahre 1935 dagegen nur noch 735. Die Zahl der Todesfälle belief sich im Jahre' 1925 auf 2497, im Jahre 1935 auf 2815. Der 'natürliche Bevölkerungsabgang betrug im abgelaufenen ^JJahre bereits 2080 Seelen. ■■>- Die Eheschließungen, die seüt>fäen Inflationsjahren Deutsches Reich. Eine Vereinigung nichtarischer Christen. Berlin, 21. August. Wie in der Tagespresse mitgeteilt wird, hat im I stark, zurückgegangen waren, sind in den letzten drei Betrachters die Bewertung der ganzen Personj Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei die I Jahren etwas gestiegen, Gegenüber nur 1065 Ehe lichkeit ab. Das jüdische Signum der Gemeinzuständige Stelle des Reichspropagandaministeriums I Schließungen dm Jahre 1932 gab es in den darauf schaft darf sich also nicht darin erschöpfen, eine j den weiteren Zusammenschluß nichtarischer Christen I folgenden Jahren 1933, 1934 und -1935 1111, 1151 Gemeinschaft zu jüdischen Zwecken zu sein, I in einer Organisation genehmigt. Die Organisation und 1211 Eheschließungen. Diese Erhöhung scheint sondern die Gemeinschaftlichkeit selber, der Stil trägt auf Wunsch ihrer bestätigten Leitung den Najedoch in erster Linie auf die zunehmende Auswan- und die Lebensführung der Gemeinschaft müssen j men „Paulusbund, Vereinigung nichtarischer Christen I derung von Chaluzim nach Palästina zurückzuführen ihre jüdische Eigenart erweisen. So wie Hirsch e. V." und hat den Sitz in Berlin. Zum verantwortzu sein, die bekanntlich in .vielen Fällen vor ihrer die jüdische Schule ursprünglich nicht als Schule liehen Leiter wurde Dr. Spiero-Berlin bestimmt. In- Alija zu heiraten pflegen, um ihre Frauen auf das mit jüdischem Beiwerk gedacht hat, sondern als I nerhalb dieser Organisation können nichtarische eigene Zertifikat mitnehmen zu können. Diese Tat Schule j|anz und gar eigenen Aufbaues, so muß I Künstler christlichen Glaubens für ein Publikum glei= I sache scheint auch mit ein Grund dafür zu sein, daß auch die heutige Institution jahrelanger Lebens- I eher Abstammung und Bekenntniszugehörigkeit tätig j die Zahl der Geburten trotz der erhöhten Eheschlie* Gemeinschaft von Grund aus jüdisch sein. I sein. Alle bisherigen Verbände nichtarischer Christen I ßungen sich weiter vermindert hat. Erst da© abge- Dazu gehört zunächst einmal, daß die Forwerden in den neuen Bund aufgehen, der im ganzen j laufene halbe Jahr 1936 zeigt eine kleine Besserung, derungen der Gemeinschaft im Namen der Thora I Reichsgebiet etwa 80.000 Mitglieder haben wird, gestellt werden, es können nur solche gestellt werden, die in ihrem Namen gelten, und es Gegen nichtarische Justitiare in der Wirtschaft, ergeben sich hieraus Mehrforderungen, die die nichtjüdisch bestimmte Gemeinschaft nicht kennt. Jedoch ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen. Auch für den Beruf besteht die Gefahr, daß er nicht in jüdisch richtigem Sinn aufgefaßt wird. Die Berufsauffassung muß jüdisch sein. Der Wert des Berufes darf nicht überschätzt werden, welche Gefahr heute mehr besteht als seine Unterschätzung. Es darf nicht eine Uebergeistigung befürchtet werden. Geistig übersättigt kann der Jude nicht sein, solange die Geistigkeit nicht auf Kosten von G'ttesfurcht und Mizwohtat sich steigert. Der körperliche und sonstige Beruf hat sein Recht und seinen. Wert, aber der geistige Beruf darf nie als bloß im Dienst des materiellen stehend, angesehen werden. Das Verhältnis von Jissochor und Sewulun darf nicht umgekehrt werden. Es ist die Aufgabe der Lernerziehung, durch die heute der größte Teil der orthodoxen Jugend hindurchgeht, nicht bloß Wissen zu vermitteln, sondern auch die rechte Wertschätzung des Lernens mitzugeben, den Selbstwert des Lernens einsichtig werden zu lassen und auch sonst lebhafte jüdische Geistigkeit in den Jugendlichen zu erwecken. So hart der Daseinskampf ist, den unsere Menschen in Erez Jisroel erwartet, so darf er dennoch nicht zum Verlust des rechten jüdischen Wertebildes führen. So wichtig es ist, daß der Lebenskampf selber als sinnvoll bejaht werden kann, so ist es dennoch nicht minder wichtig, daß der Wert des Thorastudiums als unausschöpflich im Gemüt jüdischer Jugend' weiterhin