Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7. -August 1936 Der Israelit Nr. 32 Seite 9 Agehcy, Mösche Schäpiro, den Plan zur Ansdedhrag jüdischer Fleischer, von denen Tausende durch das Inkrafttreten des neuen Schlachtgesetzes in Polen brotlos werden, in Palästina vorgelegt. Die Mitglieder der Delegation richteten an die Vertreter der Jewish Ageney die Bitte, sich für diesen Plan zu interessieren und an seiner Verwirklichung mitzuwirken. J. Grünbaum versicherte, daß die Exekutive sich an dieser wichtigen Aktion beteiligen werden. Keren Kajemeth und Pica würden bestimmt bei der Lösung der Bodenfrage mithelfen. Allerdings müßten die Mittel für die Kolonisierung durch die Aktion der Fleischer aufgebracht werden. Die Exekutive werde für die Einwanderung der Familien, die für eine Ko= Ionisierung in Betracht kommen/ und für die Beschaffung von Krediten Sorge tragen. Dr. Rottenstreich richtete an die Abordnung Fragen über die Qualifikation der jüdischen Arbeiter des Fleischergewerbes. Auch das von ihm geleitete Industriedepartment der Jewish Agency werde sich mit Unterbringungsmöglichkeiten für die Fleischer befassen. Der Zentralrat der Gewerkschaften hat eine Denkschrift über seine Forderungen gleichzeitig auch an die übrigen Exekutivemitglieder in Jerusalem und London geschickt. Jüdische Landbevölkerung Wolhyniens wird durch Brandstiftungen terrorisiert, Warschau, 2. August. Gegen die jüdische Bevölkerung in den Landstadt* chen und Dörfern Wolhyniens wird ein planmäßiger Terror durch Brandstiftungen durchgeführt. In dem Städtchen Derazne bei Rowno sind 25 jüdische Häuser niedergebrannt worden, gleichzeitig wurden in Kostopol 8 Häuser vollständig niedergebrannt. Vierzig Familien sind obdachlos geblieben. Rabbi Sender Elenter aus Derazne hat einen dringenden Hilferuf für die Notleidenden erlassen. Auch in den Dörfern« Jankewiczo, Podluzna, Berestowice und Karczwola wurden jüdische Häuser niedergebrannt. Ununterbrochen treffen in Warschau neue Meldungen über Brandstiftungen in Wolhynien ein. In Kostopol wurde versucht, ein jüdisches Petroleumlager zur Explosion zu bringen. Das Feuer konnte rechtzeitig gelöscht werden. Da das Lager sich mitten im jüdischen Geschäftsviertel befindet, wären die Folgen der Explosion katastrophal gewesen. Blutige Ausschreitungen bei einer Gedenkfeier für gefallene ukrainische Legionären Lemberg, 4. August. Bei einer Gedenkfeier für die 1915 gefallenen ukrainischen Legionäre, die in dem Dorf Makowska bei Skole in Ostgalizien stattfand, und an der etwa 10.000 Ukrainer teilnahmen, ist es zu blutigen Ausschreitungen gekommen. Der jüdische Photograph Josef Lux wurde von der Menge gelyncht. Auch der Ukrainer Andrej Szolota, der sich bemühte, Lux zu schützen, wurde erschlagen. Die aufgehetzte Menge mißhandelte dann in den zum Festplatz führenden Straßen jüdische Passanten. Der jüdische Chauffeur Schneur wurde schwer verletzt und in sterbendem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Ungarn, Judenfeindliche Ausschreitungen in Steinamanger. Budapest, 2. August. In Steinamanger ist es, nachdem eine Woche lang von Antisemiten judenfemdliche Aufrufe verbreitet worden waren, zu Ausschrei hinigen gegen die jüdische Bevölkerung gekommen. Größere Gruppen antisemitischer Exzedenten durchzogen unter judenfeindliehen Ausrufen, die vorwiegend von strenggläubigen Juden beiwohnte Thoekelstraße. Zahlreiche jüdische Passanten wurden schwer mißhandelt. , Litauen. Litauische Regierung begünstigt die ORT-Arbeit zugunsten deutschjüdischer . Jugendlicher. Kowno, 28. Juli. Das . .litauische Innenministerium hat soeben der Bitte des litauischen „ORT", einer Gruppe deutsch- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. 