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Der Israelit · 1936-08-27 · Heft 35 (27.8.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 35 (27.8.1936)
Date
1936-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^!^p^5i^^^5!^^!^^^^75S^^^5^^J^5^5»^^^^^^^«^^^^^^^^^^^^^^^^ Frankfurt a. M. 27. August 1936 9. EIul 5696 Nummer 35 Die Mandatskommission lies Völkerbundes fordert Auskunft. Genf , 24. August. Die St ä n.d ige Mandatskommission des Völkerbundes fordert von England einen Nac htragsbe ri cht über die Unruhen in Palästina und deren Ursache n ohne Rücksicht darauf, ob bis dahin Entscheidungen über die künftige Palästinapolii;ik getroffen sind oder nicht, für die Herbstsit- 2ung. Bei der letzten Session der Mandatskommission hat der englische Vertreter erklärt, er müsse erst die Ergebnisse der Untersuchungsiommission abwarten, da aber der Zeitpunkt für die Untersuchung noch nicht festgesetzt werden kann, so sieht sich die Kommission veranlaßt, zu bitten, einen Naehtragsbericht über die •Unruhen dem 1935 vorgelegten Berichte anzufügen. Die Kommission erachtet es als wünschenswert, sich in ihrer kommenden Herbsttagumg mit den Unruhen in Palästina zu befassen, auch wenn die Mandatarmacht bis dahin noch nicht in der Lage sein sollte, ihre Politik iestzulegen. In Anlehnung >an eine Aeußerung des Vizepräsidenten der Kommission,! des Belgiers Pierre Orts, wird scharfe K r i t i k an der Mandatarmacht geübt und noch einmal betont, daß die bevorstehende Einsetzung der königlichen Kommission kein Grund sei, Auskünfte an die Mandatskommission zu verweigern. Die durch dieses Verhalten entstandene Situation gefährde die Autorität des Völkerbundes, die schon ohnehin genügend geschwächt sei. Es^ biete sich jetzt die Gelegenheit, zu bekräftigen, daß die Artikel des Völkerbundes keine toten Buchstaben, das .Mandatssystem keine Fiktion und die von der Mandatskommission geübte Aufsicht keine leere Formalität sei. In dem von der Mandatskommission dein Völkerbunde erstatteten Bericht wird der Kritik in obigem Sinne Ausdruck gegeben. Die Mandatarmacht wird aufgefordert, in ihrem nächsten Berichte umfassende Auskünfte über ihre Poü7 tik zu geben, die sie besonders zum Schutze de r p a 1 äs t i n e n s i s c h e n Wj rtsc h a f t yorden G e f ahr en der P o litik und zum Schutze der „offenen Türe" durchzuführen gedenke. Die Schutzmaßnahmen müßten sich auch auf den Import von Staaten erstrecken, die aufgehört haben, Mitglieder des Völkerbundes zu ner am 24. August entsandte Abordnung' bestand aus sieben Mitgliedern unter der Führung des Vorsitzenden des. Waad Leumir Jizchak. Ben Zwi. Die Abordnung verlangte, daß durch Anwendung der schärfsten Mittel für schnelle Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung im Lande gesorgt werde. Zu diesem Zwecke schlug die Delegation die Aufstellung einer jüdischen militärischen Einheit zur Unterstützung von Militär und Polizei vor. In dem unbefriedeten Teil des Landes solle der Belagerungszustand und das Standrecht verkündet werden. Die Abordnung wies darauf hin, daß durch die Entlassung voft 25 Führern der Streikbewegung aus dem Konzentrationslager von Sarafend die Entwicklung der Situation weiter gefährdet worden sei, und führte Klage darüber, daß von den Behörden Juden verhaftet werden, einer jüdischen Siedlung eine Kollektivstrafe auferlegt und der Ausnahmezustand über jüdische Stadtviertel auch (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Delegation der Assefath Haniwcharim beim High Commissioner .... Seite 2 Die Mandatskommission des