Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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13. August 1936 Der Israelit Nr. 33 Seite 3 Nach Schluß der Kenessio Mechäno. (Fortsetzung von Seite 1.) machung ihrer Ideologie wie eine Zentnerlast, die ihren Schwung hemmt und sie zu Boden 'drückt. Begreift man aber die allgemeine Judenriot, aus der mittelbar .auch die Agudasorgen fließen, wie es der Präsident meint, als Folgen der Abkehr von der eigentlichen jüdischen Mission, so gibt es Mittel, 'die Not zu überwinden: Einkehr, im Sinne der Erkenntnis unserer Pflicht gegen G'tt, Thora und Judentum, gegen Agudas J i s - roel, die mit all ihren Institutionen nichts anderes will, als ,,die Souveränität G'ttes in und durch Israel zur vollen Geltung zu bringen." „Die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft," sagte der Führer der polnischen Aguda. Und wie kaum eine andere Versammlung hat diese Kenessio der Rüstung gezeigt, wo sie liegen, wo und wie das Ausschöpfungswerk einzusetzen hat. Wir haben bei aller schonungslosen Selbstkritik in dieser Kenessio so viel Aktivbestände gezeigt bekommen, daß man doch bei allem und allem gehoben und voll glühender Hoffnung nach Hause kam. Eine Jugend haben wir gesehen, bezt unter voller Beseitigung der Gefahren, die manche daraus für die gesetzestreue Gblah („In der Golah wird das Schicksal Erez Jisroels entschieden," sagte- Jacob Rösenheim)! befürchteten. War man sich darüber einig, daß der sogenannte J ü d i s c Ke Kongreß, wie er jetzt in Genf zusammentritt, unmöglich sei und sah man sich gezwungen, vor aller Welt zu erklären, daß dieser Zusammenkunft von Menschen aus eigener Wahl und eigener Machtvollkommenheit nicht die Spur von Legitimität zukommt, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen, so wird doch hinterher schon in der gleichen Resolution ein Modus gezeigt, wie die großen jüdischen Organisationen angesichts der großen jüdischen Not auf dem ganzen Erdenrunde ,in Fühlung miteinander treten sollten, und es sind genau die Grenzen abgesteckt, innerhalb deren alle Kreise und Gruppen sich, ohne Preisgabe ihrer eigenen Kultur- und Weltanschauung, in einem großen Rettungswerk finden könnten. Man hörte kaum etwas absolut Negatives auf dieser Kenessio, jedem Nein stand das bessere Ja zur Seite — wenn nicht für den Tag so Von einem Ueberbrück u n g s k r e d i t sprach Isaac B r euer in Beziehung auf die* Kibbuzim in Erez Isroel. Vielleicht führt diese Kenessio Mechino zu einem Ueberbrückungskredit in noch anderem und höherem Sinne . Die Beschlüsse der Kenessio Mechino. Marienbad, 6. August. Nach dreitägigen \ erhandlungen ist die Kenessio Mechino, die vorbereitende Weltkonferenz der Agudas Jisroel, am Abend des 6. August geschlossen worden. Nachdem die Referenten der eingesetzten Kommissionen ihre Berichte erstattet hatten, schritt man zur Abstimmung über die dem Plenum vorgelegten Resolutionen. Die erste Resolution betrifft die Ereignisse in Palästina. „Der Zentralrat der Agudas Jisroel — so heißt es in dieser Entschließung — gibt seiner Trauer und Entrüstung über die blutigen arabischen Exzesse in Palästina Ausdruck, und in der Ueberzeugung, daß für den weiteren friedlichen Aufbau Palästinas eine Verständigung mit den Arabern erforderlich ist, spricht er seine Befriedigung aus über die Erklärung der britischen Mandatarmacht, sich unter dem Druck des arabischen Terrors keine Zugeständnisse abpressen zu lassen und an der Balfour-Deklaration festzuhalten." Oberrabbiner Ahron Lewin, der Vorsätzendie des Z. R. und der K. M. fährt zur Eröffnung. Der Gerer Rebbe (in der Mitte) auf dem Wege zur Kenessio Mechino. die arbeiten will und auch arbeitet, die ein Maß von Selbständigkeit, von Anerkennung, ja von Geltung kategorisch fordert, aber nicht gegen die politischen und rabbinischen Führer, sondern mit ihnen, unter ihrer Leitung arbeiten will. Wir haben