Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1936)
- Date
- 1936-08-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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20. August 1936 D e r 'Ts r a e I i t Nr. 34 Seite 9 14 000 Kinder in den Ferienkolonien und Halbtagskolonien der Gesellschaft TOZ» Warschau, 10. August. Die Zentrale der Gesellschaft TOZ (Abteilung für Polen der Gesellschaft Ose für Gesundheitsschutz der Juden) veröffentlicht .die Ergebnisse einer Umfrage bei ihren Zweigstellen über 'den Verlauf ihrer Kinder-Sommeraktion. 29 Ferienkolonien und 28 Halbtagskolonien sind durch TOZ in diesem Jahre organisiert worden. Ueber 14.000 Kinder, um 1500 mehr als im vergangenen Jahr, haben an 'diesen Ferienlagern teilgenommen. Gegenwärtig sind in den TOZ=Kolonien etwa 3000 und in .den Halbtagskolonien 3500 Kinder untergebracht. Die Sommeraktion wird unmittelbar vor dem Beginn des neuen Schuljahres im Herbst zum Abschluß gebracht. Alle Zweigstellen melden einen starken Zustrom von Kinder in die Kolonien und Halbtagskoloinien. Diese Erscheinung ist auf den allgemein schiechten Gesund* heitszustand .der Kinder, auf .dlie Verarmung der jüdischen Bevölkerung und die wachsende Popularität 4er von der Gesellschaft organisierten Sommerlager zurückzuführen. Dazu kommt noch in diesem Jahre die Furcht vieler Eltern, Sommerfrischen in der Nähe der Städte aufzusuchen, da die judenfeindlichen Angriffe sich in diesen Ortschaften gehäuft haben. Sie ziehen es deshalb vor, ihre Kinder dem Erholungswerk, der öffentlichen Institutionen anzuvertrauen. Trotz der großen Zahl von Kindern, die in .den TOZ- Kolonien untergebracht werden konnten, mußte aus Mangel an Mitteln eine große Zahl von Bewerbern abgewiesen werden. Die Auswanderung aus Polen im ersten Halbjahr 1936, Warschau, 11. August. Die allgemeine Auswanderung aus Polen hat sich im ersten halben Jahr 1936 gegenüber dem entsprechenden Zeitraum de® Vorjahres von 3.1492 Personen auf 35.124 Personen erhöht. Die Auswanderung nach Uebersee ist von 16.869 auf 12.290 Personen zurück* gegangen. Dieser Rückgang entfällt ausschließlich auf Palästina und die Vereinigten Staaten. Die Auswanderung nach Palästina ist von 12.635 auf 6234 und die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von 750 auf 410 Personen gesunken. Nach den anderen überseeischen Ländern ist dagegen eine kleine Zunahme der Auswanderung festzustellen. In bemerkenswertem Ausmaß, und zwar genau in dem Verhältnis wie sich die Auswanderung verkleinert hat, hat sich die Rückwanderung nach Polen erhöht. Rumänien. Die Juden Rumäniens und die Lage in Palästina. Bukarest, 12. August. Die Exekutive der Zionistischen Organisation in Rumänien und der Verband der jüdischen Gemeinden Rumäniens haben den Besorgnissen, die die gesamte Judenheit Rumäniens angesichts der Lage in Palästina erfüllen, sowie den Forderungen, die sie im Zusammenhang damit an die englische Mandatarmacht richten, in einer Denkschrift Ausdruck gege* ben, die dem englischen Gesandten in Bukarest mit der Bitte um Weiterletiung an die englische Regierung überreicht wurde. England. Politische Erklärung des Obersten arabischen Komitees. London, 13. August. Die „Times" berichtet aus Jerusalem; daß .die seit langem erwartete offizielle Erklärung des Obersten arabischen Komitees soeben veröffentlicht wurde. Die Erklärung weist darauf hin, daß das* Palästimamandat unvereinbar sei mit dem Ausdruck des arabischen Volkswiillen®, wie er gelegentlich der 1919 unter der Orane, Commission veranstalteten Abstimmung geäußert wurde, und mit den Versprechungen, die König Hussein vom Hedschais gemacht worden seien. Das arabische Komitee — so heißt es in der Erklärung. — bemerkt, daß die englische Regierung die Fähigkeit des Irak zur Selbsitregierung