Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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*13. Aügust 1^36 *D e r *lt'ssrta e Nr. 33 Seite. M - Der fkathiolisdhe stBistthof dEfobu vwtfflfe bei meinem iB^suoh^iiiii'der Gemeinde iMöldawitaa <auch -von einer ijüdisfchen Abordnung:begrüßt,?«In •'Setner 'Antwort 'erklärte der Bischof, die katholische iKirche /verurteile .(Judenverfolgungen «aufs 'ischärfste. England. Aufreohterhaltung des Mandats, aber Möglichkeit ciner -Revisfoh der Palästinapolitik. — 'Ein Artikel in „Great Britain and the East". London, 6. August. In der soeben erschienenen Nummer der Zeitschrift ,/Great Britain and the East" wird erklärt, die Regierung lehne offenbar eine vorübergehende: Einstellung der Einwanderung als Mittel zur "Wiederherstellung der Ordnung in Palästina ab. Aber nach der in einem bis zwei Monaten zu erwartenden Beenddgung der Unruhen werde die Frage neuerlich erwogen werden. Die Entscheidung werde vermutlich von keinem der Streitteile begrüßt werden. Was immer entschieden werden sollte — so heißt .es in dem Leitartikel — das Mandat bleibt aufrecht.;Darüber kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Aber das Mandat aufrecht zu erhalten, ist, wie jedermann wissen sollte, an sich keine Politik: die Politik liegt in der Interpretation. Verschiedene Inter* pretationen sind möglich. Die Juden, legen den Nachdruck auf den „Aufbau" eines Jüdischen Nationalheims in Palästina, manche von ihnen gehen so weit zu sagen, daß dies der primäre Zweck des Mandates sei und ohne ihn England überhaupt nicht in Palästina wäre. Die Araber andererseits weisen auf die erklärte Verpflichtung der Mandatarmacht hin, nichtjüdische Rechte zu schützen, und fragen, wie 'diese Verpflichtung, sowie die allen Mandaten innewohnende umfassendere Verpflichtung, .die Völker der Mandatsgebiete zu bevormunden, erfüllt worden sei. Es ist die erklärte Politik Englands, eine Politik, die vom Völkerbund selbst akzeptiert wurde, diesen beiden Verpflichtungen gegenüber Juden und Arabern „gleiche® Gewicht?' zu geben. Hätten wir die gegen5 wärtige Lage im Heiligen Lande, wenn diese Politik treulich erfüllt worden wäre? Das ist — so wird in dem Artikel weiter ausgeführt — nur eine der vielen Fragen, die die Kgl. Kommission zu beantworten halben wird. Sollte sie z. B. erklären, daß die in letzter Zeit stark vermehrte Einwanderung der Juden durchaus berechtigt war und fortgesetzt werden soll, dann werden wir auf alle Fälle wissen, wo wir stehen, und vermutlich wird die Regierung einem solchen Rat entsprechend handeln. Sollte die Kommission andererseits eine wesentlich verringerte Einwanderung anraten, so wird man das ebenfalls hinnehmen müssen. Zum Schluß wird in dem Artikel betont, daß der Aufbau einse Jüdischen 'Nationalheims auf Grund der Balfpur=Peklaration nur ein Experiment darstellt, wobei die Möglichkeit einer Neuorientierung der englischen Palästinapolitik angedeutet wird. Diese Kgl. Kommission — schreibt „Great Britain and the East" —■ ist vielleicht~ nicht dem Weisen nach, bestimmt aber nach Aufbau und Pres/aige verschieden von früheren Kommissionen. Es handelt sich hier um eine wirklich große Sache, von der es kaum zuviel gesagt ist» daß die Regierung von ihr da® Durchschneiden des gordischen Knotens erwartet. Ueberblickt man das .Problem aus großer Perspektive, so wird man sehen, daß das, was in Palästina seit dem Kriege geschieht, ein Experiment ist. Der Urheber der BalfourdDekkrafcion hat in dier Tat mehr als einmal den Aufbau eines! jüdischen Nationalheim® als ein Experiment bezeichnet,' Experimente aber können in der Politik ebenso wie in der Wissenschaft nur auf dem Wege von Versuch und Irrtum durch* geführt: weiden. Nach, dem Ergebnis iü urteilen - 'und'welches'^die're'K^t^.üin' gibt e®?: — haben wir geirrt,. Sollen wir Geschehenes ungeschehen machen, •die Uhr zurückdrehen, eine neue Eime ziehen? Wir werden es, nijqhr"'ins&äh,. bevor nicht die;Kgl: Kbmmission ihren Bericht, erstattet' und' die Regierung, diesen Bericht geprüft hat. Mitein. Die Organisierung Jüdischer 'Gemeinden . . in Äbessinien. < R o.m-, -6. August, ■Das Mitglied des -Rates des .Verbandes der -jüdischen Gemeinden Italiens, .Adjv. -'-Carlo Alberto Viterb o, hat sich nach Addis Abeba begeben, wo er sich längere Zeit zwecks Gründung einer jüdischen ^Gemeinde in der -abessinischen Hauptstadt und einer ^zweiten in der als Handelsknotenpunkt wichtigen Stadt D i r e D a u::a , wo mehrere hundert jüdische Familien wohnen, aufhalten wird. Adv. Viterbo wird in Äbessinien in engen Kontakt mit den Falascha- Siedlungen treten. Vor seiner Abreise aus 'Rom wurde Adv. Viterbo von dem Kolonienminiister Alessandro Lessona in längerer Audienz empfangen. Der Minister beauftragte ihn, einen genauen 'Bericht über seine Reise auszuarbeiten und entsprechende Vorschläge für die Organisation des jüdischen Gemeindewesens in Abessinien zu erstatten. Griechenland. Die neu^ griechische Regierung. 1 S a 1 o n i k i , 9. August. Dem nach Auflösung de® Parlaments umgebildeten griechischen Kabinett gehört als neuernannter Vizekanzler Minister Zavitsanos an. Sowohl Ministers präsident General Metaxas als auch Vizekanzler Zavitsanos haben ihre judenfreundliche Einstellung wiederholt durch die Tat bewiesen. Die jüdische Presse weist darauf hin, daß der Ministerpräsident jüdische Forderungen und Beschwerden stets mit Wohlwollen aufgenommen hat und erst vor kurzem, nachdem er eine von dem Oberrabbiner geführte jüdische Abordnung empfangen hatte, alle Ministerien anwies, die Wünsche der Delegation nach Tunlichkeit zu befriedigen. Auch Minister Zavitsanos, der schon früher griechischen Kabinetten angehört hat, bewies den Jus den stets, viel Wohlwollen. Er war einer der Gegner der Jüdischen Wahlkurie, die die griechisch-jüdischen Beziehungen in der Vergangenheit so ungünstig bes einflußte, und hat diesen Standpunkt nachdrücklich gegenüber seinen Ministerkollegen vertreten, 'die damals durchweg Anhänger der besonderen jüdischen Wahlkurie waren. Minister Zavitsanos Setzte die Auflassung der jüdischen Wahlkreise durch, was der erste Schritt zu der vollständigen Aufhebung der ganzen jüdischen Wahlkurie war. Als Innenminister1 hat der jetzige Vizekanzler Zavitsanos eine Untersuchung über 'die Lage und soziale Entwicklung der Salonikier Juden veranlaßt und sich ihrer wiederholt warm angenommen. Anläßlich eines Blutbeschuldigungsfalles in Zakynthen hatte sein Vater vor 40 Jahren ein bedeutsames Büch gegen die Rituälmordlüge geschrieben. (ITA.). Die Lage in Palästina, Immer neue Opfer. — Nachlassen und Ausdehnung des Streiks. — Baumbeschädigungen. —Gescheiterte Vermittlungsversuche, -r- Ausdehnung des Tel Awiwer Hafens. Jerusalem,- 10. August. Das letzte Opfer dieser Woche heißi Ascher R o s e n f e ld, er war 22 Jahre alt. Bei der Bewachung einer Orangenpflanizung in „Ness Ziona" wurde er aus dem Hinterhalte erschössen. Auch diö vorangegangene .Freita^Snacht forderte ©in Todesopfer in der P.ersott des 27jährigen .Reuben Levi aus KöttsCäntinöpel. Reden wurden bei. der Beisetzung der Opfer nicht gestattet. Spontan rief der Vizebürgermeister R o k e a c h bei der Bestattung von Levi auf dem Tel Awiwer Friedhof: „M3= •gönsie doch eu*mai< aufhöben'; uns vom Mntserhalte zu überfallen und dei& Mut' haben,! uns in offenem Kampje entgegenzutreten." Tragisch gestaltete' stfpb das .Schicksaldes 45jährigen). au&Fo-len"' emgewanderfeu-.Siedler«.^ Seew Ii-in- <fce*n EeMld. (Ei fuhr mit jseöne-riFafäu» .aättf* einem Wagen nach Cäiederay umdort Gemüse auf den Markt •zu ^bringen. jUnterwegs >wuf de -seine »Frau von \eineia fjüdischen Chauffeur -eingeladen, >mit seinem Auto weiterzufahren. -Als -nach "-vielen Stunden *L. m Che- -dera/nicht ^eingetroffen -war, .