Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1936)
- Date
- 1936-08-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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28*' August 1936 i D e t.:I s r.a B-Ii i Palnews Wirtschaftsjahrbuch für Palästina. Das Palnews W i r t s c h a f tsj ahrbuch für Palästina ist für jeden, der wirtschaftlich an Palästina interessiert ist, unentbehrlich. Die Ausgabe von 1936*) gibt den Stand der Dinge wieder, in dem sich das Land befunden hat, als es von der gegenwärtig noch andauernden Unruhewelle überflutet wurde. In zahlreichen Einzelaufsätzen über die wich tigsten Wirtschaftszweige findet man Beiträge über die palästinensische Zitrusindustrie, das Wasserproblem Palästinas, den Weinbau in Pa lästina, die jüdische Industrie, die internationale Kali-Industrie und das Tote Meer, die wichtig sten' Rohstoffe, die Stadt im Wirtschaftsleben Palästinas, über Bäuibewegung, Genossenschafts bewegung, Bankensyst'em im Jahr 1935, über Schiffahrtsprobleme/ Patent-, Muster- und Markenwesen, die Levante^esse in Tel Awiw und einen besonders interessanten Aufsatz aus der Feder von Dr. J. Adler über Arbeiter und Löhne, in dem die drei unvermittelt nebeneinanderstehenden Arbeitssysteme 'Palästinas plastisch deutlich werden: das Traditiohalsystem des Orients, das Siedlungssystem des Zionismus und das mit hauranischer und ägyptischer Arbeit operierende Kolonialsystem des Kapitalismus. Wirtschaftliche Informationen über Gewichte und Mäße, Verbrauchssteuern, Post-, Elektrizitäts- und Zolltarif sind angefügt. Den ganzen ersten Teil nimmt nach einem Vorwort des Vertreters der Palästinaregierung und des Herausgebers Ben-Horin eine große zusammenfassende Arbeit von Alfred Michaelis über die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas ein, Diese Arbeit erhält angesichts der bevorstehenden Ankunft der Royal Commission eine besonders aktuelle Bedeutung und man sollte versuchen, sie als Sonderdruck in englischer Sprache so weit wie möglich zu verbreiten. Michaelis untersucht die Entwicklungsmöglichkeiten der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels, Verkehrs und Finanzwesens sowie die Tendenzen der Einwanderungs- und Bevölkerungsbewegung. Er stellt fest, daß alle bisherigen Untersuchungen über die Aufnahmefähigkeit des Landes, insbesondere was die Schätzung der bebauten und der bebaubaren Flächen betrifft, mit unzulänglichen Methoden unternommen und in sich wie untereinander widerspruchsvoll sind und daß sie der tatsächlichen Kapazität des Landes nicht gerecht werden. Eine wirkliche Erschließung sei solange nicht möglich, als die Mandatsverwaltung es an systematischer, nachhaltiger Wirtschaftsförderung fehlen lasse. Besonders beachtenswert sind die Vorschläge von Michaelis zur Selbstorganisation einer jüdischen Wirtschaftsplanung auf industriellem Gebiet. Man kann große städtische Massen auf die Dauer nicht überwiegend in der Bauwirtschaft beschäftigen, zumal dann, wenn der Wohnungsneubedarf infolge verminderter Einwanderung abnimmt. Andererseits sind die Aufgaben, vor die man sich bei Verstärkung der industriellen Position auf engem Produktions- und Absatzgebiet gestellt sieht, inmitten einer sich planwirtschaftlich organisierenden Welt nicht mehr in der ungeregelten individualistischen Manier der ersten Pioniere zu lösen. ,.Produktionsgebiete, die hohe Kapitalinvestitionen, komplizierte , technische Probleme und Heranziehung von Experten und Facharbeitern wie sonstige Vorbereitungsanbeiten. umfassender Art