Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1936)
- Date
- 1936-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 34 Der Israelit 20.••■•August 4936 wärtigen Stand der Dinge in Erez -Jisröei "*gar nicht daran denken, eigene Wege zu gehen, denn die Front nach außen darf nicht geschwächt werden und wir haben auch durch eigene Schuld außenpolitisch sehr wenig Einfluß, aber irn Innern müssen wir, wenn wir nicht mitverantwortlich sein wollen für den geistigen pnn des heiligen Landes, mit Aufbietung all unserer Kräfte für die Erstarkung der Frommen in Er;ez Jisroel zu arbeiten. Erreichen wir eine ganz wesentliche Kräftigung der Position der CZPXT im Lande, so werden wir auch außenpolitisch mehr zu sagen haben als bisher. Ohne weiteres habe ich volles Verständnis für die Kreise, die jede Erez Jisroel-Arbeit ablehnen und diese Ablehnung entweder mit messianischen Gründen oder mit politischen Erwägungen begründen. Ich kann aber diejenigen Kreise der O'NV' die mit uns die absolute Notwendigkeit intensiver Erez Jisroel-Arbeit einsehen und hierbei absolut selbständig vorgehen wollen und dennoch sehr wenig für die Erstarkung des Keren Hajischuw tun, nicht begreifen. Und noch weniger das Vorhalten gewisser Kreise namentlich in Ungarn, die die Vorteile, die ihnen die Palästinazentrale bieten kann, gerne annehmen, aber zur Aguda selbst: „Grüß mich nicht unter den Linden"i(. sprechen. So geht es einfach nicht. Es handelt sich hier nicht um kleinliche „Kehillohpolitik" und „Bathlonimdiplomatie", sondern um die vitalsten Fragen von Klal Jisroel, zu denen man ehrlich Stellung nehmen muß. An dem Erfolg der einsetzenden Aktion des Keren Hajischuw soll der Ernst des Willens der thoratreuen Kreise gemessen weiden, wie weit sie Erez Jisroel bejahen, Ejn Jahr von banger Sorge geht zu Ende und auch das beginnende Jahr bringt uns Prüfungen, die wir nur bestehen können, wenn wir wissen p">xa bH"VD, DVW^- Ich glaube nicht, daß das Schicksal Erez Jisroels hier in der Golah entschieden wird, sondern lebe der festen Ueberzeugung, daß sich das Schicksal des jüdischen Volkes in seiner alten Heimat entscheidet und erfüllt. An uns, den wahren Kindern Zions, ist es, dort zu sein, wenn die Stunde der Entscheidung da ist. Es ist ein tiefes Wort unserer Weisen im Anschluß an das Propheten wort: l^a 'S pjm |» rbvzb n» n >J3Tjr jus Saarn r>"nxi war xbi njn* oks omoxb imb rrwan jtx laani k^x *iaft *px "»n n '»t» ypi laarn nvtonw |"ps nrunw |to «^k rpwan "pn 's dtiki ]ts nasm maix n*?>nnn mata nrx *rm ^oanna 'i mty Ueber Zahl und Art der im heutigen Aegypten lebenden Juden entnehmen wir dem Werke „Die Juden in der Welt" von Dr. Mark Wischnitzer (Erich Reiß-Verlag, Berlin) folgendes: In der Gegenwart setzt sich das ägyptische Judentum aus verschiedenen Elementen zusammen, aus autochthonen arabischen Juden, ferner den sogenannten mosarabischen Juden oder Berbern, aus Sefardim, italienischen Juden, die in neuerer Zeit eingewandert sind, griechischen Juden, die im Weltkrieg aus Saloniki, Smyrna und Adrianopel kamen, und aschkenasischen Juden aus ' verschiedenen Ländern Europas. Von dem zahlenmäßigen Tiefstand, den das ägyptische. Judentum um die Mitte des 19, Jahrhunderts erreicht hatte — J. J. Benjamin will in Kairo 6600 und in Alexandrien 650 Juden vorgefunden haben —, hatte es sich am Ausgang des 19. Jahrhunderts erholt und bot eine Einwohnerschaft von 25 200 Personen, wovon etwas über 11 000 in Kairo und rund 10 000 in Alexandrien leben. Während des- Weltkrieges erfuhr Aegypten eine nennenswerte Einwan; derung. 