ein Wiedererwachen der L.a n d e s - Organisationen mitsamt der ihnen unterstehenden Gruppen erlebt. Gar nicht zu reden von den Zahlen und Daten der Senderverbände wie Keren Hajischuw, Keren Hathora und Beth Jakob, Zahlen, die nur Ansätze und Anläufe bedeuten im Vergleiche zu den auf uns einflutenden Wellen der politischen, wirtschaftlichen und religiös-kulturellen Not allenthalben und darum weder uns noch die Berichterstatter befriedigen, und die dennoch an sich große Posten jüdischer Opferkraft bedeuten. Das Positive, der absolute Wille zur Arbeit, der selbst da neue Wege sucht, wo man die alten in auß er agudis tischen Kreisen gewiesenen nicht gehen mag, spiegelt sich auch in den bedeutsamen Beschlüssen. und Resolutionen der Kenessio Mechino wider. Ueberall da, wo man ablehnen und zurückweisen muß, öffnet sich auf der anderen Seite ein Tor, durch das man zum g 1 e i c h; e n letzten Ziele auf anderen, besseren Wegen gelangen kann. Konnte, die Kenessio Mechino in ihrer Mehrheit den Plan eines Ab'k o mm en.s mit dem P o e 1 H a mi srachi in Erez Israel nicht ganz in. der vom Initiator gedachten Form akzeptieren, so fand sich doch bald ein /Weg zu der gewünschten Zusammenarfür morgen. „Eine friedliche Verständigung mit den Arabern muß und wird kommen," hörten wir bei der Eröffnung. Einigungsversuche mit der Jewish Agency im Rahmen des Gegebenen scheiterten immer wieder, aber den Anteil der Zertifikate, die immer noch die Agency zu treuen Händen bekommt, hat sich die Aguda, — wenn auch noch nicht im vollen Maß — gesichert. In Erez Jisroel war die Aguda gezwungen, eine eigene Sammel- und Rettungsaktion für die Opfer einzuleiten, aber wo jüdische Gesamtinteressen gefährdet sind, treten Aguda und Waad leumi gemeinsam den Weg; zu den Regierungsstellen an. Mit einem Worte: Nirgends und niemals kommt das Nein aus Freude an Verneinung, und wo es nur irgend angeht, ist das aus der jüdischen Liebe diktierte Ja da. Wie sich die in Marienbad jetzt zu Ende gegangene Kenessio Mechino im Leben des Agudismus auswirken wird, kann im Einzelnen noch nicht gesagt werden, Eines aber muß von Freund und Gegner anerkannt werden: Es war eine Kenessio der Arbeit, eine Kenessio der absoluten Wahrhaftigkeit, eine Kenessio des guten Willens, eine J^enessio von rein positiver Einstellung auch übeir jdie engen Belange der Aguda hinaus, eine Kenessfo, die bei; allen Passiven in der Leistung die Aktivbestände an Kraft und Willen gezeigt /hat;- an dem Willen vor allem, die Kluft zwischen; Ideologie, und Wirklichkeit zu überbrücken'. Die zweite Resolution betrifft den Jüdischen Weltkongreß. „Der Zentralrat der Agudas Jisroel — heißt es darin — stellt fest, daß der gegen den Widerspruch fast sämtlicher maßgebenden jüdischen Organisationen veranstaltete Jüdische Weltkongreß nicht legitimiert ist, das jüdische Volk zu vertreten. Im übrigen fordert der Zentralrat der Agudas Jisroel die Zentralisierung aller sozialen und, philanthropischen Unternehmungen." Die dritte Resolution betrifft die Einberufung der Kenessio Gedaulo. Es heißt darin; „Der Zentralrat der Agudas Jisroel hält im Vertrauen auf den Lenker der Weltgeschicke an dem Plan fest, den Dritten Weltkongreß der Agudas Jisroel (Kenessio Gedaulo) als große Demonstration für den G'ttesgedanken nach Jerusalem einzuberufen. Die Exekutive wird jedoch ermächtigt, bis spätestens Adar 5697 die Kenessio Gedaulo nach einem europäischen Orte einzuberufen, falls bis dahin die Vorbedingungen für die Abhaltung der Kenessio in Jerusalem nicht gegeben sein sollten." Zum Schluß der Konferenz gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Kenessio, vorbehaltlich der Zustimmung des Aguda-Weltrats, für die Schaffung einer gemeinsamen Arbeitsvermittlung der Poale Agudas Jisroel und des Hapoe'l Hamisrachi in Palästina ausspricht. Die Kenessio Mechino beschloß weiter, die Keren Hatorah- und Beth Jacob-Zentralen nach