erforderlich machen, übersteigen häufig die Iniiative und Kraft einzelner Unternehmer. Die unorganisiert individualistische Basis der industriellen Tätigkeit ist andererseits geeignet, auf den leichter zugänglichen Gebieten zu Konkurrenzgründungen zu führen, die besonders bei der Enge des palästinensischen Marktes zu ungesunden Marktverhältnissen und Kapi- *) Palnews Wirtschaftsjahr buch für Palästina. In drei Ausgaben .Hebräisch, Englisch, Deutsch. II. Jahrgang, Tel Awiw 1936. | talverlusten führen müssen." Mit diesen -Sätzen umreißt der Verfasser den Zustand, aus dem heraus sein Vorschlag erwächst. Es stehen freilich mancherlei sachliche und persönliche Schwierigkeiten der Ausführung entgegen. Aber es' gibt im American Economic Committee, in der Industrieabteilung der Agency im Industriel len-Verband und an mancherlei 'privaten Stellen Ansätze genug zu einer •wirksamen Gesamtwirt Schaftsvertretung, die auf ihre Zusammenfassung und Intensivierung warten. Es ist zu hoffe«, daß man die hierin liegenden Möglichkeiten bald und so gut es geht ausnützt. Cahnmann. 1* Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die Reichsvertretung wird erweitert. Berlin, 17. August. Die Pressestelle der Reichsvertretung teilt mit: Wie der jüdischen Oeffentiichkeit bekannt, waren seit längerer Zeit Vorarbeiten im Gange mit dem Ziele, der Arbeit der Reichsvertretung im Interesse der Gesamtheit der Juden in Deutschland eine immer breitere Grundlage zu geben. .In einer Tagung des Organisationsausschusses, die am 12. August unter Leitung des geschäftsführenden Vorsitzenden der Reichsvertretung, Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch, stattfand, sind diese Bemühungen nunmehr zu einem erfolgreichen Abschluß gelangt. Den in der Tagung gefaßten Beschlüssen, die wir unten in ihren wichtigsten Punkten wiedergeben, liegen folgende Gedankengänge zugrunde: Durch eine stärkere Uebernahme der Verantwor* tung an den Arbeiten der Reichsvertretung durch neue Menschen, vor allem der zionistischen Bewes g|ung, sollen alle Kräfte der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit „gleichen Rechten und Pflichten in gemeinsamer Arbeit vereinigt werden, j Die Verbindung der Reichsvertretung mit den jü- , daschen Gemeinden und Landesverbänden soll im Interesse einer organischen Zusammenfassung noch enger gestaltet werden. Zur Umsetzung dieser Gedankengänge in organisatorische Formen wurde beschlossen: 1. Der Präsidialausschuß der Reichsvertretung wird durch Hinzutritt von vier Zionisten und eines der Orthodoxie (den Konservativen)1 angehörenden Herrn erweitert. 2. Der bisherige geschäftsführende Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Franz Meyer, tritt in die Geschäftsführung der Reichsvertretung ein, um eine Reihe wichtiger Sachgebiete, teils selbständig, teils in ständiger Zusämmenarbeit mit dem Vorsitzenden des Präsidialaus - Schusses, Dr. Otto Hirsch, zu übernehmen. 3. Es wird ein „Rat bei der Reichsvertretung" gebildet, der aus 23 Mitgliedern besteht. Er setzt sich aus 15 Vertretern der Landes verbände und Gemeinden, je einem Vertreter des Jüdischen Centraivereins, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie fünf direkt berufenen Persönlichkeiten zusammen. Der Rat soll in allen grundsätzlichen Fragen gehört werden. In Fragen, die die Selbstverwaltung der Landesverbände und Gemeinden berühren, soll seine Zustimmung erforderlich sein. Er' soll ferner •die Finanizgebahrung der Reichsvertretung überwachen und gemeinsam mit dem Präsidialausschuß