(ging 'man -auf die 'Suche aus und' fand ihn auf "der Sträße.-neben-seinem Wagen ermordet. iDas Pferd war ^gestohlen. Verwundet wurden in «den Hetzten Tagen ^Benjamin S chü st^e r in Möza, -'Israel Weinstein, Mena* -öhem;K©M-e-r, 'Mööche Oeto'rp und 'Zipbra S-c-h w a;r'z. -Sie wurden, als -sie sich nach dem Abendessen auf 'den Hof begaben, »durch Explosion einer ''Bombe verletzt, ^der noch -Schusse aus 'dem 'Hinterhalt folgten. 'Der Streik, der im Kleinen nachläßt, findet im Großen eine Ausdehnung. So wurde 'dieser Täge bei der Ir af'k P e t'r ol eu m G e s ells c ha f t in Haifa die Arbeit eingestellt. Auch in den Eis'enbahhwerkstät'te'n in Haifa herrscht teilweiser Streik, so daß Militär zum Schütze der Arbeitswilligen eins greifen muß. Die Autokolonnen, die zwischen Tel Awiw und Haifa verkehrten, werden nunmehr nicht wie bisher von zwei, sondern Von vier Militär- Autobussen begleitet, deren einer sogar eine Radio* Station mitführt. Allen Schutzmitteln zum Trotze hören die Bäümbeschädigungr^i nicht auf. In der Nacht zu Sonntag würden bei Te l M o nd 3000 'Orangenbäume vernichtet. 250 Schafe wurden aus Kf ar Chitin geraubt. Alle Vermittlungsversuche sind scheinbar defini* tiv gescheitert. Auch die Besprechungen der Bürgermeister und Beamten in Amman waren erfolglös, wenn auch einige Londoner Blätter immer noch an das Eingreifen Emir Abdullas einige Hofmürigen knüpfen. Die Pläne zum Ausbau des Hafens von Tel Awiw werden weiter verfolgt. Wenn entsprechende Baggerversuche erfolgreich sein werden, soll eine Möglichkeit für das gleichzeitige Anlegen von sechs Leichtern an der Landungsbrücke geschaffen wer* den, während gegenwärtig nur 'drei zugleich anlegen können. Der Lloyd Triestino soll, wie es heißt, bei der Mandatsregieruhg um die Erlaubnis eingekommen sein, seine Passagierdampfer vor Tel Awiw ankern zu lassen. Gegenwärtig werden im Durchschnitt am Tage 300 Tonnen Waren gelöscht oder geladen. Die Zentralkommission für städtische Planungen bei der Regierung hat einen Plan bestätigt, der die Trockenlegung eines Meeresstreifens vor Tel Awiw vorsieht. Es soll sich um eine Fläche von 250 Dunam handeln, von denen ein Teil die Tel Awiwer Stadtverwaltung erhalten, der andere Teil als Bauplätze zur Verfügung gestellt werden soll. Die Kosten der Trockenlegung werden auf 100.000 Pfund geschätzt. Jetusalemer Brief. Erinnerung an die Türkenzeit. — Jüdische Heiligeinstätten. — Geschichtchen. — Sanunelgelder. Jerusalem, 9. August. Noch gibt es keine Ruhe iin Lahde. Ueber die laufenden Ereignisse des Tages sind die Leser durch die telegraphischen Berichte genügend orientiert. Der Vergleich mit der türkischen Zeit drängt sich immer und immer wieder auf, da einige Gendarme ausreichten, um die Ruhe und Ordnung so aufrecht zu erhalten, wie es England heute mit seiner iinmerhin ansehnlichen TruDpehmacht, seinen, Tanks und Flugzeugen nicht fertig bringt. Hier kommt es doch lediglich auf den guten und eisernen Willen an. Weiß der Araber aus dem verhetzten Volke, daß der Herrscher Ernst macht und die Geschütze zum ScEießeh. da sind, dann nimmt er Vernunft äu, mierltt er aKer^ daß man ihn nur „beruhigen'' will und mit ihm paktiert, so setzt er dem wildesten Terror keine Grenze. Däi selbständige Hilfskomitee der Agüdas Jisroel macht nicht nur itf Jerusalem/ sondern auch in Tel Awiw große Fortschritte, da es das Verständnis aller Kreise findet. Auch dem Waad leumi nahestehende Rä^binen haben ahrjEinverständnis und ihre Unterstützung zugesagt. Beschlossen wurde, von den Gemeinden eine ^Trumah'' von zehn Prozent vom Einkommen im Zeiträume 'von drei Monaten zugunsten •"■ : ' . *■ ■ 'V- - der Opfer zu verlangten. Die^Fr^ge, wo diie 1929 vom Waad Leumigesammelten Gelder geblieben sind, ist