Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1936)
- Date
- 1936-08-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^TiR^55^W5lWae^?^p5saJJ9%[^r g^g^jgawtaj^a^egs Seite 8 Nr. 34 Israelit 20. August 1936 (w i r wissen, was unser Lebenselement ist und wohin unser Lebenswillen zielt) sagt er nicht, er wünscht aber, daß der Weltkongreß zu einer ständigen Institution werde und so lange bleibe, bis die Judenfrage im Sinne der Menschlichkeit restlos gelöst sei. Die Verhandlungen der folgenden Tage drehten sich ausschließlich um Palästina. Auf Vorschläge der Palästinakommission des Kongresses wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen jede Art von Einwanderungssperre in Palästina wendet. Es sei der Wunsch des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Nachbar in friedlicher Zusammenarbeit zu leben auf der Basis gegenseitiger Achtung. Ein Appell wird an die aufnahmefähigen Länder gerichtet, ihre Tore den jüdischen Auswanderern nicht zu schließen. Es sollen über diesen Punkt mit verschiedenen Regierungen Verhandlungen aufgenommen werden und vom Kongresse aus eigene Emigrationsbüros in den verschiedenen Ländern errichtet werden. Im Verlauf der Palästina=Sondersitzung erklärte Schalom Asch, nichts werde die Anstrengungein der Juden in Palästina zum Stillstand bringen. Im Anschluß daran richtete er an die Welt im Namen der Judenheit einen Aufruf zum Frieden. Die nicht zugelassenen fünf kommunistischen Delegierten aus Amerika haben in einer Denkschrift an das Kongreßpräsidium gegen die Beschuldigung protestiert, daß sie die Angriffe auf Juden in Palästina gutgeheißen hätten. Viele ihrer Anhänger hätten sich an der Selbstwehr im zaristischen Rußland beteiligt. Sie seien schärfste Gegner von Pogromen in welchem Land auch immer und für freie Einwanderung in alle Länder, allerdings gegen den von der Zionistischen Organisation gehandhabten besonderen Charakter der Einwanderung nach Palästina. Genf, 16. August. Der sogenannte „Jüdische Kongreß" ging am Samss tag abend zu Ende. Am Sabbat fanden keine Tagungen statt. Der Kongreß soll zu einer dauernden Einrichtung ausgebaut werden mit einem Jahresbudget von 75.000 Dollar, von denen Amerika die Hälfte aufbringen will. Der Rest verteilt sich auf andere Länder. In den Resolutionen werden jüdische Arbeitgeber aufgefordert, jüdische Arbeiter zu bevorzugen. Eine internationale jüdische Bank zur Förderung und Finanzierung des Exportes von jüdischer Produktion soll durch den Kongreß gegründet werden. Gegründet wurde auch ein Weltverband der jüdischen Jugend, und zwar durch die 30 Delegierten jüdischer Jugendverbände, die am. Kongreß teilnahmen. Dr. Kubowitzky legt dem Kongreß einen weitgehenden Organisationsplan vor, wonach der Kongreß als eine „legitime Repräsentanz der jüdisehen Gemeinschaft für alle Angelegenheiten des jüdischen Lebens in der Diaspora" zu betrachten sei. In der politischen Resolution wird der Völkerbund aufgerufen, die M i n d e r h e i t s r e c h t e der Juden in den Ländern, wo diese garantiert sind, zu schützen und anderswo solche Rechte zu schaffen. Insbeu ndere soll auch in Verhandlung mit der russischen Regierung getreten werden, um dort die Zulassung der hebräischen Sprache und die Anerkennung der zionistischen Bewegung, ferner die freie Auswanderung nach Palästina und die freie Ausübung der jüdischen Religion zu erlangen. Ein neuer Jüdischer Weltkongreß soll im Jahre, 1938 einberufen werden. Gegen die Klausel, in der sich der Kongreß selbstgefällig „die Repräsentanz der gesamten Judenheit der Welt" nennt, macht sich starker Widerspruch geltend, so daß sie mit Stimmenmehrheit der Exekutive zur Neufassung überwiesen wurde. Die Frage des Palästinatransfers (Haavara) ließ die Kongreßleitung nicht zur Diskussion stellen. Die Kongreßarbeiten fanden Samstag nacht mit der Konstituierung der leitenden Körperschaften ihr Ende. Zum Ehrenpräsidenten des Kongresses wurde der amerikanische Bundesrichter