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Der Israelit · 1936-08-20 · Heft 34 (20.8.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 34 (20.8.1936)
Date
1936-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 34 D e r I a e 1 i t 20. August 1936 Der Bombenanschlag in Tel Awiw hat den ganzen Jischuw in ungeheure Erregung versetzt. Man hat den Eindruck, daß doch manche die so lange gewahrte Selbstbeherrschung verlieren. Zum erstenmal seit vier Monaten haben Juden arabische Terrorakte mit einem aktiven Gegenstoß beantwortet. Einwohner von Tel Awiiw haben, als arabische Terroristen aus Jaffa einen Angriff unternehmen wollten, einen Gegenangriff durchgeführt, bei dem zwei Araber verwundet wurden. Auch als Araber bei Tel Awiw aus einem fahrenden Eisenbahnzug Juden mit Steinen bewarfen, erhielten sie die gebührende Antwort. Man vermutet, daß mehrere Araber verwundet wurden. Auf dem an der Grenze zwischen Jaffa und Tel Awiw gelegenen Marktplatz provozierten arabische Terroristen eine Schlägerei. Der 40jährige jüdischer Arbeiter Schimeon Z a p i 1 o wurde verwundet auf die Polizeiwache gebracht und von dort in das Hadassakrankenhaus überführt. Drei Juden wurden verhaftet. Unmittelbar nach dieser Schlägerei verbreitete sich unter den aufgehetzten Arabern in Jaffa das Gerücht, die Juden hätten Dutzende von Arabern getötet. Sofort rottete sich Gesindel zusammen, das sich auf Tel Awiw zu bewegte, um Unruhen hervorzurufen. Polizei griff ein und trieb die Bande auseinander. Hierbei wurden mehrere Araber durch Knüppelhiebe verwundet. Bürgermeister Meir Dizengoff hat im Na men der Stadtverwaltung von Tel Awiw an High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein- Tele gramm gerichtet, in dem er ihm von dem schreck liehen Bombenattentat in der Herzl-Straße Mit teilung macht. In dem Telegramm heißt es, daß bei der Explosion 23 Juden, davon etwa 10 schwer, verwundet wurden. Die •Stadtverwaltung fordere von der Regierung dringende Maßnah men, um dem arabischen Terror und der im Lande herrschenden Anarchie ein Ende zu machen und es vor allem zu verhindern, daß unmittelbar an den Straßen von Tel Awiw Eisenbahnzüge vorbeifahren, in denen sich bewaffnete arabische Terroristen befinden. Am Nachmittag fand eine außerordentlich Sitzung des Tel Awiwer Stadtrats anläßlich des Bombenanschlags statt. Es wurde beschlossen der Regierung die nächtliche Bestrahlung der Straßen vorzuschlagen, damit Polizei und Militär auch nachts ihre Aktionen gegen die Ter roristen durchführen können. Zum Mord der jüdischen Krankenschwestern in Jaffa. Jerusalem, 19. August. ' Der Mord an den beiden jüdischen Krankenschwestern in Jaffa, Nadia Fink und Nechemia Zedek (Siehe Seite 1) hat die Erregung des Jischuw außerordentlich gesteigert. Noch mehr als bisher wird die Haltung der Regierung kritisiert und immer wieder darauf hingewiesen, daß es ihr noch nicht gelungen ist, im Verlaufe der ganzen Monate, in denen die Unruhen andauern, dem Blutvergießen Einhalt zu tun. An der Bestattung der beiden Krankenschwestern haben mehr als 50.000 Personen teilgenommen. Der High Commissioner hat sein Bedauern und seine Abscheu über die Tat ausgedrückt. Als eine Folge des-Mordes an den beiden jüdischen Krankenschwestern ist eine V e schärfung des Belagerungszustandes über Jaffa anzusehen, die heute verkündet worden ist. Danach wird der Belage rungszustand auf 21 Stunden des Tages ausgedehnt. Nur zwischen 5 und 8 Uhr morgens ist das Betreten der Straßen erlaubt, während der ganzen anderen Zeit des Tages dagegen