Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 33 Die abessmischen Juden (Falaschas). Von Louis Lamm in Amsterdam. Die umfangreiche Literatur über die Falaschas, sowie die Annahme, daß sie Juden seien, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt wenden. Weniger bekannt sind die Gründe, die jener Annahme widersprechen. Da nun die Zeitungen berichten, daß Ita= Hen daran geht, in Abessinien jüdische Gemeinden zu errichten, wird sich die Notwendigkeit ergeben, die Frage, ob es sich bei den Falaschas um richtige Juden handelt, genau zu prüfen, da sich große Folgen daraus ergeben können. Sie halten den Sabbat, feiern sieben Tage Pessach, erwarten wie wir den Messias, üben auch sonst mancherlei Thora-Vorschriften aus, unterscheiden sich jedoch weder in ihrem Wesen, noch in ihrem Aeußeren irgendwie von den anderen äthiopischen Negern. Eine Anzahl ihrer Sitten und Gebräuche stehen jedoch in kras* sem Widerspruch züm Judentum und es ist sehr auf5 fallend, daß sie absolut keine Ahnung vom Hebräischen haben. Nicht einmal die gewöhnlichsten Ausdrücke, wie koscher, trefa, Tefillah oder Jomtow verstehen sie. Sie üben die nach biblischem Gesetz verbotene Kastration aus und die Eunuchen können sogar Priester (Kohanim) sein, wie sich überhaupt jeder selbst diese Würde zulegen kann. Sie üben zwar wie wir die Beschneidung der Knaben am achten Lebenstage aus, haben aber auch ein ähnliches Ritual für Mädchen. Dieses eigenartige Ritual ist im Orient auch bei anderen wilden Stämmen verbreitet. Wie viele andere Völker, nur nicht die Juden, haben sie ein „Teskar" genanntes Totenfest, beste» hend aus Mahlzeit, Tieropfer und Gebeten. Solche Tieropfer haben sie auch sonst und sie sind jenen der Mohammedaner ähnlich. Eunuchen können dabei Tempeldienste leisten. Natürlich wissen sie nichts vom Talmud, aber auch viele biblische Gesetze — darunter auch jenes, das vorschreibt, daß man nur im Tempel zu Jerusalem opfern darf — kennen sie nicht. Auch wissen sie weder etwas von Rosch-haschanah noch vom Jomkippur. Einer im Heidentum wurzelnden Sitte entsprechend werden ihre Sterbenden von rituell unreinen Menschen aus der Wohnung nach einer einsamen Hütte gebracht und liegen dort bis zum Begräbnis, und ihre Nachbarstämme, wie z. B. die Kamanten, die auch den Sabbat streng halten und Moses als ihren größten Propheten verehren, haben Bestattungsgebräuche, die ganz dem jüdischen Empfinden widersprechen. All dieses macht es erforderlich, daß man sich mit der Falascha-Frage noch eingehend beschäftigt. Die Bücher von Flad, Faitlovitch, Rathiens usw. und die sehr wertvolle Arbeit von Scheftelowitz (Monatsschrift f. Gesch. u. Wissenschaft des Judentums, Jahrgang 67, S. 225 uff.); die zu diesem Artikel benutzt wurden, genügen nicht. (Unberücksichtigt läßt der Einsender die hier vor kurzem wiedergegebenen Responsen vom fam und die Gutachten von S. R. Hirsch und Hildesheimer, in denen die Falaschas als Juden anerkannt werden. (Red.). Nachlath ZwL Eine Monatsschrift für Judentum, Lehre und Tat. Herausgegeben von der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft. Im Heft 10, 11 und 12 für Tamus, Aw, Ellul (Juli, August, September 1936) werden uns acht zum Teile literarisch hochwertige Artikel geboten neben Miszellen, Chronik" und Bücherschau. An erster Stelle ist die den Frankfurtern noch in guter Erinnerung lebende Gedenkrede, die Dr. Raphael Breuer ^"st auf Rabbiner Salomon Breuer V*T£T in der Synagoge, Friedbergefanlage gehalten hat, abgedruckt. Diese Arbeit darf sich im Schriftsatz mit Recht „die geschichtliche Mission von Rabbiner Salomon Breuer" nennen, denn, sie ist ein Lebensbild von ■grandioser Prägnanz und zeigt, wo das Persönliche in« Geschieht* liehe übergeht. Zur Ergänzung dieses Lebensbildes dient ein Nachwort der Schriftleitung, in dem das Verhältnis Salomon Breuers zur Agudas Jisroel und zu Erez Jisroel aufgezeigt wird. Rabbiner Dr. P. Kohn erklärt die „Freudenbotschaft der drei Wochen". Daß am 9. Aw das Lernen verboten ist, zeigt uns, wie das Lernen ansonst die größte Freude des jüdischen Menschen ist. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. Hermann Klein, Berlin, ist überschrieben „Die -neuen Wege" und , zeichnet 'das wahre Zion, dem unsere •zweitausendjährige Sehnsucht -gehört. Dr. äsaac B r e u e r 'bringt Tatsachen über Poel Hacharedi in seinem. Verhältnis jauin Poel Hämisrachi. Von nistorischem Werte > ist "der Aufsatz vön Räbb. Dr. Fr-an k'el;!zum .Gedächtnis Rabbi David Oppenheims ^"st» dessen -200j jähriger Todestag am 7. Tischri 5696 war. . j Es folgt ein Bericht über die Chorew=Sohule in Jerusalem. Dr. Ph. Biberfeld referiert mit tiefer ' Sachkenntnis . über das Noaehidische U r - r e ch t. Die /Artikelreihe von Jakob Katz über „Die - Entstehung der Judenassimilation" wird fortgesetzt. : In einer Mdszelle erklärt Salomon S p e i e r Sätze aus Tillim und aus den Pjutim in geistvoller und absolut einleuchtender Weis«. Es folgen Glossen zu aktuellen Vorgäögen iri der jüdischen' Welt und Büehefsehau. Schon 'diese kurze Inhaltsangabe zeigt uns, welche reiche Fülle von belehrendem und aufklärendem Material uns in diesem jüngsten Hefte des Nachlath Zwi geböten wird: Schearim. Mitten in den Wirren in Erez Israel erschien in Jerusalem ein umfangreiches Heft unter dem Titel rzrnjrer das, von Jacob Landau redigiert, bei der Histadruth Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel, POB. 329, zu beziehen ist. Die Schrift spiegelt die Lage wider und zeigt auch, wie. das orthodoxe Judentum, vorab der gesetzestreue Arbeiter in Palästina, auf die Dinge reagiert. Neben einleitenden Betrachtungen vom Herausgeber sind Artikel veröffentlicht von Isaäc Breuer, Rabbi Mosche Blau und vielen Anderen, die in und über Erez Jisroel etwas zu sagen haben. Nicht weniger als- 28 Aufsätze auf 14 Seiten Folio sind veröffentlicht. Publizistisches und Belletristisches., programmatische Angaben und ökonomische Abhandlungen lösen sich ab. Die fließende Sprache macht die Lektüre auch denen möglich, die im Hebräischen noch nicht so ganz zu Hause sind. In keiner Jugendgruppe und in keinem orthodoxen Kibbuz der Golah sollte diese Nummer als Lektüre fehlen. Selbsthilfegruppe der jüdischen Blinden in Deutschland. Man schreibt uns: Ein jüdischer Kalender (Luacb} gehört in jedes jüdische Haus. Das Jüdische Blindenjahrbuch 5697, herausgegeben von .der Selbsthilfegruppe der jüdisehen Blinden in Deutschland, ist soeben erschienen. Es will durch sein Kalendarium ein jüdischer Kalender (Luach) sein und durch seinen Inhalt über die Tätigkeit der Selbsthilfegruppe der jüdischen Blinden unterrichten. Es bringt in kürzeren und längeren Aufsätzen Berichte von Blinden über ihre Tätigkeit im Haus, im Büro und an anderen Stellen. Einige Aufsätze über die Beziehungen zwischen Sehenden und Blinden, über Berufsmöglichkeiten von Blinden und ein grundlegender statistischer Aufsatz über die jüdischen Blinden in Deutschland ergänzen .diese Selbstschilderungen der Blinden. Auch der literarische Teil ist von Blinden bestritten und enthält eine psychologisch sehr interessante Erzählung