Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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7. August 1936 Der Israelit Nr. 32 Seite 11 chien . Zeit 'der arabische Polizeiinspektor Admed N a i f. Letzterer wurde unter militärischen Ehren begraben, weil ihm von den Moscheen das religiöse Begräbnis versagt wurde. Die Kämpfe im Gebirge von Samaria dauern fort. Auch ein englischer Soldat wunde getötet und mehrere seiner Kameraden verwundet. In Jerusalem verstarb der vor einigen Tagen' verwundete Jechiel Heimowitz, womit die Zahl der jüdischen Todes* opfer 52 erreichte. Am Donnerstag und Freitag allein wurden 37 Araber von den Truppen getötet. Die Rebellen haben sich in letzterer Zeit mit Vorliebe -die Pipe-Line der Irak Petroleum C o, zum Gegenstande ihrer Angriffe gemacht. Mit einer ergänzenden Bestimmung wird die an manchen Stellen vom obersten Gerichte aufgehobene Kollektivstrafe doch durchgesetzt. Durch das neue Gesetz wird bestimmt, daß 'die Verordnungen rückwirkend vom 19. April, dem Beginn der Unruhen, Geltung haben. Auf dem jüdischen Friedhof in Hebron sind am Donnerstag zum zweiten Male Bäume angezündet worden, und der Brand richtete Beschädigungen auch an den Gräbern an. Mehrere Hau r ander wurden von der Polizei ausgewiesen. Aus Transjordanien, so wird verbürgt, werden wohl viele Waffen eingeschmuggelt (man spricht von. täglich 200 bis 300 Gewehren und 10.000 Patronen), aber es kommen von dort keine Kämpfer zur Unterstützung des palästinensischen Aufruhrs. Im Juli sind 2100 Juden in Palästina eingewandert. Im August werden in Polen 1000 Palästinaeinwanderer abgefertigt worden. 62 Jugendliche aus Deutschland sind am 3. August in Haifa angekommen. Die Gerichte haben alle Hände voll zu tun. Zwei jüdische Wächter, die Waffen bei sich trugen, sind zu 6 und 7 Jahren Gefängnis verurteilt worden. In Tiberlos wurden neben einigen Arabern 15 Juden verhaftet, die beschuldigt werden, aus den Häusern geschossen zu haben. Es wird gemeldet, daß nunmehr auch die Mörder im Edison Kino identifiziert seien. Vier jüdische Zeugen erkannten einmütig in einem Araber den Mörder, der damals drei unschuldige Menschen meuchlings ermordete. Aus- Syrien wird. gemeldet, daß dort sogar J uden unter allen denkbaren Erpressungen zur Bei* «teuer für den Palästinastreikfond gezwungen werden. Der jüdische Wächter Joseph U r p h a 1 i, der nach den Unruhen von 1929 zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglichem Zuchthaus« begnadigt "WUrde, ist auf Grund der Amnestie mit vielen, anderen Gefangenen in Freiheit gesetzt worden. Afrika. Die Araber Algeriens und die Juden. Algier, 31. Juli. Die Abordnung der Mohammedaner von Algerien, die soeben von den. Verhandlungen über die ZuerkennnunjJ. der vollen Bürgerrechte an die eingeborene Bevölkerung aus Paris zurückgekehrt ist, äußerte sich mit großer Zufriedenheit über ihren Empfang durch Ministerpräsident Leon Blum und die übrigen Mitglieder des Kabinetts. In einem Gespräch mit dem Vertreter der ITA. in Algier erklärte der Führer der Abordnung, Dr. Bemdjelloul, die algeri= •sehen Araber hätten es ihren jüdischen Brüdern in Algier und in Frankreich zu verdanken, daß ihre, gerechten Forderungen in den politischen Kreisen Prankreichs wohlwollend aufgenommen wurden. Es heißt, daß die französische Regierung der aras "bischen Delegation versichert habe, ihre politischen Forderungen, insbesondere die nach gleichem Wahlrecht, würden wohlwollend erwogen werden; verschiedene Reformen seien bereits in Vorbereitung. Amerika. Beschlüsse der „konservativen" Rabbiner Amerikas. New York, 23. Juli. Die vor kurzem in Tannersville abgehaltene 36. •Jahreskonferenz der Rabbani cal Assembly "(Verband der „konservativ" sich nennenden Rabbiner) tat 'die Leitung beauftragt, „die offizielle Haltung der Rabbinical AssembJy zum Zionismus zu formulieren und diese Haltung im Rahmen der Zionistischen Welt* Organisation zum Ausdruck zu bringen." Ferner wurde beschlossen, sich an der Aktion zur Pflanzung von 100.000 Bäumen in Palästina zu beteiligen. Weitere Resolutionen sprechen sich für Geburtenkontrolle, Kollektiv Vertragssystem, Friedensbewegung und die Lösung des Problems, der Aguna im Rahmen des