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Der Israelit · 1936-08-13 · Heft 33 (13.8.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 33 (13.8.1936)
Date
1936-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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13: August 1936 Der Israelit Nr. 33 Seite 5 Gründung eines Weltverbandes der polnischjüdischen Jugend. In Marienbad fand eine Sitzung von Vertretern der polnisch-jüdischen Jugend in England, Holland, Belgien, Rumänien, Jugoslavien, Deutschland, Palästina, Frankreich, der Schweiz und der Vereinigten Staaten statt« Es wurde beschlossen, einen allweltlichen Verband der polnisch-jüdischen Jugend zu gründen. Zum Präsidenten wurde H. A. Goodman, London, Mitglied des Board of Deputies und vieler anderer jüdischer philanthropischer Organisationen, gewählt. Der Verband hat die Aufgabe, ohne irgend einer Partei anzugehören, den Juden Polens und insbesondere der Jugend in ihrem Kampf um Existenzerlangung und -erhaltung zur Seite zu stehen. Die Audienz bei Benesch. Ueber den bereits mitgeteilten Besuch der Agudavertreter beim Präsidenten der Republik, B e n e s c h , ist noch folgendes zu berichten. Am 7, August wurden der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, der politische Referent der Welt-Aguda, H. A. Goodman, und Oberrabbiner Jonathan Horovicz, Jerusalem, von dem Präsidenten der Tschechoslovakischen Republik, Dr. Eduard Benesch, empfangen. Die Audienz dauerte etwa dreiviertel Stunden. Die Aguda-Führer überbrachten Präsident Benesch die Huldigung der Vertreter der jüdischen Orthodoxie der ganzen Welt, die in Marienbad zu dem vorbereitenden Weltkongreß versammelt waren, und sprachen ihm und dem tschechoslovakischen Volk den Dank für die Anwendung der Grundsätze der Gleichberechtigung und der Gewissensfreiheit gegenüber den Juden und insbesondere für die selbständige Organisation aus, die der jüdischen Orthodoxie in der Tschechoslovakei gewährt wurde. Sie dankten dem Präsidenten dafür, daß er früher als Leiter der tschechoslovakischen Außenpolitik und als Präsident des Völkerbundes die Belange der leidenden Juden wahrnahm und insbesondere als langjähriger Referent für Man.datsfragen im Völkerbundsrate sich der Rechte der J u d e n auf Palästina gemäß dem Mandat der Balfour-Deklaration annahm. Sie baten den Präsidenten, diese den Juden gegenüber bewiesene Haltung auch in Zukunft zu bewahren. Oberrabbiner J. Horovicz benutzte die Gelegenheit, um dem Präsidenten die Huldigung der etwa 4000 in Palästina lebenden Tschechoslovaken, von denen über 90 Prozent Juden sind, darzubringen. Präsident Benesch gab in seiner Erwiderung zu verstehen, wie sehr ihn die ihm durch die Führer der jüdischen Orthodoxie zum Ausdruck gebrachte Anerkennung freue, und erklärte, seine Haltung gegenüber den Juden bleibe unverändert; er werde auch in Zukunft die international verbrieften Rechte der Juden, sich in Palästina eine Heimstätte aufzubauen, nach Möglichkeit stützen. Morris Engelman, Begründer und Vorstandsmitglied des Joint Distribution Committee in Amerika, gibt ein Festessen für die Pressevertreter der Kenessio Mechino. Engelman (Mitte links) setzt sich im „Joint" besonders für die Jeschiwoth im Osten ein und wurde ihm dafür im Berichte der Exekutive öffentlicher Dank ausgesprochen. sehen Sejm getan hat, wonach Polen eine Million Juden zu viel hätte. Der Mann, der es aussprach, gilt als ein gerechter Hüter der Verfassung, die den Bürgern aller Konfessionen in Polen gleichen Schutz gewährleistet und der wiederholt jüdischen Delegationen gegenüber den antisemitischen Terror mit scharfen Worten mißbilligte und den Juden den unbeschränkten Schutz des Rechtes versprach. Wir glauben nicht, daß der Judenpunkt als Begründung die polnischen Expansionswünsche, deren Befriedigung wir dem polnischen Volke von Herzen wünschen, weiterbringen wird. Genf wird voraussichtlich nicht gesonnen sein, Polens Kolonialpolitik mit der Judenfrage zu vermengen. Zur Ansiedlung von jüdischen Flüchtlingen in überseeischen Ländern hat der Völkerbund durch die Errichtung eines eigenen Hochkommissariats einige Anläufe unternommen, und es ist weder seine noch des High Commissioners Schuld, daß in einer Zeit, da alle Länder Europas sich vor der Einwanderung absperren, die Wochenrundschau. Polen wünscht Kolonien — für die Juden. Eine sensationelle Nachricht ging vorige Woche durch die Presse: In einem dem Völkerbund überreichten Memorandum wünscht die polnische Regierung Kolonien im Hinblick auf die dreieinhalb Millionen Juden, die sich im Lande befinden. Man kann dieses Verlangen in Verbindung bringen mit der Aeußerung, die erst vor kurzem ein führendes Mitglied der Regierung im polni- Erde." Und im Fluge durcheilt unser Geist alle die Stufen und Stadien der Entwicklung des Samenkörn* leins, von der Stunde an, da man es dem dunklen Schoß der Erde anvertraute, bis zum Tage, wo fleißige Schnitter die reifen Aehren aufgeladen. G'tt sandte dazu seinen Schirm und Schutz, spendete in «einer Vatergüte Regen, Tau und Sonnenstrahl: ptm \a anb ttnfiaiv Vor einigen Wochen konnte man lesen, daß Chaluzim den. Gedanken äußerten, man könnte eine Art Tischo=beaw festsetzen, der dem Gedenken der von frevler Feindeshand zerstörten Saaten und Bäume gelten soll. Man. braucht kein Wort darüber zu verlieren, wie schmerzlich die weite jüdische Diaspora jene Schandtat im heiligen Lande empfunden. Doch ist es vollkpmmen abwegig, einen eigenen Trauertag hier instituieren' zu wollen, so wenig wie eine Art Denkmal für die zu beklagenden Märtyrer, die leben wo ganz ander© fort seit Tausenden von Jahren. Die neu erblühte Bodenkultur im Väterlande darf nicht zu einer Verg'ttung und Vergötzung und Seholl© und Schaufel führen, Hatten die Philister in Gideon® Taigen nicht auch schon die Getreidefelder zerstampft? Aber das* Volk verstand den Wink von oben. Buße und Einkehr folgten. Genau wie es der Abschnitt $wOr qk fi'm in unseren Wochensidraus anrät. Gmattv Ihr werdet durch Regenmangel zu Grunde gehen. Nun: nVs »San nnawi - Drvwpi» Nehmet doch diese meine Worte zu Herzen — knüpfet sie auf Hirn und Hand. Stellet Denken und Arbeiten in den hei* ligeh Dienst G'ttes, unter das Diktat der Thora, und Segen erblühet feuern Feldern und Weinbergen, Kraut •dem Vieh, Korn, Most und Oel für Tenne und Kei- Wr,: rn*ate» rnVa;*v genießen wirst dm -und auch satt "werden — — ^- Kleines Feuilleton, Etwas über Jomkippurkoton. Mitgeteilt von Rabbiner Donath, Der Brauch, den Erew-Roschchodesch als Bets und Bußtag zu begehen, ist uralt. Er wird im „Schulchan Aruch" Orach Chajim Kap. 417 und „Mögen Awrohom" daselbst erwähnt. „Pri Chodosch" daselbst führt ihn auch als palästinensischen Minhag an. Der Brauch wird in den einzelnen Gemeinden Israels verschieden gehandhabt. So gibt es Gemeinden, wo er vierteljährlich, andere, wo er nur am Erew Roschchodesch EIuI geübt wird. In Preßburg, der Wirkungsstätte des Chasam Sofer S*st, wird mindestens von einem Minjan fastender Baalebattim an jedem Erew Roschchodesch am Abend Jomkippurkoton mit bim gebetet. Hier hi Frankfurt ist mancher der Meinung, daß der Brauch erst au® dem Osten importiert worden sei. Durch die Liebenswürdigkeit des Sohnes einer alten Frankfurter Patrizierfamilie, der im Besitze einer Pergamentrolle mit in wundervoll hebräischer Handschrift verzeichneten Statuten ist, konnte ich das Gegenteil feststellen. Dieser sinnreiche Minhag wurde schon vor 1 0,8 Jahr en von einem sogenannt ten „Erew Roschchodeschverein'' eingeführt, dem, wie die verzeichneten Mitglieder beweisen, echte „bödenstämmige" Frankfurter angehörten. Ein Teil der Statuten sei nun hier dem Wortlaut nach wiedergegeben: „Die Männer der Chewra übernehmen, jeden 'o**W einen halben Fasttag zu halten, und nachher Mincho mit dem üblichen Jomkippurkotongebet zu verrichten, mit Ausnahme der Monate Tischri, Gheschwan, Teweth und Ijar, an denen nicht gefastet wird; ferner mit Ausnahme von Kislew und Schewat, da ein ganzer Fasttag gehalten und abends p-av gebetet wird. Bei all den Zusammenkünften der. Fastenden soll die Sammelbüchse, nach altem Brauch der „Männer=Krankenkasse", für Zedokoh aufgestellt sein, um dem Ausspruch der Weisen zu entsprechen. Der Verein wählt nach Stimmenmehrheit einen Thoragelehrten als Vereinsrabbi, der über Gebetzeiten, Kaddischsagen usw. zu wachen hat, und außer« dem regelmäßig einen Perek Mischnajoth lernt. mm t>tVi rvttt wenn ein Mitglied i*n Owel wird oder stirbt, dann sollen der Vereinsrabbi gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied sowie die Hälfte der Chewramänner alle sieben Trauertage einen Perek Mischnajoth lernen. Die Gaboim sind verpflichtet, dies den einzelnen Mitgliedern durch den Vereinsdiiener ansagen zu lassen. Wer unentschuldigt versäumt, zahlt einen Batzen Strafe an <üe Vereinsbüehse. Der Vereinsdiener erhält für das Ansagen einen halben Gulden. Während der elf Trauermonate darf kein Owel als Mitglied aufgenommen werden. Am Sabbat Schekolim versammeln sich die Mitglieder, um nnnw und nnan gemeinsam zu beten, wobei die Herren Gaboim ein Frühstück und nach Mincho ein Abendessen veranstalten. Außerdem findet alle zwei Jahre in der Woche nach Sabbat wbpv oder am rri, eine einfache Mahlzeit in einem von den Vorstehern noch zu wählenden Lokale statt. Vor dieser Mahlzeit wird vom Rabbi und den Gaboim die Zedokohbüchse geleert und der

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