gefühlt wird. Dann kann auch die Halachahauffassung leicht der Gefahr der Verflachung entgehen. Gang und gäbe ist heute die Meinung, als sei Berlin, 21. August. ( Das Mitteilungsblatt des NS-Rechtswahrerbundes veröffentlicht folgende Erklärung des Personal; und Sozialamtes des Bundes: „Wir wenden uns aus einem besonderen Anlaß an dieser Stelle gegen die Beschäftigung nichtarischer Justitiare in der Wirtschaft, soweit diese Beschäftigung bei Dienststellen der öffentlichen Wirtschaftsorganisation oder Verbänden stattfindet, Dies gilt ebenso für *die Beauftragung ständiger Justitiare wie für Anstellungsverhältnisse mit Nichtariern. Es ist auch mit Rücksicht auf die schwierige Existenzlage vieler Rechtsanwälte besonders zu verurteilen, wenn nichtarische Juristen beschäftigt werden, die außerdem noch Ruhegehalt aus einer früheren Beamtentätigkeit beziehen. Ein solches Doppelverdienertum eines nichtarischen Juristen steht im schärfsten Widerspruch zu den sozialen Hilfsmaßnahmen für die deutschen Rechtswahrer. Wir werden hiergegen die geeigneten Maßnahmen zu treffen wissen!" da bereits Ende Juni - die Zahl von. 417 Geburten verzeichnet worden ist. Die Austrittsbewegung ist im letzten Jahrzehnt sehr deutlich zurückgegangen. Ein Grund hierfür ist nicht zuletzt in den politischen Verhältnissen zu suchen, die die Gottlosenbewegung stark eingedämmt haben. Im Jahre 1925 gab es in Wien 879 Austritte aus dem Judentum, die in den beiden ..darauf folgenden Jahren noch auf 916 und 1063 stiegen. Von da an sinkt aber die Zahl der Austritte bis auf 472 im Jahre 1935. 1934 gab es sogar, wiederum infolge der bekannten politischen Ereignisse, eine starke Wiedereintrittsbewegung, so daß die Differenz zwischen den Aus- und Wiedereintritten, die früher eins mal bis zu 900 Seelen im Jahre betragen hatte, auf — 66 gefallen war. Auch das Jahr 1935 zeigt mit 103 Personen ein geringes Ueberwiegen der Abfallbewegung. Die Entwicklung im ersten halben Jahr 1936 scheint die rückläufige Tendenz in der Austrittsbewegung noch zu bestätigen. Der Handel und Verkehr mit Juden. Stuttgart, 23. August. Der „Enzd3ote" in Vaihingen bei Stuttgart enthält einen Artikel, der „Eine letzte Warnung an die Lauffener Judenfreunde" überschrieben ist. Geschäftsleute und die ländliche Bevölkerung von Lauf* fen am Neckar verkehren und handeln immer noch Ungarn* Abordnung der orthodoxen Judenheit beim ungarischen, Handelsminister, B u d ap es t, 19. August. Eine Abordnung der orthodoxen Judenheit, bestehend aus dem Ehrenpräsidenten der Orthodoxen Landeskanzlei, Oberhausmitglied Adolf Frankl, dem Präsidenten Samuel Kahan-Frankl, und dem Rechtsberater Dr. Ammerich Reiner, erschien beim Handels* und Verkehrsminister Dr. Stefan v» Winchkler in Audienz, um ihm ein Memorandum mit Juden. Wenn trotz aller Ermahnungen gewisse Volksgenossen glaubten, nun erst recht beim Juden im Interesse der sabathaltenden jüdischen Kaufleute kaufen zu müssen, so müßten gegen' die Volksschäd-* zu überreichen, deren Lage wegen der sich immer linge andere Mittel ergriffen werden. „In nächster I mehr verschärfenden Bestimmungen über die Sonn Zeit wird an der Geschäftsstelle ein Anschlagbrett; tagsruhe sich sehr ungünstig gestaltet hat. Der Miangebracht Werden. Wenn nun in Erfahrung gebracht' j nister hörte die auch mündlich begründeten Wünsche wird, wer beim Juden kauft oder geschäftliche Be-jM der Abordnung aufmerksam, an. Sie bezogen sich Ziehungen unterhält, wird an diesem Brett angeschlaij I einerseits auf die Erlaubnis zu mehrstündigem Ofgen, damit unsere Volksgenossen auch wissen, wer^l I fenhalten der .Geschäftsläden am Sonntag, anderer» die Halachah nichts als Regulativ des ohnedies zu diesen Volksverrätern in Lauffen zählt.. Diesel; seits auf späteren Geschäfts Schluß am Sonnabend gelebten Lebens. Dabei wird in dieser schon an Anschlagungen werden solange erfolgen, bis auch derj Abend. Auch die Verlegung der Wochenmärkte auf - Ii letzte Lauffener Volksgenosse erkannt hat, um was T die Zeit von Montag bis Freitag wurde erbeten. Mi ä^fT^imbS&^t&J^ I unser Kämpf '3n DeutScMähd gent/^--'- | nister Winchkler wies wohl auf d*e. Schwiöri«k^