1927 wurden 63 550 Juden, d. h. 0,4 Proz. der gesamten Bevölkerung gezählt. Eine Schätzung aus dem Jahre 1934 verzeichnete 72 500 Juden. Aegypten leidet,, wie die meisten Länder in unserer Zeit, unter der Weltwirtschaftskrise. Die Ein= Wanderungsbestimmungen werden scharf gehandhabt, die Zentralregierung von Kairo behält sich die Entscheidung über die Zulassung eines Einwanderers in jedem einzelnen Falle vor. Die deutsch-jüdische Auswanderung, die 1933 einsetzte, hat Aegypten so gut wie gar nicht berührt, mit Ausnahme von Aerzten und ärztlichen Hilfskräften, die in den jüdischen Krankenhäusern des Landes untergebracht werden konnten. In der ganzen rwan yV» 'S des Kapitels 49 des Jesajas ist mit keinem Worte der Thora Erwähnung getan, es wird nur den Hungernden Brot, den Durstenden Wasiser und den Gefesselten die Freiheit versprochen, aber von Zion, dem eigentlichen Zion, von dem, was das Wesen Zions ausmacht, wird nicht gesprochen, da klagt Zion, daß G'tt es verlassen. Wollen wir, daß Zion nicht verlassen sei, so. müssen wir sorgen,, daß in Zion die Thora Zions wieder ihre Heimat finde, . dann ist Zion nicht verlassen fund harret in Geduld, bis seine wahren Kinder zu ihm heimkehren, mit denen es sich „wie mit einem Geschmeide bekleiden wird und mit ihnen schmükken wie eine Braut." Jüdisches Schulwesen auf dem Lande. Nach dem Bericht der Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in' Deutschland im Rahmen des Gesamt-Tätigkeitsberichtes von ,,Hilfe und Aufbau", gibt es in Deutschland zur Zeit rund 44 000 jüdische Schüler, von denen noch etwa 24 000 in allgemeinen Schulen sind. Nach dem Erlaß des Herrn Reichs-Erziehungsministers vom September 1935 werden im Laufe des kommenden Schuljahres eine Reihe öffentlicher jüdischer Volksschulen gegründet werden. Die Beschulung der sich auf eine große Zahl kleiner und kleinster Orte verteilenden schulpflichtigen Kinder in neuzuerrichtenden öffentlichen Volksschulen wirft eine Reihe äußerst schwieriger Probleme auf. In dem obenerwähnten Erlaß heißt es: „Voraussetzung für die Errichtung einer öffentlichen jüdischen Volksschule ist das Vorhandensein einer zur ordnungsmäßigen Beschulung hinreichenden Zahl jüdischer Kinder innerhalb einer Gemeinde oder eines unter Berücksichtigung zumutbarer Schulwege abgegrenzten Gebietes (Stadt- oder Landgebietes). Dabei müssen gegebenenfalls mehrere oder sämtliche Jahrgänge in einer Volksschulklasse zusammengefaßt werden. Als eine zur ordnungsmäßigen Beschulung hinreichende Richtzahl wird die Zahl von 20 Kindern anzunehmen sein." Diese Frage der Errichtung von jüdischen Bezirksvolksschulen auf dem Lande wird nun mit sehr großen Schwierigkeiten verknüpft sein. Die Beschulung der jüdischen Kinder in solchen Bezirksschulen stellen die Reichsvertretung, die Landesverbände, die Gemeinden und nicht zuletzt die Lehrerschaft vor gänzlich neue Aufgaben, deren Lösung und Vorbereitung noch langwierige Verhandlungen über personelle, finanzielle und andere Fragen bedingen wird. Wie die Entwicklung sich im einzelnen gestalten wird, läßt sich im Augenblick noch keineswegs, übersehen. Bereitstellung vonZuschüssen zu den Fahrtspesen der Kinder, evtl. Unterbringung von Kindern in Internaten oder Einzelheimen, die einer solchen Bezirksvolksschule angegliedert werden müßten, Bereitstellung von entsprechenden Räumlichkeiten, Besetzung der Lehrerstellen, das alles sind — stichwortartig zusammengefaßt — wichtige Fragen, deren Erörterung für die nächste Zeit bevorsteht. Man wird dabei auf die Erfahrungen, die bereits mit den Bezirksvolksschulen in größeren Städten und einigen Kleinstädten gemacht worden sind, zurückgreifen müssen, wenn auch