Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^i^^^i^^^ss^ts^swsfis^s^^^issii Seite 10 Nr. 32 D er Israelit 7. August 1936 schwierige Lage geraten sind, daß rumänische Politi ker, insbesondere die Bürgermeister verschiedener Provinzstädte, die Gemeindearbeit durch verfassungs widrige Eingriffe in die Gemeinideautonomie stören Dadurch werden die Gemeinden gezwungen, fast allmonatlich Neuwahlen der Gemeindevertretungen vorzunehmen, wodurch die Fortführung der laufenden Arbeiten empfindlich gestört wird. Obwohl «in im Jahre 1928 erlassenes Gesetz die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden regelt und ihre innere Autonomie gewährleistet, setzen sich die lokalen Be" hörden über die gesetzlichen Bestimmungen hinweg und gehen gegen die jüdischen Gemeinden völlig willkürlich vor. Auch werden die jüdischen Ein wohner vielfach übersteuert und gezwungen, ihre Heimatsorte zu verlassen, falls sie die Zahlung ver weigern. Im Hinblick auf diese Lage soll in Bukarest eine Besprechung von Vertretern der transsylvani sehen Judenheit mit den Führern der jüdischen Or ganisationen stattfinden, bei der die Möglichkeit einer Intervention bei den zentralen Staatsbehörden er* wogen werden soll. England. Jüdische Körperschaften leiten Abwehraktion ein. London, 27. Juli. Im East End von London fand unter dem Vorsitz von A. R. R o 11 i n eine von über 200 Delegierten jüdischer geselliger Vereinigungen, Gewerkschaften, Arbeiterorganisationen, Synagogenvereinen, Jugendklubs und Vereinigungen ehemaliger Kriegsteilnehmer aus dem Gesamtgebiet von Groß=London besuchte Konferenz statt, in der die Einleitung einer planmäßigen Abwehraktion gegen die von faschistischer Seite in der letzten Zeit gegen das englische Judentum unternommene Verleumdungskampagne beschlossen wurde. Es wurden die Möglichkeiten der Bekamp5 fung judenfeindlicher Verleumdungen auf gerichtlichem Weg, Aktionen im Parlament und 'die Veranstaltung von Massenprotestkundgebungen erörtert. Einstimmig wurde eine von I. R e n a t vorgelegte Entschließung angenommen in der festgestellt wird, daß die Existenz der englischen Judenheit durch die antisemitische Kampagne gefährdet sei. Physische Angriffe gegen einzelne Juden — so heißt es in der Entschließung — Terrorisierung und Einschüchterung jüdischer Geschäftsleute, Entweihung von Synagogen durch Anschlag von Plakaten mit judenfeindlichem Inhalt haben sich in Verbindung mit der Verbreitung gemeiner Verleumdungen in beunruhigendem Ausmaß ereignet. Nach der Feststellung, daß die dm ganzen Lande mit niedrigen Verleumdungen gegen das jüdische Volk arbeitenden Propagandisten beträchtliche Erfolge in den östlichen Bezirken Londons, Hackney, Shoroditch und Bethnal Green erzielt hätten, wird in der Entschließung ein acht Punkte umfassendes Aktionspro* gramm für die Abwehr aufgestellt: 1. Kooperation mit allen Kräften in England, die den Faschismus bekämpfen. 2. Gerichtliches Vorgehen gegen judenfeindliche Verleumdung. 3. Einsetzung eines gemeinsamen Ausschusses der an der Abwehraktion teilnehmenden Verbände. 4. Veranstaltung von Massenprotestversammlungen gegen faschistische Propaganda und Gewalttätigkeit. 5. Verstärkung des wirtschaftlichen Abwehrkampfes. 6. Koordinierung der Tätigkeitder neuen Körperschaft mit der vom Board of Deputies eingeleiteten Aufklärungsaktion gegen den Antisemitismus in England. 7. Aufforderung an das Parlament, das Tragen von Uniformen und Waffen durch Privatorganisationen, die Bildung militärischer und quasi-militärischer Fors mätionen und die Errichtung von Baracken für besondere Detachements gesetzlch zu verbieten. 