sowie eine Reihe echt empfundener Gedichte. So bietet das Jahrbuch jedem, der sich für die Sache einer nach Selbsttätigkeit und Selbständigkeit ringenden, vom Schicksal scheinbar so hart angefaßten- Gruppe unsrer Glaubensgenossen interessiert, ein zutreffendes Bild dieser Menschen. — Das Jahrbuch wird zum Preise von RM. —.90 durch die Vertriebsstelle der Selbsthilfegruppen der jüdischen Blinden in Deutschland, Berlin SW 68, Schützenstraße 52, versandt. Um baldige Bestellung wird gebeten. Hochprozentige Zahngesundheit in palästinensischen Siedlungen. Referat auf dem internationalen Zahnärzte-Kongreß. Auf dem in Wien tagenden 9. Internationalen Zahnärztekongreß hielt der Chefarzt der jüdischen Arbeiterkrankenkasse Palästinas, Dr. Mansbach, einen Vortrag über das Thema „Die Zahngesuadheit der jüdischen Kinder Palästinas". Auf Grund umfassender Untersuchungen teilte er mit, daß die palästinensischen Kinder im Durchschnitt erheblich zahhgesünder sind als Kinder anderer Länder, insbesondere in Europa. Vor allem in .der Kw^uzot steht die Zahngesunidheit bei den Kindern mit 81 Prozent auf einer tvon kleinem Kulturland erreichten Höhe. . Im Moschaw erreichte die durchschnittliche Zahngesundheit nur 49 Prozent, in den Sch'chunot :(&rbeiter= Stadtrandsiedlungen) 44 Prozent und in .Jerusalem sn.ur H iProz. Aus (den Kolonien ,um Tel A.wiw lagen Zahlen in größerem Umfange nicht vor. Stichproben /Zeigten aber, .daß sie zwischen denjenigen der Sch'chunot und denjenigen in Jerusalem sßhwankten.? Nicht in Palästina vg^hor:ene, «änjäewand^r.te Kinder , waren zu 22 P^oz. ^hngesund. Kinder, <&e ve#5t in < den letzten dreiJahren euigewandert waren, zeigten ' ,eine Zahngesunidheit von ■'Hör \0 'Prozent. /Zum Ver- » gleich [führte der Vortragende -einige aui dem Kon« ) greß ^publizierte 'Zählen aus anderen „an* <So t sbat Jfodafeestt .ein« ^hng^sundh^it von >bJo,ß 9 £eoz,, JDfebsaciri -(mit meiner ^a&Iieichen ^an^bevö^eru^g) t \yxm 2(2 bis '30 Prozent,VQsjb von 0,6^ ^fc^nt und * 'Haiti wieder von ^9 ''Prozent. I Der hohe Prozentsatz der Zahngesundheit _ d. h. der örhaltenen. ui^rüngficben, nicht etwa durch Behandlung, wiederhergestellten Zahngesundheit —, der beispielsweise in. der Kwuza Bet Alpha 96 erreicht, ist nach. Ansicht des Vortragenden auf drei Momente zurückzufuhren;. 1. Die starke Sonnenstrahlung, in Palästina bewirkt, daß alle Kinder, die in :genüg;endeim Maße , der Sonne ausgesetzt werden, keinen Mangel ah/.dein;. im Körper 'mich. LicM sich b^deijiäen VBai^eÖ leiden. Deshalb fi&d. aslfej palästinensisiehent}&^^r\zähiigesundler als .andere Kinder jäkef gleichet Wönnver* hälthissen, utod deshalfj'ss»4 auch ie£i# stehvsa seit vielen Jahren! in Palästina wohnenden Kinder zahngesünder als die ferst vor kurzem eingewanderten. 2. Die in Palästina reichlich vörband'eheri ZLfrus* früchte sind die Hauptträger von Vitamin-G. Die Wissenschaft hat festgestellt, daß dieses Vitamin für 'die Zahngesundheit ebenfalls sehr wichtig ist. 3. Neben den Vitaminen D und C ist für. eine vollkommene Zahngesundheit auch noch eine gut abgestimmte vielseitige Ernährung notwendig. Soweit wilde VaDcersitämme zahngesund waren, war auch ihre Ernährung instinktiv richtig zusammengesetzt. Insbesondere waren Wilde niemals überernährt. Dem Kulturmenschen sind diese sicheren Instinkte der Wilden verloren gegangen. In den palästinensischen Kwuzot, die sich am planmäßigsten mit Kindererziehung und Kinderernährung befassen, konnte bei den Kindern eine so hochprozentige Zahngesundheit erreicht werden, weil ihnen neben Licht und