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Der Israelit · 1936-08-07 · Heft 32 (7.8.1936) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 32 (7.8.1936)
Date
1936-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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^MPjpä^p^^^^^^a^^w^^^^1®?^^?^^^^^^ 7. August 1936 Der Israelit Nr. 32 Seite 3 Die I^enessio Mechino in Marienbad. (Fortsetzung von Seite 1.) off entlichte) Schreiben von Oberrabbiner Duschinski an den High Commissioner in Sachen dest Sabbaturlaubes bei der palästinensischen Pc-st. Obwohl ■ der ausführliche, etwa 40 Seiten umfassende .Bericht den Delegierten vorlag, erhielt man do'orl aus dem lebendigen Worte Jacob Rosenheims ein klares Bild über die Lage, die Arbeit der Exekutive und die Aufgaben der Kejiessio Mechino. Es erhielt dann Herr Rabbiner Wolf S. Jacobson, Kopenhagen, das Wort zu seinem Berichte über die B e t <h Jakob-Arbeit. Auch dieser Bericht soll an anderer Stelle im Auszuge gebracht werden. Was Jacobson zu den trockenen Zahlen und Daten des Berichtes zu sagen hatte, -wirkte zuweilen erschütternd, zuweilen auch ermutigend, aber immer als Mahnung zur Rettung - der in den Schulen und Thoralehrstätten gehüteten Seele des Agudismus und des Judentums, die nachhaltig bei uns nachwirken und, wie wir hoffen, zu greifbaren Taten führen wird. Er beschwört zum Schluß den Geist Leo Deutschlands V'XT und Frau Sarah Sohenirers n"tf herauf» um für ihr Erbe zu werben. ' , Es /berichtet dann Meier S c h w a r 2 m a n rj, Warschau, über die Tätigkeit der Z e i i r e Agudas Jisroel in den Ostländern und in Oesterreich. Agudais Jisroel ist die einzige Partei, die die Ju gend hat. In Polen befinden sich 440 agudistische ■Jugendgruppen, neben vielen anderen, die, aus der Aguda geboren, Agudaarbeit leisten. Es wird eine lebhafte vielfache Arbeit entfaltet, für die sehr erfreuliche Zahlen sprechen. In Oesterreich zählt man 1200 aktive Mitglieder der Agudajugendörgani- •sation, 'die eine große Aktivität entwickeln und auch (entscheidend auf die Gemeindepolitik der Orthodoxie einwirkt. Ferienheime wurden dort für 600 Kinder errichtet. In L i t a u e n , dein Lande der Jeschiwoth, erwacht neues Leben. Ueber hundert Gruppen besitzt dort die Jugendorganisation, auch ein eigenes Organ und sechs. Haehscharahpunkte. In der Tische* choslo vak ei arbeitet die Jugendorganisation mit gutem Erfolge auf dem Gebiete des Chinuch. Zu den 70 Jügendgruppen kommen noch etwa 60 „Pirche Agudas Jisroel", die die Jüngsten erfassen. In Rumänien gibt es kaum eine Aguda, aber eine relativ starke Aguda-Jugendorganisation und Hachscharpth. In 40 Gruppen sind dort 1200 Mitglieder organiisert. Der K e >r e n H a j i © c h u w hat beson5 ders in der Bukowina gute Erfolge aufzuweisen. Die Zeiirim hätten Grund zu vielfachen Klagen. Sie WOlleil mehr an der Arbeit beteiligt sein, aber juieht etwa anstelle der Alten treten, sondern mit ihnen und unter ihrer Leitung arbeiten. Auch mehr Rücksicht auf die Wünsche und Interessen der Jugend von Seiten der zentralen Stellen wünscht der Redner. Herr Dr. Kahane, Fulda, ergänzt den Bericht Schwarzmanns mit sachlichen Angaben über die Arbeit der Jugendorganisationen im Westen und unterstreicht ebenfalls! gleich zu Anfang den Wunsch der Jugend, i n "h ö h e