Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1936)
- Date
- 1936-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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~~ --fr3 Ä ^£äo£ l/' Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. 20. August 1936 2. Elul 5696 Nummer 34 Wieder eine unruhige Woche mit schweren Opfern in Palästina. Jerusalem, 20. August. Seit Erscheinen unserer jüngsten Nummer bis zur Mitte dieser Woche erlebten unsere Brüder in Erez Israel wieder Schreckenstage, die an die ersten Ereignisse beim Ausbruch der Revolution erinnern und mindestens ein Dutzend jüdische Menschen 1 eben kosteten. Neben dem Bombenanschlag in Tel Awiw mit seinen tragischen Folgen ereigneten sich die •schlimmsten Fälle in S a f e d , wo eine ganze fromme jüdische Familie von vier Köpfen durch einen Bombenwurf getötet wurde, dann auf dem Wege von Jaffa nach Haifa, wo ein Ueberfall auf einen Autobus wiederum vier jüdische •Opfer forderte, (Siehe Seite 10.) Schwere Tage ■verlebte auch die Gemeinde in T i b e r i a s , wo die Ausschreitungen immer und immer wieder neu aufflammen. In J e m s a 1 e m , das relativ ruhig blieb, wurde bei Einzelexzessen sogar ein Krankenhaus, nämlich das alte Gemeinderspital N i s g a w 1 a d a c h beschossen. Erschütternd wirkt die Nachricht aus Ja ff a , wo zwei jüdische Krankenschwestern ihre Pflichterfüllung mit d e m L e b e n b e-. z a h i e n mußten. Sie heißen Nadja Fink xmd Nechamia Z e d e k. Als sie am Montag abend zum Antritt, des Nachtdienstes sich zum Regierungskrankenhaus begaben, wurden sie vor dem Tore des Krankenhauses hinterrücks niedergeschossen. Nadja Fink war a ü f d e r S t eile i; o i, während Nechamia Zedek nach kurzer .'Zeit ihren Verletzungen erlag. Beide Kranken- .schwestern pflegten unter Selbstaufopferung im Regierungsgebäude zu Jaffa vorwiegend 'k r an.k e. und verwundete Araber. Vöri den Einzelmorden in kleinen Niederlassungen sei. der in Ramath Hakowesch verzeichnet, dem die 23jährige Chaja Freund zum Op- :fer fiel. Der allgemeine Wunsch nach Verhäng.ung des Belagerungszustandes ist bis jetzt nicht erfüllt worden. Esist lediglich an verschiedenen Stellen der Ausnahmezustand verschärft und dieser über manche Orte, so über X i.b. e r i a s , neu verhängt worden. Der Bombenanschlag in Tel Awiw; Auf der H er zl-Straße in Tel Awiw schleuderte ein Araber eine Bombe von besonderer Aufreißkraft. (Die Annahme, daß die Bombe aus dem fahrenden Zuge geworfen wurde, erwies sich als irrig.) Bei der Explosion wurden e i n K i n d getötet, und über 20 Erwachsene, viele tinter ihnen schwer,, verwundet. Getötet wurde der 8jährige David Albaleh, schwer verwundet wurden der 41jährige Jekutiel Misrachi, der 42jährige William Fetzeig, der 48jährige Jizchak Alton, der - 19jährige Sephardi Jizchak Jamiel, der 35jährige Meir Schamai, der 23 jährige Jizchak Katz, der 33jährige Bruno Kargson, der 22jährige Samuel Russo und der 25jährige Willy Schwartz. Bald nach dem schrecklichen Bombenanschlag traf in Tel Awiw die Nachricht ein, daß der arabische Terror unweit von Jaffa ein weiteres jüdisches Todesopfer gefordert habe. Der 25jährige Julius W a g s c h a 1, ein Einwanderer aus Deutschland, war in der Nähe von Mikwe- Israel aus dem Hinterhalt erschossen worden. Der Ermordete war ein Elektrotechniker, der sich in dienstlichem Auftrag nach Sarafend begeben wollte, um in .dem dortigen Truppenlager die gestörte elektrische Beleuchtung in Ordnung zu bringen. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Neue Vermittlungsversuche in Palästina Seite 2 General Franco dementiert die antisemitische Einstellung der Spanischen Nationalisten Seite 2 Der Jüdische Centraiverein.....Seite 4 Leon Blums Bekenntnis zum Judentum Seite 4 Die Sekundenaktion des Keren HajiSchuw Von Rabb. Dr. Hermann Kleiin, Berlin Seite 5 Die Aufhebung der Kapitulationen in Aegypten und die Juden .........Seite 5 Jüdisches Schulwesen auf dem Lande Seite 6 Erweiterung der Reichsvertretung . . Seite 7 Abschluß des Jüdischen Weltkongresses in Genf ............Seite 7 Nachrichten aus Polen.......Seite 8 Neue Schreckenstatein der arabischen Terroristen in Palästina . Seite 1, 2 u. 10 War das Ganze notwendig? Ein Nachwort zum Genfer Kongreß. Die Bedürfnisfrage: Zwei Tage nachdem die Kenessio Mechiho in Marienbad die Entschließung gegen den sogenannten Jüdischen Weltkongreß angenommen hat, wurde dieser in Genf mit großem Aplomb eröffnet und bis zu seinem Abschluß am Samstag, den 15. August abends, zwar nicht unter genauer Einhaltung aller Teile des erst festgesetzten Programmes, aber immerhin innerhalb der für seine Arbeit gezogenen Richtlinien durchgeführt. Vom ersten Augenblicke an, da der Gedanke des Jüdischen Weltkongresses in der Oeffentlichkeit auftauchte, wurde er von einer starken Opposition in all den Phasen seiner Entwicklung begleitet. Abgesehen von allen prinzipiellen Bedenken wurde zuallernächst die Bedürfnisfrage aufgeworfen und von den maßgebenden Stellen fast einmütig verneint. Im besten Falle hielt man ihn für überflüssig, vielfach aber auch für bedenklich und gefährlich. Ueber die Stellung der Agudas Jisroel zum Weltkongreßgedanken sind unsere Leser orientiert. Es sei an eine Aeußerung des Präsidenten der Agudas Jisroel-Weltorganisaion, Jacob Rosenheim, einem Vertreter der Londoner ITA. gegenüber erinnert, in der er unter Anerkennung des Bedürfnisses einer Zusammenarbeit der Organisationen diese in der Form des geplanten Kongresses strikte ablehnt. „Wir lehnen," sagte Herr Rosenheim, „die Idee des Weltkongresses, insofern sie die Durchführung allgemeiner Wahlen in der ganzen Welt und die Schaffung einer jüdischen Parlamentstribüne zur Produktion oratorischer Glanzleistungen und zur Entfesselung uferloser Rededuelle ins Auge faßt, als zwecklos und gefährlich ab. Wir sind überzeugt, daß eine solche Schaustellung erheblichen Schaden stiften, nur wenig Sympathien erwecken, sicherlich aber nicht den leisesten praktisch - politischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu stiften vermöchte. Beharren die Unternehmer dennoch auf ihrem Willen und berufen den Kongreß, im Gegensatz zu dem Votum der meisten größeren jüdischen Organisationen, dennoch zusammen, so wird nur die Farce einer jüdischen Einheitsdemonstration herauskommen, und, im Gegensatz zu dem gewünschten Ergebnis, wird sich nur die herrschende Zersplitterung aufs deutlichste offenbaren." Eine Woche nach Beendigung des Genfer Kongresses scheint es der Mühe wert, die Verhandlungen und Resultate mit dieser Aeußerung zu vergleichen, um festzustellen, wie diese Vorausschau von hoher Warte (denn Herr Rosenheim begnügt sich, wie wir noch weiter sehen werden, nicht mit dem negativen Edikt, sondern zeigt auch Wege zum Zusammenschluß der Or- (Fortsetzung siehe Seite 3.)