Julian W. Mack gewählt, Vorsitzender djer neungKedrigen Exekutive ist Stephen Wise. Dr. Goldmann wurde zum Vorsitzenden des Administrationskomitees gewählt. An der Spitze des Rates steht Louis Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Bagdad. Die Frage der Errichtung einer staatlichen Transportgesellschaft bezw. eines staatlich kontrollierten und subventionierten Transportunternehmens ist durch einen Regierungsausschuß geprüft worden. Der Ausschuß hat sich für ein derartiges Projekt ausgesprochen. Auch aus Gründen der Landesverteidigung soll das Projekt bald verwirklicht werden. Im Zusammenhang hiermit hat der Irak nach der Uebernahme der Eisenbahnen durch den irakischen Staat den zwischen der früheren Eisenbahnverwaltung und dem (jüdischen) Transportunternehmen Ghaim Nathaniel abgeschlossenen Transportvertrag gelöst. Der Autotransport von der Mittelmeerküste nach Bagdad lag bisher in den Händen der Linie Nathaniel (Haifa-Bagdad)1 und der Societe Auto=Routiere (Beirut-Bagdad), die jetzt den Dienst über Mossul nach Bags dad versieht. Nach einem Abkommen soll die Firma Nathaniel jetzt ihre Transporte über Beirut leiten. Das irakische Ministerium für öffentliche Arbeiten hat die Anweisung zum Ausbau der Strecke Tel-Kotschek-Mossul gegeben, die Mossul mit dem Endpunkt der nordsyrischen Bahn verbmdet. Die Transportkosten Beirut oder Haifas Bagdad stellen sich mit der Bahn via Tel- Kotschek und von dort über Mossul per Lastwagen auf Lst. 5—6, auf der direkten Lastautostrecke Haifa oder Beirut-Bagdad auf Lst. 7—8. Tel A w i w. Uns wird ein Memorandum des englischen Handelsattache's in Palästina über die Ernennung von Agenten in Palästina bekannt, das von Department of Overseas Trade vor einiger Zeit herausgegeben ist. Das Memorandum, das vertraulichen Charakter hat, befallt sich in interessanten Ausführungen mit den kaufmännischen Verhältnissen des Landes und legt dar, daß sich in Palästina ein neues wirtschaftliches Leben aus einem Personenkreis entwickelt, der aus allen Teilen der Welt zusammenströmt. Ein anerkannter Standard der Geschäftsmoral hat sich noch nicht herausgebildet, sie ist aber nicht schlechter und möglicherweise eine bessere als in den anderen Ländern des Near and Middle East. Ueber die kaufmän* nischen Qualifikationen von Neueinwande* rern wird in dem Memorandum ausgeführt, daß sich unter diesen „men of straw" mit grandiosen Firmenbezeichnungen, anziehenden Briefbogen und P. O. B. Adressen befinden, daß andererseits aber viele der Neueinwanderer vertrauenswürdig sind, über Kapital und Erfahrungen in anderen Ländern verfügen und oft geeigneter als Handelsvertreter sind als die alten bekannten Firmen, die nicht sehr zahlreich und bereits mit mehr Vertretungen überladen sind, als sie bewältigen können. Zur Bearbeitung der jüdischen und arabischen Kundschaft werden altetablierte jüdische Firmen, deren Inhaber von Kindheit an mit der arabischen Sprache und den Gewohnheiten der Araber vertraut' sind, empfohlen. Falls solche nicht zu finden sind, dürfte es nötig sein, die Vertretung zu teilen. Tel Awiw. Im Auftrage des österreichischen Bundespressedienstes (Bundeskanzleramt) wurde soeben ein repräsentativ ausgestatteter Band „Oesterreich=Palästina" herausgegeben, der Beiträge des Bundesministers für Handel und Verkehr, Fritz Stockinger, des Generalkonsuls Dr. Ivo Jorda, des Präsidenten des Bundes der österreichischen Industriellen, Staatsrat Urban, des Bundesministers a. D. und Präsidenten der Wiener Messe-A. G., Eduard Heini, enthält. Spezialaufsätze befassen sich eingehender mit den Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich und Palästina (Dr. A. Sattler=Dornbacher, Leiter des Außenhandelsdienstes der Österreichs sehen Handelskammern) und den Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern (Direktor D. Z. Pinkas, Präsident der Austro - Palästinensischen Handelskammer Tel Awiw), mit palästinensischen Zitrusfrüchten und dem