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Der Israelit · 1936-08-27 · Heft 35 (27.8.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 35 (27.8.1936)
Date
1936-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 35 1 s t ä 6 1 i t 27. August 1936 für die 'Tagesstunden verhängt wurde, dies alles einzig und allein .aus dem Grunde, um ein formelles Gleichgewicht zwischen Juden und Arabern zu halten. Der Jischuw verlange, daß die rein jüdischen Viertel von Jaffa dem Stadtgebiet von Tel Awiw einverleibt werden. Weiter protestierte die Abordnung gegen die Verbannung von Juden aus Tiberias und forderte Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Landwirtschaft. Schließlich brachte die Abordnung die schärfste Opposition des Jischuw gegen eine Suspendierung und jegliche Einschränkung der Einwanderung im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum Ausdruck, die gegenwärtig mit den Arabern geführt werden. Sir Arthur Wauchope erklärte, daß die Verkündung des Standrechtes noch erwogen werde Im übrigen habe er volles Vertrauen zu den Distriktskommissaren. Auf die einzelnen Punkte der Resolution der Assefat Haniwcharim ging der High Commissioner nicht ein, sondern ant wortete nur in Bezug auf die Einwanderung, daß er nicht in der Lage sei, die Erklärungen des Kolonienministers abzuändern. Die Kgl. Kom mission werde nicht eintreffen, bevor die Ord nung wiederhergestellt ist, und die Frage der Einwanderung werde erst dann erörtert werden Der Empfang der jüdischen Abordnung durch den High Commissioner war ungemein kühl. (ITA.) Um die Palästinaeinwanderung. — Anrufung des Haager Gerichtshofes? Jerusalem, 19. August. Die Antwort des Kolonienministeriums auf die ihm von den höheren arabischen Beamten der Palästinaverwaltung vor einiger Zeit unterbreiteten Denkschrift ist in Jerusalem eingetroffen. In dem Schreiben wird versichert, daß nach Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in Palästina die Möglichkeit einer Einstellung der jüdischen Einwanderung durch die Regierung erwogen werden wird. Weiter erklärt das Kolonienministerium in Bezug auf die Befürchtungen der Araber von jüdischer Vorherrschaft in Palästina, daß die Regierung die Vormachtstellung einer einzelnen Gemeinschaft nicht zulassen werde. Zum Schluß wird den Beamten der Dank für ihre treuen und hingebungsvollen Dienste ausgesprochen. Mit Rücksicht auf die Ausschreitungen der letzten Tage und die im ganzen Lande herr sehende Spannung hat die Palästinaregierung die Erlaubnis zur Abhaltung einer Konferenz der arabischen Strei k. k o m i t e e s widerrufen. London, 21. August. Die ,,Times" veröffentlicht ein Schreiben des englischen Juristen W. H. S t o k e r , eines der Verteidiger der arabischen Sache vor der Shaw Kommission i. J. 1929, in dem vorgeschlagen wird, den Streit zwischen Arabern und Juden, wie überhaupt den ganzen Komplex der strittigen Palästinafragen dem Internationalen Ge richtshof i m Haag zur Entscheidung zu unterbreiten. Die Tagung des zionistischen Aktions-Komitees. Zürich, 28. August. Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees wurde am Dienstag mit einem größeren Referat von Dr. Ghajim Weizmann über die Situation in Palästina im Lichte der weltpolitischen Ereignisse eröffnet. Es seien schwere Zeiten für das Judentum und Palästina hereingebrochen, die aber noch keinen Anlaß zur Verzweiflung geben. Die Gefahr einer Einstellung der Einwanderung sei vorhanden, und diese noch im letzten Augenblick abzuwenden, sei im Moment 'die erste Aufgabe des Jischuw und des gesamten Judentums. Auch der Vorsitzende der Palästinaexekutive, David b e n Gu r i o n , hält in seinem Referate die Suspendierung der Einwanderung im Hinblick auf die Lage der Juden in der Welt für untragbar. Ein Vergleich mit 1921 und 1930, da die Einwanderung zeitweise suspendiert war, sei nicht angängig, da es jetzt unter dem Drucke der arabi- I sehen Gewalttaten geschehe, der das National heim für alle Zukunft gefährden könnte. In einer der Sitzung des A.