'i (Naoh Palnews.j Tel A w i w. Wir haben im Laufe der letzten Wochen mehrfach über die wirtschaftliehen Auswirkungen der Unruhen berichtet, die sich in einer starken Zurückhaltung der Nachfrage nach Gütern, die nicht zum lebenswichtigen Bedarf gehören, wie auch einer Zurückhaltung in der Invess titionstätigkeit äußern. Diese Zurückhaltung der Käufer erstreckt sich vor allem auf importierte Produkte. Für die Monate Mai und Juni liegen allerdings noch keine Importziffern vor, es ist aber mit sehr starken Rückgängen der Einfuhr zu rechnen. Auch die Regierung zieht eine dementsprechende Verminderung der Zolleinnahmen, die ihre wichtigste Finanzquelle bilden, in Betracht, Die Zurückhaltung der Nachfrage trifft aber nicht nur den Import, sondern auch Produkte der palästinensischen Tndustrie. Die Einschränkung der Bautätigkeit, die zum Teil auch mit Schwierigkeiten der Baumaterialbeschaffung (Zifzif, Chazaz, Kalk) in Zusammenhang steht, hat zu einer Produktiionseinschränkunig des Nesherwerkas geführt, die Fensterglasfabrik „Phönicia" in der Haifa-Bay w.urde still gelegt, ebenso die Metallwarenfabrik „Tooval" in Akko. Auch die Palestine Foundries und Metal Works nahmen Betriebs eins ehr änkungen vor. Eine Reihe weiterer Fabriken arbeiten verkürzt. Die wirtschaftlichen Schäden, die durch die monatelange Dauer der Unruhen hervorgenu fen werden, nehmen also über den Sektor der arabischen Wirtschaft hinaus erhebliche Dimensionen an und bedrohen die gesamte Wirtschaftslage des Landes. Die Verluste, die die arabische Landwirtschaft durch die Absatzstockung gerade in der Erntezeit erleidet, sind schwer abzuschätzen und machen jedenfalls einen großen Teil der Jahreseinnahmen aus. Der arabische Handel liegt durch den Streik still. Darüber hinaus wird die jüdische Wirtschaft durch die Un= Sicherheit der Lage wie auch das Regierungsbudget ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen, so daß die Regierung Einschränkungen der Ausgaben plant. Damaskus. Die Aussteller der Messe von Damaskusi haben eine Versammlung abgehalten und eine Delegation zur Messeleitung gesandt, um sich über den schlechten Verkauf der von ' ihnen ausgestellten Produkte zu beklagen. Sie verlangen von der Messeleitung, daß sie auf die noch zu" zahlende zweite Rate der Gebühren verzichtet. Ferner wird die Messeleitung aufgefordert, die Eintrittsgebühr zu vereinheitlichen und auf fünf syrische Piaster zu reduzieren, .damit die Besucherzahl der Messe sich erhöht. Eine weitere Forderung betrifft ebenfalls Maßnahmen, von denen man sich eine Steigerung des Messebesuches verspricht. Beirut. Durch die monatelange Dauer der Unruhen in Palästina und die dadurch hervorgerufene Lähmung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern wird die syrische Wirtschaft von Woche zu Woche stärker in Mitleidenschaft gezogen. Aus gut informierten Kreisen wird über die Lage der syrisehen Industrie mitgeteilt, daß diese noch niemals einen solchen Marasmus wie gegenwärtig erlebt hat, und daß das Ende des Streikes mit Ungeduld erwartet wird, um die in den Lagern sich ansammelnden Warenvorräte absetzen zu können. Aus Aleppoern Exporteurkreisen werden ebenfalls Stimmen laut, daß die ganze Welt das Ende des palästinensischen Streikes mit der größten Ungeduld erwartet, um der darunter leidenden syrischen Landwirtschaft und Industrie Erleichterungen zu bringen.. Wie wir bereits in der letzten Ausgabe berichteten, fand auf die Zwischenfälle in Damaskus eine Besprechung der Kaufleute von Damaskus über die Rückwirkungen der Ers eignisse in Palästina auf ihren Handel statt. Zur Klärung dieser Frage soll nach Damaskus ein syrisch-libanesischer Kongreß einberufen werden, der die gesamten Kauf* leute der Mandatsstaaten vereinigt. Tel A.w i w. Zu unserer Mitteilung über den Versuch der Verschiffung