r e m M a ß e an die Arbeit /herangezogen zu werden.. In Deutsch' 1 a n d stehen die Zeiirim in engem;K,onmex mit. der Landesorganisation und dem Rabbinischen Rate, so daß ihre Wünsche gewiß keinen revolutionären Charakter haben können. In Holland wird vorab für die Zwecke des Limmud gearbeitet, und man dankt den holländischen Freunden die Schaffung von Aus- . bildungsmöglichkeiten für die deutschen Chawerim,!, wie sie insbesondere in E ns.c h e die; gegeben ist. Ein Ö e k o n omisches Büro ist in Bildung bes .griffen. In Belgien herrscht mehr, die soziale Arbeit vor, wobei aber auch das Geistige nicht vernachlässigt wird, was di& Jeschiwa in Heide beweist. In Deutschland ist durch die „Esra Pirche Agudas Jisroel" eine gute Einigüngsbasis zwischen Esra-; und Agudajugend geschaffen worden, die in ihrenHZielen und ihrer Taktik eine Zeitlang ausein* andenjistrebten.;.Der Noar Agudati, dessen Wesen ujnjd Wirkeii der Berichterstatter kurz charakterisiertjjmußte sich durch das Fehlen der älteren Jahr» gängkjjauf jüngere Chawerim umstellen, Die drei B o tjhSe C h d n'ü c h, die an Hand der Frankfurter Jeschriva arbeiten, sind die schönsten Denkmäler für die auf Thora und Arbeit gerichteten Bestrebungen des Noar Agudati. Die orthodoxen Kibb.uzim in Palästina wurden erst durch diese: Institutionen und die Hachfeisharbth «des Noar Agudati ermöglicht. Noch einm^/ erbittet; der Redner im Namen' der Jugend mehr Berücksichtigung von Seiten der zentralen In stanzen. Es müsse eine Möglichkeit geschaffen wer den, orthodoxe Söhne auf die Jeschiwoth des Ostens zu schicken. Bei /der von den nicht immer rosigen Anga ben in den Berichten und vorangehenden Vor trägen geschaffenen Stimmung wirkten doch die Worte der Jugendvertreter stark aufmunternd Hier ist Arbeit, und hier ist auch Hoffnung und Arbeitsfreude trotz allem und allem! '€ Die Abendsiteung von Dienstag. M a r i e n ib a d , 5. August Man hatte sich nur kurze Ruhe gegönnt. Und schon in früher Abendstunde, während die tausend bunten Lichter die Kurgäste zu neuen Freu den und Vergnügungen riefen, fanden sich die Vertreter der Aguda wieder im Verhandlungs saal zu ernster, liarter, sorgenvoller Arbeit zusammen. Wer den Dienstag abend miterlebt und das Referat Dr. Isaac Breuers, ein Meisterwerk strenger nackter Sachlichkeit, miterlebt hat, wird diesen Abend nicht vergessen. Manch einer, von denen, die lange nach Mitternacht zu Bette gingen, konnte und wollte diese Nacht keinen Schlaf finden, war aufgeweckt und aufgewühlt und gezwungen, in stiller Stunde sich Rechenschaft abzulegen: „Was habe ich für Aguda, was für Erez Jisroel, was für das jüdische Volk getan? Was kann und muß ich noch tun, um die Wirklichkeit so zu gestalten, daß sie nicht hoffnungslos ins Nichts führt, sondern Uebergang zu einer heilsamen Zukunft wird?" Zunächst ergreift Herr Dr. S. B h r an a n n das Wort zu seinem an anderer Stelle auszugsweise wiedergegeibenen Berichte über die Arbeiten des Keren Hajischuw. Redner spricht, wie immer, aus einer Sachkenntnis und einer inneren Verbundenheit mit der Materie heraus, daß sich Zug um Zug das Gesamtbild vor unseren Augen aufrollt. Es sind nicht lauter frohe Botschaften, die er über die Lage, die. Opferbereitschaft und die Erfolge, im Vergleiche zu den ungeheuren Aufgaben des Keren