-C. vorausgegan genen Beratung des Kuratoriums der Hebräischen Universität wurde beschlossen, neue Hauptstudienfächer in der geisteswissenschaftlichen Fakultät einzurichten. Ein Lehrstuhl für Halacha soll mit einem geeigneten Dozenten errichtet werden, sobald die Mittel dazu vorhanden sind. Ein neuer Lehrplan soll für die Naturwissenschaftliche Fakultät ausgearbeitet werden. Die bereits getroffene Zusammensetzung der M ed i z i n i - sehen Prä-Fakultät wurde vom Kuratorium genehmigt. Es wurde ferner beschlossen, jüdische Gelehrte aus Deutschland, die bisher auf Grund besonderer Fonds provisorisch angestellt waren, als ordentliche Mitglieder in den Lehrkörper aufzunehmen. Von der Mandatskommission abgewiesene Palästinapetition. Genf, 25. August. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes ihat .folgende neun auf Palästina sich beziehenden Petitionen, die ihr anläßlich ihrer 29. Tagung vorlagen, zurückgewiesen: 1. Eine Petition des Grafen Lemos, Präsidenten des Komitees der Katholiken von Palermo, in der der Völkerbund aufgefordert wurde, die Rechte der Katholiken in Palästina »zu' verteidigen. Die Abweisung erfolgte aus dem Grunde, .daß ' die Petition „zu vage" sei, als daß man auf sie eingehen könne. 2. Eime Petition der' Jü das c h-en Gemeinde Kattowdtz gegen die Proklamierung eine® Legislative Coun'cil wurde als „vollkommen'vage und unbeweiskräftig" zurückgewieisen. 3. Bei der Zurückweisung einer namens der P alästinensi s ch-arabisch en P artei von Dschemal ©1 Husseäni unterbreitete Petition, in der gegen das Palästinamandat Einspruch erhoben und ■die Forderungen der «arabischen Nationalisten, dargelegt wurden, erklärte der Rapporfceur, daß nach seiner Ansicht dem Rat in dieser Beziehung keine besonderen Empfehlungen zu machen seien. 4. Zurückgewiesien wurde auch die Petition Israel Amikams, in der dieser seine Beschwerden in Bezug auf die Beförderung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen wiederholt. Der Rapporfceur sprach dabei die Hoffnung aus, daß die Verhältnisse es bald ermöglichen würden, die verlangten Einrichtungen zu treffen. 5. Die Zurückweisung von Petitionen des Emirs Shekib Arslan in Genf, in dienen gegen eine Verstärkung der jüdischen Einwanderung mit dem Ziel der Umwandlung Palästinas in einen Judenstaat protestiert wurde, erfolgte unter dem Hinweis auf die Erklärung ider Mandatarmacht, „daß von der Errichtung eines Judenstaates in Palästina keine Rede" sei. 6. Die Petition von M. E. Kiarwassarsky in Tel Awiw, in der die Langsamkeit des Verfahrens in Bodenprozessen kritisiert wurde, wurde mit Rückseiht auf die Erklärung der Mandatarmacht abgelehnt, daß die bereits durchgeführten Reformen .eine günstige Wirkung haben würden. 7. Die Petition des Obarrabbineirs Schur vom Waad Adat Aschkenasim in Jerusalem, in der die Anerkennung dieser Organisation alst selbständige j'üdüsche Gemeinde verlangt wird, wurde mit dem Bemerke!» abgewiefien^ daß keine Veranlassung ZU besonderen Empfehlungen an den Rat betreffend diese Sache gegeben sei. (Es handielt sich um die Petition eines kleinen privaten Kreiseisi, der nicht mit | dem Waad hair Aschkenasi' der Gemeinde der A g u d a s J i s r o e 1 verwechselt werden darf! Red.). 