Luft eine knappe, flelseharme vitaminreiche Kost unter Vermeidung von zu viel Zucker und sonstigen Süßigkeiten geboten wird. Personalien. BaSeL 9. Aug. Der Tischobeaw ist für die Baseler Gemeinde und die ganze Schweizer Judenheit diesmal zu einer besonderen Zeit der Trauer geworden durch den Heimgang von Isaak D r e y f u s - Strauß. Mit ihm ist eine der würdigsten Persönlichkeiten aus alter Zeit, in der sich die Baseler Jüdische Gemeinde aus kleinen Anfängen zu einer blühenden Kehillo entwickelte, und eine der markantesten Persönlichkeiten der jüdischen Schweiz dahingegangen. Die Traditionen seiner Familie, die zu den angesehensten des Elsaß gehörte, haben seinem Leben schon von Jugend an Ziel und Richtung gegeben. Der Schule entwachsen^ trat er in die väterliche Firma, in das alte Bankhaus Dreyfus Söhne u. Co. ein, dessen Chef er nach dem Tode des Vaters viele Jahrzehnte hindurch geblieben ist. Segen und Wohlstand der geschäftlichen Tätigkeit hat er aber nicht allein seinem persönlichen Glück zugutekom5 men lassen, vielmehr hat er mit einer Güte, die tief im Religiösen wurzelte, stets seine Mitmenschen erfreut, Hilfsbedürftigen in reichstem Maße gespendet und im wahrsten Sinne des Wortes Z'dokoh geübt. So hat er Jahrzehnte hindurch den vor über 60 Jahren zusammen mit Jugendfreunden gegründeten Hilfsverein „Esperance" geleitet, ein jüdisches Spital eingerichtet, das noch heute in religiöser Beziehung zu den musterhaftesteh Einrichtungen der Schweiz gehört, das hunderte von armen Kranken Hilfe und Heilung gebracht hat. Ueber die Grenzen der Schweiz hinaus hat er als Vorsitzender des Erez Jisroel-Ko4 mitees für das Land der Väter seine besten Kräfte eingesetzt. Die Entwicklung der Baseler Gemeinde hat sich nicht stets in ruhigen Bahnen vollzogen. In den 90er Jahren bis zur Jahrhundertwende haben sich als ein Niederschlag der großen geistigen jüdischen Auseinandersetzungen der Nachbarländer auch' hier heftige religiöse Kämpfe abgespielt. Rabbiner Dr. A. Cohn ^"si ist es damals .gelungen, die Baseler Gemeinde vor dem Auseinanderfall zu schützen, dem gesetzestreuen Judentum zu erhalten und ihr damit — hoffentlich für die Dauer — Festigkeit zu geben. Einen der stärksten Mitarbeiter hat er in diesen Jahren in der Person des jetzt heimgegangenen Isaak Dreyfus-Strauß gefunden, deir ihm in herzlicher, aufrichtiger Freundschaft zugetan war. Auf diese Freundschaft ist es auch zurückzuführen, .daß der Verstoribenie neben ©einem reichen -phila^thro.pjUehen Schaffen das Baseler ßeshanudrasth niitbjagründ«t und späterhin als Vorsitzender geführt hat. Selbst in unserer Zeit, wo das Thorastudium erfreulicherweise*'wieder 'Gemeingut weiter jüdischer Kr^jge geworden ist,' bleibt doch (das Ba§eleJr B.esh'amidrasch 4urch die schöne Stätte, das würdige 'Aeußere, das hier dem Lernen 'bereitet wird, ganz ^besonders her* vorzuhaben. «So hat sich der Heimgegangene: in die' sem ,B,ef^a,mi'dr^eh,, fo. {dem -jiun schon ,40.. Jahr.e >hin* durch .duijOh Sjsh^ur;iu> und?L^ryoJr^rä^ö T.torai^eniitnisiyerb^e^i&f w^L durch welcheisi 'die religiösen 'Ideale in weiten Kreisen gefestigt werden, ein »bleibendes Andenken gesichert äücht nur „in jseiner .engeren sHe'5 vmat, Äondem 4p 4er ^g^ns^n »md^cien ^gli mvier ^tenen jGüte, \0e .er ^en F.emen "und den |Sfaj|e(n Jp'^l^hgr,^welsie ^uieil^Klen ließ, init einer tiefen MenScnlählieb'e, die ^im ^roßi-und Klein nahebrachte, verband er . ernste .und -au^cjh^gj?; Gattesifurebt,;die iihsa ^u<?h .die;^a^t ^^.i.^hß^ und lEnttäu^cbuPig Ausdruck g't$if:hen ^(l^ns au «atp3