über Verfassungsfragen der 'Reiensvertretung beschließen, künftag die Mitglieder des PräsidAalausschusses wählen und den Haushalt der Reichsvertretung festsetzen. Seine wichtigste Aufgabe wird darin bestehen, der engen Zusammenarbeit der Reichs Vertretung mit den Landesverbänden und Gemeinden zu dienen. Die Landesverbände werden in ihrem Gebiet für die Durchführung | der Beschlüsse der Reichsvertretung sorgen. . | Kein staatlicher jüdischer Religionsunterricht in Bayern. i - : München, 16. August. Das Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus veröffentlicht in seiner Nr. 6 eine Bekanntmachung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über den jüdischen Religionsunterricht. Danach wird an den bayerischen Schulen künftig kein lehrplanmäßiger jüdischer Religionsunterricht mehr erteilt. Den jüdischen Kindern bleibt es unbenommen, einen privaten Religionsunterricht zu besuchen. In den Schulzeugnissen ist der jüdische Religionsunterricht nicht mehr zu berücksichtigen. Für den jüdischen Religionsunterricht dürfen keine staatlichen oder gemeindlichen Mittel mehr aufgewendet werden. Jüdische Religionslehrer gehören künftig nicht mehr den Lehrerräten und Prüa fungsausschüssen an. Für die nur von jüdischen Kindern besuchten Schulen gelten die bisherigen Bestimmungen weiter. Die jüdischen Klassen an den öffentlichen allgemeinen Volksschulen sind nach einem früheren Ministerialerlaß ein Bestandteil dieser Schulen. An diesen Sonderklassen wird daher kein lehrplanmäßiger jüdischer Religionsunterricht mehr erteilt. Neuwahlen in der Synagogengemeinde Köln ausgeschrieben/ Köln, 13. August, Der Vorstand der Synagogengemeinde Köln erläßt eine Bekanntmachung, wonach am 29. Novem* ber 1936 die Neuwahlen der Repräsentanten der Synagogengemeinde stattfinden. Zu wählen sind 21 Repräsentanten und 9 Stellvertreter. Wahlberechtigt sind alle männlichen und weiblichen unbescholtenen Mitglieder der Synagogengemeinde, die am Tage der Wahl das 21, Lebensjahr vollendet haben. Es ergeht die Aufforderung, Wahlvorschläge bis spätestens zum 9. November einzureichen. Nur noch 124 jüdische Schüler auf den höheren Schulen in Nürnberg, Nürnberg, 11. August. Nach Mitteilung des „Nordbayerischen Zeitung" wird in dem Wegweiser durch das höhere Schulwesen des Deutschen Reiches für das Schuljahr 1935, der von der Reichs.steile für Schulwesen im Auftrage des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung veröffentlicht worden ist, angegeben, daß in Nürnberg sich an den höheren Lehranstalten nur noch 124 jüdische Schüler befinden. Die Schilder „Deutsches Geschäft". Stuttgart, 13. August." Die „Allgemeine Rundschau', in Stuttgart berich* tet, daß in dem Stadtteil Zuffenhausen allen deutsehen Geschäftsinhabern Schilder, überbracht wer-, den, die schon am Ladeneingang den Ausweis darstellen, daß es sich um ein „Deutsches Geschäft'1 handele. Es'sei selbstverständliche Pflicht jedes Geschäftsinhabers, dieses Schild zu erwerben; sein Kauf und die sofortige Anbringung an der Ladentür entspringe einem allgemeinen Bedürfnis, Schweiz, Der Jüdische Weltkongreß tagt weiter. Genf, 14. August. In der Generaldebatte der folgenden Tage entwickelten sich manche Diskussionsäußerungen unter der Hand zu großangelegten Referaten. So gipfelte ein Vortrag von Dr.' M a y e r E ib n e r , dem Präsi* denten der Jüdischen Reichspdrtei in Rumänien, in der Aufforderung, ,/dem universellen Vernichtungswillen den universellen Lebenswillen des jüdischen Volkes entgegenzusetzen." Wie er sich das denkt