8. Aufforderung an das Parlament, alle Organisationen, die zum Rassen- und Religionshaß aufreizen, gesetzlich zu verbieten. Verfahren gegen Blutbeschuldigung. London, 2. August. Der Generalstaatsanwalt von England, Sdr Donald Somervell, hat angekündijJt, daß er ein Verfahren gegen die Zeitschrift „The Fascist", das Organ der British Union of Fascist, wegen eines in der Nummer vom 4. Juli erschienenen Artikels einleiten werde, in dem gegen die Juden die Beschuldigung des Gebrauchs von Menschenblut zu rituellen Zwek ken erhoben wird. Unterhausanfragen über Palästina. Illegale Einwanderer und die gegenwärtige Lage in Palästina. . London, 30. Juli. Der Abgeordnete Colonel Wedgewood fragte im Unterhaus den Kolonienminister, wieviele Juden sich gegenwärtig als illegale Einwanderer in den Ge fängnissen Palästinas befinden, und ob im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Palästina 'diese loyalen Elemente in Freiheit gesetzt werden würden. In einer schriftlichen Antwort erklärte Kolonien^ minister Ormsby-Gore, daß er in Bezug auf den ersten Teil 'der Anfrage keine entsprechenden Un terlägen habe, daß er sie aber vom High Commdssioner anfordern würde. Colonel Wedgewood richtete an den Kolonienminister sodann die weitere Frage, wieviele Juden, Araber und Engländer gegenwärtig in der palästinensischen Polizei oder als besondere Sicherheitsbeamte beschäftigt sind, ob die besonderen Sicherheitsbeamten bewaffnet und ob die jüdischen Polizisten aus öffentlichen Mitteln oder von den Juden selbst bezahlt werden. Kolonienminister Ormsby=Gore erwiderte, die palästinensische Polizei habe am 31. Dezember des vergangenen Jahres aus 746 Briten, 1456 Arabern und 365 Juden bestanden. Seit diesem Zeitpunkt sei die aus Palästinensern bestehende Polizei um über 200 und der britische Teil der Polizei um über 150 verstärkt worden; außerdem seien mehr als 2000 Hilfspolizisten, besonders zur Verteidigung der jüdischen Siedlungen aufgestellt worden. Der Sold von einigen von ihnen — er könne nicht sagen bei wievielen — werde von den beteiligten Gemeinden getragen. Ich habe erfahren, so sagte Kolonienmdnister Ormsby* Gore weiter, daß die Hilfspolizei mit den verschiedensten Waffen ausgerüstet ist, aber ich habe keine Einzelheiten in Bezug auf die Ausrüstung irgendeiner besonderen Zahl von ihnen. Auf eine dritte Anfrage des Abgeordneten Wedgewood über 'die Zahl der Araber und Juden, die bei den palästinensischen Eisenbahnen beschäftigt sind, vor den Unruhen und während des arabischen Generalstreikes, erwiderte der Kolonienminister in einer schriftlichen Antwort, daß er den High Commissioner um die entsprechenden Angaben ersuchen werde. Der Faschistenterror im Londoner East End. London, 30. Juli. Die Frage, welche Maßnahmen die englische Re* gierung gegenüber dem verstärkten Terror der englischen Faschisten in gewissen Stadtgegenden Londonds treffen würde und getroffen hat, war wiederum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage. im Unterhaus. Der Abgeordnete James Hall fragte den Innenminister Sir John Simon, Welche Maßnahmen er erwäge, um Mitglieder der British Union of Fascists von; Einschüchterungsversuchen gegenüber Personen abzuhalten, die in jüdischen Läden kaufen, wollten. Sir John Simon erwiderte, daß der Polizeikommissar für die Hauptstadt ihn dahin' informiert habe, di« Polizei schenke dieser Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit. Abgeordneter Hall: Weiß der Innenminister, daß seit der Zeit, wo ich diese Angelegenheit zur Sprache gebracht habe, sich die Einschüchterungsversuche gegenüber Käufern und Geschäftsleuten vergrößert, daß Geschäftsleute angegriffen, daß alte Leute be* lästigt. und daß in einem Falle die herbeigerufene Polizei den Täter laufen ließ?..Darf ich fragen, ob der Innenminister darauf vorbereitet sein wird, die Angelegenheit in die Hand! zu nehmen, und verhinern wird, daß die Judenheit 'genötigt