Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 32 Der Israelit 7. August 1936 Um die Untersuchungskommission und die Einwanderung. London, 6. August. Wiederum erklärte der Kolonienminister am 29. Juli im Unterhause, daß eine zeitweilige Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht beabsichtigt sei. Als Vorsitzenden der sechsgliedrigen königlichen Untersuchungskommission nannte er, wie schon gemeldet, Lord Peel. Aus Jerusalem wird inzwischen gemeldet, daß die Araber ihre Forderungen an die Königliche Kommission bereits vorbereiten. Die. arabischen städtischen Beamten faßten eine Denkschrift an die Regierung ab, in der sie kategorisch die Einstellung der jüdischen Einwanderung verlangen. Auf der anderen Seite überreichte die Exekutive devJewish A g e n c y der Regierung ein Memorandum, in dem sie die Beseitigung aller arabischen Beamten fordert, die mit jener Denkschrift ihre Unbotmäßigkeit gegen die Regierung gezeigt haben. Die englische Pr,esse kommentiert, zum Teile in längeren Artikeln, die Einsetzung der Untersuchungskommission. Ihrer manche geben immer noch der Befürchtung Ausdruck, daß ein Nach- Die Schilder „Deutsches Geschäft". Köln, SO. Juli. Der ,,Stadt-Anzeiger" in Köln schreibt in einem längeren Artikel über die Schilder „Deutsches Geschäft": „Deutsches Geschäft" hieß ein Plakat, das bis vor kurzem in den Schaufenstern vieler Geschäfte zu sehen war. Der Zweck, den der Herausgeber dieser Plakate, zur damaligen Zeit die NS-Hago, damit verfolgte, war klar und deutlich. Jeder deutsche Volksgenosse sollte vor dem Einkauf die Gewißheit haben, daß es sich bei dem Geschäft um ein arisches Unternehmen handelte. Heute ist ein solcher Hinweis nicht mehr notwendig. Die Aufklärungsarbeit der letzten Jahre hat genügt, jeden Volksgenossen zur Besinnung kommen zu lassen und sich seiner rassischen Verpflichtungen gegenüber seinem Volk wieder bewußt werden zu lassen. Der Hinweis „Deutsches Geschäft" hat seinen Zweck erfüllt. Die Entfernung dieses Plakates wurde deshalb angeordnet und ist auch zum größten Teil bereits durchgeführt." Dem Artikel ist noch zu entnehmen, daß die Deutsche Arbeitsfront nunmehr dazu übergegangen ist, allen Geschäften und Handwerkern, soweit sie Mitglied der DAF sind, kostenlos ein Plakat zur Verfügung zu stellen, das auf die Mitgliedschaft der DAF hinweist. geben in Sachen der Einwanderung nach den ausweichenden Antworten des Kolonienministers im Bereiche der Möglichkeit sei. „Manchester Guardian" warnt eindringlich vor einer solchen Konzession, die die Araber zu neuen Untaten ermutigen könnte. Andererseits zeigt sich die arabische Presse sehr enttäuscht von der Erklärung Ormsby Gores. Die arabische Delegation wurde vom Großmufti angewiesen, nicht eher London zu verlassen, .als bis die Kommission nach Palästina abgereist sei. * * Unter dem 7. August wird der ITA. aus Jerusalem gemeldet: Das amtliche Dementi der Gerüchte, die jüdische Einwanderung nach Palästina sei eingestellt worden, hat zu verstärkten arabischen Exzessen geführt. Aus dem Jaffaer Manschie-Viertel, das an der Grenze von Tel Awiw liegt, versuchten Araber nach Tel Awiw einzudringen. Sie gaben Schüsse ab und warfen zwei Bomben. Die die Stadtgrenze bewachenden Truppen gaben einige Wamungssalven ab. Verletzt wurde niemand. Ariernachweise. Breslau, 5. August. Nach Meldung der „Breslauer Neuesten/ Nachrichten" fand vor dem Bezirksgericht in Kattowitz eine Straf Verhandlung gegen frühere Beamte des Magistrats Kattowitz statt. Die Angeklagten halben) für einen in Deutschland wohnhaften Juden Ariernachweise gefälscht. Ein Ari- (Die letzten telef. Berichte.) Marienbad, 6. August, 21 Uhr. Die Kenessio wurde soeben feierlich geschlossen. Die Kommissionen werden am Freitag vormittag noch weiter arbeiten. Heute abend findet eine groß e ö f f entliche Versammlung statt, in der die hier anwesenden Führer sprechen werden. Von den nach langer lebhafter Debatte und ernsten Beratungen in den Kommissionen angenommenen Beschlüssen seien folgende erwähnt: Der Antrag Breuer wird, in Berücksichtigung eines Antrages von Rabbiner Rottenberg, Antwerpen, dahin geändert, daß, ohne formales Abkommen, ein Arbeitsvermitt- 1 u n g s b ü r ö in Palästina geschaffen wird, das, von Poale Agudas Jisroel und Poel Hamisrachi zusammengesetzt, die Ar b eis tve r g eb u n g regelt. Die Zusammenarbeit kann nur im Eingeklagter wurde zu drei Jahren Gefängnis und zehn Jahren Ehrverlust, ein zweiter zu VA Jahr ren Gefängnis und zehn Jahren Ehrverlust und ein Ehepaar zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen. Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" hatte ein Standesbeamter in Fällen, in denen ein Ehemann dem vorehelichen Kind seiner Ehefrau seinen eigenen Familiennamen erteilen wollte (Benennung), die Beurkundung dieser Erklärung bis zum Nachweis der arischen Abstammung sowohl des Kindes wie des Stiefvaters verweigert. In einem Erlasse des Reichsinnenministers wird jetzt darauf hingewiesen, daß diese Weigerung des Standesbeamten keine Rechtsgrundlage habe. Internationale Arbeitskonferenz fordert endgültige Lösung des Problems der aus Deutschland Ausgewanderten. Genf, 31. Juli. Die 20. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz hat dem Generalsekretär des Völkerbundes zur Weiterleitung an den Völkerbundsrat und die Mitgliedsstaaten d'3S Völkerbundes eine Entschließung überreicht, in der an das Internationale Arbeitsamt die Aufforderung gerichtet wird, im Hinblick darauf, daß seit über drei Jahren tausende Juden Deutschland verlassen haben, und dadurch in den Zufluchtsländern, besonders in den Nachbarländern Deutschlands, wo eine ernste Wirtschaftsdepression herrscht, die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft wurde, die Situation mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen; es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Völkerbundsversammlung bei ihrer Tagung i. J. 1936 alle erforderlichen Schritte unternehmen werde, um eine endgültige zufriedenstellende Lösung der durch diese Situation entstandenen Probleme herbeizuführen'. Gesteigerte Arbeitsmöglichkeit im Hafen von Tel Awiw. Jerusalem, 29. Juli. Die Regierung hat der Exekutive der Jewish Agency mitgeteilt, daß die Tel Awiwer Auf- und Ausladestelle zu denjenigen Häfen gezählt wird, über die Zitrusfrüchte ausgeführt werden dürfen. Bis jetzt ging der Zitrusexport nur über Haifa und Jaffa. vernehmen mit den zentralen und örtlichen rabbinischen Instanzen vor sich gehen. Es wird ferner beschlossen, daß die K e - nessio Gedaulo ini Jahre 5 6 97 in Jerusalem einberufen wird. Sollten sich Schwierigkeiten bezüglich Jerusalems ergeben, so sei die Kenessio Gedauto im Ellul 5697 in einer anderen noch zu bestimmenden europäischen Stadt einzuberufen. Bis dahin soll die Propaganda für die Sela- Aktion in verstärktem Maße geführt werden. I Am Freitag vormittag wird der Präsident der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosen'- heim, vom Präsidenten der Tschechoslovakj sehen Republik, Bett e s c h , in Prag in Aud i enz empfangen.. Juden als Opfer der spanischen Revolution, Der jüdischen Gemeinde in T e t u a n in Spanisch-Marokko wurde eine Kontribution von 60 000 Dollar auferlegt und zur Sicherstellung der Zahlung das Eigentum der reichsten Juden beschlagnahmt. Auch sonst haben die Juden dort viel auszustehen, da antisemitische Elemente die Wirren benutzen, um mit Aufrufen gegen die Juden zu hetzen. In den Konzentrationslagern befinden sich viele Juden. Mit deutschen Flüchtlingen aus Spanien heimgekehrte fünf Juden schildern Vertretern von Zeitungen ihre Erlebnisse in Spanien und auf der Flucht nach der deutschen Heimat. Sie wurden vom deutschen Panzerkreuzer „Deutschland" mit aller Herzlichkeit aufgenommen und auf einen deutschen Frachtdampfer umgeschifft, der sie über Biarritz und Paris nach Deutschland brachte. Nach völliger Vernichtung ihrer mühsam erworbenen Existenz in San Sebastian stehen die jüdischen Flüchtlinge nun wieder vor dem Nichts. Die Umwälzung in Griechenland und die Juden, Saloniki, 5. August. Die Einsetzung einer autoritären Regierung in Griechenland, die Auflösung des Parlaments und die Verkündung des Kriegsrechts berührt nach der Ueberzeugunig der maßgebenden jüdischen Kreise in keiner Weise die Stellung der griechischen Juden als gleichberechtigte Bürger. Die Kenessio Mechino geschlossen.