jüdischen Gesetzes aus. Typhusbazillen als Kampfmittel der „Schwarzen Legion". N e w Y o r k , 31. Juli. In dem Prozeß gegen die „Schwarze Legion" von Detroit, zu deren Zielen insbesondere auch antisemitischer Terror gehörte, gab der Staatsanwalt M a c R e a bekannt, daß einer der Angeklagten, der Drucker der Legion William Guthrie, ihm mitgeteilt habe, die Terroristen hätten geplant, viele Juden von Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren. Die Durchführung dieses Planes habe er verhindert, indem er sich weigerte, seinen Keller für die Her* Stellung von Typhuskulturen zur Verfügung zu stellen und mit der Anzeige bei der Polizei gedroht habe. Auch habe er den Verschwörern, zu denen ein hoher Beamter der Legion, ein Apotheker und ein Bakteriologe gehörten, erklärt, die Sache könnte zur Vernichtung der Stadt führen. Man hatte beabsichtigt, Bazillen aus den gezüchteten Kulturen der den betreffenden Personen gelieferten Milch und dem Käse beizumischen. Keine antisemitische Note im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. New York^ 4. August. Eine angebliche antisemitische Aeußerung des Vorsitzenden der Republikanischen Partei und Leiters der Wahlkampagne für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, Alfred L. Landon, John Hamilton, hat dazu geführt, daß zwei führende jüdische Persönlichkeiten aus Kansas City sich an den Präsidentschaftskandidaten Gouverneur Landon gewandt haben. Nach Rücksprache mit ihm gaben . sie die Erklärung ab, daß der republikanische Präsident* schaftskandidat frei von Antisemitismus und sonstigen Vorurteilen religiöser oder anderer Art sei. Im übrigen wird in 'der Erklärung gesagt, daß beide Kandidaten der großen Parteien, der Demokraten und Republikaner, Roosevelt und Landon, von Juden nach den gegenwärtigen, die amerikanische Nation bewegenden Fragen beurteilt wenden müßten und dementsprechend auch eine Wahl erfolgen sollte. Personalien. Rhina, 4. Äug. Kurz vor Eintritt der Nacht zum 9. Aw hauchte Frau Jettchen Bacharach in Rhina ihr© reine Seele aus. Wir hatten an dieser Stelle — zum 80., 90. und 100. Geburtstag — Gelegenheit, aus dem Leben 'dieser frommen Frau zu berichten. Als arme Vollwaise von 13 Jahren kam sie vor fast 90 Jahren aus Waltersbrück im Kreis Fritzlar hierher, um sich ihr Brot zu verdienen. Hart und steinig war der Weg, wie sie ihren Angehörigen oft erzählte. Im Verein mit dem Gatten, der ihr um 39 Jahre im Tode vorausging, gründete sie hier in Rhina ein echtjüdisches Haus, in dem die Traditionen des Judentums streng gehalten wurden. Erwähnt sei ganz besonders, daß sie vor etwa zwei Jahren, als 100Jährige, nicht nur am Jomkippur den ganzen Tag fastete, sondern auch den ganzen Tag von früh 7 Uhr bis zum Sehofarblasen in der Synagoge war, und daß sie, da das Augenlicht längst erloschen, alle Gebete und Tehdllim auswendig sagte. Ihr in niges Bitochaun verließ sie bei den herben Schicksalsschlägen, von denen sie besonders in den letzten Jahren h&tm^esiieht wurde, nicht. Die große Verehrung und Liebe, die ihr zu Lebzeiten, besonders an ihren Geburtstagen, in den letzten Jahrzehnten entgegengebracht wurden, gestaltete sich bei ihrer K'wuroh zu einer imposanten Kundgebung. Im Trauerhause riefen der Mann einer Enkelin, Herr G. Neustädter, Bad Kissingen, und Herr Kantor Bacharach in Eschwege, ein Sohn der Verstorbenen, der Mutter und Großmutter Worte der Verehrung und des Dankes nach. Möge die Ver* stöfbene, diedrei Sohne, eine Töchter, 28 Enkel und 29 Urenkel hinterläßt, uns allen ein wi* i«»ab seih. N. Karlsruhe, 6, Aug. In ungeminderter Stärke wird in den religiösen Kreisen unserer Stadt der Verlust eines wahren treuen und lieben Jehudi beklagt: Aron Hanauer, in die Familie des Rabbi Jakow Ettlinger hineinreichend, ist von Frankfurt, wo er im Krankenhause Hilfe von einem schmerzhaften Leiden suchte, nicht lebend zurückgekehrt. Wie sein Vater war auch er ein gesuchter Mohel. Neben seiner Berufstätigkeit fand er stets Zeit, in der Chewroh Dowor tauw und in der Chewroh Kadischoh tätiges, eifriges Mitglied zu sein; nichts vermochte ihn zurückzuhalten, seinen Pflichten als Jehudi Genüge zu leisten. An seiner Gattin hatte er die gleichgesinnte