sei, Selbstschutzmaßnahmen zu treffenlj und ob diese gefühllose Verfolgung unterbunden Wehden wind? Ia»en«itnistefj Sir John Simon erwiderte, wenn der Abgeordnete! besondere Information besitze, so würde ,er sehr 'ki^ freut sein, sie zu erhalten, und er wünsche alles Mögliche zu tun, und auch der Polizeikommissar hege den gleichen Wunsch. Der Abgeordnete, fragte daraufhin, ob er Einzelheiten dem , Innenminister unterbreiten dürfe. Sir John Simon nickte zustimmend. Der Abgeordnete Sir Percy Harris fragte sodann> ob der Innenminister wisse, daß Rundschreiben, die zu mBoykott jüdischer Kaufleute auffordern, in weitestem Umfange verbreitet würden, und ,ob er ihm eine Abschrift eines solchen Rundschreibens über? mittein solle. Sir John Simon stimmte dem zu. Palästina. Einsparungen bei der Stadtverwaltung von Tel Awiw. Tel Awiw, 27. Juli, Der Stadtrat von Tel Awiw hat in geschlossener Sitzung eine Kürzung des Etats für das Finanzjahr 1936/37 um 40.000 Pfund vorgenommen. 10.000 Pfund sollen durch Herabsetzung der Gehälter; und 30.000 Pfund durch Einschränkung der Ausgaben auf anderen Gebieten eingespart werden. Die öffentlichen Leistungen der Gemeinde sollen (hierdurch, soviel bekannt wurde, keine Minderung erfahren. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt zur Zeit in Tel Awiw über 2500. Von diesen sind über 2000 „absolut" arbeitslos. Am stärksten betroffen ist die Bauarbeiterschaft, die etwa 45 Proz. der Arbeitslosen in Tel Awiw stellt. In Jaffa sind infolge der Unruhen 500 jüdische Arbeiter ohne Arbeit geblieben. Die Exekutive der Landarbeitergewerkschaft (Merkas Chaklai) hat dem Einwanderungsdepartment vorgeschlagen, die in den nächsten Wochen zu erwartenden über 1900 neuen Einwander auf verschiedene landwirfcschaftliohe Siedlungen zu verteilen, Zollbefreiung iür Erziehungs- und Lehrgegeu. stäiide in Palästina, Jerusalem, 31. Juli. Durch Order des High Commissioners sind die palästinensischen Zollbefreiungsvorschriften über die Einfuhr von Gegenständen durch religiöse, Erziehungs-, wissenschaftliche und Wohlfahrtsänstalten geändert worden, soweit sie sich auf Aiisstattungsgegenstände, technische Apparate usw. 'beziehen. Diese Zollbefreiung erstreckt sich auf genau bestimmte Gegenstände, die dem Unterricht oder Unter* suefoungszwecken in Schulen oder Anstalten dienen, die von einer vom iHigh Commissioner anerkannten religiösen 'Gemeinschaft unterhalten werden. Eine entsprechende Bescheinigung des Direktors der Erziehungsabteilung der Regierung ist vorzulegen. Ausgeschlossen von der Zollbefreiung sind Rohmaterialien, Halb- oder Fertiggüter, die unverändert oder nach Bearbeitung zum Verkauf bestimmt sind. (ITA.) Die Lage in Palästina. Neue Opfer. — Kollektivstrafen. — Friedhofschändung in Hebron. — Einwanderung. —1; Arbeit der Gerichte, Jerusalem, 6. August. Im Abklingen der Unruhen finden immer noch große und kleine Exzesse statt, die i Opfer erfordern. Die jüdische Bevölkerung in Tiberias wurde! mehrere Tage lang schwer terrorisiert. Sich zur Wehr setzende Juden wurden von der arabischen Polizei verhaftet und hunderte von Juden verließen die Stadt. Inzwischen hat sich dort wie in<Unter- . ' . galiläa die Lage 'beruhig t. II Am Montag vormittag wurde der 36jährige jüdische Hilfspolizist Mendel B a r a n o w s k,i aus; Kffcjn j Ezion schwer verwundet, als er jüdische Arbeiter tSfti ihrei' ' ■ i" . '»« Arbeitsstätte begleitete. Ferner wurden diej5ibeiden ■ ■ _j i. ■ 1 ■ - jüdischen Hilfspolizisten Jehoasch Zo 11 er Äd Jizr chak K alis ch awski in der Wächterhutte von Jokriean t oi auf g e f u n d e n. Als mutmaßliche Mörder wurden; drei arabische Bewohner des, Dorfes Reheina verhaftet. Erschossen.; wurde zuf; gleis '-1""ffffW-ir~'''"riOT5»,iy<nWHHIH*KfilrMMÜ'1 ^^sfi^^m^i^^mm^is^si