anerkannt hat, und daß bei den gegenwärtigen Besprechungen in Paris dasselbe für Syrien versprochen wird. Es werden sodann Stellen aus dem Weißbuch von 1922 zum Beweise angeführt, daß England anerkannt habe, die Araber Palästinas hätten nicht weniger darauf Anspruch, sich selbst zu regieren, wenn dem nicht internationale Verpflichtungen gegenüber den Juden im Wege stünden. Der Streik sei der Ausdruck der tiefen Mißstimmung gegen die Ungerechtigkeit der gegenwärtigen Politik. Es sollen durch ihn auch tat- ' sächliche Aenderungen, die Einstellung der jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufs an Juden und die Einsetzung einer nationalen parlamentarischen Regierung herbeigeführt werden. Da® Oberste arabische Komitee habe nach dem Studium der Erkläs .rung des Kolonienministers über die Kgl. Kommission nicht finden können, daß dies eine Geste gewesen sei, um die Araber von der Absicht der Regierung zu überzeugen, daß sie eine wesentliche Aenderung ihrer Politik herbeiführen wolle. Das Komitee habe nach eingehender Beratung beschlossen, einen Kongreß der Streikkomitees einzuberufen, um die gegenwärtige Lage zu besprechen und die Ansichten der Nation festzustellen. Konstituierung der Exekutive des Council Jor German Jewry. London, 13. August. Der Council for German Jewry gibt die Konstituierung seiner Exekutive in folgender Erklärung bekannt: Englische Vertreter: Sir Herbert Samuel (Vorsitzender), Lord Bearsted, Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid, Simon Marks und Dr. Chaim Weizmann. Amerikanische Vertreter; Felix Warburg (Vorsitzender), Paul Baerwald, Charles Lieibmann, Morris Rothenberg und Dr. Stephen Was«. Jedes dieser Mitglieder wird einen Vertreter für den Fall persönlicher Verhinderung nominieren. James de Rothschild und Prof. Namier in London, George Backer, David Bressler, Dr. Israel Goldstein, James N. Rosenberg und Nathan Strauß in New York sowie andere Persönlichkeiten haben sich bereit erklärt, im Bedarfsfall Vertretungen zu übernehmen. Esi ist beabsichtigt, im Frühherbst einen Interimsbericht über die Arbeit des Council zu veröffentlichen. — Zeit wäre es! Lord Lamington antwortet Amery. London, 14. August. In einer Zuschrift an die „Times" wendet sich Lord Laming ton gegen die Erklärungen des früheren Kolonienministers Amery in seinem am 8. August veröffentlichten Brief (siehe erste Seite der Nr. 33). Lord Lamington behauptet, es sei falsch, zu sagen, daß die Juden ebensoviel- Recht auf Palästina hätten, wie die Araber, denn Artikel 22, Punkt 4 des Völkerbundpaktes besage, daß die Wünsche der Bevölkerung in den früher türkischen Mandatsländern vom der Mandatsmacht berücksichtigt werden müssen. Da es dem Völkerbund nicht gelungen sei, die Zustimmung der Bevölkerung Palästinas zu erlangen, habe das Mandat keine Geltung. „Daily Telegraph" berichtet aus Jerusalem, König Ibn Saud habe >an das Oberste Arabische Komitee ein Telegramm gerichtet, in dem er mitteilt, die englische Regierung habe ihm versprochen, sie werde sich mit den arabischen Forderungen befassen, jedoch nur, wenn die Unruhen aufhören und normale Verhältnisse wiederhergestellt sind. Die Palästiina-Einwanderung im Jahre 1935. London, 13. August. In London ist soeben der Jahresbericht des Einwanderungskommissars der Palästinaregierung, Mills, für das Jahr 1935 veröffentlicht worden. In dem Bericht wird die Zahl der registrierten Einwanderer einschließlich der Touristen, die sich nachträglich um dauernden Aufenthalt beworben haben, nit 61.854 Personen angegeben. Die registrierte arabische Einwanderung betraf 2293 Personen. Dazu kam noch ein gewisses Ausmaß unerlaubter Einwanderung von Personen, die als Touristen ins Land kamen und dort blieben, ohne ihren Status legalisieren zu lassen; es handelt sich um 4618 Juden