Lebensgefährtin, in seinen Kindern die Freude und den Stolz seines Lebens gefunden. In der Israelitischen Religionsgesellschaft, in der Frühschul und in dem Ettlinger'schen Minjan wußte man, daß man beim Lernen und beim Beten auf ihn als einen der Pünktlichsten und Regelmäßigsten zählen konnte, dessen Andenken erhalten bleibt bei all denen, die ihn gekannt. rraxan Eschwege, 1. Aug. Am vergangenen Schabbos iam konnte unser allseitig verehrter Herr Rabbiner Dr. B a ß f r e u n d auf eine 25jährige Amtstätigkeit zurückblicken, wie er auch gleichzeitig am kommen1 den Schabbos die Feier seines 50. Geburtstages im Kreise seiner Familie begehen kann. Wenngleich auch Herr Dr. Baßfreund in aufrichtiger Bescheidenheit keinerlei Feierlichkeit im Kreise der Gemeinde gewünscht hat, drängt es uns doch, an dieser Stelle unsere Hochschätzung und unst^n aufrichtigen Dank für treue und hingebungsvolle Ämtsführung zum Ausdruck zu bringen. 13 Jahre seiner Tätigkeit hat er dem Kreise Eschwege gewidmet und ist zurzeit auch durch Verfügung der Regierung an Stelle des pensionierten Herrn Landrabbiner Dr. Walther in Kassel mit der Würde des Prövinzialrabbiner® für den Bezirk Kassel betraut worden, so daß ihm eine große Anzahl von Gemeinden unterstellt sind. Die zurückliegenden Amtsjahre des Herrn Dr. Baßfreund waren durch Krieg und Not wahrlich nicht immer in Sonnenschein getaucht und auch in Eschwege hat er bei Antritt seiner Amtstätigkeit schwierige Verhältnisse auf vielen Gebieten vorgefunden. Destomehr müssen wir es heute anerkennen, daß er es verstanden hat, die hiesige Gemeinde in religiösr Hinsicht zu führen und zu fördern und zu einem einheitlichen Organiss mus zu gestalten. Ganz speziell hat er auch der Jugend und den jüdischen Frauen unserer Gemeinde durch besondere Lehrkurse in unentwegtem Eifer jüdisches Wissen und jüdische Begeisterung vermittelt und auch durch seine inhaltsvollen und von tiefer Religiosität getragenen Reden unseren G'ttesdienst verschönert und gehoben. So möchten wir heute die Bitte aussprechen, daß es ihm mit G'ttes Fügung vergönnt sein möge, noch lange Jahrzehnte in steter Gesundheit im Kreise seines Amtsbezirks und ganz speziell in hiesiger Gemeinde im Sinne von Tauroh und Derech Erez tätig zu sein. Vermischtes. Berlin, 5. Aug. Herr Leo Hermann hat sein Restaurant, Berlin, Jägerstr. 18, mit sofortiger Wirkung verkauft. Das Restaurant steht nicht mehr uns ter Aufsicht des Rabbinatsi der Kaschruth=Kommission der Jüdischen Gemeinde. Altona, 6. Aug. Am Sonntag abend fand in de* Synagoge eine erhebende Gedenkstunde statt. Zuerst richtete Herr Dr. Julius Möller an die zahlreich Erschienen einen Appell, sich an dem gestörten und teilweise zerstörten Aufbau Palästina®, wenn auch nur mit dem kleinsten Beitrag zu beteiligen. Hier* auf gedachte Herr Rabbiner D u k e si z in ergreifender Weise der jüdischen Opfer in Palästina. Im Anschluß daran hielt er einen Vortrag über das Trauerlied „Arse L'wonaun" über die zehn Märtyrer. Sowohl in der weihevollen Stimmung des Versöhnungsfestes, als auch in der Trauer des 9. Aw ist es jedesmal die Erinnerung an die zehn Märtyrer, die unser Herz tief bewegt und uns das harte, grausame Geschick dieser Heiligen lebhaft vor Augen führt. 15 bedeutende jüdische Dichter haben sich dieses Stoffes bemächtigt, wie Zunz in seinem Werke „Synagogale Poesie" erwähnt. Der Redner versuchte nun, die Namen der zehn Märtyrer, die in den verschiedenen Berichten differieren, festzustellen, ferner die Zeit, in der sie gelebt, die Vergehen, deren sie angeklagt waren und ihre letzten Stunden zu schildern. Die Märtyrer wurden nicht etwa zu einer Zeit hingerichtet, sondern es liegt zwischen dem Tode der ersten zwei, des Fürsten Rabbi Simon ben Gäinliel und des Hohenpriesters Ismael Sohn Elisas und dem Tode de« Rabbi Akiba ein Zeitraum von 60 Jahren. Die zehn Männer werden deshalb in der Liturgie zusammen erwähnt, weil ein gemeinsames grausames Geschick diese Großen des Volkes ereilt hat. und werden diese deshalb auch als 'die „Getöteten Roms" und auch die „Hingerichteten in Lydia" bezeichnet. Der Redher ging dann an Hand des Textes auf dieeinzelnen Männer ein. Der Vortrag war belehrend und erbauend zugleich.