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Der Israelit · 1936-08-20 · Heft 34 (20.8.1936) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 34 (20.8.1936)
Date
1936-08-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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__■■•' Vr.Ui.P .>;-■-•.«■ t*:*. «J . und praktischen Arbeit des verstorbenen Oberrabbiners gewidmetes Gedenkbuch, das von dem Mitglied der Exekutive, Rabbi J. L. Fischmann, redigiert ist heraus. Das über tausend Seiten umfassende ' Ge denkbuch wird von einer von Sir Herbert Samuel geschriebene Skizze eingeleitet, 140 neue Zertifikate an die Jewish Agency. Jerusalem, 12, August. Die Exekutive der Jewish Agency erhielt von der Regierung 140 Zertifikate aus der einbehaltenen Re serve. Davon werden 100 an Jugendliche aus. Deutschland und 40 für das von Bronislav Huberman ge schaffene Jüdische Philharmonische Orchester gegeben. Warburg-Forscüun^sstipcndium für öiientliches Gesundheitswesen an der Hebräischen Universität Jerusalem. Jerusalem, 10. August, Die Kinder des Ehrenpräsidenten des Joint Distribution Committee, Felix M, Warburg, haben auf den Namen ihrer Eltern ein Forschungsstipendium für öf fentliches Gesundheitswesen an der Hebräischen Universität Jerusalem gestiftet. Die Zinsen des Stiftungsfonds betragen 120 "Pfund und sollen jährlich einem jungen Forscher gegeben werden, der sich ausschließlich der Forschung widmet. Die Forschungen sollen sich auf ein für palästinensische Verhältnisse besonders bedeutsames Problem des ölfentlichen Gesundheitswesen beziehen und in der Abteilung für Hygiene und Bakteriologie an der Universität durch* geführt werden. Bewerbungen mit Lebenslauf, Referenzen, Angabe de.s Forschungsgegenstandes usw. sind bis zum 15. September 1936 an den Leiter des Departments für Hygiene und Bakteriologie an der Hebräichen Universität Jerusalem zu richten. Neue Schreckenstaten der arabischen Terroristen, Ermordung einer ganzen Familie in Safed. — Vierfacher Mord bei Haifa. — Unruhen in Tiberias. — Schwache Abwehr. — Trauer in Tel Awiw. — Schaden an den Oelleitungen. Jerusalem, 18. Aug. Leider ist noch nichts Erfreuliches aus Palästina zu berichten. Der (an anderer Stelle berichtete) Bombenwurf in Tel Awiw mit seinen fürchterlichen Folgen hält das ganze Land in Atem. Ein ähnliches Attentat wurde am Freitag in Safed verübt, dem eine ganze jüdische Familie zum Opfer fiel und zwar, .die des Thoraschreibers Alter Unger. Unger, sein fünfjähriger Sohn und seine achtjährige Tochter waren auf der Stelle tot. Das sechsjährige Töchterchen der Familie starb einen Tag später. Die Bombe wurde im Anschluß an. ein Gewehrfeuer auf der Straße in das Schlafzimmer der Familie Unger geschleudert. Die Großmutter und die Mutter der Familie sind zwar weniger schwer verletzt, aber vom Schmerze in Wahnsinn getrieben. Die Beteiligung an der Beerdigung des Alter Unger und seiner drei Kinder war gewaltig. Alle jüdischen Geschäfte und Institutionen waren während des Trauerzuges geschlossen. Die ruchlose Tat hat in ganz Galiläa größte Bestürzung hervorgerufen. Der High Commissioner drückte in einem offiziellen Communique sein tiefes Bedauern aus. Andere kleinere Angriffe auf Kolonien und Niederlassungen in Galiläa treten vor dieser Schreckenstat in Safed ganz in den Hintergrund. Der dritte schwere Fall nach Tel Awiw und Safed ereignete sich am Freitag in der Nähe von Newe Schaanan, wo ein von jüdischen Hilfs= Polizisten bewachtes Auto aus dem Hinterhalt beschossen wurde. Als Verstärkung herbeigeeilt kam, lagen bereits die Hilfspolizisten Hammermann, Weizer und S c h u 11 e r, ebenso eine Arztfrau aus - Tel Awiw, Broinja Kollin, ermordet da. Bei der Beisetzung der Opfer in Haifa spielten sich erschütternde Szenen ab, Vertreter