für die Errichtung von Bezirksschulen auf dem Lande andersartige Schwierigkeiten und Probleme an die zuständigen Organisationen und die Lehrerschaft heranj treten. In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage der sogenannten „Lehrerbezirke", die vielleicht für die Entwicklung der Bezirksvolksschulen von Wichtigkeit sein dürfte. Der vor kurzem erschienene Tätigkeitsbericht des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden 1935/36, über den in Nr. 18 des „Schild" zusammenfassend berichtet wurde, gibt ein anschauliches Bild über die derzeitige Verteilung solcher Lehrerbezirke über das dem Preußischen Landesverband angeschlossene Gebiet. Auf die schwierige pädagogische Situation geht der Tätigkeitsbericht mit folgenden Worten £>ilV „Der Religionsiehrer und Kantor ist heute im den kleinen Gemeinden vielfach in stärkerem Maße als der Vorstand der Mittelpunkt der Gemeinde und ihr Führer. Natürlich hängt die Erfüllung dieser Aufgabe von der Persönlichkeitdes Lehrers ab. Es ist abjer klar, daß unter diesem Gesichtspunkt die Frage, welchen Gemeinden künftig noch ein eigener Beamter zugestanden werden kann, von ^erheblicher Bedeutung für das gesamte geistige Leben der Gemeinden und die Erziehung der;'Jjigend ist. Die Frage hängt auf das engste mit der künftigen Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Deutschland zusammen. Dort, wo neue jüdische Volksschulen gegründet werden können, wird der Lehrer in der Regel auch .Religionslehrer und Kantor der Gemeinde sein. Die bezirksmäßige Zusammenfassung, die bei dem Aufbau des Volksschulwesens unerläßlich sein dürfte, wird sich entsprechend auch für das Kultusamt auswirken. Die Entwicklung führt hier zu einer' immer, weitergehenden Konzentration. Es ist notwendig, das Endziel dieser Bemühungen in einem Gesamtplan festzulegen und diesen Schritt' für Schritt seiner Verwirklichung entgegenzuführen. Die Fertigstellung eines solchen Gesamtplanes ist zur Zeit im Gange und wird eine feste Grundlage für die künftige Tätigkeit des Verbandes auf seinem Hauptarbeitsgebiet, der Unterstützung der Gemeinden und Beamten ergeben." Von den im Deutschen Reich zur Zeit lebenden 445.000 Juden entfallen 335.000 auf das Gebiet des Preußischen Landesverbandes und der ihm angeschlossenen Verbände, das .sind also rund drei Viertel aller in Deutschland lebenden Juden. Von den rund 800 Gemeinden des Verbandes sind also 524, d. h. etwa zwei Drittel bezirksmäßig erfaßt. 100 bis 150 Gemeinden sind so klein, daß schulpflichtige Kinder nicht mehr vorhanden sind. 80 bis 100 Gemeinden beanspruchen den Lehrer in vollem Umfange für sich. Im Durchschnitt werden drei Gemeinden von einem Lehrer betreut, außer der Wohngemeinde also noch zwei Gemeinden. Der Bericht des Preußischen Landesverbandes schließt mit den Worten: „Die nächste Aufgabe des Verbandes , wird also sein, hier eine weitergehende Zusammenfassung herbeizuführen, die in hoch stärkerem Maße als bisher die rationellste Verwendung der bereitgestellten Mittel ermöglicht." So sehen wir, daß die „Bezirksvolksschulen" einerseits, die „Lehrerbezirke" andererseits die wesentlichen Ansatzpunkte für den künftigen Ausbau des jüdischen Schulwesens auf dem Lande und in kleinen Städten darstellen und es ist zu hoffen, daß die planvolle Zusammenarbeit aller in Betracht kommenden Instanzen die weitere Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Deutschland auf dem Lande ein großes Stück vorwärts bringen wird, sobald die weiteren staatlichen Bestimmungen hierüber ergangen sein werden. ' (Aus einer Zusammenstellung von Dr. Hermahn' Weil,. Frankfurt a. M.J: