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Der Israelit · 1936-08-13 · Heft 33 (13.8.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 33 (13.8.1936)
Date
1936-08-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 33 Der Israelit Versuche noch keinen greifbaren Erfolg gebracht haben. Der Wunsch Polens, durch Juden Kolo nien zu gewinnen und durch Kolonien Juden zu verlieren, ist mindestens originell. Stent man in Polen auf dem Standpunkt, daß das Recht und der Schutz des Landes, auch das Brot aus der polnischen Erde, für alle Bürger da ist, so kann man nur von einer Uebervölke rung sprechen, der durch den Notausgang nach Afrika oder anderswohin abgeholfen werden kann, nicht aber von einer „Ueberfremdung' durch Menschen, die nach Recht und Gesetz bislang in Polen keine Fremden sind. Bei der Gelegenheit steigt bei uns mancherlei Empfindung auf über die immer und immer wieder auftretenden Versuche zur Schaffung von neuen Golusländern für Juden. Wir meinen nicht die ICA, die ein ausgedehntes Kolonisationswerk in Argentinien seit einem halben. Jahrhundert betreibt. Wir meinen ganz gewiß auch nicht den Hilfsverein und andere verwandte Organi sationen, die Einzelnen oder Gruppen nach Maß und Bedarf in überseeischen Ländern Existenz verschaffen. Wir meinen aber die Großpläne, die von Zeit zu Zeit ganz überraschend auftau chen, Diskussionen Auslösen und Hoffnungen erwecken, um bald a^s Bluff zu verpuffen. Früher war es Ecuador, jetzt ist es wieder C u - b a , wohin 200,000 Juden mit einem Schlage verpflanzt werden sollen. Die. cubanischen Behörden wissen nichts davon und die cubanische Presse schlägt Lärm. Dieser Lärm ist bis jetzt der einzige Erfolg des großen Ansiedlungsplanes, während in der jüdischen Presse schon die cu bariischen Klänge im Verhallen sind. Wozu die ses ganze unnötige Spiel mit jüdischer Not und jüdischen Hoffnungen? Man braucht Kolonien für die Juden, vielleicht auch umgekehrt, Juden für die Kolonien. Gut. Wenn aber geltungshungrige Männer, Juden und Kolonien für die Propagierung ihres eigenen Namens brauchen, so sollte die jüdische Not uns zu heilig sein, um den Boden für Golusterritorien abzugeben, die ja schließlich nur in der Phantasie existieren. Der Bürgerkrieg in Spanien und die Juden. Spanien hat seit 1492 offiziell keine Juden mehr, und dennoch hätte ein Wunder geschehen müssen, wenn nicht im Zusammenhang mit dem jetzt tobenden Bürgerkriege in den spanischen Städten auch Juden genannt worden wären. In jüngster Nummer berichteten wir von jüdischen Opfern der Revolution und deutsch- Inhalt derselben an WS "iy verteilt. Auch wird die Vorstandswahl vor der Mahlzeit vorgenommen. Das Einkaufsgeld bei der Aufnahme ist im ersten Jahr nach jeder Mahlzeit bis zum nächstfolgenden ö'VpP 's auf einen Gulden und im zweiten Jahre bis zur folgenden Mahlzeit auf zwei Gulden festgesetzt." Die Statuten schließen mit den Worten: Q'i^n b? '»'l w Tns'i .«man «a nav »wnaRi» D'03 ncryz? 'a px irn»a ninaa ^ams fap'p tv irVs? Die Unterzeichneten heißen: Ahron David Schwarzschild, Itzig Emerich Gumpertz, Abraham Leb Worms, Eisik Schuster, Wolf Schiessinger, Salman Hamburger, Seligmann Botwies, Sanvil Reiß, Josele Rintskopf, Jakob Stiebel, Möschen Wallach, Meir Adler, Ahron Feist Frank. (Nachbemerkung der Redaktion: j?"sai> als Frankfurter Brauch wird bereits im um die Mitte des 17. Jahrhunderts verfaßten fau* epv Abschnitt n"snn und i"pnn erwähnt.) Wochenkalender. Vom 15. — 22. August 1936 / Vom 27. Ab bis 4. Elul 5696 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag '»V 5|"T T"y 15 27 nb ' 16 28 vb 17 29 ra Au£. 18 2« 30 8» 19 Vfy* 1 an 20 2 an 21 3 ms [22 41 na nm enhn i'anaa Neumond: Montag nachm. 7 Uhr IVe Min. |bp DT Vm ff Kl 'R snn wsi 'a jüdischen Flüchtlingen .aus, Spanien. Durch die Zeitungen geht jetzt eine Notiz, daß man bei einem in Barcelona gefangenen Offizier der Militärpartei ein Dokument gefunden habe, das sich nach Entzifferung als ein Programm, der angestrebten Rechtsregierung erwies und im Punkt 4 die Ausweisung der Juden aus Spanien vorsieht. Man darf chiffrierten Dokumenten nicht große Bedeutung beimessen, man kann sie .mit verschiedenen Schlüsseln lösen. Und hat vielleicht irgend eine Stelle Interesse daran, so wird es ihr keine Mühe kosten, dieses und jenes, auch die Judenaustreibung, herauszulesen. Indes weiß man, daß die Führer der Militärpartei, zu der auch die Geistlichkeit gehört, nicht gerade judenfreundlich eingestellt, sind. Als voriges Jahr anläßlich der Maimonidesfeier die Ausweisung der Juden feie r 1 i ch widerrufen wurde, waren es diese Kreise, die dagegen Protest einlegten. Warum sollten sie, wenn sie zur Macht gelangen, gerade die Juden -hochkommen lassen? Daß sie aber jetzt schon in einem Zukunftsreiche, das noch in der Ferne liegt, und in dem. sich kaum Juden befinden, ein Judengesetz programmatisch festlegten, ist nicht sehr wahrscheinlich. . Es wohnen nach letzten Angaben zur Zeit etwa 4500 Juden in ganz Spanien, in der Hauptsache in Barcelona, Sevilla und Madrid. Das ergibt einen so verschwindenden Bruchteil der Bevölkerung (0,02 Prozent), daß es gewiß beiden Teilen nicht der Mühe wert erscheint, sich mit ihm zu befassen. Freilich liegen die Dinge in Spanisch-Marokko, wo größere jüdische Zentren sich befinden und immer schon unter den Eingeborenen schwer zu leiden hatten, wesentlich anders. Die über 4000 Juden, im europäischen Spanien bestehen nur zum kleinen Teil aus zurückgekehrten Spaniolen, zum größeren aus eingewanderten Juden aus Deutschland und aus den Ostländern. Daß diese um ihre nackte Existenz schwer ringenden Menschen im fremden Lande irgendwie am Ausbruch und Gang der Revolution mitbeteiligt wären, ist einfach undenkbar. Wenn aber trotzdem hie und da von „jüdischen Machenschaften" gesprochen wird, die den Anlaß zum Ausbruch der Revolution gegeben hätten, so zeugt das eben für das jüdische Schicksal, das von keinar Weltkatastrophe völlig unberührt bleiben kann und in jedes umwälzende Geschehen, mag es noch so fern vom Bereiche der jüdischen Interessen liegen, mit einbezogen wird. Und wieder kein Sabbat., „ Und immer und immer wieder, bei all den traurigen Ereignissen iri Palästina, zwischendurch -auch geistige Zerstörung im eigenen Lager'. Wie freuten wir uns vor kurzem, mitteilen zu können, daß die Hafenverwaltung in Tel Awiw beschlossen hatte, grundsätzlich und de facto die S a b b a t r u h e im Hafen einzuführen;, welch überwältigende Demonstrationen für den Sabbat in der Welt hätte der Sabbat im ruhigen Hafen von Tel Awiw bedeuten können! Und nun lesen wir im „Kol Israel", Iva gleichen Blatt©, das damals die Freudenkunde, durch die Welt getragen hat: „Die Leser, die mit Jubel die Kunde über die Sabbatruhe im Hafen von Tel Awiw vernahmen, werden mit uns den tiefen Schmerz empfinden, wenn sie nun von uns hören, daß die Hafenverwaltung ihr Wort nicht gehalten hat. Am jüngsten Sabbat wurde zum ersten Male eine Bresche in die Sabbatmauer auch hier gerissen und viele Arbeiter versahen ihre Arbeit wie am Werktag. Proteste und Verwarnungen von 'vorübergehenden frommen Juden verhallten erfolglos." Soll sich auch diese unsere spärliche Freude um den Hafen in Tel Awiw in Trauer und Schmerz verwandeln? .. . Im jüngsten „Darkenu" wird aus Petäch Tikwah berichtet, daß die Tinrituell geführten Arbeiterküchen erklärten, ihren Betrieb auf Koscher umstellen zu wollen, wenn ihnen von irgend einer Stelle die' Differenz zwischen dem billigen Trefahfleisch und dem teureren Koscherfleisch vergütet wird. Da hat doch schon jener Revisionist recht, wenn er bei ähnlicher Gelegenheit sagte: „Ihr Arbeiter verlangt von uns die strenge Durchführung der A w o d a h I w r i t h , so zahlt uns doch die Differenz zwischenden billigeren arabischen und teuren jüdischen Arbeitern. Sprache jemand so, wo würde er als Verräter gebrandmarkt werden, der ein jüdisches Prinzip um Geld verkauft. Darf man aber heilige jüdische Gesetze ja zu einer Marktware machen, um die gefeilscht wird? Muß man Juden erst Abfindungen gewähren, damit sie als Juden leben?" Es ist überaus schmerzlich, in einer Zeit, da in Palästina sich der Jischuw, der alte wie der neue, in unsäglichen Wehen windet, immer noch zwischendurch auch über solche Dinge berichten zu müssen. Vom Wesen der Jeschiwah. II. Von Rabbiner Dr. Theodor Weisz in Mir. (Polen). Das neue Wissen tind Wollen, das sich der junge Jude in der Jeschiwah erwirbt,; zeigt den Umriß. Farbe, Bild, die Gestalt wird sichtbar durch das neue Tun. So wie das Wissen nicht sofort ins Wollen steigt, so hat auch das Wollen erst seine Reife, bevor; aus ihm das neue Tun erwächst. Die ergriffene Seele sucht den Weg, aber noch ist sie voller Aengste und Unsicherheiten, voller Scham über ihr Unvermögen, aber doch schon voller Freude über diese Scham. — Das Bekanntwerden mit der talmudischen Aggada und den Midraschim, den Ueberlieferungen über die Erreichungen unserer Alten und die hohe Stufe ihres! Dienstes verdichtet sich allmählich, was noch formlos war, gerinnt in die Kontur, die Gestalten der Urväter und -Mütter, Richter, Könige, Propheten und der großen Lehrer werden deutlich, ein Vorhang wird weggezogen, die Vision' des G'ttesvolkea, verkörpert in seinen „Großen, ersteht. Der junge Jude steht Angesicht in Angesicht mit seihef ungeheuren Vergangenheit, langsam und schwer wächst die Frage in ihm, der} er erst ausweicht;, die sich aber nicht verdrängen läßt: Was habe ich? Welche Anlagen, Fähigkeiten, Kräfte sind mein Erbe? Was kann i c h tun? Die erste Antwort des erwachten Wollens ist eine maßlose; es ist ja eben erst erstanden, weiß noch um keine Grenze, kennt nicht seine Stärke, aber auch nicht seine Schwäche, ein Durst ist da, ein Verlangen macht 'ihn erbeben, ein Wunsch erglüht: Auch ich! Da gibt es nicht eine Heiligung, nicht eine Reinheit, nicht eine G'ttesfurcht, nicht ein Opfer, das nicht auch getan sein will, die junge Seele mißt sich am Uefeermaß und glaubt bestehen zu können. Die Väter und Mütter und Alten der Urzeit, wirkten, taten und lebten den großen Dienst, und der späte Enkel will im Sturm zu ihrer Höhe. Aber das junge Wollen fliegt zu hoch, beim ersten Versuch stößt es gegen die Wand der eigenen kleinen Menschlichkeit. Er versucht seih Gebet in Andacht zu sprechen, will seine Gedanken binden, aber sie flattern ihm davon wie wilde Vögel. Er will sich im Fleiß den Diensteifer beiweisen, will Tag und Nacht dem Studium des g'ttlichen Wortes Weihen, da . lassen, seine Kräfte nach. Er will den Blick, von. Nichtigkeiten abwenden und nach innen richteri; aber1 seine Augen sind so flink, er erjagt sie nicht." Er will sein Herz zähmen, es ist wilder und stärker, als

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