der Jüdischen Gemeinde und der zionistischen Instanzen hielten ergreifende Trauerreden. Wie man eben erfährt, wurden 32 Araber im Zusammenhang mit dem Massenmord in Safed ver* •haftet. Häuser einiger schwer verdächtigter Araber wurden niedergebrannt oder niedergerissen. Die Tel Awiwer Feuerwehr, die auf Anruf zu Brandstätten eilt, wird in der Regel mit Revolverschüssen vom Hinterhalte empfangen. Am. Montag, den 17. August, wurde ein Eisen bahnzug auf der Fahrt von Jaffa nach Lydda, als er Tel Awiw passierte, beschossen. Ein Reisender wurde getötet und fünf Personen, zumeist englische Soldaten, leicht verwundet. Die Woche. Frankfurt a. M. Der philosophische Fakultätspreis der Universität Lausanne wurde an Pinchas Nuß bäum, stud. phil., Mailand, früher Frankfurt, erteilt. Die Arbeit „Les positions reciproques du Judaisme et de l'Hellenisme — Hellas et Zion" sucht eine Gesamtdarstellung der gegenseitigen Aufeinanderwirkungen hellenischen und jüdischen Geistes zu geben. Berlin. Die Bühne des Berliner Kulturbundes bringt während des Feiertagsmonats September die dramatische Dichtung von Perez: ,Die goldene Kette", das Drama einer chassidischen Familie zur Aufführung. Die berühmte Dichtung wird in Berlin zum erstenmal gezeigt, Genf. Für den 19. August ist die Weltkonferenz des Verbandes Poale Zion=Hitachdut nach Genf einberufen worden. An der Konferenz nehmen zahlreiche Delegierte aus verschiedenen Ländern feil. Warschau. Im Hinblick auf die Lage wurden die Zertifikate-Besitzer in Polen aufgefordert, spätestens Ende September nach Palästina abzureisen. Die Palästinaämter sind beauftragt worden, die Alija beschleunigt abzuwickeln, da man annimmt, daß eine etwaige Einwanderungssperre auch die Inhaber bereits ausgegebener Zertifikate betreffen würde. Paris. In dem von der Pariser „Revue Musicale" ausgeschriebenen Wettbewerb für die beste Kammerkomposition für Blasinstrumente erhielt den ersten Preis der Brünner Komponist Theodor Schaefer, den zweiten Preis der jüdische Komponist Selmar Meyrowitz, der in Rom lebt. London. Anläßlich des 80. Geburtstages des Londoner sephardischen Oberrabbiners Dr. Moses G a s t e r wird unter der Redaktion von Dr. Bruno Schindler und Dr. A. Marmorstein ein Sammelbuch mit 52 Aufsätzen aus dem Gebiet der semitischen Philologie und Literatur herausgegeben werden. Außers dem wird das Sammelbuch zwei da« Leben und Wirken des Jubilars behandelnde Beiträge sowie ein Verzeichnis der von Dr. Gaster veröffentlichten Arbeiten enthalten. Jerusalem. Die Nationalversammlung der Judenheit Palästinas (Assefat Haniwcharim) ist für den 17. August zu einer außerordentlichen Tagung nach Jerusalem einberufen worden. Zu schweren Ausschreitungen kam es am Donnerstag abend auch in Tiberias, wo die Polizei schließlich die Menge zerstreuen konnte. Am Samstag morgen während de® G'ttesdienstes wurden Steine und Bomben in die Synagoge geworfen, wobei ein Jude verwundet und sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Bei Ramath Kowesch wurde der jüdische Hilfspolizist Tuwja Rabinowitz auf dem Wege zum Wachtdienst so schwer verletzt, daß er eich darauf im Krankenhause zu Tel Awiw verschied.' Auch am 17. August kam es in Tiberias zu An= Sammlungen und Ausschreitungen, als ein erschossener Araber zu Grabe getragen wurde. Ein jüdisches Auto wurde dabei in Brand gesteckt und vernichtet. Der Bürgermeister von Hebron, Nasir el Din, wurde erschossen aufgefunden, und es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß er ein Opfer der arabischen Extremisten wurde, die ihm seine Unterstützung der Vermittlungsaktion Emir Ab* dullah® nicht verzeihen konnten. Trotzdem versäumt es die arabische Presse nicht> Juden der Tat zu verdächtigen, obwohl sich zur Zeit gär keine Juden in Hebron