verboten. Außerdem ist der Zugverkehr zwischen Jaffa und Tel Awiw eingestellt worden. (Weitere Nachrichten aus Palästina Seite 10.) Die Forderungen der Assefat Haniwcharim in Palästina. Jerusalem, 18. August. Am 17. August fand in Jerusalem eine außerordentliche Tagung der Jüdischen Nationalversammlung Palästinas statt, an der auch Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, des Oberrabbinats, der Gemeinde Tel Awiw und der jüdischen Kolonien teilnahmen. Der Vorsitzende, Jizchak Ben Zwi, eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf für die gefallenen Juden und englischen Soldaten. Zur Stärkung der Stellung des Jischuw richtete er folgende Forderungen an die Regierung: A n e rkennung der bewaffneten jüdischen Hilfspolizei, die gegenwärtig 1920 Mann zählt, von denen nur ein Drittel von der Regierung besoldet wird, als offiziell eständige Polizeitruppe der Regierung; Beginn des Hafenbaus in Tel Awiw, Bau von Verbindungsstraßen zwischen den Kolonien. Mit besonderem Nachdruck wies Ben Zwi auf die große Gefahr einer zeitweiligen Einstellung der jüdischen Einwanderung hin; aus einer solchen Maßnahme &önne eine Einschränkung der gesamten künftigen Einwanderung folgen. Er forderte die Judenheit Englands und der Welt auf, die jüdische Position in Palästina zu verteidigen und England an seine Versprechungen und Verpflichtungen zu erinnern. Der Jischuw werde nicht zurückweichen und sich durch Gewalt nicht schrecken lassen. Ben Zwi schloß, indem er der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß es einen Weg zur Verständigung zwischen Juden und Arabern gebe. Der Leiter des politischen Departments der Palästinaexekutive der Jewish: Agency,, .Mbsehe S h e r t o k f erklärte, daß in der Andeutung der Möglichkeit einer E i n s t e 11 u n g der jüdischen Einwanderung eine große Gefahr liege. Er appelliert an den Jischuw und das ganze jüdische Volk, den Kampf gegen geplante Maßnahmen, die eine Belohnung für den arabischen Terror bedeuten würden, fortzusetzen. Die Jewish Agency habe dem auf sie ausgeübten Druck, freiwillig einer Einwanderungsunterbrechung zuzustimmen, Stand gehalten und werde, einer derartigen von der Regierung zwangsweise durchgeführten Maßnahme bis zumAeuße rsten Widerstand leiste i. Was die Kgl. Kommission betreffe, so sei diese eingesetzt worden, um der Regierung bei der Durchführung einer Politik zu helfen, deren Richtlinien lange vor dem Ausbruch der jetzigen Unruhen festgelegt worden seien. Der Abwehrkampf des Jischuw sei sehr ernst. Shertok schloß mit der Forderung nach einer starken Einheitsfront, Redner der Histadruth und anderer Fraktionen übten scharfe Kritik an der Regierung, weil sie die Unruhen nicht mit genügender Energie bekämpfe, dem Blutvergießen kein Ende mache und die verkündeten Notverordnungen nicht anwende. Die Redner erklärten, der Jischuw verliere das Vertrauen zur Regierung. In der Schlußsitzung wurde den Leiden des Jischuw Ausdruck gegeben. Mit tiefster Empörung nahm die Versammlung die während der Beratung eingetroffene Nachricht von der Ermordung der Krankens c h w e s t e r n in Jaffa auf. Einstimmig wurde eine Resolution gefaßt, die der Erbitterung der Juden Palästinas Ausdruck gibt,. und an die Diaspora den dringenden Appell richtet, dein Jischuw in seinem- Kampf beizustehen. Die Stimme des ganzen Volkes müsse das Ende des BLutvergießeris for-' dern und den Plan einer Erstellung der Ein-; Wanderung zurückweisen.' »Die Forderung des! Jischuw soll dein High Cö'mmissioriler durch einel Abordnung überreicht werden