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Der Israelit · 1936-08-13 · Heft 33 (13.8.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 33 (13.8.1936)
Date
1936-08-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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13. "August 1936 Der I s r a e 1 i t Nr. 33 Seite 9 In einer in der „Juristischen Wochenschrift" veröffentlichten Anmerkung zu diesem Urteil wird gesagt, daß der Entscheidung insofern zuzustimmen sei; als nach nationalsozialistischer Auffassung die Förderung' von Nichtariern nicht gemeinnützig im Sinne einer Steuervergünstigung sein kann. Die Versagung der Mildtätigkeit des Zweckes der Stiftung hätte jedoch mit anderer Begründung erfolgen sollen; und zwar könne Mildtätigkeit nicht nur bei der Befriedigung rein materieller Bedürfnisse angenommen werden. Das gleiche Ergebnis der Entscheidung hätte sich durch die Ansicht herbeiführen lassen, daß im Dritten Reich ein an sich mildtätiger Zweck, der dem Rassestandpunkt nicht gerecht werde, keine steuerliche Bevorzugung genießen kann. „Rassengesetze — warum?" Berlin, 11. August. Im Rahmen einer Artikelfolge „Der Olympiagast fragt" wird im „Völkischen Beobachter" und in nationalsozialistischen Zeitungen der Provinz, so in der „Westfälischen Landeszeitung — Rote Erde", ein Aufsatz veröffentlicht, der sich mit den deutschen Rassengesetzen befaßt. Der Artikel geht zuerst auf die Rassenhygiene und Rassenpolitik ein, behandelt die Frage der Unfruchtbarmachung und erörtert sodann die Frage der Rassenmiscliuirg. Die Anerkennung der Verschiedenartigkeit der Menschen — so heißt es in dem Artikel sodann — bedeute keine Wertung, denn die objektive naturwissenschaftliche Betrachtung wertet überhaupt nicht, sie beschreibt nur. Ob 'die eine Rasse mehr wert ist als die andere, sei also eine völlig abwegige Frage. Genau so sehe diese Dinge die deutsche Rassenpolitik an. Sie werte nicht, sie sage aber: 'die Rassen dieser Erde sind verschieden, „Andere Rassen als die, zu der wir gehören, sind uns fremd und darauf folgt dar Grundsatz unserer Rassenpolitik: Man muß streben, daß man innerhalb seines eigenen Volkes einigermaßen einheitliche rassische Elemente hat". Ueber das Schicksal der Mischlinge heißt es sodann: „Wir haben das Mischlingsschicksal bitter in unserem eiges nen Vaterlande erlebt und haben daraus gelernt, und wir wollen deshalb nicht, daß in Zukunft noch solche Mischlinge entstehen, nicht weil wir eine bestimmte Rasse für minderwertig halten, sondern weil wir wollen, daß jede Rasse auf der Welt an der Stelle, wo sie zu Hause ist, ihre eigene Existenz und ihr Recht hat. Wir beanspruchen nicht, bei anderen fremden Völkern den Ton anzugeben, wir können aber auch nicht dulden, daß Fremde bei uns regieren. Das ist der Standpunxt, mit dem das neue Deutschland an die Erörterung der Rassenfrage herangegangen ist. -Wir sind tatsächlich weit entfernt von jeder Ueberheblichkeit oder jeder aggressiven Absicht. Gewiß, wir wünschen nicht, daß ein Deutscher eine Andersrassige heiratet, aber wir wünschen das nicht deshalb, weil wir 'die anderen für minderwertig halten, sondern wir möchten Mischheiraten vermeiden, weil wir so.wohl den Deutschen wie den Ändersrassigen zu wertvoll halten, als daß sein eigener Stil in einer- Mischlingsiehe entartet. Diese Haltung, die ihren Niederschlag in der Rassengesetzgebung gefunden hat, richtet sich gegen kein Land und gegen kein Volk der Erde, außer gegen das Judentum, das in Deutschland neben dem Rassenproblem ein innerpolitisches Problem gewesen ist. Der Kampf gegen das Judentum war der Kampf eines Volkes um seine innerpolitische Freiheit, denn es kann auf die Dauer keine. Nation leben und sieh entwickeln, wenn fremdblütige Menschen sie regiert. Das ist in Deutschland der Fall gewesen. Das Judentum hat darüber hinaus den Bolschewismus zu uns getragen und alles zerstört, was Staat, Wirtschaft, Kultur und Religion inl Deutschland hieß, und wenn wir uns gegen diesen Fluch im Inland gewehrt haben, so ist da® eine innerpolitische deutsche Angelegenheit, und nicht etwa, wie man hier und da befürchtet hat, der Ausbruch eines Rassenwahns, der sich morgen vielleicht gegen andere Völker odergegen andere Rassen wenden könnte." . Oberrahbiner C^rlebach-Hamburg als Chacham; Mr portugiesisch-jüdischen Gemeinde* , Hamburg, 7. August. Oberrabbiner Dr. Ca r 1 e b a c h , der vor kurzem das Amt des Oberrabbiners in Hamburg angetreten Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Unter der Firma Anglo- Palestine Fruit Co. Ltd. wurde eine neue Orangenexportgesellschaft gegründet, die das Orangenexportgeschäft der Firma Z. A. Chelouche übernimmt. Die neue Gesell1 schaft hat ein registriertes Kapital von LP 35.000, das in 3500 Shares zu LP 10.— eingeteilt ist, von denen 2950 Shares subskribiert sind und bis Ende Juli 1936 voll eingezahlt werden. Chairman und leitender Direktor der Gesellschaft ist Herr Z. A. Chelouche, die übrigen Direktoren sind die Herren Geoffrey H. Langdon, Lt. Col, F. H. Kisch und M. Chelouche. Die Gesellschaft eröffnet unter der Leitung des Herrn Langdon in London ein Büro. Tiberias. Ueber die Entwicklung der Hamei Tiberia (Tiberias Hot Springs) Co. Ltd. wird uns mitgeteilt, daß der Besuch der Bäder in den den Unruhen vorausgehenden Monaten Ja* nuar/April ein guter war und die Ziffern des Vorjahres überschritt. Mit dem Ausbruch der Unruhen war die Saison sowieso abgeschlossen. Die Pläne für die neuen Gebäude sind an die Regierung eingereicht. Ein Architekt ist zu Studienzwecken nach Europa gereist, um dort Badeanlagen zu besichtigen. Neben den Gebäuden sollen auch Gartenanlagen am Seeufer, eine Badeanstalt u. a. angelegt werden. Die erforderlichen Kapitalien stehen aus dem Aktienkapital der Gesellschaft in Höhe von LP 55.000, das voll subskripiert ist, zur Verfügung. Tel Awiw. Obwohl der pa-= lästinensische Import in den Monaten Januar/April 1936 gegenüber dem Vorjahre nicht unbeträchtlich zurückgegangen ist und auch der Nahrungsmittelimport einen, aller* dings nur leichten, Rückgang aufweist, hat sich der Importbedarf an Schlachtvieh weiter über das Niveau des Vorjahres hinausgesteigert. Mengenmäßig ist der Schlachtviehimport von 113.283 Stück in den vier ersten Monaten des Vorjahres auf 127.660 Stück im Januar/April ds. Js. gestiegen, der Wert der Schlachtvieheinfuhr erhöhte sich von LP 171.316 auf LP 200.493. Tel Awiw. Der Automobilimport hat sich in den den Unruhen vorhergehenden Monaten Januar/April ds. Js. im Vergleich zum Vorjahr sehr stark reduziert und beläuft sich auf nur 408 Automobile, Lastwagen und Chassis gegenüber 1208 im Vorjahr. Es ist also auf viz der Vorjahreshöhe reduziert. Dem entspricht auch der wertmäßige Rückgang des Automobilimportes von LP 200.140 im Vorjahr auf LP 76.478. Aus diesem verringerten Automobilimport dürfte sich nur noch eine geringfügige Zunahme des Automobilbestandes ergeben, da ausrangierte Wagen ersetzt werden müssen. Der Benzinverbrauch hat sich im Januar/April ds. Js. auf 17,7 Millionen Liter gegenüber 15,8 Millionen im Vorjahr erhöht. Bemerkenswert ist, daß die Gummireifeneinfuhr sich in der gleichen Zeit von 166 Tonnen im Vorjahr auf 103 Tonnen in diesem Jahr reduziert hat, der Import von Autozubehörteüen ging von LP 39.687 auf LP 28.068 zurück. J e r u s a 1 e m. Wie wir erfahren, fällt der Geschäftsabschluß der Migdal Insurance Co. Ltd. günstig aus. Gewissen Ver= Insten im Zusammenhang mit den Unruhen steht ein erhebliches Neugeschäft gegenüber, auch eine Anzahl früherer Phönix* Kunden sind der Migdal zugefallen. Damaskus. Die Hauraner, die in den letzten Jahren bekanntlich in großer Anzahl nach Palästina auswanderten, sind auch in diesem Jahre wieder infolge großer Trockenheit zur Auswanderung gezwungen und wenden sich, nach dem Norden Syriens und dem Libanon. Infolgedessen entvölkert sich der Hauran immer stärker. Damaskus. Zwischen dem Außenminister von Saudi je und den französischen Behörden wie führenden Persönlichkeiten von Damaskus werden die Besprechungen über die Wiederherstellung der HeidschassBahn fortgeführt. . An die Mohammedaner in der Welt soll ein Aufruf zur Unterstützung des Planes gerichtet werden. Femer soll in Damaskus ein ständiges Hedschasbahnkomitee gebildet werden. J e r u sä I e m. Der palästinensische Geldünilauf, der sich in den letzten Monaten unverändert auf , einer Höhevon LP -,6,24| Millionen bellet, ist per Ende Juni 1936 auf LP 6,21 Millionen zurückge* gangen. " ')• hat, ist in dieser Eigenschaft zugleich Chacham der kleinen portugiesisch=jüdischen Gemeinde in Ham^ bürg. Als solcher wurde er in dem Bethaus der portugiesischen Gemeinde in sein Amt eingeführt. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Gemeinde sprach Oberrabbiner Dr. Carlebach, der besonders auf die große Vergangenheit des sephardischen Judentums einging und die Gemeinde ermahnte, ihre schönen Bräuche nicht nur in der Synagoge zu bewahren, sondern auch wieder in die Heuser hineinzutragen. Oesterreich. Der Bojaner Rabbi b'"2h Wien, 9. August. Der vor zwei Tagen in Wien verstorbene berühmte Chassidim=Rabbi von Bojan, Nahum Fried5 mann, ein Urenkel des „Ruziner" und Angehöriger der bekannten Dynastie Friedmann aus Sadagora, wurde am Sonntag zur ewigen Ruhe bestattet. Die in Wien anwesenden Großrabbiner von Kupeczynce, Czortkow und Wiznitz mit ihren zahlreichen Chassidim, der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, der Amtsdirektor der Gemeinde, Dr. Josef Löwenherz, der gesamte Kultusvorstand und eine ungeheure Menschenmenge gaben dem Toten das letzte Geleit. Der Bojaner Rabbi war vor 14 Tagen aus Czernowitz, wo er seit einigen Jahren wohnte, in das Wiener Rothschild-Krankenhaus gekommen, um Heilung von einem schweren Nierenleiden zu suchen. Die Krankheit erwies sich jedoch schon als zu weit fortgeschritten. Zwei Tage vor seinem Ableben hatte der Rabbi Todesahnungen und verfügte letztwillig, daß seine sterblichen Ueberreste in dem auf dem Wiener Zentralfriedhof befindlichen „Ohel" mit dem Grabe seines Vaters, doch in respektvoller Entfernung von diesem, bestattet werden. Der Tote war bis zur Bestattung in der „Bojaner Klaus" im zweiten Bezirk, die während dieser Tage von vielen Anhängern des Rabbi belagert war, aufbewahrt. Ungarn. Eine Weltaktion für die ungarischen Jeschiwot und Talmud Thora-Schuten. Budapest, 9. August. Der Vertreter der amerikanischen Orthodoxie, Moritz Engelmann, weilte dieser Tage in Ungarn und hatte mit Vertretern d'er ungarischen Orthodoxie und der Leitung der orthodoxen Landeskanzlei Bespr<3chungen. Als ihr Ergebnis ist festzuhalten: Die ungarische Orthodoxie ist zu schwach, um die rund zweitausend Bachurim in den verschiedenen Jeschiwot und Talmud Thora-Schulen des Landes zu erhalten. Sie ist materiell nicht in der Lage, das doppelte Opfer zu bringen, einerseits die Jugend im In? teresse der Gesetzestreue von einbringlichen Berufen fernzuhalten, und statt auf die Universitäten auf die Jeschiwot zu schicken, andererseits aber auch noch diese religiösen Lehrstätten zu erhalten. Die ungarische Orthodoxie wendet sich daher mit der Bitte an das Judentum der Welt, in erster Reihe aber an ihre amerikanischen Brüder, eine Sammlung für die ungarischen Jeschiwot und Talmud Thora-Schulen einzuleiten. Schweiz. Lord Lugard aus der Ständigen Mandatskommission ausgeschieden. Genf, 9. August. Das englische Mitglied der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, Lord L u g a r d , hat dem Generalsekretär des Völkerbundes mitgeteilt, daß er sich aus Gesundheitsgründen genötigt sehe, aus der Ständigen Mandatskommission auszuscheiden. Lord Lugard hat der Mandatskommission seit dem Jahre 1923 angehört. In einer der Presse übergebenen Erklärung begründet Lord Lugard seinen Rücktritt mit seinem hohen Alter, zunehmender Gehörsschwäche und dem Wunsche, einer jüngeren Kraft Platz zu machen. ■ l

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