Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450941--82330-2540277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 Nr. 33 I 1 i t 13. August 1936 bei weitem noch, nicht beantwortet, aber sie wird immer wiefler gestellt werden, damit die jüdische Oeffentlichkeit auf ihre Art ihre Antwort gibt. Bemerkt «ei, daß diese Frage nicht allein von der Aguda, sondern in noch weit schärferem Maße von der nationalen Presse des Landes, gestellt wird. Die Zeitungen behaupten, daß der Waad Leumi einen Betrag von 1,187,129 Pfund zur Organisierung . der Kehilloth in Erez Israel und für die Einberufung der Assefath haniwcharim von den Sammelgeldern erhalten hätte. Abgesehen von diesen Riesenbeträgen wird immer und immer wieder die Frage aufgeworfen, mit welchem Rechte der Waad Leumi Gelder, die für unmittelbare Unterstützung von Pogromopfern gesammelt werden, für solche politische oder gemeindepolitische Zwecke verwenden konnte? Daß die gleichen Kreise jetzt noch den Mut haben, eine neue Sammelaktion zu organisieren, wird in den Zeitungen vermerkt und entsprechend glossiert. Die Frage der Heiligen Stätten in Palästina ist eine recht ernste. Schon jubeln die Araber in ihrer Presse, daß sie die Juden von der heiligen Mauer verjagt hätten. Auch der Besuch am Grabe von Mutter Rahel hat stark abgenommen. Wie leicht könnten hier Präzedenzfälle entstehen, auf die sich dann die Araber berufen und ihre Freunde!n Europa stützen. Es werden einige Steine auf die Be sucher geworfen, sie bleiben weg, und schon wird das als Verzicht aufgefaßt. Relativ sicher steht noch das R a h e 1 g r a b , weil es, unweit von Jerusalem, auf freiem Felde und übersichtlich, von der Polizei bei gutem Willen genügend geschützt werden kann Anders aber steht es mit der Heiligen Mauer, nach der die Angriffe aus dem Versteck der alten Schlupfwinkel leichter unternommen werden können Es müßte etwas ge&chehen. So besuchten am letz* ten Freitag Rabbi Mosche Blau von der Aguda und Ben Zwi vom Waad Leumi den Platz vor dem Rahel-Grabe und legten dann nach genauer Besieh* tigung persönlich dem Gouverneur von Jerusalem einen Plan zur Bewachung des Platzes vor, damit in den kommenden Elultagen da® Grab nach altem Brauch von den Juden ungestört besucht werden kann. Die Versprechungen des Gouverneurs haben dazu beigetragen, daß jetzt schon die Frequenz an dieser heiligen Stätte sich wesentlich gesteigert hat. Ergreifende Szenen spielten sich im Zelte bei dem Wiedersehen mit Mutter Rahel nach langer Zeit ab. Gebete der Lage entsprechend wurden verrichtet. Von dem geplanten großen gemeinsamen Besuch der heiligen Mauer unter verstärktem Polizeischutz am Tischo b'aw mußte auf Bitten des Gouverneurs abgesehen werden, und man brachte im jüdischen Jischuw schweren Herzens auch dieses Opfer. Daß bei allem der palästinensische Humor sich nicht verdrängen läßt, zeigen folgende in der schwülen Luft schwirrenden Gerüchte: Die arabischen Führer legten dem High Commissioner nahe, er möge ihnen nur „drei Stunden Frei* heit der Gasse gewähren", damit sie in diesen drei Stunden nach Herzenslust verfahren könnten, sie wollten um diesen Preis gern auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Der High Commissioner: „Gerne, meine Herren, aber dann werde ich das gleiche Recht auch den Juden gewähren. Dies« wollen sich, wie mir Dizengoff in Tel Awiw sagt, schon mit zwei Stunden begnügen ..." Ein anderes Wort: Die Araber baten Emir Abdulla, daß er den High Commissioner dahin bearbeite, daß die jüdische Einwanderung in Palästina sofort aufhöre. Darauf Emir Abdulla: „Wäre mein Einfluß so groß, dann möchte ich lieber dafür sorgen, daß eine jüdische Einwanderung nach Transjordanien f r e i g e g e b e ri w i r d." Auf alle Fälle zeigen diese Gerüchte, daß auch die bitterste Tragik nicht ganz