8. Die Petition des Sekretärs der Nationalen Aerzte-Vereinigung in Haifa, Dr. R. Tamini, in der gegen die- Zulassung weiterer ausländischer Aerzte zur Praxi® in Palästina Einspruch erhoben wird, wurde aus dem Grunde abgelehnt, daß die Verordnung vom 25. Juli 1935, durch die die Zahl der zur ärztlichen Praxis zugelassenen Personen beschränkt wird, die Ursache für die Beschwerde beseitigt habe. 9. Die Petition de® Ali Hassan el Yawfawl aus Haifa, dn der er Entschädigung für Schäden fordert, die er während der Uniruhen der Jahre 1921 und 1929 erlitten zu haben behauptet, wurde mit Rücksicht auf die Bemerkung der Mandatarmacht zurückgewiesen, daß dies1© Beschwerde völlig xinbegründet sei. Der Rapporteur für den Begleitbrief Dr. Weizmanns zu dem Bericht der Jewish Agency, Graf de Penhagarcia, schlug auf Grund der Bemerkungen der Mandatarmacht zu den in dem Brief berührten Punkten vor, die Kommission solle in einer Resolution aussprechen, daß „keine Empfehlungen an den Rat im Zusammenhang mit diesem Memorandum erforderlich" seien. „Die Judenfrage kann nicht einfach durch Auswanderunggelöstwerden". Berlin, 23. August. „Der SA-Mann", das Blatt der Obersten SA- Führung, veröffentlicht einen Aufsatz, in dem das heute noch in Deutschland im Eigentum von Juden befindliche Vermögen auf 2 0 Milliarden Reichsmark geschätz wird. Das Blatt schreibt weiter: „Die Judenfrage läßt sich nicht einfach durch Auswanderungen oder Ausweisungen lösen. Es wird vielleicht sogar in manchen Fällen besser sein, ein Jude steht unter Aufsicht des Reiches, als daß er im Ausland gegen sein ehemaliges Wirtsvolk hetzt, das ihn und seinen Ahnen durch über ein Jahrtausend mit einer unglaublichen Duldsamkeit und Großzügigkeit in seinem Land hat leben lassen! Wir haben auch wenig Verständnis dafür, daß Juden schwerbeladen mit erschlichenen, ergaunerten, erpreßten und erwucherten Reichtümern über die Grenze ziehen. Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, daß beispielsweise allein an Taschendiebstählen im Reich nach statistischen Erhebungen der Jude 1932 im ganzen 52 mal so oft beteiligt war, als es bei Vertretern seines Wirtsvolkes der Fall war! Es handelt sich wahrhaftig nicht darum, die Juden bloß hinauszulassen. Wir wurden die Judenfrage sehr schlecht gelöst haben, wenn wir bloß alle in Deutschland lebenden Juden ausgewiesen hätten, damit diese dann im Ausland Gelegenheit haben, über uns herzufallen, wie das Beispiel in Spanien deutlich zeigt. Der Jude muß für unser Volk unschädlich gemacht werden. Auf welchem Wege dies geschieht, ob wir für die Juden eine Konzentrationskolonie schaffen, ob wir sie nach Moskau schicken oder ob wir sie einmal nach dem Mond expedieren, ist zunächst nicht , aktuell. Höchst aktuell ist, daß jeder Volksgenosse gegenüber der jüdischen Zersetzungssucht immun wird. . . . Wenn der Jude isoliert ist, wenn der Jude für seine Einflüsterungen nirgends ein williges Ohr findet, dann haben wir zunächst innerhalb unserer Grenzen die Judenfrage gelöst." Frankreich hat das Abkommen über den Auswandererschutz in Kraft gesetzt. Paris, 24. August. Die französische Regierung hat als erste das von der Zwischenstaatlichen Regierungskonferenz für Auswandererscbutz in Genf beschlossene Abkommen über die vorläufige Regelung des Rechtsstatus der aus Deutschland Ausgewanderten, in £ x a f t gesetzt. Das Abkommen, das die Schaffung einer Identitätskarte und eines Reise-; ausweises für die Auswanderer u. a. vorsah, war in Genf sogleich von fünf Staaten, von Englandr Frankreich, Dänemark, Holland und der Schweiz unterzeichnet worden.

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