von spanischen Orangen in loser Schüttüng nach Polen wird uns von informierter Seite mitgeteitt, daß dieses Experiment nicht erfolgreich verlaufen ist, Die Ware ist mit 40 Proz, Verderb angekommen und die polnischen Im« pbrteure haben große Verluste erlitten; jüdischer Jugendlicher die Einreise= und Aufenthalts? genebmigung für die Dauer von achtzehn Monaten zu erteilen, stattgegeben. Die Gruppe wird in den Spezialkursen des „ORT" für Schlosserei und Elektrotechnik, sowie in der landwirtschaftlichen Lehranstalt des „ORT" in Kalinovo (bei Kowno)' fachlich ausge-» bildet werden. Das innenministerium genehmigte fers ner die Verlängerung des Aufenthalts für diejenigen jüdischen Jugendlichen aus Deutschland, die bereits im Jahre 1935 nach Litauen zur fachlichen Ausbildung in den ORT-Lehranstalten gekommen sind. Dieses Entgegenkommen der litauischen Regierung ermöglicht den weiteren Ausbau der Spezialkurse des ORT, so daß demnächst mit der Aufnahme von weiteren 100 Umschichtungsanwärtern aus Deutschland zu rechnen ist. Tschechoslovakei Zu dem Plan der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Kuba. Prag, 28. Juli. Der kubanische Staatssekretär Luis Machado y Ortega, der als Mitglied des Rotary*Clubs zur Zeit eine Weiterreise unternimmt, erklärte in Prag zu den Meldungen über den Plan einer großzügigen Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Kuba, die Mitteilung überrasche ihn, es sei ihm von einem solchen Angebot nichts bekannt gewesen. Seiner Ansicht nach sei es eine glatte Unmöglichkeit, auf Kuba hunderttausend Europäer halbwegs ihrem Lebensstandard entsprechend unterzubringen. Von einer Lebensmög* lichkeit durch kolonisatorische Arbeit . könne man überhaupt nicht reden, da außer den Zucker- und Ananasplantagen, die von Negern und Chinesen bewirtschaftet werden, gar kein Land mehr vorhanden ist. Selbst tausend Europäer hätten auf Kuba keine Arbeits- und daher auch keine Lebensmöglichkeit. Auf die von dem amerikanischen Abgeordneten Sirovich angedeutete Möglichkeit einer Ansiedlung auf industrieller Grundlage ging der Staatssekretär nicht Die jüdischen Denkwürdigkeiten in der Tschechoslovakei. Prag, 29. Juli. Das Handelsministerium gibt eine Propagandabroschüre über die jüdischen Denkwürdigkeiten cn. der Tschechoslovakei heraus. Die Aktion wird von der Jüdischen Kultusgemeinde in Prag vorbereitet, die einen Wettbewerb für die Broschüre ausgeschrieben hat. Die Frist endet am 31. August. Die jüdische Kultusgemeinde hat sich die eventuelle Prüfung der eingelaufenen Arbeiten vorbehalten. Rumänien, Bukarester Ministerkonferenz beschließt energische Maßnahmen gegen judenfeindliche Ausschreitungen. Bukarest, 2. August, In einer Konferenz, an der Ministerpräsident Gheorghe Tatarescu, Innenminister Ion Inculetz und Justizminister Valer Pop teilnahmen, wurden energische Maßnahmen zur Verhinderung judenfeindlicher Ausschreitungen, wie sie in letzter Zeit insbesondere in der Bukowina wiederholt vorgekommen sind, beschlossen. Gleichzeitig hat das Unterrichtsministerium einen Erlaß herausgegeben, durch den es den Studenten verboten wird, sich politisch zu betätigen. Es bleibt abzirwartem, wie die Maßnahmen der Regierung sich in der Praxis auswirken werden. Bisher sind alle Verfügungen gegen die Studenten, welche als Angehörige der illegalen ,Jiisernen Garde" und der National-Christlichen Liga Cuzas Hauptträger des verfassungswidrigen Terrors sind, auf dem Papier geblieben. Gerade Innenminister Inculetz und Justizminister Pop haben aus ihren Sympathien für die Rechtsradikalen niemals ein Hehl gemacht. Eingriffe in die jüdische Gemeindeautonomie in TTanssytvanien, Bukarest, 4. August. Die Tageszeitung „Lupta" berichtet, daß die jüdi* sehen Gemeinden in Transsylvanien dadurch in eine