der Komik entbehrt. Mn. M. Porusch. i Awiw, ein Krankenhaus für Infektionskrankheiten unter der LeitunglybrifDr. Reiller;,;'der bisher am &e gierungskrankenhajus -fin Jaffa tätig N war, eröffnet. Aer'zte und'Personal 'des neuen Krankenhauses sind jüdisch. Die 'bisher' iia Tel Awiwer HMassan=K*rankenhaus untergebrachten Infektionskranken,' wurden ■in das neue Krankenhaus, das auch zur Versorgung der umliegenden Kolonien bestimmt ist, gebracht. Ein neues Krankenhaus für Infektionskranke in Palästina. Jerusalem, 6. August. Einer seit langem erhobenen Forderung der Stadt Tel. Awiw entsprechend, hat die Regierung in der Nähe von Bne Brak, zwischen Petach Tikwa und Tel Die Woche/ München. Im ersten halben Jahr 1936 gab es innerhalb der Kultusgemeinde München 9 Geburten, 10 Trauungen und 95 Sterbefälle. 19 Personen traten aus dem Judentum aus und drei vollzogen ihren Wiedereintritt. Chemnitz. Die Jüdische Gemeinde in Chemnitz umfaßt gegenwärtig 1844 Seelen. Unter Berücksichtigung der Zuzüge hat die Gemeinde seit dem 1. Januar 1936 um 114 Personen abgenommen. ' Wien. Anläßlich des am Sonnabend in Wien eröffneten 28. Internationalen Esperanto-Kongresses fand am Sonntag in der Hauptsynagoge in der Seitenstettengasse ein Fcstg'ttesdienst statt, bei dem Rabbiner Dr. Murmels t © 1 n die Predigt in Esperanto hielt. — Anläßlich der Tagung des Neunten Internationalen Zahnärzte-Kongresses fand in Wien eine Ver= Sammlung der jüdischen Kongreßteilnehmer statt, in der der Plan der Errichtung eines zahnärztlichen Fortbildungsins t i t u t e s an der Hebräischen Universität Jerusalem besprochen wurde. Budapest. Hier fand soeben die Landeskonferenz der ungarlän'disdhen M i s r a c'h i - 0 r g ä n i s ation in Anwesenheit von etwa 100; Delegierten statt. Die Eröffnungsansprache hielt der Oberrabbiner der Miskolcer Gemeinde, Samuel A u s t e r 1 i t z. Die Konferenz nahm u. a. eine Resolution an, in der angesichts der Unruhen in Erez Israel dem Jischuw tiefe Anteilnahme und aufrichtige Anerkennung für sein heldenhaftes Verhalten ausgedrückt wird. Prag, Die sich wiederholenden antisemitischen Angriffe der der Slovakischen Volkspartei nahestehenden Presse, haben Herrn Dr. Matej Weiner, stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Partei in der Tschechoslovakei, veranlaßt, den Vorsitzenden der Slovakischen Volkspartei, Herrn Prälaten Andrey H 1 i n k a , in einer Unterredung die Sachlage klarzustellen und seine Hilfe anzurufen. Warschau. Der Zentralrat der jüdischen Gewerkschaften in; Polen und der Zentralverband der jüdischen Handwerker haben an den Jüdischen Weltkongreß ein . ausführliches Memorandum über die Lage der durch das am 1. Januar 1937 in Polen in Kraft tretende neue Gesetz über Tierschlachtung betroffenen jüdischen Fleischerfamilien zugesandt. Uzhorod. In Bad_ Sobrance, Karpathorußland, wurde in diesen Tagen der Kongreß der jüdischen Pfadfinder „Bne Akiba", an dem 50 Delegierte aus der Tschechoslovakischen Republik und eine Reihe ausländischer Delegierter teilnahmen, abgehalten. London. Die für den 25. August nach Zürich einberufene Sitzung des Aktionskomitees der Ziönisti- . sehen Organisation ist um einen Tag verlegt, auch , der Ort ist geändert Worden. Sie wird am 26. August in London beginnen. Athen. Der Plan eines international l en Schutzes f;ü'r; < J u den' durch Schaffung einer „ L irg a d e r k l;e i n e n Nationen" wird in .einem redaktionellen Artikel des Organs der griechischen Aerzteschaft „Itariki Ephimeris" aufgestellt. Der Verfasser des Artikels', Hauptschriftleiter Dr. Sim. Vlavianos, gibt einen Ueberblick über die Judenverfolgungen aller Zeiten und führt andererseits die großen Männer auf allen Gebieten des Geisteslebens an, die die Judenheit der Weltkultur gegeben habe. ' r, , , 18.800 judische Palästinaeinwanderer