linddere^Kampf gegen jenen Teil der Beamtenschaft der Palästinaverwaltung aufgenommen werden, der sich gegen die Verwirklichung der jüdischen Aspirationen wendet. - >i Die Vermittlungsversuche des Emirs von Trans Jordanien u. cle*Grqßmfofti Jerusal e m, 19. Anglist. Die atabische Tageszeitung „Feiestin" Veröffentlicht eine Ueb ersieht über die bisher von Emir Abdullah von Transjordanien unternommenen Versuche, eine freundschaftliche Einigung zwischen der Palästinaregierung und den Arabern herbeizuführen. Emir Abdullah wird in dem Artikel als der voraussichtliche Retter der Lage gepriesen. Den palästinensischen Arabern zollt das Blatt Anerkennung für die von ihnen seit dem Ausbruch der Unruhen bewahrte feste Haltung; von der Palästinaregierung dagegen wird behauptet, daß sie von ihrem Standpunkt wiederholt abgewichen sei. Darum würden sich die Dienste des Emirs als unschätzbar erweisen. Die Araber, schreibt das Blatt, wollen der gegenwärtigen Lage ein Ende machen, nicht weil sie ihre politischen Forderungen aufgegeben haben, sondern weil sie das Chaos fürchten, das infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse entstehen könnte. Der Emir sei bereit,, ihnen bei dieser Bemühung beizustehen. Auch die Regierung erstrebe eine Lösung, die mit ihrer Würde vereinbar und kein Zugeständnis <an die Gewalt wäre. Die „Pälestine Post" erfährt, daß im Anschluß an die unter Führung von Emir Abdullah unternommenen Vermittlungsversuche der Mufti von Jerusalem selbständig Besprechungen mit der Regierung zu dem gleichen Zweck aufgenommen hat. Es war seit langem bekannt, daß der Mufti sich gegenüber einer Intervention des Emirs in palästinensischen Angelegenheiten ziemlich ablehnend verhält. Jetzt heißt es, daß er der Regierung die Mitarbeit seiner Partei bei den Erhebungen der Kgl. Kommission unter folgenden drei Bedingungen angeboten habe; 1. Die Regierung soll Gewähr dafür leisten, daß der Emir sich jeder Intervention in palästinensischen Angelegenheiten enthält; 2. die Regierung soll das Versprechen geben, daß sie die Kgl. Kommission davon abhalten werde, den Status und die Angelegenheiten des Obersten moslemitischen Rates zu untersuchen; 3. die Regierung soll der Ernennung Dschemal el Husseinis zum Mitglied des Obersten moslemitischen Rates zustimmen. Die arabischen Pflanzer und Z i.-trusexporteure haben in einer in Jaffa abgehaltenen Versammlung den .Beschluß gefaßt, das Oberste arabische Komitee in einer Denkschrift darauf aufmerksam zu machen, daß die Arbeit in den Pflanzungen jetzt aufgenommen werden muß, wenn der Ertrag der nächsten Sai^ son nicht in Frage gestellt werden soll. Sollte der Streik nicht binnen drei Tagen abgebrochen werden, so müsse das Oberste arabische Komitee für alle den Pflanzungen erwachsenen Schäden haftbar gemacht werden. General Franco desavouiert die judenfeindliche Propaganda. Casablanca, 16. August. General Franco, der Oberbefehlshaber der nationalistischen Truppen, hat an die jüdische Gemeinde von Tetuan ein Schreiben gerichtet, in dem die Juden auf gefordert werden, die judenfeindlichen Reden, die zu Beginn der Aufstandsbewegung im Sender von Sevilla gehalten wurden,; nicht zu beachten und nicvht ernst zu nehm en. . Obwohl General Franco auf diese -Weise von den mit der nationalistischen Bewegung verbiinj denen judenfeindliclien Tendenzen abrückt, sind den jüdischen Gemeinden in Spanisch-Marokko doch recht empfindliche „freiwillige Abgaben" zugunsten der Aufständischen auferlegt wordenen

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