Völkerbundes weist Petitionen zurück.....Seite 2 Die Restgelder des 1930-Fonds . . . Seite 3 Elulbesuch am Rahelgrab verboten . . Seite 3 Um die jüdische Abstammung der FalaSchaS Seite 4 Die Elulstunde der Marienbader Kenessio. Von W. S. J...........Seite 4 Aktuelle Erziehungsfragen Von Rabb. A. Wolf .......Seite 5 Unerfreuliches aus Polen......Seite 7 Warnung vor Biro-BidSchan.....Seite 7 Die letzten Vorgänge in Palästina . . Seite 8 Beilage: Erziehung und Lehre leneue Terrorwelle in Palästina Warum schweigt England? Die ¥ertretei- (dies Jischuw beim High Com^ Jerusalem, 24. August. Die auf Grund eines Beschlusses der vor kurzem abgehaltenen außerordentlichen Tagimg der Assefat Haniwcharim zum High Commissio- Daß man fünf Monate nach Beginn der Unruhen noch Betrachtungen unter obiger Ueberschrift schreiben muß, zeichnet die Lage in ihrer ganzen unerhörten Tragik. Fast hat man den Eindruck, daß eine Eruption einen Berg in Bewegung setzte, der mit Bomben und Granaten nicht mehr aufzuhalten und zurückzudrängen ist. Trotzdem würde man irre gehen, wollte man den Rekord an blutigen Terrorakten in den letzten Wochen als gradlinige Entwicklung der nunmehr fünfmonatigen Revolution ansehen und daraus den furchtbaren..,Schluß ziehen, daß, der Dämon der Vernichtung mit fortschreitender Kraft arbeite. Die Schreckenstaten der letzten Tage, so überaus verheerend sie an sich sind, sind keine Etappe auf dem Wege, den die arabischen Führer mit der ersten blutigen Jäffaer Demonstration im April eingeschlagen haben. Sie liegen vielmehr abseits jenes-Weges, zeigen, wie sich der Strom eigenes Bett sucht und alle Schranken über den Haufen reißt.' Vielleicht aber sind diese Untaten das Knarren und Krachen des in sieh zusammenfallenden Hetzwerkes. Ein Simson stürzt und. reißt noch im Fallen neue Opfer mit sich in den Abgrund. ' Mit einfachen prosaischen. Worten: Die Führ rer beraten, wie sie dem grausamen Spiele in Ehren ein Ende machen könnten. Abdullah auf der andern Jordanseite :winkt mahnend zum Frieden. In London haben die Herren der Untersuchungskommission ihre Ranzen geschnürt und warten nur, bis es Rühe im Lande gibt. Die Männer des arabischen Komitees setzen großes Vertrauen auf die Kommission und möchten ihr je früher je lieber die Wege durch das Land sichern. Die Bestie in den Niederungen des Volkes hat aber Blut gerochen und fürchtet, — unpolitisch und im tiefsten uninteressiert an der nationalen Ideologie,--daß ihr bald von den eigenen Führern die Beute entrissen wird. So tobt sie sich noch aus, so lange es Zeit ist, so fliegen Bomben ins Haus eines frommen Thoraschreibers, die Vater samt Kindern in Stücke reißen, so werden Krankenschwestern niedergestreckt, die sich anschicken, Nachtwache bei kranken Arabern zu halten, so sausen „vergiftete Pfeile" oder Dumdumgeschosse gegen Schulen und spielende Kinder in Tel Awiw. Das schrille schmetternde Finale einer schaurigen Symphonie, das aber, mag es noch so geräuschvoll sein, doch das Ende anzeigt. Und dann?. Dann stehen wir erst.,am Anfang, denn das Gerücht von der vor üb er genenden Einstellung der jüdischen Einwanderung wird allzuoft und vehement dementiert, als daß es jeder Grundlage entbehren könnte. Die englische ] Presse, selbst die uns wohlwollende, rechne!"damit, wie mit einer fertigen Tatsache. So^verzeSchnet „Daily Telegraph" mit einiger Genugtftütig,'^1 daß nach Herstellung der Ruhe und; ^rjhu^g;'" die das Blatt natürlich unbedingt -wüfl§Qh,t,V '.auf eine (Fortsetzung siehe Seite 3.) i

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