Hajisohuw, zu künden hat, aber er versteht es, wie immer, mit Geist und Witz auch über die schwierigsten Situationen milde Strahlen zu leiten, so daß man oft unter Tränen lacht. Es werden dann noch Kommissionen gewählt, und zwar eine Politische Kommission, Keren Hathora-Kommission, Erez Jisroel-Kommission und eine Kommission für Auswanderungsfragen und Fragen der sozialen Arbeit. Die Landsmannschaften und Sonderverbände sind in diesen Kommissionen paritätisch vertreten. Aus dem Vortrag von Dr. Isaac Breuer. Mit rauschendem Jubel empfangen, tritt gegen 10 Uhr abends Isaac Breuer ans Rednerpult. Er spricht langsam, abgewogen und eindringlich, unter Verzicht auf .alle oratorischen Künste. Er will hur ein Bild der Wirklichk eit; geben, die Dinge nennen, wie sie sind. Es herrscht Todesstille im Saale, denn man möchte kein einziges Wort aus diesem Mosaik der gemeißelten Sätze überhören. Nicht alles aus diesem Vortrage ist für die breite Oeffentlichkeit bestimmt. Was darüber zu berichten ist, sei in folgenden Worten kurz zusammengefaßt: Ideologie und Wirklichkeit /gehören zusammen, eine ohne die andere sei -wertlos. In Erez Jisroel fehle aber der Ideologie die ihr entsprechende Wirk» lichkeit. Breuer «schildert die eigenartige . Struktur der Agudas Jisroel in Palästina, deren Bestand die Kibbuzim und Schulen bilden und die ein bedeutsames Instrument in den Poale Agudas Jisroel besitze. Die-Kdbbuzim befinden sich in Not.- und noch mehr die* «Menseben, die in Jivrmnn. in Einsamkeit auf exponiertem Posten ihre Pflicht tun. Tue die Golah ihre. Pflicht nicht, dann sei die Poale Agudas Jisroel-Organisation und damit die Aguda in Palästina gefährdet.! Die,Organisierung eines U eb e rb r ü c k u n g s k r e d i t s zur Rettung der orthodoxen Kib'buzim,; der Jeschiwoth und Talmud Thora-Schulen sei, unabweislich nötig, iädenn Keren Hajischuw allein könne unmöglich alle Aufgaben lösen, die ihm zu= I geschoben werden. " Im Lande herrsche die Histadruth unbeschränkt, und es drohe schwerste Gefahr für den neuen orthodoxen Jischuw, wenn es nicht gelinge, ihr das Monopol zu entreißen. Etwas wie ein thoratreues Milieu, wie in den orthodoxen Städten Europas gebe es in Erez Jisroel nicht, darum müsse etwas Anderes zum Zusammenhalten der Kräfte geschaffen werden. Redner kommt nun auf das ges plante und von einem Teile der Presse ganz falsch gedeutete Abkommen zwischen Poale Agudas Jisroel und Poel Hamisrachi zu sprechen, das sich in Wahrheit einzig und allein auf die paritätische Arbeits Vergebung erstrecken soll und unter Bedingungen gedacht sei, die die Struktur, die Autonomie und die Ideologie der orthodoxen Arbeiterorganisation nicht im geringsten berühren. Selbstverständlich könne auch diese lose Verbindung nur mit Genehmigung des Zentralrates und des Rabbinischen Rates Zustandekommen, darum seien alle Berichte in der östlichen Presse, die das Abkommen als Tatsache dahinstellen, irreführend. Bei dem gedachten Abkommen würde eine Phalanx von 6000 orthodoxen Arbeitern der Histadruth entgegenstehen, und möglicherweise sei hier den Poale Agudas Jisroel von der Vorsehung eine Gelegenheit gegeben, noch mehr und vielleicht auch etwas Großes zu leisten. Erez Jisroel assimiliere seine Bewohner. Wer hier nicht an jüdischer Kraft gewinnt, nimmt ab, darum müsse