Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 33 0 e r l s r 3;e I i t 13. August 1936 London zu verlegen. Für die allgemeine agudistische Organisationsarbeit wird aus der Mitte der Mitglieder der Exekutive ein Hauptpropagandaleiter bestellt. Außerdem wurden noch die folgenden Entschließungen gefaßt: Als Aufgaben der Keren Hathora-Zentrale werden die fortlaufende Beobachtung der Entwicklung des Limmud Hathora und des Chinuch in allen Ländern der Diaspora genannt; weiter die Zusammenfassung der Jeschiwaus und Chinuchanstalten zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen, die Veranstaltung von Chhiuchkonferenzen, die pädagogische Beratung der Chinuchanstalten, Vertretung der ewigen Aktualität 'des Limmud Hathora für die Existenz des jüdischen Volkes vor der Kulturwelt, vor den großen Organisationen und vor der öffentlichen Meinung des jüdischen Volke®, die literarische Förderung des Thoralernens durch Herausgabe und Beschaffung von Sforim, Lehrbüchern und Lehrmitteln, systematische Propaganda für den Jeschiwabesuch, Anregung zur Neugründung von Jeschiwaus und orthodoxen Erziehungsanstalten. Als Aufgaben der Landesdirektorien werden genannt: Vertretung der Interessen des' Thorastudiums in ihrem Lande nach innen und außen in der Regel gemeinsam mit den agudistischen Landesorganisationen; Veranstaltung von Vorträgen und Kundgebungen; Beeinflussung der Presse; Organisation der Finanzpropaganda des Keren Hathora durch Errichtung von Keren Hathorakommissariaten in allsn größeren Gemeinden des Landes und Ernennung von Vertrauensleuten in den kleineren. Angeregt wird eine Konferenz der an Thora und Keren Hathora interessierten Organisationen der Österreichischen Nachfolgestaaten, Rumäniens und Jugoslaviens nach dem Muster der seinerzeit von Oberrabbiner Rotteriberg, Antwerpen, angeregten westeuropäischen Keren Hathora-Konferenz, Die slos vakischen Aguda-Instanzen werden gebeten, die Vorbereitung für eine solche Konferenz baldmöglichst zu beginnen. Beschlossen wird die Errichtung eines Sozial5 f o n d s des Keren Hathora. Die weiteren Beschlüsse beziehen sich auf die Errichtung einer J u g e n d z^e n t r a I s t e 11 e mit dem Sitz in Wien, * auf die Schaffung von Rußlandhilfs* komitees bei allen Landesorganisationen, auf die Intensivierung der Hilfsaktion für die Opfer der arabis sehen Unruhen in Palästina und auf die Errichtung einer Abteilung für die Propagierung der Taharas Hamischpocho-Gebote. Bei der Londoner Exekutive wird ein Büro zur Aufklärung und Abwehr antijüdischer Strömungen geschaffen, Dem R a b b i n i - sehen Rat wird nahegelegt, für die Herausgabe von halachischen Entscheidungen zu allen Fragen des modernen Wirtschaftslebens zu sorgen. Es wurde ferner eine Reihe von der Kommission für soziale Fragen und Auswanderung gemachter Vorschläge angenommen. Nachdem Dr. Breuer seinen ursprünglichen Vorschlag über eine Vereinigung zwischen Poale Agudas Jisroel und Hapoel Hamisrachi in Palästina zurückgezogen hatte, wurde, wie schon berichtet, im Prinzip der Errichtung von Stellenvermittlungsbüros zugestimmt, die als Arbeitsnachweise für agudistische und misrachistische Poalim tätig werden sollen. Vor Durchführung dieses Beschlusses ist noch die Zustimmung des allweltlichen Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel einzuholen. Im übrigen wird die Zentrale des Keren Hathora nach London verlegt, während die Beth Jakob=Zentrale in Wien bleibt. Aus dem Berichte der Beth Jakob - Zentrale Der Bericht knüpft an den Heimgang von Dr. Leo Deutschländer an, wie der letzte Deutschländer-Bericht eingangs der „Mutter von Beth Jakob", der Frau Sarah Schenirer gedachte. Das letzte Wort Deutschländers war: „Erhaltet das Werk!" und dieses Wort sei nun das Testament eines großen und selbstlosen Menschen an seine Mitarbeiter, ja an das jüdische Volk. Das Werk ruhe in sichtbarem Grunde, denn seine Kraft ströme aus den beiden zentralen Lehrinstitutionen in Krakau und Wien. Anfang 1936 konnte eine dritte Lehrstätte in Rumänien, in Czernowitz, eröffnet werden, die wiederum mit einem Internate verbunden ist und zunächst 16 Mädchen geistig betreut. Die zentrale Verwaltung von Beth Jakob habe auf -die von außen an sie gebrachte Anregung hin der s o z i a 1 p ä d a g og i s c h e n Ausbildung . der Mädchen im Osten erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt und zu diesem Zwecke eine Sonderkonferenz in Krakau einberufen. In Lodz bestehe zum Andenken an Sarah Schenirer eine handwerkliche Ausbildungsstätte für Töchter unter dem Namen „Auhel Soroh", andere ähnliche Einrichtungen seien im Entstehen. Die Sorge um die Beth Jakob=Schulen in Erez Isroel beherrsche zur Zeit die Organisation. Freilich trug bis jetzt alle Lasten für das Schulwerk in Erez Isroel, einschließlich der Beth Jakob-Schule, die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Es müsse aber dahin gearbeitet werden, daß Erez Isroel baldmöglichst in den Bereich des Beth Jakob=Werkes einbezogen wird. Das gelte übrigens von allen Ländern, die jüdische Massensiedlungen haben, so auch für London-East und New York. In Polen bestehen zur Zeit 225 Schulen mit 27.009 Schülerinnen, Tschechoslovakei: 18 Schulen mit 1292 Schülerinnen, Rumänien: 17 Schulen mit 1489 Schülerinnen, Litauen: 16 Schulen mit ca.. 2000 Schülerinnen, Ungarn, Palästina und Oesterreich: 11 Schulen mit ca. 950 Schülerinnen, Beth Jakob entfaltet auch eine rege literarische Tätigkeit. Die Gesamtproduktion betrug in den zehn Jahren seines Bestehens 684 Druckbogen mit einem Vertrieb von etwa 400.000 Exemplaren. Schwere Schulden drücken auf das große Werk in Krakau, das noch nicht vollendet wenden konnte. Die Verschuldungen vieler Beth Jakob-Schulen seien mit eine Folge der bekannten Wirtschaftsoot in Pos len. Organisationen, die mit helfender Hand dem Beth Jakob=Werk beigetreten, wird im Berichte Dank ausgesprochen. Das Budget balanziert mit 31.170 Dollar, das aufgebracht werden muß, wenn das Werk erhalten bleiben soll. Daß (dieses geschieht, dafür setzt sich der Berichterstatter in Wort und Schrift mit der ganzen Kraft seiner Seele ein. Es wird im Berichte noch zum Schluß eine kurze Information über die Organisation und eine Liste def 187' Städte in Polen beigegeben. Die Arbeit des Keren Hatorah. Bei der Berichterstattung über die Arbeit der Keren Hatorah-Zentrale spricht Rabbiner Wolf S. Jacobson vom großen Führer des Keren Hatorah, Rabbi Meier Schapira. Rabbiner Schapira war als genialer Gründer des Daf Jomi der geistige Vater des* Keren Hatorah und er verstand dann, für die Thorabedürfndsse der Gesamtheit die Kräfte der Gesamtheit zu mobilisieren. Der Referent hebt speziell den deutschen Keren Hatorah hervor, der durch seinen Vorsitzenden Pels reorganisiert wurde und über Mk. 34.000 für die Keren Hatorah-Zwecke ausgeben konnte. Eine schöne Entwicklung weist auch der Keren Hatorah in der Bukowina auf, welcher im letzten Jahre 260.000 Lei aufbrachte, gegenüber 12.000 Lei im Jahre 1931. Besonders treu erfüllt seine Verpflichtungen Holland, dessen Opferfreudigkeit die Zentrale in den Stand setzte, ihre Arbeiten weiterzuführen. Der englische Keren Hatorah verhandelte mit besonders großem Erfolg im Interesse der östlichen Jeschiwoth. Dem ehrwürdigen Vorsitzenden des belgischen Keren Hatorah, Oberrabbiner Rottenberg, ist die Abhaltung der westeuropäischen Keren Hatorah-Konferenz zu danken. Die klassischen Thora-Länder, Polen, Litauen und die österreichischen Nachfolgestaaten, entwickeln eine gewaltige Tätigkeit im Interesse des Lernens. Eine Aufwärtsentwicklung ist in Beßarabien, in Südafrika, in Skandinavien usw. zu verzeichnen. Soll aber der Keren Hatorah internationale Bedeu* tung haben, so muß vor allem der eigene Kreis weit mehr als bisher sich in den Dienst des Thorawerkes und seiner Organisation stellen. Oeffenlliclie Kundgebung Nach der Schlußsitzung am Donnerstag abend, der Reden von Isaac Breuer und Jacob Rosenheim die feierliche Note gaben, fand im großen Saale des Marienbader Kurhauses eine öffentliche Versammlung statt, für deren Vorbereitung sich, wie für die technischen Vorarbeiten überhaupt, wiederum die Herren Meier Schenkolewski und Kurt L e i t n e r sehr verdient machten. Es sprach zuerst Dr. Isaac Breuer über die ,(Auseinandersetzung zwischen dem G'ttesvolk und dem zionistischen Volk in G'ttes Land". Dr. S. Ehrmann referierte über die religiöse Lage der Juden in Deutschland und schilderte den ,, Weg vom Liberalismus über den jüdischen Nationalismus zum Agudismus". H.A. Goodman, London, behandelte die aktuellen politischen Probleme der Judenheit und bezeichnete den Jüdischen Weltkongreß als „unbotmäßig und gefährlich für das Judentum". Die Reden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Den Vorsitz führte Rabbiner Jonathan Horovicz, Jerusalem. G'tt, Land und Volk. Zu den Wochenabschnitten. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Aus dem täglichen Gebet kennt jeder Jude den in der Thora enthaltenen Abschnitt wo ds rrm, der unserem Sch'ma eingefügt ist. Die Lehre von Löhn und Strafe wird uns in schlichten, doch ebenso ernsten Worten vorgeführt, in plastischer Anschaulichkeit auch für den letzten Volksgenossen in Israels Mitte. „Wenn ihr meinen Befehlen Gehör schenket, dann •gebe ich Regen eurem Lande, Frühregen, und Spätregen, Getreide, Mast, Oel, Kraut auch für dein Vieh. Du wirst essen und satt werden. Weichet ihr ab, dann wird der Himmel verschlossen im g'ttlichen Zorn, Regen und Ertrag bleiben aus und ihr gehet zu Grunde auf dem guten Lande, das der Ewige euch gegeben." Wenige, wuchtige Worte G'ttes. Der Boden wankt unter Israels! Füßen, je nachdem. Er kann auch fest und sicher sein, je nachdem. Von uns hängt das ab, von uns ganz allein. „Wen n ihr meinen Geboten gehorcht, ihr habt die Willensfreiheit dazu!" Der Entschluß liegt bei euch.. Seine Tragweite ist euch bekannt. G'tt, Volk und. Land stehen in einem eigenartigen einzigartigen kausalen Verhältniszueinander. •enb.'fmi.'aR -"«w.. vdas Land, „das Ich euch gebe." Wir haben es uns nicht gewählt und nicht genommen. Es wurde uns zugewiesen. Und dem Land wiederum wurde das Volk zugewiesen. Das ist unsere alte und ewige magna charta auf Palästina. Eine Deklaration von höchster, von allerhöchster Stelle. Fällt sie schon so aus dem Rahmen aller Vergleiche mit sonstigen Staatengründüngen und Ansässigmachungen heraus, so noch mehr, in den Motiven. Das Land sollte den Boden abgeben für ein sittlich-heiliges Leben, bestimmt nach dem Thoragesetz. nanan psn» das „gute" Land: : r-i-a ni ' tznpan. Die Güte des Landes konzentriert sich im . Pipan r-ra im GHtesheiligtum. Land und Volk kreist um es*. Beim Versagen wird euch das Land ausspeien,' DS'asV ipk mn nsp iwsd. wie die Völker vor euch, Ihr seid nicht besser als sie und verdient gleiches Schicksal vor meiner Gerechtigkeit. Das Damoklesschwert hängt über eurem Haupte. Regen und Segen, Trockenheit und Hungerleid vollziehen sich im heiligen Lande nicht mit der Regelmäßigkeit eines Naturvorganges. Kausale Zusammenhänge übernatürlicher Art spielen herein, nur in 'dieses Land allein. Der Lenker des Weltalls hat Sein Auge auf es geworfen und auf Sein Volk dortselbst. i»i tmfn Ji>p*n» na i»p£s 'n Tön nm em 'n ivs pR mv winx; „Ein Land, das' der Ewige, Dein1 G'tt, prüfend durchforscht. Ständig sind die Augen, des Ewigen Deines G'ttes, auf es gerichtet, vom Anfang biszum Ende; des Jahres." [5. B. M. 11, 10)/ Dies die Einleitung, zum Abschnitt ynw ok nviv Land! 'und' Volk stehen unter Aufsicht. Das Auge des Vaters ist liebevoll: und; streng zugleich. Und deu;tlicbeii nbch wird's' dort gesagt. Es ist nicht an dem, daß ^Palästina das an Naturschätzen reichste Länd wäre. In den' Tropen wird oft viermal geerntet, auf Cuba sechsmal. Ganz zu schweigen von den Schätzen des Wunderlandes '* Indien. Doch was brauchen wir weit zu suchen: die Thora selbst bezeichnet Aegypten in seiner Schönheit als einen „Garten G'ttes", Dnsa psa 'H pa> (1, B. M. 13, IQ). Hätte Schönheit und Ueppigkeit den Ausschlag zu geben gehabt, 'die Wahl G'ttes hätte sicher auch auf ein anderes Land der Erde fallen können. Aber gerade das Naturhafte, den Menschen durch seinen Reiz Bestrickende, sollte hier in den Hintergrund treten. Warnend fügt die Thora Obigem hinzu: Dt?» ofiss» -lws K'n trnxtt psa sb nnenV nncMO nns nws psn - •■fa-ia rvpwm -jsnT na snui iws „Das Land, das ihr besitzen werdet, läßt sich nicht derart mit Mizrajim vergleichen, daß du nur deinen Fuß in Bewegung zu setzen brauchst, um zu bewässern, wie man einen Krautgarten begießt," Nein, hier geht es nicht «mit „natürlichen Dingen" zu. All deine Kraft und Kunst, all dein Fleiß versagt, wenn die hohen und heiligen, die edlen und ewigen Thoraideale außer acht gesetzt werden, d^js nnwn D'awn ntJöV/ „Vom Regen des Himmels trinkst du Wasser." Den Schlüssel des Regens hält G'tt fest in Händen. (Talmud, Traktat Taanit). Kein Tropfen, Regen fällt; kein Perlchen Tau glänzt im heiligen Lande ohne den Finger G'ttes. Und wie wundervoll hat Kalirs goldene Feder diesen Gedanken ausgebaut zu einer Perle unserer synagogalem Liturgie, dem ^ü- und Eapa-Gebet! Mit der feierlich ernsten Stimmung der Dnhli OW-Tage wird .••es vorgetragen , in . unseistt G'tteshäus.ern. Hier spiegelt sich erst der Geist : und Gehalt des zweiten Schemaabschnittes verklärtv ab. Und selbst die Prosa des Alltags durchweht 4ieser Gedanke. Nicht für >,das tägliche Brot,;'das G'tt uns heute gibt," danken, wir, sondern,;Y**n T»: opb. «'Sinn spricht der jüdische Mund, ehe er den Bissen Brot sich zuführt, der „hervorbringt das> Brot aus der