in sieben ■ ' ' - Monaten. . ' J e ru s a lern , 5. August. Dasi Einwanderungsiäepartment der Jewish Agency teilt mit, daß ,in den ersten" sieben Monaten des Jähes 193$ 18.800 Juden, unter ihnen rund '4000 Kapi; talisten'jj'j nach .Palästina gekommen sind. «Die hebräisch© Presse, verlangt -Boykottierung der : KgL Untersuchungskommissian durch die Juden, falls änläß.lich.:ihres Eintreffens die jüdische Einwanderung vorübergehend eingestellt werden sollte; ••Die arabischen Gemeindebeamten haben an High Commissioner Sir Arthur Wauchope> ein Telegramm gerichtet, in dem sie sich "rückhaltlos für die Forderungen des Obersten^ arabischen Komitees einsetzen und erklären, daß sie sich mit der Haltung der arabischen Regierungsbeamten, die in einem Memo-! randum die Einstellung der jüdischen Einwanderung verlangt haben, solidarisch erklären! Die Tageszeitung „Dawar" ist für fünf Tage ver* boten worden. Flüchtlingskundgebung in T«l Awiw. Tel Awiw, 6, August. Frauen und Kinder der in Tel Awiw, lebenden jü* dischen Flüchtlinge aus, Jaffa veranstalteten am 6. August vor dem Amt des Distriktskommissars, ein© Kundgebung. In dem Demonstrationszug wurden Transparente mitgeführt, auf denen die Forderung der Flüchtlinge nach Brot zu lesen war.. Der Zug begab sich sodann zu dem Amtsgebaude der; Jüdischen . Gemeinde in Tel Awiw. Hier wurde den Kundgebern, erklärt, daß .sofort Verhandlungen -mit High Commissioner Sir Arthur Wauchope über die Regelung der; Flüghtlmgsfrage aufgenommen werden würden. In der vergangenen Nacht sind .von Arabern Schüsse auf die jüdische landwirtschaftliche Schule auf dem Berg Tabor und auf die Siedlungen Afuleh, Tel Jossef und Mizpa abgegeben worden. In den übrigen Teilen des Landes gab es keine Zwischenfälle. Amerika. Disziplinarmaßnahme anläßlich der von der »Schwarzen Legion" geplanten Infizierung von Juden mit Typhus. Detroit (Michigan), 5. August.. Im Zusammenhang mit dem in dem Prozeß gegen' die „Schwarze Legion" aufgedeökten Plan der Terroristen, Juden in Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren, hat der Sanitätsausschuß von Detroit den Bakteriologen Charles T. MacCutcheon, an den ein hoher Funktionär der „Schwarzen Legion", mit dem Vorschlag herangetreten war, Typhuskulturen zwecks Infizierung Detroiter Juden anzulegen, aus dem Dienst entlassen, weil er seinen Vorgesetzten' von den Plänen der „Schwarzen Legion" nicht Mitteilung . ge* macÜt hatte. "" "' Shomre Hadath in Amerika. New York, 28. Juli'. Schon im Jahre 1935 wurde von gesetzestreuen- Juden ein Verein gegründet, der den Zweck hat,, orthodoxes Leben unter den' Juden in Amerika zu. fördern und Neu=Eingewanderten Gelegenheit zu geben, Anschluß an orthodoxe Kreise; sowohl in New York, als auch, in anderen Städten der Vereinigten Staaten zu finden. Die Gründer sind vorwiegend junge Menschen, die zum1 Teil in USA geboren und zum Teil zugewandert sind. Ein bedeutendes Tätigkeitsfeld ist, iNeu-r eji n g e w a n d e r.t e zu beraten, sowohl bei Arbeitsbeschaffung, als auch in Kasphrusfragen.; Die letzte Frage ist':besonders wichtig für/Herren, die in USA. geschäftliche Reisetätigkeit, ausüben. Der Verein kann zweifelsohne in Zukunft sehr viel Gutes leisten, wenn die orthodoxen Kreise in weitesten Gebieten zur Mitarbeit gewonnen werden. Im letzten Winter fanden wöchentlich.- dreimal Gemorob-Schiürim- .statt.., Es .finden Freitag,, Abend gemütliche Zusammenkünfte statt, wobei der Schabbos. in althergebrachter. Weise geheiligt wird. Interessenten wollen sich-in erster Linie an Mrs, .Grace Hollander, 225 West..71 th. Street, New York/City wenden. ..... ...1 -; i Der. ^Verein steht unter der besonderen ,Protektion bekannter'; orthqdox;er -Rabbiner, wie. :pr.. Leo Jung, William. .M a.r.guJUs,;Dr.Mosesj-Hy a,msöhn, Rabbiner Lookstein u, a,- m.