befinden. - '•'■•' In der endlosen Reihe der Kämpfe zwischen Arabern und englischen Truppen, die. in einer Woche hunderte arabische Opfer gekostet haben, erregt besonderes Aufsehen ein Angriff bewaffrieter arabischer Banden auf Soldaten, die in einem Teiche vor dem Dorfe Sachane bei Beth Alpha badeten. Ein Leutnant wurde erschossen und ein Soldat verwundet. Wie jetzt mitgeteilt wird, ist der durch .'die jüngsten Angriffe auf die M o s s u 1 - O e 11 e i t u n>g an der palästinensisoh'transjordanischen Grenze angerichtete Schaden sehr bedeutend. Bei der Entzündung des aus der am Donnerstag Abend beschädigten Leitung ausströmenden Erdöls entstand ein riesiger Brand, der lange Zeit dauerte und von technischen Truppen nur mit großer Mühe gelöscht wer« den konnte. Bei all dem hört und merkt man immer noch nichts von einem verschärften Vorgehen der Polizei und Truppen. Von allen Seiten wird angesichts der letzten schweren Terrorakte die Verhängung des Belagerungszustandes gefordert, ebenso die Verhaftung der Führer und Mitglieder des Obersten arabischen Komitees. Die Kollektivstrafen über Nablus (5000 Pfund) und andere Gegenden reichen natürlich nicht aus, um die Araber einzuschüchtern. Zahlreiche Hauranier sind aus Jaffa ausgewiesen worden, dagegen berichten ägyptische Tageszeitungen, daß es Arabern aus Syrien und dem Irak gelungen sei, illegal nach Palästina zu kommen und sich den Aufständischen anzuschließen. Im Hafen von Haifa ist ein Unterseeboot eingetroffen, da® die Aufgabe hat, den Waffenschmuggel auf dem Seeweg zu verhindern. Sämtlichen Regierungsbeamten in Palästina wurde angesichts der Lage der Urlaub gesperrt. ■ ■ ü Mehrere hunderte Juden wurden in die palästinensische Hilfspolizei neu eingestellt, so daß diese bereits 2500 Juden zählt. Etwa hundert amerikanische Staatsangehörige in Safed haben sich telegraphisch an den amerikanischen Konsul in Jerusalem um Schutz gewandt, worauf der amerikanische und polnische Konsul bei der Palästinaregierung Vorstellungen erhoben haben. Die jüdischen Frauen von Safed haben an Königin Mary von England und an den Kolonienminister Ormsby=Gore, —: der nebenbei bemerkt nicht nach Palästina kommt, — Telegramme gerichtet, in denen sie u m Schutz für ihre Kinder bitten. In Tel Awiw wurden mit Rücksicht auf die letzten Ereignisse und 'die schweren Folgen des Bombenanschlages in der Herzlstraße alle Vergnügungsstätten zunächst für die Dauer einer Woche geschlossen. Werden die Vermittlungsversuche von Erfolg sein? Kann damit gerechnet werden, daß der Streik bald zu Ende geht? Man hört von Besprechungen zwischen Sir Arthur Wauchope und Emir Abdulla, auf der anderen Seite von Verhandlungen zwischen dem jetzt in Kairo sich aufhaltenden Kolonialminister und arabischen Vertretern. Das Zentralstreikkomitee hält Sitzungen ab und prüft Vorschläge. Aber man hat bei all dem den Eindruck, daß die Massen längst den Händen der Führer entraten sind, so daß die Beratungen zunächst kaum noch einen praktischen Zweck haben. Aegypten. Die Hilfe Aegyptens für die Araber Palästinas. Kairo, 10. August. Die große ägyptische Zeitung „Mokattam" ver? öffentlicht unter der Ueberschrift „Die Gefühle der Araber und Palästina" einen Artikel, in dem betont wird, daß die Hilfe Aegypten» für die Araber Palästinas viel größer sei als dies bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein haben könnte. Mit Rücksicht auf die Verhandlungen mit England sei Aegypten genötigt gewesen, seine Gefühle für die palästinensischen Araber nicht offen zum Ausdruck zuj bringen, aber das, was in der Stille für sie geleistet worden , sei, werde sich erst Später zeigen; dann werde man sehen, wie vier'Gütfes Aegypten den pa; lästiriensischen Arabern, getan habe.

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