die orthodoxe Arbeiterorganisation stark sein und ihren WIK' ablegen. Auf einen Zwischenruf betont Redner, daß dieser Plan nicht im Gegensatze zu Paragraph 4 stehe. Man müsse die Golah darüber aufklären und sie zwingen, die Frage vom Standpunkte Erez Israels zu betrachten. Wenn einmal die führenden Rabbinen gesprochen haben werden, sei von allen absiolute Disziplin zu verlangen. Noch fehle in Erez Jisroel die eigentliche Religiöse Bewegung, die von der geschäftigen Politik nicht immer ersetzt werden könne. Mit der Schilderung des erst vor kurzem erlebten T i s c h o b 'a w der Gegenwart in Jerusalem hatte der Referent begonnen, und das Referat klang nun in der Hoffnung aus, die auch aus den Klageliedern aufleuchtet. Sie wird sich erfüllen, wenn wir nicht allein durch unsere Tränen, sondern auch durch unsere Taten das g ' 11 liehe Er fb armen erwecken. Die Generaldebatte. Erst Mittwoch vormittag, in der vierten Plenarsitzung, konnte die Generaldebatte vor sich gehen, die hier, aus Zeit- und Platzmangel, zum Teile nur kurz skizziert sei. Dozent E h r e n t r e u, Frankfurt a. M., sagt, mit der Entrichtung des Beitrages sei es nicht getan, es müssen Menschen geworben werden. Die Landesorganisation müsse zu den bestehenden Fonds noch einen neuen Fond unter einem passenden Titel schaffen. Ratzers dorff, Antwerpen, bringt einige Ergänzungen zum Berichte der Jugendorganisation über Belgien. Oberrabbiner Rothenberg, Antwerpen, spricht sich, bei aller Verehrung für Dr. Breuer, gegen das von ihm geplante Abkommen mit Poel Hamisrachi aus. Der Sadagorer Rebbe meint, die Sache müsse iganz ernstlich geprüft werden. Er schlägt auch die Gründung einer Zentrale für apologetische Aufklärung vor. Zu einer großangelegten Rede wächst sich die Aeußerung von I. M. L e w i n, Warschau, aus. Er meint zur Frage des oaon. man sei es der Lage, die er in den schwärzesten Farben schildert, und auch der Person des Initiators schuldig, daß man seinem Vorschlag nicht einfach ein kaltes Nein entgegenrufe. Aber mit der ihm eigenen s>charfen Logik und sachlichen Klarheit sucht er alles zusammenzutragen, was seiner Meinung nach dagegen spreche. Er wünscht ferner, daß die Kenessio eine offizielle Er5; klärung gegen den sio genannten Jüdischen Kon g r e ß abgebe. In Anbetracht der Tatsache, daß die Prinzipien der Aguda heute wie in keiner anderen Zeit in der Welt anerkannt werden, sei. zu konstatieren, daß noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Das möge jetzt geschehen. Mit großem Beifall werden auch die nachhaltigen Worte von Harry Goodman, London, aufgenommen. Ah? der politische Sachberater der Exekutive weiß er die Lage in kurzen markanten Worten plas* tisch zu schildern. Es sei kein Zweifel, daß nach den beendeten Arbeiten der Königlichen Untersuchungskommission das Nationalheim in irgend einer Richtung eine Aenderung erfahre, darum schlage er jetzt schon vor, daß Vertreter der Aguda die Kommission begleiten, um ihr das wahre G e si i c h t des jüdischen Volkes zu zeigen. Die Arbeit der Aguda könne nicht ausschließlich palästinozentrisch sein, da auch in der Golah Aufgaben genug zu lösen sind. Der Sitz der Exekutive müsse Jerusalem sein. Er erwähnt auch die orthodoxe Presse und wirbt, wie es auch

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