und 3256 Nichtjuden. Es sind dies die höchsten bisher in dieser Einwandererkategorie verzeichneten Zahlen, Im vorangegan* genen Jahr war die Zahl der illegalen im Lande verbliebenen Touristen bei den Nichtjuden mit 3022 größer als bei den Juden mit 2907. Die Statistik der arabischen Zu- und Abwände5 rung läßt zwei bemerkenswerte Tatsachen erkennen: einerseits sind in den letzten drei Jahren, in denen die jüdische Einwanderung erheblich gestiegen ist, nicht einmal 2000 arabische Landeseinwohner mehr ausgereist als zurückgekehrt; es kann somit von einer irgendwie ins Gewicht fallenden arabischen Auswanderung nicht die Rede sein, Andererseits hat in jedem dieser drei letzten Jahre eine erhebliche Zuwanderung von Arabern nach Palästina stattgefunden. Der Einwanderungskommissar stellt in seinem Bericht fest, daß die Einwanderung nach Palästina einen ganz besonderen Charakter trägt. Sie ist das Ergebnis zweier Kräfte, der Anziehungskraft des Nationalheims auf die Juden und des auf die Juden in anderen Ländern ausgeübten Drucks zur Auswanderung. Die Einwanderung — schreibt der Kommis* sar — ist das Ergebnis des Zusammenwirkens Palästinas als Saugpumpe und des Auswanderungslandes als Druckpumpe. Deswegen hätten die für Wanderungserscheinungen im allgemeinen geltenden Theorien vielleicht keine Geltung für das^ Phänomen dieser Bewegung nach Palästina. In der gesamten Tätigkeit, erklärt der Kommissar zum Schluß, ist das Individuum von ausschlag* gebender Bedeutung; mögen auch die Beamten des Departments mitunter die Empfindung haben, daß sie sich mit einer Masse beschäftigen, so haben sie es doch in Wirklichkeit mit tausenden von Einzelmenschen zu tun, von denen jeder seine persönlichen Besonderheiten hat. Ein Gerichtsverfahren wegen Blutbeschuldigung in England. London, 17, August. Gegen die Zeitschrift „The Faselst" wurde wegen Verbreitung der Blutbeschuldigung gegen Juden ein Prozeß angestrengt. Das Polizeigericht hatte über die Zulassung der öffentlichen Anklage zu entscheiden. Nach Vernehmung der Verklagten und mehrerer Zeugen erklärte der Richter Dummnet die Anklageerhebung wegen Veröffentlichung einer aufrührerischen Verleumdung für gerechtfertigt. Angeklagt sind Leese und Whitehead als Verleger bezw. Autor des Aufsatzes. Der Anklage5 Vertreter Funton las vor dem Richter die Stellen aus dem Aufsatz, die die Ritualmordbeschuldigung gegen die Juden erhoben, vor und wies nach, daß in diesem Falle die Beschuldigung sogar besonders gegen die englischen Juden gerichtet sei. Die Beschuldigten machten geltend, daß sie lediglich historische Tatsachen angeführt hätten und behaupteten, schon König Eduard I., Shakespeare und tausend Andere hätten sich im gleichen Sinne über die Juden geäußert. Die Ritualmordbeschuldigung sei eine Sache, über die diskutiert werden könne. Leese verantwortete sich ferner in dem Sinne, daß die Juden keine festbestimmte Kollektivität bilden und daher keiner zur Klageführung legitimiert sei. Trotz dieser Darlegungen kam der Richter zu dem Schluß, daß einöffentliches Interesse bestehe, gegen solche Verleumdung bestimmter Personengruppen im englischen Imperium gerichtlich vorzugehen. Der Prozeß wird in der nächsten Session des Haupt= Strafgerichtes zum Austrag kommen. Palästina. Erste Jahrzeit für Oberrabbiner Kuk. — Aufruf des Misrachi. Jerusalem, 12. August. Das Zentralkomitee des Misrachiweltverbandes weist darauf hin, daß am 4. E 1 u 1 sich der Todestag des palästinensischen Oberrabbiners Abraham Jizchak Hakohen Kuk zum erstenmal jährt. Alle MisrachisOrtsigruppen werden aufgefordert, aus diesem Anlaß Gedächtnisg'ttesdienste und Feiern zu veranstalten, bei denen die Bedeutung des verstorbenen Oberrabbiners gewürdigt werden soll. Die Kulturabteilung des Zentralkomitees gibt ein der denkerischen