österreichischen Industrieexport (S. Tolkowsky, Leiter der Jaffa Citrus, Exchange). Weitere Beiträge über den Handel zwischen beiden Ländern und Oesterreichs Chancen in Palästina haben den Präsidenten der Oesterreichis<:h=Palä.ss tinensischen Handelskammer in Wien, Josef Kremenezky, und deren Geschäftsführer, Dr. Hugo Groß, zum Verfasser. Lipsky. So wird die führende Rolle, wie bei den Verhandlungen, auch an der Geschaftsführumg des Kongresses den Amerikanern zufallen. Mit den üblichen Schlußreden wurde der Kongreß in später Nachtstunde feierlich geschlossen. Das Administrativkomitee trat gleich nach Schluß des Kongresses zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die erste Aktion des „Jüdischen Weltkongresses". Bern, 17. August. Die ständige Vertretung, die der erste „Jüdische Weltkongreß" geschaffen hat, wurde am Montag Nachmittag von dem englischen Gesandten in Bern empfangen. Die Abordnung überreichte dem Gesandten die vom Kongreß einstimmig angenommene Palästinaresolution mit der Bitte um Weiterleitung an die englische Regierung, Sie gab dem Gesandten bekannt; .daß es der einmütige Wunsch des Kongresses sei, daß England die Balfour=Deklaration nicht verletzen möge und daß die Gewalttaten der Araber nicht durch eine auch nur vorübergehende Einstellung der jüdischen Einwanderung belohnt werden möge. Polen. Kultuswahlen in Polen. Warschau, 12. August. Die bevorstehende Neuwahl der Leitung und Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde wird von der Warschauer jüdischein Bevölkerung mit außerordentlichem Interesse erwartet. Einen geradezu grotesken Ausdruck findet die Zersplitterung der jüs dischen öffentlichen Meinung in der Tatsache, daß bisher ZU dieser Wahl nicht weniger als 41 Wahlvorschläge — drei bloß fiktive Listen nicht miteüigerechnet — mit einer Gesamtzahl von etwa 4000 Kandidaten angemeldet worden sind. Allerdings wurden in letzter Zeit einige Konzentrationsversuche unternommen, deren Ergebnis zu der Erwartung berechtigt, daß der eigentliche Wahlkampf sich zwisehen fünf bis sechs Wählergruppen abspielen wird, während die übrigen Splittergruppen ziemlich im Hintergrund bleiben werden, Die A g u d a , die in der letzten Legislaturperiode die Führung der Gemeinde inne hatte, beteiligt sich an keinem Wahlblock, sondern geht selbständig in den Kampf. Ihre Liste weist u. a. die Namen von Senator Trockenheim, den jetzigen stellvertretenden Gemeindevorsitzenden Lerner und M. „Kaminer auf; dagegen stehen der jetzige Gemeinde Vorsitzende Elieser Mazur und der Vorsitzende der Aguda in Polen, J. M. Lewin, nicht auf der Liste. Die Poale Agudas Jisroel haben einen eigenen Waihlvorschlag eingebricht. Unter der Bezeichnung „Vereinigter nationaler Block" nehmen an der Wahlkampagne die Allgemeinen Zionismen beider Richtungen in Gemeinschaft mit dem Verband der Kaufleiite und dem Kleiinhändlerverband teil. Die gemeinsame Liste von Misrachi und Thora Weawoda wird von Adv. Noah P r i - 1 u c k i und Leo F i n k e 1 s t e i n geführt. Auch die Revisionisten und die Judenstaatspartei haben eigene Listen aufgestellt. Ferner gibt es eine Liste „Achdut ' Jisrael", der verschiedene BethausvereAne angeschlossen sind, und Listen einzelner Chasisidimgruppen. Auch .die drei großen jüdischen Arbeiterparteien beteiligen sich an der Wahl der Gemeinderepräsentanz. Eine zentrale jüdische Genossenschaftsbank in Polen. Warschau, 10. August. Unter dem Namen „Kooperative Kreditzentrale" ist soeben ein zentrales jüdisches genossenschaft5 liches Kreditinstitut in das Handelsregister eingetragen worden. Als Gründer der Bank zeichnen Dr. Karl Sachs, Bankier Raphael Szereszewski, der Präsident des Zentralverbandes der jüdischen Kaufleute, Abraham Gepner, Ing. Stanislaw Sizerestzewski, Präsident Mauricy Medsl, Präsident Nahum Eitingoil- Lodz, Konsul Max Cohn=Lodz; Dr. Witholdi Wiesen* berg-Lemberg und Dr. Arnold Ehrenpreis-Krakau. Die neue Bank wird Anfang Herbst ihre Tätigkeit aufnehmen.